Projekt Sanierung Neues Kurhaus, Nutzungskonzept
FB 01/0080/WP17 · Entscheidungsvorlage
Beratung
Herr Oberbürgermeister Philipp begrüßt als Gäste die Vertreter des mit der Erstellung des Nutzungskonzeptes beauftragten Unternehmens EXPLORADO, Frau Ziegler und Herrn Mock-O’Hara.
Herr Mock-O’Hara erläutert sodann anhand einer Präsentation das nun priorisierte Nutzungskonzept.
Prämissen für die Erstellung des Nutzungskonzeptes seien gewesen, ein wirtschaftlich tragfähiges Konzept zu erstellen, eine Mieteinnahme von 300.000 € / Jahr für die Stadt zu generieren und eine Nutzung zu ermöglichen, die im Haus Synergien erzeugt und möglichst auch eine Nutzung auf den Tagesbetrieb erweitert.
Anhand verschiedener historischer Fotoaufnahmen aus dem ursprünglichen Gebäude plädiert er dafür, weitgehend den „Originalzustand“ wiederherzustellen.
Anschließend stellt er das Flächenszenario im Detail vor.
Als möglichen Partner für die Gastronomie im Haus benennt er das niederländische Unternehmen Maison van den Boer, das über große internationale Erfahrung verfügt.
Im Hauptbereich solle eine Wiener-Kaffeehaus-Atmosphäre entstehen.Im hinteren Bereich sei aber auch Fine-Dining geplant. Eine kleinere Bühne für Veranstaltungen und in der Mitte eine große Mobile Theke seien vorgesehen. Bei Veranstaltungen habe der große Saal eine Kapazität für bis zu 600 Personen. Weitere 145 Gäste könnten auf der Galerie Platz finden.
Als Arbeitstitel für das Entertainment-Konzept sei der Begriff „Popular Arts and Music in Action“ konzipiert worden. Das Lebenswerk populärer Maler soll in einer Erlebnis-Galerie präsentiert werden.
Im ersten Jahr sei als „Start-Highlight“ die Präsentation von Werken Michelangelos vorgesehen. Danach werde das Programm jedes Jahr wechseln.
Anschließend trägt Herr Dunkel von Westspiel vor, dass das präsentierte Entertainment-Konzept im Sinne von Synergien gut zum Casino-Teil passe. Die Möglichkeit einer alternativen Nutzung der Räume werde sehr begrüßt. Insgesamt stelle dies ein sehr gutes Konzept dar.
Frau Dr. Schmeer, CDU, führt aus, dass das Gastronomie-Konzept sehr überzeugend sei. Es sei aber sehr zu bedauern, dass der Plan für den Anbau eines Konzertsaales nicht weiter verfolgt werde. Sie sei auch in Sorge, ob die geplante Thematik des Entertainments wirklich ideal sei. Die Pläne gingen ein bisschen in Richtung einer Disney-World. In anderen Städten würden auch Wissenschafts-Themen präsentiert. Fraglich sei, warum dies nicht auch in Aachen möglich sei.
Herr Mock-O’Hara entgegnet, dass einige Science-Center bereits in anderen Städten betrieben würden und daher eine Konkurrenz darstellen. Das jetzt vorgesehene Konzept sei aber völlig neu und existiere so noch nirgendwo. Science-Center könnten regelmäßig nur 50 – 60 % der Betriebskosten decken. Die für das Neue Kurhaus gestellte wirtschaftliche Vorgabe sei unter solchen Rahmenbedingungen nicht haltbar. Er verweist ferner darauf, dass die Präsentationen von Reproduktionen durchaus erfolgreich sein könnten, wie z. B. bei der stark frequentierten Tutanchamun-Ausstellung.
Herr Deumens, DIE LINKE, betont, dass es sehr wichtig sei, dass das Gebäude in städtischem Besitz bleibt. Das vorgestellte Konzept sei hinsichtlich seiner Erfolgsaussichten schwer zu beurteilen, da es noch nirgendwo anders umgesetzt worden ist. Die geplanten Eintrittspreise klingen zwar niedrig, allerdings dauere der Besucherrundgang auch nur 70 – 80 Minuten. Im Arbeitstitel des Konzepts werde auch von Musik gesprochen. Er möchte wissen, welche Rolle für die Musik vorgesehen sei.
Herr Mock-O’Hara antwortet, dass die geplante Black-Box in den Abendstunden hauptsächlich für Musikveranstaltungen genutzt werden solle.
Herr Servos, SPD, begrüßt den Entwurf, der sich sehr gut in das Haus einfüge. Zur Diskussion über die Präsentation von Reproduktionen merkt er an, dass ein echtes Kunst-Museum immer ein Zuschuss-Geschäft sein werde. Das jetzt geplante Konzept stelle ein niederschwelliges Angebot für breite Bevölkerungsschichten dar. Schließlich verweist Herr Servos auf einen als Tischvorlage verteilten gemeinsamen Antrag auf Beschlusserweiterung der Fraktionen von SPD, CDU und GRÜNEN.
Herr Baal, CDU, führt aus, dass in seiner Fraktion breite Zustimmung zu dem vorgestellten Konzept vorhanden sei. Man habe eine Beschlusserweiterung angeregt, da u.a. die Idee aufgekommen sei, den Raum des ehemaligen Automaten-Casinos unter der Terrasse in die Planungen einzubeziehen.
Er regt an, die für diese Maßnahme bisher dem Personal- und Verwaltungsausschuss zugeordneten Haushaltsmittel zukünftig dem Hauptausschuss zuzuordnen.
Frau Scheidt, GRÜNE, äußert, dass das Projekt im fiskalischen Sinne eine gute Lösung darstelle. Sie fragt nach, mit wie vielen Besuchern gerechnet werde. Das Konzept stelle allerdings ein riesiges Experiment dar und betont, dass es sich um Entertainment handele und nicht um Kunst.
Herr Mock-O’Hara antwortet, dass man mit 90.000 – 100.000 Besuchern pro Jahr rechne.
Herr Linden, SPD, äußert, dass man froh sei, jetzt eine Perspektive für dieses Projekt zu haben. Das Programm sei es wert, ausprobiert zu werden.
Frau Griepentrog führ für die GRÜNE-Fraktion aus, dass man eine Idee, die alle Mieter aufgreift und Synergieeffekte bewirkt, bisher noch ich gehabt habe. Durch das geplant Konzept werde Publikum angezogen.
Sodann lässt der Herr Oberbürgermeister über den von den Fraktionen von CDU, SPD und GRÜNEN vorgelegten geänderten Beschlussentwurf abstimmen.
Beschluss
Beschlussvorschlag
Beschlussvorschlag:
Die Verwaltung wird beauftragt, die Planungsleistungen zur Sanierung des Objektes „Neues Kurhaus“ auf der Grundlage der priorisierten Nutzungsvariante zu vergeben. Während der Ausschreibungs- und Planungszeit sind die Mietvertragsverhandlungen zu führen und abzuschließen, so dass danach ein Ausführungsbeschluss im Rat erfolgen kann.
Erläuterungen
Erläuterungen:
Für das Objekt „Neues Kurhaus“ wurde 2014 eine Sanierung geprüft, die auf eine Nutzung in der Kombination „Westspiel Casino“ (linker Gebäudeteil), Varieté (Großer Saal) und Gastronomie (rechter Gebäudeteil, einschl. Neubau Lennè-Pavillon) ausgerichtet sein sollte. Während sich die Detailvereinbarungen mit Westspiel für einen Mietvertrag konkretisieren ließen, scheiterten die Gespräche mit dem Interessenten GOP für den Bereich Gastronomie und Varieté.
Im Frühjahr 2015 hat Westspiel in Absprache mit der Stadt Aachen das Unternehmen EXPLORADO beauftragt, ein Nutzungskonzept zu erarbeiten, das den Einstieg in Mietvertragsverhandlungen mit neuen Partnern ermöglichen sollte. Ziel war zum einen eine Nutzung, die eine hohe Besucherfrequenz im Haus ermöglichst, um Synergien zu erzeugen, und zum anderen eine Miete von 300.000 € / Jahr (über die Miete von Westspiel hinaus) für die Stadt Aachen zu generieren. Ein Subventionsbedarf über die Sanierungskosten hinaus sollte ausgeschlossen werden.
Das Nutzungskonzept von EXPLORADO liegt nun vor. Die Analyse des Gebäudes ergab, dass der große Saal für eine Konzert- und Varieténutzung zu klein, aber für eine gastronomische Nutzung sehr attraktiv ist. Es wurden daraufhin drei Varianten näher geprüft:
1.Konzertsaal als Neubau anstelle des Lenné-Pavillons
Ein Multifunktionssaal mit Konzerttauglichkeit hätte zwar erhebliche Vorteile zur Entlastung des Eurogress und zur Optimierung des Konzertangebotes, müsste dazu aber eine Größe von 1000 Besuchern aufweisen und würde damit den Rahmen der denkbaren Investitionskosten sprengen und vor allem eine dauerhaften Subventionierung erfordern in der Größenordnung von ca. 4 Mio € / Jahr. Auch wenn erwartbare Gegeneffekte auf der Seite des Eurogress dabei nicht berücksichtigt sind, scheidet diese Variante aus, da Subventionsfreiheit nicht erreicht werden kann und die Synergieeffekte mit dem Casino zu gering sind.
2.Varieté-Saal als Neubau anstelle des Lenné-Pavillons
Diese Variante ist vergleichbar mit dem ursprünglichen Konzept GOP, nur mit einer vertauschten Raumverteilung, d.h. Gastronomie in der Mitte im großen Saal und Varieté rechts. Nach Einschätzung von EXPLORADO ist dies möglich, erfordert aber einen erhöhten Investitionsbedarf zum Bau eines optimal nutzbaren Saales und eine – wenn auch geringe – Subvention. Unter diesen Bedingungen gäbe es mehrere Veranstalter, die für eine Vertragsverhandlung in Betracht kommen.
3.Schwerpunkt Gastronomie, ergänzt durch Event-Ausstellungen (priorisierte Variante)
Kern dieser Variante, die seitens EXPLORADO und Westspiel favorisiert wird, ist ein Rückbau des Objektes in den „Originalzustand“, d.h. insbesondere Wiederherstellung der früheren Optik im großen Saal mit Kassettendecke und Galerie sowie Abriss des Lenné-Pavillons zur Herrichtung einer attraktiven Terrasse. Die Investitionskosten bleiben damit innerhalb des bisher gesteckten Rahmens, vorbehaltlich einer genaueren Prüfung unter 20 Mio. €.
Die Küche verbleibt am bisherigen Ort und kann von dort aus den großen Saal einschl. Galerie und die Terrasse bedienen. Das Gastronomiekonzept ist sehr flexibel, lässt auch Festabende mit Programm zu und verspricht eine gute Ergänzung zum Eurogress für Kongressgesellschaften zu werden. Ein großes niederländisches Gastronomieunternehmen ist eingebunden, Vertragsverhandlungen könnten sofort beginnen.
Der verbleibende rechte Gebäudeteil kann an EXPLORADO vermietet werden, die dort Ausstellungskonzepte realisieren möchten. Mit jährlich wechselnden Themen sollen überwiegend erwachsene Besucher angesprochen werden. Dieser Teil kann sich als „interaktives Eventmuseum“ etablieren, bei dem es nicht um den kulturellen Anspruch, sondern um die Vermittlung von Geschichten über weltbekannte Künstler und ihr Werk geht. Teilbereiche der Ausstellungsräume könnten zugleich auch in besondere Abendevents eingebunden werden.
Mit EXPLORADO ist vereinbart, bei der Konkretisierung des Raumbedarfs zu prüfen, ob der Raum unter der Terrasse (ehem. Automatencasino) für eine zusätzliche Nutzung durch Musik- und Partyveranstaltungen als Club genutzt werden kann.
Technische Details
ID: 72002
OParl URL:http://ratsinfo.aachen.de/public/oparl/agendaItems?id=72002
Hauptdokument
Sammeldokument öffentlich
2015-10-29 FB 01_0080_WP17 Projekt Sanierung Ne SAO.pdf
22.11.2024
78.7 KB
Metadaten
- TOP
- Ö 3
- Sitzung
- öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Hauptausschusses
- Gremium
- Hauptausschuss
- Datum
- Mi., 18.11.2015
- Uhrzeit
- 17:00
- Anlass
- Öffentliche/Nichtöffentliche Sitzung
- Vorlage
- Entscheidungsvorlage
- Beratung
- öffentlich
- Status
- gemischt
- Vorlageart
- Entscheidungsvorlage
- Federführend
- FB 01 - Fachbereich Verwaltungsleitung, Grundsatz und Dialog
- Geändert
- 23.2.2026
- Inhalt abgerufen
- 23. Februar 2026 um 10:33