Förderprojekt "3% - Energieeffizienter Sanierungsfahrplan 2050 für Kommunale Quartiere"
Dez III/0009/WP17 · Kenntnisnahme
Beratung
Herr Bezirksbürgermeister Tillmanns begrüßt Frau Lynar von der Fa. B. & S.U., Frau Dr. Vankann von der Stabsstelle Klimaschutz und Herrn Stephan von altbau plus.
Frau Lynar verweist auf die Vorlage und erläutert anhand einer Power-Point-Präsentation das Projekt.
Das Projekt 3 % werde im Rahmen des 6. Energieforschungsprogramm „Forschung für eine umweltschonende, zuverlässige und bezahlbare Energieversorgung“ gefördert und solle zur Umsetzung des Energiekonzeptes der Bundesregierung und der Erreichung der energiepolitischen Ziele bis 2050 beitragen. Ziel sei es, die jährliche Sanierungsrate auf 2 % anzuheben. In den Richtlinien der Europäischen Union sei eine Sanierungsrate von 3 % pro Jahr vorgesehen worden, wobei die tatsächliche Sanierungsrate in Deutschland bei 0,8 % pro Jahr liege. Um die angestrebte Rate zu erreichen, würden im 3 % Projekt Strategien für die kommunale Quartiersebene entwickelt. Das Projekt ziele darauf ab, in den kommunalen Quartieren Sanierungspotenziale zu erschließen und die Rate der energetischen Sanierungen im Gebäudebestand zu erhöhen. Das Verbundvorhaben werde von 2015 bis 2018 von dem DV Deutschen Verband für Wohnungswesen und der B. & S.U. Beratungs- und Service-Gesellschaft Umwelt mbH umgesetzt. Im Rahmen des Projektes würden zunächst die Energieeffiziensrahmenbedingungen kommunaler Quartiere analysiert, sowie rechtliche, finanzielle, steuerliche und soziale Hemmnisse identifiziert, die bisher die energetische Sanierung behindern. Auf dieser Basis würden gemeinsam mit den drei beteiligten Modellkommunen Aachen, Ludwigsburg und Mühltal Lösungsvorschläge erarbeitet, wie Städte und Gemeinden die Sanierungsziele dennoch erreichen können. Dabei würde neben der Auswertung vorhandener Datenbestände unter anderem auf Interviews und runde Tische mit verschiedenen Akteuren zurückgegriffen. Die B. & S.U. habe bereits eine Vielzahl von Projekten mit den Schwerpunkten Energieeffizienz, erneuerbare Energien, Umweltschutz, kommunaler Klimaschutz etc. auf den Weg gebracht. Im Rahmen des 3 % Projektes sei die Firma verantwortlich für das Teilprojekt „Instrument“ und werde einen Leitfaden und ein Handbuch für energetische Sanierungsfahrpläne entwickeln.
Bei der Auswahl des Quartiers sei zu berücksichtigen, dass durch die Arbeit von altbau plus in Aachen-Nord bereits zahlreiche positive Erkenntnisse aus der Beratungsarbeit für diesen Bereich vorliegen würden. In Abstimmung mit dem Fachbereich Stadtentwicklung und Verkehrsanlegen werde bei der Quartiersauswahl für das 3 % Projekt der Fokus auf einen Stadtbezirk für sinnvoll erachtet, da die kleinräumlicheren Strukturen Vorteile für die Bearbeitung mit sich bringen würden. Insbesondere aber böten aktive Vereine und Initiativen die Möglichkeit, auch die Bedürfnisse im Stadtbezirk zu berücksichtigen. Aachen-Brand sei als Modellquartier ausgewähltworden, für das ein Sanierungsfahrplan erstellt werden solle. Dabei sollten alle wichtigen Akteure vor Ort einbezogen werden. Neben den Besitzern von Gebäuden, bei denen eine energetische Sanierung sinnvoll sei, seien dies Bürgervereine, Handwerker, Planer und Architekten, die das Wissen um energieeinsparende Maßnahmen besonders effizient weitergeben könnten.
Herr Bezirksbürgermeister Tillmanns bedankt sich bei Frau Lynar und bittet darum, die Präsentation im Ratsinformationssystem dem Protokoll beizufügen.
Herr Müller von der SPD-BF bedankt sich bei Frau Lynar für ihren informativen Vortragund fragt nach, wie in Brand das wichtige Projekt zur Einsparung von Energie angepackt werde. Sollen die Hausbesitzer angeschrieben werden, finden Veranstaltungen statt und würden sog. Wärmefotos
angefertigt?
Frau Lynar antwortet, dass sie gemeinsam mit Herrn Stephan die Daten zusammentragen habe und in den folgenden 2 Jahren mehrere Veranstaltungen abhalten werde. Als erstes sei eine Veranstaltung mit dem Brander Bürgerverein geplant, um hierdurch viele Akteure im Bezirk Brand zu erreichen. Geplant seien weiterhin Hauswurfsendungen und das direkte Ansprechen der Eigentümer. Die genaue Verfahrensweise müsse noch abgestimmt werden. Wärmefotos würden nicht angelegt.
Herr Stephan von altbau plus begleitet das Projekt. Zur Winterzeit arbeite man in Kooperation mit der Verbraucherzentrale, so dass Hausbesitzer sich hier auch mit dem Wunsch auf Wärmefotos melden könnten.
Herr Hußmann von der GRÜNE-BF begrüßt die Initiative und fragt nach, ob die 3 genannten Gebiete bereits bekannt seien und eine Beratung erfolge.
Frau Lynar bestätigt, dass die Gebiete bekannt seien; eine Beratung dürfe allerdings nicht durch ihre Gesellschaft erfolgen.
Ratsherr Blum von der FDP befürwortet das Projekt 3 %. Bei Energieeinsparung, Haussanierung usw. sei immer großes Potenzial vorhanden, wobei auch die CO2 Einsparung zu beachten sei.
Herr Auler von der CDU-BF bittet Frau Lynar in Abständen über das Projekt zu berichten. Mit dem Bürgerverein und dem Bezirksamt Brand habe man gute Ansprechpartner.
Frau Lynar schlägt vor, halbjährlich der Bezirksvertretung Brand einen Bericht zukommen zu lassen.
Frau Dr. Vankann teilt ergänzend zur Entstehungsgeschichte mit, dass man verschiedene Kontakte geknüpft und der Fachbereich Stadtentwicklung und Verkehrsanlagen beteiligt habe. Es bestünden parallele Projekte in Aachen-Nord und ein Innenstadtkonzept sei in der Beantragungsphase; andere Projekte würden von der Koordinierungsstelle gebündelt. Auch bei der Gebietsauswahl gäbe es eine Abstimmung mit dem Fachbereich Stadtentwicklung und Verkehrsanlagen.
Bei den ausgesuchten Gebieten im Bezirk Brand erklärt Herr Stephan, handele es sich zum einen um die „Ringstraße“ als ältesten Bereich von der Entstehung der Gebäude her, wobei dort durchaus auch schon Sanierung gelaufen sei. Beim nächsten Bereich „Am Reulert“ sei der Originalzustand der typischen 70-iger Jahre vorhanden. Bei dem dritten Bereich Schagenstraße/Dr.-Bernhard-Klein-Straße handele es sich um ein 1980/1990-iger Jahre Gebiet. Die Häuser dort seien relativ neu, dennoch liefen sie in den nächsten Jahren in die Sanierung ein. Das Beratungsangebot von altbau plus gelte natürlich für ganz Brand und könne in Anspruch genommen werden.
Herr Bezirksbürgermeister Tillmanns bedankt sich und begrüßt die Anregung, der Bezirksvertretung Brand halbjährlich ein Feedback zukommen zu lassen.
Beschluss
Beschlussvorschlag
Beschlussvorschlag:
Die Bezirksvertretung Aachen-Brand nimmt die Auswahl des Stadtbezirks Aachen-Brand zur Beteiligung am Förderprojekt „3-Prozent“ zustimmend zur Kenntnis.
Erläuterungen
Erläuterungen:
Die Stadt Aachen erhält eine Förderung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) im Rahmen des 6. Energieforschungsprogramms der Bundesregierung. „3 Prozent“ ist ein Verbundprojekt der Partner Deutscher Verband für Städtebau und Wohnungswirtschaft, Hochschule für Technik Stuttgart, Beratungs- und Service Gesellschaft Umwelt mbH (B.&S.U. mbH), Stadt Ludwigsburg, Stadt Aachen, Gemeinde Mühltal
Die Laufzeit beträgt 3 Jahre. Eine 90%ige Förderung geht an altbau plus e.V., über insgesamt 60.000 Euro.
Ausgangslage - Projektziel
Laut der Energieeffizienzstrategie der Bundesregierung sollen bis zum Jahr 2050 nahezu alle bestehenden Gebäude CO2-neutral sein. Dazu ist vorgesehen, jährlich zwei Prozent des Gebäudebestands energetisch zu sanieren. Dies wird mit den bisherigen Ansätzen allerdings noch nicht erreicht. Die Bundesregierung will daher noch in diesem Jahr einen Sanierungsfahrplan vorlegen. Durch die Projektförderung „3%“ kann in Aachen für ein ausgewähltes Quartier ein lokaler Sanierungsfahrplan erstellt, verabredet und umgesetzt werden. Darin sind ambitionierte, aber realistische Sanierungs- und Effizienzziele anzustreben, die Wirtschaftlichkeit, Sozialverträglichkeit sowie Potenziale von Eigentümergruppen und Gebäudetypologien beachten.
Zielwert ist eine durchschnittliche (Voll)Sanierungsquote von 3 Prozent pro Jahr – als Kombination von schrittweisen Einzelmaßnahmen und Komplettsanierungen. Der Fahrplan soll einen langfristigen Horizont bis 2050 haben und eine Vorausschau von Technologie- und Kostenentwicklungen beinhalten, um möglichst realistische Annahmen für die in Zukunft zu erreichenden wirtschaftlichen Effizienzsteigerungen zu treffen.
Quartiersauswahl Aachen-Brand
Bei der Auswahl des Quartiers ist zu berücksichtigen, dass durch die Arbeit von altbau plus in Aachen-Nord (im Rahmen von Soziale Stadt Aachen Nord) bereits zahlreiche positive Erfahrungen und Erkenntnisse aus der Beratungsarbeit für diesen Bereich vorliegen. Weiterhin ist im Rahmen des Innenstadtkonzeptes eine Schwerpunktberatung im Innenstadtbereich geplant. In Abstimmung mit dem FB Stadtentwicklung wird bei der Quartiersauswahl für das 3-%-Projekt der Fokus auf einen Stadtbezirk für sinnvoll erachtet, da die kleinräumlicheren Strukturen Vorteile für die Bearbeitung mit sich bringen. Insbesondere aber bieten aktive Vereine und Initiativen die Möglichkeit, nicht nur die Verhältnisse, sondern auch die Bedürfnisse im Stadtbezirk im Projekt zu berücksichtigen.
Dies ist vor allem deshalb von Interesse, da im Anschluss an die derzeitige dreijährige Projektphase (so genannte Vorphase) für die beteiligten Städte die Möglichkeit besteht, eine Förderung für eine zweijährige Umsetzungsphase zu beantragen. D.h.es können Mittel beantragt werden z.B. für Personal wie Quartiersarchitekten, für die Umsetzung einer Ansprachestrategie, also für Veranstaltungen oder für Öffentlichkeitsarbeit. Auch Messtechnik und techn. Geräte sind förderfähig sowie Investitionen in innovative Demonstrationsvorhaben (Fördersatz 80%).
Im Stadtbezirk Brand liegt eine gute Mischung der im Projekt zu untersuchenden städtebaulichen, sozialen und anderen zu erforschenden Aspekte vor. Ein sehr aktiver Bürgerverein sowie die weiteren Vereine und Initiativen in Brand sind gute Voraussetzungen, Rückmeldungen aus der Bevölkerung zu bekommen. Dort benannte Hemmnisse können direkt aufgegriffen und ggf. bereits kurzfristig abgestellt werden. Anregungen und Wünsche für mittelfristige Projekte im Stadtbezirk können in die Überlegungen für die Umsetzungsförderphase aufgenommen werden und ggf. beantragt werden. Vor allem aber bietet sich im Rahmen der laufenden Projektphase unmittelbar die Möglichkeit einer verstärkten Informationsarbeit durch altbau plus im Bezirk Brand, z.B. durch Veranstaltungen für Hauseigentümer, durch Ausstellungen oder Besichtigungen.
Untersuchungsgegenstand
Das Projekt wird Rahmenbedingungen und Hemmnisse sowie Instrumente und Methoden zu deren Überwindung analysieren und wissenschaftliche Grundlagen zur Übertragung kommunaler Sanierungsfahrpläne bei unterschiedlichen kommunalen Problemlagen und -quartieren inklusive operativer Handlungsvorschläge erarbeiten.
- Grundlagen: Analyse der systemimmanenten Rahmenbedingungen (eigentümerabhängige, rechtliche, ökonomische, soziale, demographische, städtebauliche, versorgungstechnische) der energetischen Sanierung im Gebäudebestand.
- Analyse der Hemmnisse und der systemischen Handlungsmöglichkeiten auf kommunaler Ebene zur Beeinflussung der Eigentümer/ der Wohnungswirtschaft (z.B. Ordnungsrecht, Städtebaurecht, Fördermöglichkeiten, Finanzierungsmodelle, Information, Beratung, Kommunikation, integrale Quartierskonzepte, flankierende Maßnahmen der Stadtentwicklung).
- Analyse und Entwicklung passgenauer Instrumente und Methodenmixe zur Eigentümeransprache/ akzeptanzsteigernde Maßnahmen.
- Erarbeitung von typisierten zielgruppen- und problemlagenspezifischen Sanierungsfahrplänen für kommunale Quartiere.
- Entwicklung von modellhaften quartiersbezogenen Sanierungsfahrplänen und Umsetzungsstrategien für die Modellquartiere.
Auswirkungen
Abstimmungsergebnis
Weitere Dokumente (1)
Die Dokumente werden direkt vom Ratsinformationssystem der Stadt Aachen abgerufen und nicht von uns gespeichert oder gehostet.
Technische Details
ID: 72147
OParl URL:http://ratsinfo.aachen.de/public/oparl/agendaItems?id=72147
Hauptdokument
Sammeldokument öffentlich
2015-11-10 Dez III_0009_WP17 Foerderprojekt _3_ - SAO.pdf
17.11.2024
88.4 KB
Metadaten
- TOP
- Ö 4
- Sitzung
- öffentliche/nichtöffentliche Sitzung der Bezirksvertretung Aachen-Brand
- Gremium
- Bezirksvertretung Aachen-Brand
- Datum
- Mi., 02.12.2015
- Uhrzeit
- 17:00
- Anlass
- Öffentliche/Nichtöffentliche Sitzung
- Vorlage
- Kenntnisnahme
- Beratung
- öffentlich
- Status
- gemischt
- Vorlageart
- Kenntnisnahme
- Federführend
- Dezernat III
- Geändert
- 23.2.2026
- Inhalt abgerufen
- 23. Februar 2026 um 10:40
Beschlussdokument
Sammeldokument öffentlich
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