Einrichtung eines Feierabendmarktes(Ratsantrag der FDP-Fraktion im Rat der Stadt Aachen vom 19.03.2015 / Beratungsempfehlung des WLA vom 18.08.2015 / Beschluss des AAWW vom 09.09.2015)
FB 02/0047/WP17 · Kenntnisnahme
Beratung
Vor der Diskussion des Themas bittet die Verwaltung um die Möglichkeit der Stellungnahme zu einer in einer Aachener Tageszeitung veröffentlichten Kritik der antragstellenden FDP-Fraktion am Vorgehen der Verwaltung. Herr Kuck legt dar, dass man sich sehr umfänglich mit dem Antrag befasst und intensive Recherche betrieben habe. Zwar sei nur Herrr Dr. Panteleit als einer von lediglich zwei seitens der Fraktionen benannten Experten einer Einladung zur Ausschusssitzung gefolgt, zusätzlich habe man aber mit Herrn Krämer (Sprecher der IG Marktbeschicker), Herrn Piana (Märkte und Aktionskreis City) und Herrn Glotz (aachen tourist service) auch Aachener Akteure, die bei dem Thema eingebunden werden müssten, eingeladen; wegen einer zeitgleichen DeHoGa-Veranstaltung seien eingeladene Gastronomen leider verhindert. Zudem habe man in der Vorlage ein differenziertes Bild verschiedener Städte mit Feierabendmärkten – mit unterschiedlichen Erfolgen – dargestellt. Unter Hinweis auf den Vortrag von Herrn Dr. Panteleit und die sich daraus ergebende Diskussion erhoffe sich die Verwaltung mangels bisheriger einschlägiger Erfahrung mit dem Thema wichtige Hinweise und Anregungen, den Vorwurf des lustlosen Umgangs mit dem Thema weise man jedoch zurück.
Herr Schultheis dankt für die Stellungnahme und schlägt vor, dass sich die Fraktionen nach der Sitzung beraten und sich auf ein weiteres Vorgehen festlegen. Anschließend begrüßt er die vg. Eingeladenen.
Sodann trägt Herr Dr. Panteleit anhand einer PowerPoint-Präsentation zum Thema vor. Feierabendmärkte sind für ihn eine Antwort auf den Rückgang der Wochenmärkte im Ruhrgebiet. Bezug nehmend auf den Vortrag erklärt Herr Krämer, nach eigenen Angaben Sprecher für ca. 50 Marktbeschicker, dass er einiges bestätigen könne; insbesondere aber die Darstellung der Marktstände in der Präsentation würden heutigen Erfordernissen nicht entsprechen. Eine wichtige Frage zum Thema sei für ihn, ob man junges berufstätiges Publikum auf den Wochenmarkt holen oder aber auf eine Verzehr- und Verweilmarkt locken wolle; normale Wochenmarkt-Beschicker würden letzteres wohl nicht mitmachen, von den von ihm vertretenen 50 sei keiner dazu bereit. In diesem Zusammenhang geht er auf einige Sachverhalte zu den Wochenmärkten ein: die Märkte in der ersten Wochenhälfte ‘liefen‘ erst ab ca. 11:00 Uhr, obwohl sie bereits ab 08:00 geöffnet seien, 80% des Umsatzes würde zwischen 10:30 Uhr und 14:00 Uhr gemacht. Er kritisiert, dass die Wochenmärkte durch eine Satzung in eine (alte) Form gepresst seien und zudem nicht ausreichend wertgeschätzt würden; außerdem müsse etwas für die Logistik getan werden, hier sei der in Rede stehende ‘Marktliner‘ zu begrüßen.
Ein Feierabendmarkt könne nur funktionieren, wenn alle ‘mit ins Boot geholt‘ würden, insbesondere die Gastronomen. Auch auf dem Wochenmarkt könne man verzehren und probieren, aber die Anbieter auf einem Verzehr- und Verweilmarkt seien keine Wochenmarkt-Händler in klassischem Sinne; ein Obst- und gemüse-Händler könne auf einem Feierabendmarkt nicht existieren. Herr Schultheis dankt Herrn Krämer für die Einschätzung. Herr Piana merkt an, dass der Wochenmarkt eine Versorgungsfunktion, der Feierabendmarkt jedoch Event-Charakter habe und der Geselligkeit diene. Er verweist darauf, dass sich das Kaufverhalten geändert habe und Verkauf initiiert werden müsse. Wichtig sei für ihn, ein Gegengewicht zum Aquis Plaza für die Altstadt zu schaffen, ein Feierabendmarkt könne hier ein belebendes Instrument sein. Dies müsse sich aber entwickeln, der MAC sei gerne mit dabei. Auch Herr Glotz bewertet aus touristischer Sicht die beiden Marktformen als unterschiedlich, gleichwohl beide als touristische Attraktion; für ein authentisches Erlebnis müsse dann in einem Aachener Markt auch Aachen drin sein. Im Hinblick auf den Unterschied zwischen rationalem und emotionalem Einkauf könne ein Feierabendmarkt auch touristisch ein interessantes Angebot sein. Der Bochumer Markt, den er in seiner früheren Tätigkeit erlebt habe, sei durch seine nicht innerstädtische Lage anders gewesen, hier aber seien zwei erfahrene Gastronomen mit Stadtfest-Erfahrungen ausschlaggebend für den Erfolg gewesen; ein eher verschrienes Stadtviertel sei dadurch belebt worden.
Herr Adenauer dankt allen Vortragenden und schließt sich den Einschätzungen hinsichtlich der Unterschiede zwischen Wochen- und Feierabendmarkt sowie der notwendigen Regionalität der Inhalte an, sieht gleichwohl auch Überschneidungen beider Marktformen. Frau Kehren schließt sich dem Dank an und schlägt vor, nach entsprechender Beratung in einer nächsten Sitzung über das weitere Vorgehen zu entscheiden. Voraussetzung sei, dass die Wirtschaftlichkeit für die Marktbeschicker gewahrt bleibe; zudem könne man den Markt als Modell zur Kundenstrom-Steuerung nutzen. Wichtig sei zudem, ein passgenaues Konzept für Aachen zu finden, dass Bürgerinnen und Bürger berücksichtigt und ‘Aachen drin‘ sei. Auf ihre Frage an Herrn Panteleit nach seinen Erfahrungen mit Widerständen unterstreicht dieser zunächst den touristischen Aspekt unterstreichen. Dann erläutert er, dass in Bochum auch die Überzeugung der Wochenmarkthändler – z.B. im Hinblick auf den zeitlichen Rhythmus – problematisch gewesen sei. Hier hätten allerdings Gastronomen geholfen, man habe sich quasi Feierabendmarkt-Händler ‘gebastelt‘. Zudem habe es Verwaltungs-Widerstände gegeben, da sowohl die Öffnungszeit als auch das klassische Marktrecht zunächst ein Problem dargestellt hätten.
Herr Klüppel verweist auf die seit drei Jahren vergeblichen Bemühungen des Seniorenrats um einen ‘Marktliner‘; finde ein Markt am Elisenbrunnen statt, könne man diesen per Bus direkt erreichen, von daher sieht er für den ihm durchaus sympathischen Feierabendmarkt insbesondere ein Erreichbarkeitsproblem. Herr Teuku, der den FDP-Antrag dahingehend versteht, dass es sich um einen Verweil- und Verzehr-Markt handeln soll, verweist in diesem Zusammenhang auf den vergeblichen Antrag der Piraten auf Verlegung des Wochenmarktes an den Elisenbrunnen. Laut Herrn Dr. von Courbière zeigten die Vorträge, dass es sich um ein interessantes Thema handele; er ist zuversichtlich, dass man sich auf einen Beschlussvorschlag einigen könne und schon einige Schritte weiter sei; zudem reklamiert er die Vorreiterschaft der FDP für den ‘Marktliner‘.
Herr Schultheis verweist darauf, dass alle Vorschläge auch Kosten nach sich ziehen. Frau Kehren erachtet es als wichtig, das Thema gut aufzusetzen, nochmals zu beraten und nicht voreilig einen Beschluss zu fassen. Auch Herr Schultheis ist der Meinung, man solle das Thema ‘mit nach Hause nehmen‘, in einer nächsten Sitzung nochmals beraten und dann einen Beschluss fassen.
Herr Krämer betont, dass die Ablehnungshaltung der Marktbeschicker nicht aufgrund der Uhrzeit, sondern wegen der Zweifel am betriebswirtschaftlichen Erfolg bestehe; das Gesamtkonzept müsse stimmen. Gleichwohl sollte auch über die Uhrzeiten der Märkte neu gesprochen werden. Zudem wolle man nicht explizit zum Elisenbrunne, doch ein Bus müsse zum Markt. Frau Lang würde einen Feierabendmarkt mit gutem Konzept begrüßen; gut wären neue Erzeuger und Anbieter mit Regionalität, auch Gastronomen könnten einbezogen werden. Auch aus ihrer Sicht wäre ein Marktliner zu begrüßen, hier müsse man aber Kosten und Nutzen abwägen. Sie begrüßt einen ‘Runden Tisch‘ zur weiteren Vorgehensweise. Auf Frage von Herrn Adenauer nach den von Herrn Dr. Panteleit im Vortrag genannten Beträge beziffert dieser die Erst-Investitionen von 15.000 € für die Ausstattung; nicht mit dem Markt solle Geld verdient werden, sondern die Händler sollten verdienen.
Herr Fadavian appelliert an die Verwaltung, die Ermöglichung des Konzeptes frühzeitig anzugehen. Frau Blume möchte die Migranten mit einbezogen wissen, da sie mit dieser Marktform viel Erfahrung hätten. Herr Schultheis sieht hier auch ein gutes Thema für den Integrationsrat. Sein Verfahrensvorschlag, einen Beschluss in einer nächsten Sitzung zu fassen, wird angenommen.
Beschlussvorschlag
Beschlussvorschlag:
Der Ausschuss für Arbeit, Wirtschaft und Wissenschaft nimmt die Ausführungen zur Kenntnis.
Erläuterungen
Einrichtung eines Feierabendmarktes
(Ratsantrag der FDP-Fraktion im Rat der Stadt Aachen vom 19.03.2015 / Beratungsempfehlung des WLA vom 18.08.2015 / Beschluss des AAWW vom 09.09.2015)
Aufgrund des Ratsantrages der FDP-Fraktion vom 19.03.2015 wurde nach entsprechender Beratung im Ausschuss für Arbeit, Wirtschaft und Wissenschaft am 09.09.2015 beschlossen,im Hinblick auf Entwicklungsmöglichkeiten zur Attraktivierung des Marktviertels durch eine Aufwertung und ggf. Veränderung des Wochenmarktangebotes eine Expertenanhörung, zu der seitens der Fraktionen jeweils auch ein Experte vorgeschlagen wird, zu organisieren.
Letztendlich wurden seitens der Fraktionen nur zwei Experten genannt: Dr. Christoph Dornbusch, Geschäftsführer ‘meet&eat Wochenmarkt Köln‘ und Dr. Siegbert Panteleit, Inhaber der ‘SPE. Standort- und Projektentwicklung Panteleit‘, der sich mit derEntwicklung neuer Veranstaltungsformate für Wochenmärkte sowie mit Konzepten, Organisation, Finanzierung und Ingangsetzung von Feierabendmärkten beschäftigt.Erstgenannter steht für einen Vortrag in Aachen leider nicht zur Verfügung, Herr Dr. Panteleit wird im Rahmen der Ausschusssitzung über seine Erfahrungen zum Thema Feierabendmarkt berichten.Er startete mit dem Markt in Gelsenkirchen-Buer, wo man ca. 20 Anbieter hochwertigerLebensmittel für den ‘Markt am Dom‘ gewinnen konnte. Die Händler bieten hierzwischen 16:00 Uhr und 20:00 Uhr neben dem Verkauf der Waren den Kunden Verkostungen und einfache Gerichtean. Zudem wurden Sitzgelegenheiten, Tische und Schirme angeschafft.
Der wöchentliche Feierabendmarkt auf dem Gelsenkirchener Neustadtplatz hingegen wird in Zukunft nicht mehr stattfinden, da es uns auf dem Neustadtplatz nicht gelungen, an den großen Erfolg des Feierabendmarkts auf der Buer‘schen Domplatte anzuknüpfen. Die Analyse nach dem ersten vollständigen Jahr der Durchführung zeigte, dass der Zuspruch sowohl von Seiten der Markthändler als auch der Besucher generell sehr wechselhaft war. Nur einige Tage mit guter Resonanz führtenletztlich zu der Feststellung, dass sich die Veranstaltung hier nicht etablieren konnte. Immer weniger Händlerzusagen und der fehlende positive Ausblick auf den Frühling 2016 führten dazu, dass der Feierabendmarkt in der Neustadt eingestellt wurde.
Im Ruhrgebiet und im Münsterland gibt es mittlerweile zahlreiche Märkte, die entweder bis zum frühen Abend stehen bleiben, oder solche, die erst am Nachmittag öffnen. Nach Einschätzung der Deutschen Marktgilde eG (DMG) in NRW sind Nachmittagsmärkte auf jeden Fall mehr geworden (Die DMG organisiert mehr als 200 Wochen- und Nachmittagsmärkte an 125 Standorten bundesweit), zudem könnten Händler mit Nachmittagsmärkten ein jüngeres, berufstätiges Publikum erreichen.
Anders als bei Nachmittagsmärkten, die zumeist das gleiche Sortiment wie Wochenmärkte führen, steht bei den Feierabendmärkten nicht nur der Einkauf im Vordergrund, hier stehen meist mehr Händler mit Imbissbuden und Streetfood, zudem gibt es dort mehr Getränke, ggf. auch Mode und Kunst, oft verbunden mit Musik. Ein gestiegenes Ernährungsbewusstsein für hochwertige Lebensmittel aus der Region wird ebenfalls als Erfolgsfaktor für diese Märkte gewertet - sofern sich ihre Öffnungszeiten mit den persönlichen Arbeitszeiten kombinieren lassen.
Während sich Betreiber dieser Märkte in manchen Städten vor Besuchern kaum retten können, gibt es andernorts große Probleme, die neuen Marktzeiten zu etablieren.
In Gladbeck startete ein Feierabendmarkt im Juli 2015. Hier gab essowohl lobende Einschätzungen wie Kritik wie “wunderbare Veranstaltung“ als auch Kritik mit Aussagen wie u.a. “kaum Gladbecker Händler“, “eher komprimiertes Stadtfest mit Fressbuden“ oder “schlicht und einfach eine Fressmeile“, Inzwischen hat sich laut Auskunft der Mitorganisatorin Frau Kopatz der Feierabendmarkt in Gladbeck sehr gut etabliert. Entscheidend hierfür sei jedoch eine gute und straffe Organisation.
In Bochum findet bereits seit September 2013 wöchentlich der ‘Moltkemarkt‘ auf dem Springerplatz statt. Hier sind die Händler laut Auskunft des Sprechers der Interessensgemeinschaft Springerplatz zufrieden.Nach eigenen Angaben lockt der Markt an einem schönen Sommertag rund 1000 Besucher an, an einem schwachen Wintertag kommen etwa 150 Kunden zum Markt. Damit die Kunden den Bezug zum Markt nicht verlieren, wird auch im Winter hier keine Pause gemacht. Rund 22 Händler fahren den Moltkemarkt jede Woche an. Hinzu kommen etwa 15 Händler, die zwar regelmäßig, aber nicht wöchentlich auf dem Markt stehen. Anders als in anderen Städten ist der Eventcharakter des Marktes hier nicht so wichtig, die Versorgungsfunktion des Marktes steht im Vordergrund.
Der ‘Freitagsmarkt am Bahnhof‘ in Hamm ist noch kein Jahr alt. Im August 2015 boten 12 Händler zum ersten Mal auch am Nachmittag ihre Waren vor dem Hammer Bahnhof an. Ende März wurde dann schon das Ende dieses Experiments verkündet, da nur sechs Händler Interesse zeigten,auch 2016 wieder teilzunehmen.
In Dorsten sprangen schon kurz nach dem Start im Mai 2015 einige Händler ab, laut Auskunft des dortigen Ordnungsamtes bleiben momentan dort nachmittags nur drei Händler stehen. Hier wurde allerdings, anstatt einen neuen Markt zu etablieren, lediglich eine Verlängerung der Öffnungszeitenfür den klassischen Wochenmarkt bis in den Abend hinein vorgenommen.
Auf dem Dortmunder Hansaplatz wird ab April 2016 – zunächst bis September – auch ein Feierabendmarkt starten, der üblicherweise hier stattfindende Markt wird bis 19:00 Uhr verlängert.
Abstimmungsergebnis
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Technische Details
ID: 74943
OParl URL:http://ratsinfo.aachen.de/public/oparl/agendaItems?id=74943
Hauptdokument
Sammeldokument öffentlich
2016-04-13 FB 02_0047_WP17 Einrichtung eines Fe SAO.pdf
15.11.2024
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Betroffene Straßen
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Metadaten
- TOP
- Ö 2
- Sitzung
- öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Ausschusses für Arbeit, Wirtschaft und Wissenschaft
- Gremium
- Ausschuss für Arbeit, Wirtschaft und Wissenschaft
- Datum
- Mi., 27.04.2016
- Uhrzeit
- 17:00
- Anlass
- Öffentliche/Nichtöffentliche Sitzung
- Vorlage
- Kenntnisnahme
- Beratung
- öffentlich
- Status
- gemischt
- Vorlageart
- Kenntnisnahme
- Federführend
- FB 02 - Fachbereich Wirtschaft, Wissenschaft, Digitalstadt und Europa
- Geändert
- 22.2.2026
- Inhalt abgerufen
- 22. Februar 2026 um 22:37
Beschlussdokument
Sammeldokument öffentlich
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