Referat Minister Antoniadis "Selbstbestimmt Altern in Ostbelgien"
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Die Deutschsprachige Gemeinschaft in Belgien ist ein Bundesland vergleichbar mit NRW, nur kleiner. 76.000 Bürger leben in ihr. Im Gebiet der Deutschsprachigen Gemeinschaft gibt es acht Seniorenheime.
Der demographische Wandel ist eine Herausforderung, wenn auch die gestiegene Lebenserwartung positiv zu sehen ist. Die Lebensbedingungen und die Lebensqualität müssen den geänderten Bedingungen angepasst werden. Das Gesundheitsbewusstsein in der Bevölkerung hat sich extrem verbessert. Durch die gestiegene Lebenserwartung treten jedoch Krankheiten wie z.B. Demenz und Diabetes verstärkt auf. Familienstrukturenverändernsich, auch wenn die Geburtenraten in der Deutschsprachigen Gemeinschaft stabil geblieben sind. Gestiegene Anforderungen an die berufliche Flexibilität führen dazu, dass immer weniger Zeit für Kinder- und Seniorenbetreuung aufgebracht werden kann. Daher muss ein Ausbau von Kinderbetreuungsplätzen und der Pflegeversorgung erfolgen. Doch wie weit kann die öffentliche Hand dies finanziell tragen?
Wünsche des Seniorenrates an Minister Antoniadis lauten daher: Unterstützung der Frau, die eine Pflegetätigkeit zusätzlich zum Beruf ausübt; Verhinderung von Altersarmut; Unterstützung von Wohlfahrtsverbänden und Kirchen.
Das Credo des Ministers lautet in erster Linie, ein selbstbestimmtes Leben zu fördern. Aus diesem Grunde wird zum 01.01.2017 eine Dienststelle geschaffen, die sich genau um diese Belange kümmert. Neben der Dienststelle für behinderte Menschen, die es schon seit 25 Jahren gibt.
Die Lebenssituation der 60-79jährigen in Ostbelgien zeigt, dass von ihnen 98 % zu Hause leben.
Bei den 80-99jährigen leben immerhin noch 85 % im häuslichen Umfeld. Das ist hier möglich, weil gerade im ländlichen Raum noch ein hoher sozialer Zusammenhalt gegeben ist. Hier kümmern sich noch die Familie und die Nachbarn sowie ein großer Teil Ehrenamtler um die Senioren. Ehrenamtliche Organisationen schenken Zeit und es ist genügend Unterstützung in der Versorgung und Hauswirtschaft vorhanden. Auch im Marienheim sind 120 ehrenamtliche Kräfte aktiv.
Sogenannte Case Manager erstellen Unterstützungspläne und stellen Kontakte her, so dass viele Senioren weiterhin zu Hause wohnen bleiben können.
Aber selbst das Leben im stationären Bereich soll noch individuell gestaltet werden.
Dazu erkundet man neue Wege. Alternative Wohnformen werden geprüft, wie Mehrgenerationenhäuser, Wohngemeinschaften (hier ist gerade ein Pilotprojekt gestartet). Diese Wohngemeinschaften müssen aber durch Ehrenamtler und Familienangehörige begleitet werden.
Der Wunsch des Ministers ist, Seniorenpolitik so kommunal (in der Ortschaft, in der Nachbarschaft) und individuell wie möglich zu gestalten. Hierzu sollen Seniorenbeauftragte eingesetzt werden, die vernetzen und Kontakte knüpfen. Für Menschen mit Demenz (Tendenz steigend) sollen Angebote gebündelt werden.
Weiterhin soll Barrierefreiheit gefördert werden. Die Gesetzgebung in Ostbelgien sieht vor, dass in Bauten, die von öffentlicher Hand gefördert werden, Barrierefreiheit gewährleistet sein muss. Ansonsten werden Fördermittel gekürzt. Zur Überprüfung sind Kommissionen eingerichtet, in der selbst beeinträchtige Menschen tätig sind.
Fragerunde an den Minister:
Wie wird dies alles finanziert? Gibt es eine Pflegeversicherung wie in Deutschland?
Die stationäre Hilfe wird zu mehr als 50% über die „soziale Sicherheit“ finanziert, 45% müssen von der Person selber getragen werden. Ein Platz im Seniorenheim kostet monatlich um die 3.000 Euro, es entfallen davon ca. 1.300 Euro auf den Bewohner. Eine Pflegeversicherung wie in Deutschland gibt es noch nicht.
Lediglich in Flandern gibt es solch eine vergleichbare Pflegeversicherung, in die man ab dem Alter von 20 Jahren monatlich 50 Euro einzahlen muss. Davon erhält man im Leistungsfall dann 130 Euro monatlich.
Wie hoch ist die Durchschnittsrente in Ostbelgien?
Die Durchschnittsrente beträgt in Ostbelgien ca. 1.000 Euro pro Monat (höher als in Deutschland mit knapp 700 Euro).
Herr Eckert bedankt sich für bei Herrn Minister Antoniadis für den interessanten Vortrag.
Für diesen Tagesordnungspunkt liegen noch keine Beratungsergebnisse vor.
Technische Details
ID: 75166
OParl URL:http://ratsinfo.aachen.de/public/oparl/agendaItems?id=75166
Grunddaten
- TOP
- Ö 6
- Sitzung
- öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Seniorenrates
- Gremium
- Seniorenrat
- Datum
- Do., 19.05.2016
- Uhrzeit
- 10:00
- Anlass
- Öffentliche/Nichtöffentliche Sitzung
- Status
- gemischt