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Präventionsprogramm "Wegweiser - gemeinsam gegen gewaltbereiten Salafismus" des Landes Nordrhein-WestfalenStelleneinrichtung im Fachbereich Wohnen, Soziales und Integration

FB 11/0166/WP17 · Entscheidungsvorlage

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Beratungsergebnis:ungeändert beschlossen

Beratung

Ratsfrau Müller, AfD, hält die Einrichtung des Präventionsprogramms gegen gewaltbereiten Salafismus für unterstützenswert, da die Stadt Aachen durch ihre multikulturelle Vielfalt auch dem gewaltbereiten Salafismus Raum und Möglichkeiten biete. Es sei positiv hervorzuheben, dass die Verwaltung seit Beginn des Jahres in vorbildlicher Art und Weise jeden Lies-Stand, der zur Anmeldung gestanden habe, verboten habe. Sie bitte abschließend um Beantwortung der Frage, welche muslimische Gemeinde bei diesem zweiten Netzwerktreffen vertreten gewesen sei und mit welchen muslimischen Gemeinden eine Zusammenarbeit im Zuge des Präventionsprogrammes stattfinde.

Der Oberbürgermeister übergibt zur Beantwortung der Frage das Wort an Frau Ernst vom Fachbereich Wohnen, Soziales und Integration.

Frau Ernst legt dar, dass man mit allen muslimischen Gemeinden zusammenarbeite, die im Arbeitskreis Dialog der Religionen organisiert seien. Hierbei handele es sich im Einzelnen um die Bilal-Moschee, die Yunus-Emre-Moschee, die Bosniakische Moschee, die Schiitische Moschee in der Metzgerstraße, die Ahmadiyya-Moschee, die Mansoor-Moschee sowie um viele andere kleine Gemeinden. An dem Netzwerktreffen habe Herr Malik von der Bilal-Moschee als Vertreter aller muslimischen Gemeinden teilgenommen.

Auch die Fraktion Die Grünebegrüßedie Einrichtung des „Wegweiser“-Projektes ausdrücklich, so Ratsherr Paul stellvertretend. Sicherlich gebe es auch in Aachen und der Region Salafisten, unter Umständen auch gewaltbereite Salafisten, dass es sich hierbei um einen Auswuchs der multikulturellen Ausrichtung handele, wage er jedoch zu bezweifeln. Die Zusammenarbeit mit den Moschee-Gemeinden sei genau der richtige Weg. Es können nicht angehen, eine komplette Religionsgemeinschaft mit vier Millionen Mitgliedern in Deutschland auszuschließen und auf die in ihrer Gesamtheit verschwindend geringe, aber natürlich nicht zu unterschätzende Gruppe herunter zu brechen oder mit dieser gleichzusetzen. Das Projekt schließe eine sehr wichtige Lücke. Zwar gebe es bereits in den verschiedenen Präventionsnetzwerken in der Stadt wie auch in der Jugendarbeit und -hilfesehr viele Ansätze, hiermit könne jedoch auch der Beratungsbedarf, der bei anderen Trägern und Projekten bestehe, sehr gut abgedeckt werden. Diese Vorgehensweise seiein unheimlich gutes Beispiel für eine vernünftige Reaktion auf konkrete Probleme ohne kopflose Symbolpolitik, sondern mit präventiver Arbeit im Sinne der Problembeseitigung und –lösung.

Auch die AfA-Ratsgruppe unterstütze dieses wichtige Präventionsprogramm, so Ratsherr Mohr. Man weise schon lange auf einen Fehlstand hin und bedaure deshalb die späte Initiative, die augenscheinlich vom Land ausgegangen sei. Hier hätte die Stadt Aachen schon früher die Zeichen der Zeit erkennen können. Nichtsdestotrotz sei damit der erste Schritt zu einer besseren Extremismus-Prävention getan. Dieses Initial könne man durchaus auch als Gedankenanstoß nehmen, den linken Extremismus hier in Aachen etwas stärker anzugehen. Hier scheinees einen enormen Bedarf an Präventionsangeboten zu geben. Während hier, auch mit städtischen Mitteln, Jugendverbände gefördert würden, distanziere sich der Bundesverband deutlich. Entsprechend sei der linke Extremismus stärker auf den Prüfstand zu stellen.

Ratsfrau Moselage, FDP-Fraktion, stellt klar, dass die politische Richtung von Straftätern bei der Ahndung ihrer Taten für die Justiz ohne Belang sei, weil es sich glücklicherweise um eine unabhängige Instanz handele. Auch die FDP-Fraktion begrüße dieses Beratungsangebot insbesondere in Hinblick auf Eltern, die mit der Befürchtung lebten, ihr Kind könne zumindest affin für dieses Milieu sein. Mit der unabhängigen Beratung schließe man eine große Lücke der bisher fehlenden Beratungsangebote an Eltern.

Ratsherr Deumens, Vorsitzender der Fraktion Die Linke, schließt sich der allgemeinen Unterstützung des Präventionsprogramms „Wegweiser“ an. Es handele sich um ein äußerst wichtiges Projekt. Gerichtet an Ratsherrn Mohr stellt er klar, dass es hier um das Präventionsprogramm „Wegweiser – gemeinsam gegen gewaltbereiten Salafismus“ gehe. Was Herr Mohr sicher im Auge und als Ziel habe, sei ein Präventionsprogramm gegen alle demokratischen und fortschrittlichen Kräfte. Dagegen verwehre man sich jedoch entschieden.

Beschluss

Auf Vorschlag des Oberbürgermeisters beschließt der Rat der Stadt Aachen zur Implementierung einer Beratungsstelle im Rahmen des Projektes „Wegweiser – gemeinsam gegen gewaltbereiten Salafismus“ einstimmig die zunächst auf längstens 4 Jahre befristete Einrichtung von zwei, nach S 12 TVöD SuE (kw) ausgewiesenen 0,5 Stellen in Zuständigkeit des Fachbereiches Wohnen, Soziales und Integration, Abteilung Integration (FB 56/600).

Beschlussvorschlag

Beschlussvorschlag:

Auf Vorschlag des Oberbürgermeisters beschließt der Rat der Stadt Aachen zur Implementierung einer Beratungsstelle im Rahmen des Projektes „Wegweiser – gemeinsam gegen gewaltbereiten Salafismus“ die zunächst auf längstens 4 Jahre befristete Einrichtung von zwei, nach S 12 TVöD SuE (kw) ausgewiesenen 0,5 Stellen in Zuständigkeit des Fachbereiches Wohnen, Soziales und Integration, Abteilung Integration (FB 56/600).

In Vertretung

Grehling

Beigeordnete

Erläuterungen

Erläuterungen:

Mit dem Präventionsprogramm „Wegweiser – gemeinsam gegen gewaltbereiten Salafismus“ hat das Land Nordrhein-Westfalen eine Ebene geschaffen, um der Radikalisierung von (jungen) Menschen vorzubeugen. Mit der Installation von Beratungsstellen hat das Land 2014 in Bonn, Bochum und Düsseldorf begonnen und das Programm in 2015 in Nordrhein-Westfalen ausgebaut. Ende 2016 sollen weitere Beratungsstellen eingerichtet werden, so auch in Aachen.

Die konkrete Beratungsarbeit als Kernelement der Aufgabe leistet Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit, unterstützt Familienangehörige im Umfeld radikalisierter oder zur Radikalisierung bereiter Menschen und eröffnet den Zugang zu entsprechenden Aussteigerprogrammen des Verfassungsschutzes NRW.

Ausgehend von Beobachtungen des Verfassungsschutzes NRW gibt es im Bereich der StädteRegion Aachen ein breites Spektrum an unterschiedlichen Aktivitäten, z.B. von Einzelakteuren oder Lies-Ständen, die einen Hand-lungsbedarf erkennen lassen. Bekannt sind bis zu 200 salafistische Aktivisten, von denen ca. ein Viertel gewaltorientiert und zum Teil einer einschlägigen Szene zugehörig ist.

Die multikulturelle Vielfalt der Stadt Aachen bietet auch solchen Strukturen Raum und Anknüpfungspunkte hin zu gewaltbereitem Salafismus. Entsprechend der Mitteilungen des Ministeriums für Inneres und Kommunales des Landes Nordrhein-Westfalen (MIK NRW) finden Menschen mit Einwanderungsgeschichte aus islamisch geprägten Ländern und überwiegend in 2. und 3. Generation, Konvertiten und deutsche Staatsbürger in der

Regel im Alter zwischen 14 und 30 Jahren, davon 25% Mädchen und Frauen, Zugang zu gewaltbereitem Salafismus.

Unter Salafismus versteht man eine islamistische Ideologie, die sich an den Werten und Vorstellungen der ersten Muslime bzw. der muslimischen Frühzeit orientiert. Salafisten richten ihre religiöse Praxis und Lebensführung ausschließlich an den Prinzipien des Korans und dem Vorbild des Propheten Muhammad und der frühen Muslime - der sog. "rechtschaffenen Altvorderen" - aus.

Seit 2012 gilt sowohl in Deutschland als auch international der gewaltbereite Salafismus als dynamischste islamistische Bewegung. Gewaltbereite salafistische Ideologie wird zunehmend professionell verbreitet. Ihre Vertreter wissen sich öffentlichkeitswirksam in Szene zu setzen und üben eine beträchtliche Anziehungskraft auf Konvertiten und Muslime mit historischen ausländischen Wurzeln aus.

Viele Nachfragen von Angehörigen,Freunden, Lehrern u.a. zeigen, dass der Bedarf an Beratung besteht. Der stetige Ausbau der Anlaufstellen, nicht nur in Nordrhein-Westfalen, spiegelt dabei den wachsenden Bedarf wider.

Die Erfahrungen der ersten Beratungsstellen in Bonn, Düsseldorf, Bochum und auch Wuppertal weisen ein breites Spektrum der erforderlichen Leistungen hin, angefangen bei der Beantwortung telefonischer Anfragen bis hin zur intensiven Betreuung einzelner Fälle zur Verhinderung des Einstiegs in gewaltbereiten Salafismus.[1]

Die Konzeption des Präventionsprogramms „Wegweiser“ ist umfassend und nimmt bereits die Ursachen, die zu Gewaltbereitschaft führen können, in den Blick. Die Vernetzung mit den unterschiedlichsten Partnern leistet dabei passgenaue und unmittelbare Hilfe.

Nachdem der Oberbürgermeister der Stadt dem Ministerium für Inneres und Kommunales (MIK NRW) gegenüber die Implementierung der Beratungsstelle „Wegweiser“ in Aachen begrüßte, fanden erste Netzwerktreffen zur weiteren Abstimmung der Vorgehensweise statt (sh. Anlage).

Im Rahmen des 2. Netzwerktreffen „Wegweiser“ am 27.06.2016 - Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren Vertreterinnen und Vertreter des Ministeriums für Inneres und Kommunales (MIK NRW), der Stadt Aachen, der Polizei NRW, der StädteRegion Aachen als einzubindende Schulbehörde, der Wohlfahrtsverbände und der muslimischen Gemeinden sowie ein Vertreter der Regierung der Deutschsprachigen Gemeinschaft (Belgien) - verständigte man sich auf eine Trägerschaft des Präventivprogrammes im Auftrag der Stadt Aachen. Zum einen fehle es den Wohlfahrtsverbänden und den muslimischen Gemeinden an Infrastruktur und Kapazitäten für diese Aufgabe, zum anderen bilde die Stadt Aachen einen neutralen Ort. Über die gute Zusammenarbeit innerhalb des Netzwerkes und des Beirates ist eine ausreichende Partizipation der Beteiligten möglich.

Die in Aachen zu installierende Beratungsstelle soll im Fachbereich Wohnen, Soziales und Integration (FB 56/600) angesiedelt und mit zwei Halbtagskräften ausgestattet werden, alternativ im Falle einer fehlenden geeigneten Bewerberlage mit einer Vollzeitkraft.

Die Aufgabeninhalte und weiteren Bedingungen werden im Rahmen eines Werkvertrages zwischen dem Land Nordrhein-Westfalen und der Stadt Aachen definiert. Dieser Vertrag hat regelmäßig eine Laufzeit von einem Jahr. Er verlängert sich automatisch um ein weiteres Jahr, wenn er nicht bis zum 30.06. des Folgejahres von einem der Vertragspartner gekündigt wird. Nach der vergaberechtlichen maximalen Vertragslaufzeit von insgesamt vier Jahren wird ein neues Vergabeverfahren durchgeführt. Neben der Kommune können sich auch freie Träger als Projektträger bewerben.

Aufgrund der Laufzeit von maximal 4 Jahren sind die Stellen mit einem kw-Vermerk zu versehen.

[1]https://www.land.nrw/de/pressemitteilung/nrw-baut-praeventionsprogramm-wegweiser-gegen-gewaltbereiten-salafismus-aus

Auswirkungen

Finanzielle Auswirkungen:

konsumtive Auswirkungen

Ansatz

2016

Fortgeschriebe­ner Ansatz 2016

Ansatz 2017 ff.

Fortgeschriebe-ner Ansatz 2017 ff.

Folge-kosten (alt)

Folge-kosten (neu)

Ertrag

0,00 €

5.100,00 €

0,00 €

182.400,00 €

0,00 €

0,00 €

Personalaufwand

0,00 €

5.100,00 €

0,00 €

182.400,00 €

0,00 €

0,00 €

Abschreibungen

0,00 €

0,00 €

0,00 €

0,00 €

0,00 €

0,00 €

Ergebnis

0,00 €

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+ Verbesserung /

- Verschlechterung

0,00 €

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Die Personalkosten werden unmittelbar aus Fördermitteln finanziert.

Erläuterungen zu finanziellen Auswirkungen:

Die Finanzierung des Projektes erfolgt durch Zahlung einer jährlichen Pauschale von 80.000 EUR. Hierin enthalten sind Personal- und Sachkosten (z.B. Reisekosten, Fortbildung, Bewirtung u.a.). Es besteht Einvernehmen mit dem Fachbereich, dass die Personalkosten zu 100% aus den Fördermitteln gedeckt werden. Es werden Personalkosten nach S 12 TVöD SuE entsprechend der KGSt-Richtwerte veranschlagt (jährlich 60.800 EUR), ausgehend von einer Stellenbesetzung zum 01.12.2016.

Die Abbildung der Personalkosten erfolgt über ein noch einzurichtendes 4er PSP-Element. FB 56 wird die Ansätze im Rahmen des Veränderungsnachweises in den Haushalt 2017 ff einbringen.

Der Differenzbetrag in Höhe von 19.200 EUR wird zur Finanzierung der Sachkosten, u.a. auch Raumkosten und IT-Servicepauschalen usw. eingesetzt.

Für die Einrichtung der Arbeitsplätze stellt das Land einmalig einen Betrag in Höhe von 5.000 EUR zusätzlich zur Verfügung.

Technische Details

Hauptdokument

Sammeldokument öffentlich

2016-11-04 FB 11_0166_WP17 Praeventionsprogramm SAO.pdf

15.11.2024

109.8 KB

Metadaten

TOP
Ö 4
Sitzung
öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Rates der Stadt Aachen
Gremium
Rat der Stadt Aachen
Datum
Mi., 23.11.2016
Uhrzeit
17:00
Anlass
Öffentliche/Nichtöffentliche Sitzung
Vorlage
Entscheidungsvorlage
Beratung
öffentlich
Status
gemischt
Vorlageart
Entscheidungsvorlage
Federführend
FB 11 - Fachbereich Personal, Organisation
Geändert
23.2.2026
Inhalt abgerufen
22. Februar 2026 um 23:53