2. Mai 2017 um 17:00, Verwaltungsgeb. Mozartstraße Zi.207
TOP 7Öffentlich

Sachstand Dürer-Projekt im Jahr 2020

E 49/0034/WP17 · Kenntnisnahme

im Ratsinformationssystem anzeigen
Beratungsergebnis:zur Kenntnis genommen

Beratung

Die Beigeordnete, Frau Schwier, bezeichnet das Dürer-Projekt als absolutes „Highlight“ nach dem Karlsjahr 2014 und hebt hervor, dass es sich um drei Ausstellungen innerhalb eines Projektes handelt.

Im Anschluss erfolgt eine PowerPoint Präsentation durch Herrn van den Brink, Herrn Prof. Pohle und Herrn Dr. Beitin.

Auf Anfrage von Herrn von Hayn erklärt Frau Tirtey, dass der Kosten- und Finanzierungsplan zur Zeit noch nicht im Detail feststehe. Die Infrastruktur wird aus einem anderen Budget finanziert.

Sie verweist in diesem Zusammenhang auf das Beispiel der LED Leuchten. Sie hebt ausdrücklich hervor, dass zum Beispiel die Klimaanlage nicht aufgrund der bevorstehenden Dürer Ausstellung, sondern ohnehin dringend erforderlich ist. Hierzu gab es einen Beschluss des Betriebsausschusses Kultur aus Dezember 2012.

Es folgen Wortmeldungen von Ratsfrau Beslagic-Lohe, der Vorsitzenden, Bürgermeisterin Dr. Schmeer, Ratsherrn Pilgram, Ratsfrau Epstein und Ratsherrn Müller.

Frau Crumbach-Trommler bewertet den geplanten Eintrittspreis in Höhe von 10,00 € als zu niedrig.

Sie verweist auf Eintrittspreise von großen Ausstellungen in anderen Städten.

Die Beigeordnete, Frau Schwier, schließt sich dieser Meinung an und verweist auf die Anmerkungen von Frau Tirtey, wonach hinsichtlich des Kosten- und Finanzierungsplans noch „Feintuning“ betrieben wird.

Ratsherr Bausch hebt die Erforderlichkeit der Digitalisierung hervor und wünscht sich diesbezüglich ein Konzept und eine Vorstellung. Er erklärt, dass die Ausstellung auch virtuell erlebbar sein muss.

Darüber hinaus bittet Ratsherr Bausch darum, auch die Kulturszene/Freie Szene mit einzubinden.

Beschluss

Beschluss 165/18/2017: Der Betriebsausschuss Kultur nimmt die Ausführungen der Verwaltung zum Sachstand Dürer Projekt einstimmig zur Kenntnis.

Beschlussvorschlag

Beschlussvorschlag:

Der Betriebsausschuss Kultur nimmt die Ausführungen der Verwaltung zum Sachstand Dürer-Projekt zur Kenntnis.

Erläuterungen

Erläuterungen:

1520 – Dürer – Karl V – Mobilität – 2020

Im Jahr 1520 reisten zwei bedeutende historische Persönlichkeiten nach Aachen: Karl V., der im Dom feierlich zum König gekrönt wurde, – und Albrecht Dürer, einer der größten Künstler seiner Zeit. Dürer wollte den frisch gewählten König dazu bewegen, die Privilegien zu erneuern, die er mit dem Tod von Kaiser Maximilian I. eingebüßt hatte.

Am 7. Oktober 2020, exakt 500 Jahre nach der Ankunft Albrecht Dürers in Aachen, sollen drei Ausstellungen eröffnet werden, die das historische Treffen zum Ausgangspunkt nehmen, um unter einer gemeinsamen Dachmarke drei Themen zu entfalten: Dürers Reise nach Aachen, die ihn schließlich bis in die Niederlande führte und die sich bis heute anhand von Gemälden und Zeichnungen allerhöchster Qualität bis ins Detail nachvollziehen und visualisieren lässt, soll im Suermondt-Ludwig-Museum sichtbar werden. Flankierend dazu ruft das Centre Charlemagne die prachtvolle Krönung Karls V. in Erinnerung, und das Ludwig Forum Aachen nimmt sich der Rolle des reisenden Künstlers heute an.

Das Ausstellungsprojekt ist hoch ambitioniert. Die außerordentliche Qualität der Exponate, die vor allem mit der Dürer-Präsentation in Aussicht gestellt sind, und der ausreichend lange Planungsvorlauf erlauben es, einer überregional bis international ausgerichteten Marketingstrategie zu folgen, die von den bedeutenden Feuilletons bis zu touristischen Unternehmen eine so große Reichweite erzielen kann, dass hohe Besuchszahlen zu erwarten sind.

A. Suermondt-Ludwig-Museum

Dürers Reise

Albrecht Dürer und seine Reise nach Antwerpen und Aachen

Vor fast 500 Jahren, am 12. Juli 1520, machte sich Albrecht Dürer mit seiner Gattin Agnes auf den Weg von Nürnberg nach Antwerpen. Nach 22 Reisetagen mit Kutsche und Schiff erreichten sie am 2. August ihr Ziel. Erst genau ein Jahr später begaben sie sich wieder auf den Heimweg.

Diese Reise hatte mindestens zwei Gründe. Vor allem dürfte es Dürer darum gegangen sein, Karl V. dazu zu bewegen, jenes Privileg zu erneuern, das ihm Kaiser Maximilian I. gewährt hatte und welches dem Künstler eine jährliche Zahlung der Stadt Nürnberg sicherte. Dieses Privileg war mit dem Tod Maximilians erloschen und konnte nur durch dessen Enkel und designierten Nachfolger Karl V. erneuert werden, allerdings erst nach dessen Krönung – die entsprechende Zeremonie fand am 23. Oktober 1520 in Aachen statt. Dürer hatte seine Bitte im Vorfeld an Karl V. herangetragen und versuchte Fürsprecher unter den Mitgliedern des Hofes zu gewinnen, wie etwa die überaus einflussreiche Margarete von Österreich, Tante des neuen Kaisers. Dürer verbrachte zweieinhalb Wochen in Aachen, vom 7. bis zum 24. Oktober, bevor er dem soeben gekrönten Karl V. nach Köln folgte – und tatsächlich das erhoffte Privileg erhielt. Anschließend begab er sich wieder nach Antwerpen, dem Hauptstützpunkt seiner langen und zweifellos anstrengenden Reise.

Im Jahr 1520 war Antwerpen die wohl weltweit wichtigste Metropole, insbesondere in ökonomischer Hinsicht. Der Hafen florierte ganz außerordentlich und mit über zweihundert Meistern der Malerzunft übertraf die Stadt jede andere in Europa. Zudem fand sich hier der größte Markt für Luxusgüter, zu denen natürlich auch die Kunstwerke zählten. Aus den Tagebuchaufzeichnungen, die Dürer während dieser bemerkenswerten Reise führte, wird deutlich, dass er vornehmlich Kontakte mit Kaufleuten, Bankiers und anderen potentiellen Kunden zu knüpfen suchte. Er schmeichelte ihnen mit Portraits, die er von ihnen zeichnete oder malte, sicher nicht zuletzt in der Hoffnung auf lukrative Aufträge. Weiter besuchte er die ‚touristischen‘ Sehenswürdigkeiten der Region, wie Brüssel, Mechelen, Gent und Brügge, aber auch Bergen op Zoom und Zeeland und hielt die bemerkenswerteren Ereignisse, die er dort machte, schriftlich fest. Den breitesten Raum in seinen Aufzeichnungen nehmen allerdings seien Erlebnisse in Antwerpen ein.

Dürer führte nicht nur Tage- und Skizzenbücher – mit einer enormen Zahl von Kohle-, Silberstift- und Federzeichnungen, seien es Landschaften, Stadtansichten, Portraits oder Tierdarstellungen –, sondern er machte auch eine Reihe von Studien für größere Projekte. So entstanden hier beispielsweise mehrere Skizzen für den heute in Lissabon befindlichen „Hl. Hieronymus im Studierzimmer“ für Rodrigo d’Almada, das wohl am häufigsten kopierte Gemälde Dürers. Neben Portraits von Kunden fertigte er auch solche von Malerkollegen wie Bernard van Orley, Lucas van Leyden, Jan Provost und Joachim Patinir.

Das Königliche Museum der Schönen Künste in Antwerpen und das Aachener Suermondt-Ludwig-Museum planen nun für 2020-2021 eine Ausstellung, um an diese bemerkenswerte Reise des außergewöhnlichen Künstlers aus Nürnberg zu erinnern. Die Ausstellung wird zuerst in Aachen, ab Februar 2021 in Antwerpen präsentiert. Den Ausgangspunkt für die nacheinander stattfindenden Präsentationen in beiden Häusern bilden die zahlreichen Werke, die Dürer in diesem Jahr schuf. Dabei gilt es zunächst, die aussagekräftigsten und herausragenden jener weit über einhundert heute noch bekannten Zeichnungen aus der Wiener Albertina, dem Berliner Kupferstich­kabinett, dem Louvre in Paris und dem British Museum in London, aber auch aus zahlreichen anderen Sammlungen, zusammenzutragen und in sinnvolle Zusammenhänge zu stellen. Ergänzt werden sollen diese Stücke durch alle erhaltenen Gemälden, die Dürer während dieser Reise oder im Anschluss daran malte, sowie jene Werke, die er mit nach Antwerpen nahm, um sie dort zu verkaufen oder potentiellen und potenten Auftraggebern zu schenken.

Schließlich soll eine Auswahl von Gemälden, Skulpturen, Zeichnungen und Druckgraphiken gezeigt werden, die er auf seiner Reise gesehen haben dürfte, sei es, weil sie öffentlich zugänglich waren, wie in Kirchen und Rathäusern, oder weil sie von Künstlern stammen, deren Bekanntschaft er in dieser Zeit machte. Besonderes Augenmerk liegt dabei natürlich auf Werken, die Dürer vielleicht gar unmittelbar inspiriert haben. Da Dürers Werke seinerseits großen Einfluss auf andere Künstler, insbesondere in Antwerpen, hatte, ist es wichtig, auch entsprechende Beispiele zu präsentieren, also etwa solche von Joos van Cleve, Conrad Meit, Dirk Vellert, Jan Provost, Quentin Massys, Joachim Patinir, Bernard van Orley oder Lucas van Leyden. Insgesamt sollten um die 120 Exponate in jeder Ausstellung gezeigt werden.

All diese Werke sollen unter Zuhilfenahme der sinnvoll zuzuordnenden Information aus Dürers Tagebuch präsentiert werden, das heute leider nur in Form von zwei späteren Kopien – in Bamberg und Nürnberg – erhalten ist.

Zur Vorbereitung von Ausstellung, Katalog und Essayband wird ein wissenschaftliches Gremium gebildet, aus Mitarbeitern der beiden Museen und anerkannten Spezialisten auf diesem Gebiet, wie etwa Giulia Bartrum, Joris van Grieken, Jan van der Stock, Christof Metzger, Thomas Schauerte, Till-Holger Borchert, Jürgen Müller, Arnold Nesselrath und Dagmar Eichberger.

B. Centre Charlemagne

Karls Krönung

Das Centre Charlemagne wird die Aachener Krönung selbst in den Blickpunkt rücken und vor allem Karls Weg nach Aachen in den Mittelpunkt rücken. Über keine Aachener Königskrönung wissen wir mehr als über die Karls V.; bedeutende Relikte dieses Festes sind noch in Aachen erhalten, was uns bei der Darstellung zugutekommt. Da Karl seine Jugendjahre vornehmlich in den Niederlanden und unter der Obhut seines Großvaters verbrachte, ergibt sich eine weitere Brücke zur Dürer-Ausstellung des Suermondt-Ludwig-Museums. Damit stehen wir aber auch in einer Welt, in der der „Herbst des Mittelalters“ seinen späten Glanz erstrahlen lässt, in der Welt des „letzten Ritters“ Maximilian I., die zugleich eine immer stärker zerbröckelnde Fassade ist. Mit der militärischen Revolution und der Medienrevolution der Frühen Neuzeit, dem Zerbrechen der alten Weltbilder auf dem Weg in die erste Globalisierung und dem Zerbrechen der Glaubenseinheit im christlichen Europa, mit der Auflösung der Idee des Universalen Kaisertums und dem Vordringen der Türken als äußerer Bedrohung bewegen wir uns in einer spannenden Zeit, die vielfache aktuelle Bezüge ermöglicht.

Das Konzept für die Ausstellung wird im September 2017 vorgelegt. Es werden hochrangige Leihgaben aus Aachen, den Niederlanden, Belgien, Deutschland, Österreich und Spanien ins Auge gefasst.

C. Ludwig Forum für Internationale Kunst

Künstlerreisen – Wege zwischen Utopie und Scheitern (Arbeitstitel)

Viele Künstler haben sich seit dem ausgehenden Mittelalter und der Frühen Neuzeit auf Reisen begeben - auf der Suche nach Austausch, künstlerischer Inspiration oder einfach nach Arbeit. War es im 19. Jahrhundert Italien, das viele Künstler anzog, suchten sie in der Klassischen Moderne nach dem Paradies, etwa in der Südsee. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts ist kaum eine Berufsgruppe so viel auf Reisen wie die der Künstler: Sie begleiten ihre Werke zu Ausstellungen, bauen Installationen vor Ort auf oder begeben sich auf Forschungsreisen. Parallel dazu ist festzuhalten, dass sich auf viele Künstler immer weniger nationale Zuschreibungen anwenden lassen, da sie international unterwegs sind, in Berlin, New York oder London arbeiten und leben. Darüber hinaus kommen die vielfältigen Möglichkeiten des digitalen Austausches, die Künstler inspirieren. Die Ausstellung Künstlerreisen – Wege zwischen Utopie und Scheitern (AT) präsentiert parallel zu der großen Dürer-Ausstellung eine Auswahl an zeitgenössischen künstlerischen Positionen, bei denen das Reisen im konzeptuellen Zentrum ihres Werkes steht und Wege zwischen Utopien und Scheitern offenbart. Darüber hinaus soll im Vorfeld ein Auftrag an einen Fotografen vergeben werden, der die in Dürers Reisetagebuch sehr präzise festgehaltenen Orte seiner Reise künstlerisch in den Fokus nimmt.

Das präzise ausgearbeitete Ausstellungskonzept wird im Herbst 2017 vorgelegt.

Beginnen werden die Ausstellungen in Aachen am 7. Oktober 2020, genau 500 Jahre nachdem Albrecht Dürer in die Stadt Karls des Großen kam.

Anstehende Kosten werden geschätzt auf € 2.800.000,- für die Ausstellung im Suermondt-Ludwig-Museum (ca. 4 Mio. für die drei Aachener Ausstellungen gemeinsam).Für die Versicherung soll ein Antrag auf Staatshaftung gestellt werden. Alle großen deutschen Kunststiftungen sollen Förderanträge erhalten. Erwartet werden 100.000 Besucher.

Abstimmungsergebnis

Dieses Dokument wurde von einem anderen Benutzer gerade erstellt und noch nicht auf dem Server gespeichert.

Weitere Dokumente (1)

Für einige Anlagen sind keine direkten Download-Links verfügbar (Einschränkung des Ratsinformationssystems). Der Link öffnet die Seite im Ratsinformationssystem – die Anlage ist dort in der Liste zu finden.

Präsentation Dürer
13.3 MB · PDF
Technische Details

Hauptdokument

Sammeldokument öffentlich

2017-04-12 E 49_0034_WP17 Sachstand Duerer-Proj SAO.pdf

20.11.2024

105.3 KB

Betroffene Straßen

Karte wird geladen…

Metadaten

TOP
Ö 7
Sitzung
öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Betriebsausschusses Kultur
Gremium
Betriebsausschuss Kultur
Datum
Di., 02.05.2017
Uhrzeit
17:00
Anlass
Öffentliche/Nichtöffentliche Sitzung
Vorlage
Kenntnisnahme
Beratung
öffentlich
Status
gemischt
Vorlageart
Kenntnisnahme
Federführend
E 49 - Kulturbetrieb
Geändert
19.2.2026
Inhalt abgerufen
19. Februar 2026 um 09:30

Beschlussdokument

Sammeldokument öffentlich

Öffnen