"Diesel-Gipfel": Anträge auf Bundesförderung von Maßnahmen zur Reduzierung der NO2-Belastunghier: Tagesordnungsantrag der GRÜNE-Fraktion vom 06.11.2017
Dez. I/0005/WP17 · Kenntnisnahme
"Diesel-Gipfel": Anträge auf Bundesförderung von Maßnahmen zur Reduzierung der NO2-Belastunghier: Tagesordnungsantrag der GRÜNE-Fraktion vom 06.11.2017
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Der Oberbürgermeister verweist auf die Vorlage und erläutert sie. Die darin enthaltene Skizze sei als grundsätzlich förderfähig beschieden worden. Am 28. November 2017 finde der nächste Gipfel mit kommunaler Beteiligung im Kanzleramt statt. Offen sei noch, welche genauen Förderbedingungen und welche Zeitabläufe gelten und ob alles in der Skizze Zusammengefasste förderfähig ist. Er hoffe, dass die nächste Zusammenkunft diese Fragen beantworte. Bei den beantragten Maßnahmen handele es sich um solche, die bereits in verschiedenen Papieren enthalten seien, wie dem Luftreinhalteplan und Mobilitätsplänen. Man wisse, was man umsetzen wolle, offen sei weiter, ob es eines Masterplans für eine Förderung bedürfe.
Ratsherr Neumann, Grüne, sieht im gut ausgearbeiteten Luftreinhalteplan eine Grundlage, die umgesetzt werden sollte. Er ist skeptisch, ob eine Förderung wirklich komme. Das Vorhaben sei nach seiner Meinung eher eine Wahlkampfmaßnahme, schließlich habe die Bundesregierung für den Haushalt 2017 lediglich 9,4 Mio. Euro des Gesamtvolumens von 1 Milliarde Euro eingestellt. Auch das zuständige Ministerium habe auf Nachfrage der Grünen Bundestagsfraktion bestätigt, dass lediglich knapp 1 % der Fördersumme derzeit zur Verfügung stehe. Folglich müsse die nächste Bundesregierung die Mittel für den Haushalt 2018 einbringen. Er bedauert, dass Masterpläne erstellt werden müssten, obwohl viele Kommunen schon konkrete Pläne haben. Allerdings sieht er voraus, dass schon Anfang des nächsten Jahres Gerichte Fahrverbote verhängen könnten. Man solle sich nicht auf die Fördermittel verlassen, deshalb tritt er dafür ein, dass die Stadt selbst Geld in die Hand nehme, um die ASEAG mit elektrischen Fahrzeugen auszustatten und insbesondere die Nachrüstung der Dieselflotte mit SCR-Filtertechnologie nachzurüsten. Er verweist in diesem Zusammenhang auf einen Antrag seiner Fraktion, dem man nicht zugestimmt habe und hofft auf eine Änderung im Rahmen der Haushaltsbeschlüsse.
Ratsherr Deumens, Linke, begrüßt die Verwaltungsvorlage, da saubere Luft für seine Fraktion ein wichtiges Ziel sei. Skepsis bringt er gegenüber den Förderbedingungen und dem Förderzeitpunkt an. Er weist darauf hin, dass sich noch keine neue Bundesregierung gebildet habe. Die geplanten Maßnahmen sieht er als nicht ausreichend an, nach Meinung seiner Fraktion müsse mittel- und langfristig nicht allein die Luftreinhaltung, sondern auch die Lärmminimierung, letztlich eine deutliche Reduzierung des Autoverkehrs angestrebt werden. In der E-Mobilität sieht er einen Baustein für eine Verbesserung, doch müsse diese auch kritisch gesehen werden, da die Stromherstellung mit Umweltproblemen verbunden sei und der Batteriebetrieb der Elektromobile Kobalt als Metall benötige, das unter unmenschlichen und gesundheitsgefährdenden Bedingungen, teilweise durch Kinderarbeit in Afrika gewonnen werde. Er bittet den Oberbürgermeister, beim Diesel-Gipfel auch dieses Thema anzusprechen.
Ratsherr Linden, SPD, verweist in Entgegnung auf Ratsherrn Neumann auf im Nachtrag des Haushaltes berücksichtigte Eigenanteile der Stadt Aachen. Er sieht für die Umsetzung der geplanten Maßnahmen Dringlichkeit gegeben. Interessant findet er, dass die Themen Digitalisierung, Telematik, vernetztes und autonomes Fahren in der Vorlage hervorgehoben werden, sieht aber Aachen im Vergleich zu anderen Städten nicht so weit vorne, obwohl durch die Hochschulen vor Ort Potenziale hierfür bestünden. Er benennt Beispiele in anderen Städten und Regionen und erhofft sich durch die geplanten Maßnahmen einen Schub für Aachen.
Der Oberbürgermeister sieht Aachen vor allem als Standort für Elektromobilität vorne, sowohl bei der Forschung als auch bei der Arbeitsplatzschaffung. Er hofft, dass dies auch beim autonomen Fahren gelinge.
Ratsherr Baal, CDU, zweifelt nicht an den Zusagen der Bundesebene, die Gelder bereitzustellen. Er betont die Einigkeit, den Luftreinhalteplan als Grundlage der verschiedenen Themen abzuarbeiten. Er zeigt sich zuversichtlich, dass das Thema Elektromobilität im Haushalt Niederschlag finden wird, insofern bestehe kein Anlass zu Pessimismus.
Ratsherr Pilgram verweist auf einen Antrag seiner Fraktion zur Beteiligung am 5G-Wettbewerb des Bundesverkehrsministeriums. Er regt an, dies gegebenenfalls in den Maßnahmenkatalog aufzunehmen.
Herr Oberbürgermeister Philipp informiert, dass eine Beteiligung hierzu vorgesehen ist, der Start aber erst im nächsten Jahr stattfinde.
Beschluss
Beschlussvorschlag
Beschlussvorschlag:
Der Rat der Stadt nimmt die Ausführungen der Verwaltung zur Kenntnis.
Erläuterungen
Erläuterungen:
Mit Blick auf notwendige und angemahnte Verbesserungen des Gesundheitsschutzes, gleichzeitig aber auch als Baustein zur Gestaltung einer nachhaltigen und zukunftsweisenden Mobilitätsstrategie, plant die Stadt Aachen, mit einem breit angelegten Maßnahmenpaket die Einhaltung der EU-Grenzwerte für NO2 bis zum Jahr 2020 zu gewährleisten. Dazu wurden Maßnahmen und Projekte entwickelt, die aus dem Fonds „Nachhaltige Mobilität in der Stadt“ gefördert werden sollen. Sie korrespondieren mit dem Maßnahmenkonzept des Luftreinhalteplans 2015 sowie dem Prozess zur Aufstellung des Verkehrsentwicklungsplans (VEP) und verstehen sich als kraftvolle Ergänzung, Unterstützung und Fortentwicklung dieser Aktivitäten. Zunächst wurde am 30. September 2017 eine erste Projektskizze mit dem Titel „Aachener Aktionsplan Mobilität neu denken“ eingereicht, die Ende Oktober vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) als förderwürdig eingestuft wurde. Im nächsten Schritt wird bis 24. November 2017 ein Projektantrag gestellt, der die Erstellung eines Masterplans - „Green City Plan“ - vorsieht, in dem die einzelnen Maßnahmen ausgearbeitet werden. Eine Entscheidung über die Förderung der Maßnahmen selbst wird erst auf Basis des Masterplans erfolgen, der bis zum 31. Juli 2018 fertiggestellt wird.
Der sich in Vorbereitung befindliche Förderantrag gliedert sich in die Themen Digitalisierung des Verkehrssystems / Vernetzung im ÖPNV, Radverkehr, Elektrifizierung des Verkehrs, Urbane Logistik sowie Mobilitätsmanagement/Umsteigerkampagne.
Im Themenfeld Digitalisierung des Verkehrssystems ist vorgesehen, einen universell ausbau- und einsetzbaren Kleinbus, der für den Personennahverkehr ausgerüstet ist, im praktischen Einsatz auf der Strecke zwischen Hauptbahnhof und Markt zu testen („Marktliner“). Darüber hinaus soll insbesondere auf hochbelasteten Innenstadtstraßen die verkehrstechnische Infrastruktur auf zukünftige Anforderungen des autonomen Fahrens ausgebaut werden. Das beinhaltet notwendige Erfassungseinrichtungen an den Knotenpunkten wie auch die Aufrüstung bestehender Steuergeräte und Rechnereinheiten. Die dann mögliche Datenerfassung soll gleichzeitig eine Optimierung der Verkehrskoordinierung erlauben.
Darüber hinaus sieht der Fördergeber den Aufbau „smarter Mobilitätspunkte“ vor, darunter fallen auch weitere Pedelec-Verleih-Stationen. Durch die Topographie Aachens wird nicht nur der Steigerung des Fahrradverkehrs, sondern auch einer Intensivierung von Pedelec-Fahrten eine große Bedeutung beigemessen, um Autoverkehr in größerem Umfang zu ersetzen.
Auch im Bereich des Radverkehrs liegt dem Fördergeber daran, pendlerorientiert Radwegenetze weiter auszubauen und Verknüpfungspunkte mit dem ÖPNV zu schaffen. Vorgesehen ist, Sanierungsarbeiten auf Radwegen auf einer Länge von insgesamt 18 Kilometer prioritär umzusetzen, den weiteren Ausbau des Radvorrangnetzes voranzutreiben und durch Umbaumaßnahmen im Hauptverkehrsstraßennetz auf weiteren fünf Kilometern die Bedingungen für Radfahrer zu verbessern.
Im Arbeitspaket „Elektrifizierung des Verkehrs“ ist die Beschaffung von weiteren 13 Elektrobussen und die Errichtung von Ladeinfrastruktur am Betriebshof der ASEAG für 100 Fahrzeuge vorgesehen. Darüber hinaus sollen bis zu 90 vorhandene, jüngere Dieselbusse (Euro 5) mit SCRT-Filtersystemen nachgerüstet werden, um die Stickstoff-Emissionen der Fahrzeuge deutlich zu senken. In den Aachener Parkhäusern soll Ladeinfrastruktur errichtet werden, um möglichst alle auf dem Markt befindlichen Elektro-Pkw laden zu können, zusätzlich zur Installation von Lademanagementsystemen. Die Abrechnung könnte an den Parkvorgang gekoppelt werden, um die Verfügbarkeit für möglichst viele Kunden zu sichern. Auch im öffentlichen Straßenraum sollen 25 neue Ladesäulen entstehen, davon fünf Schnelladestationen.
Im Bereich „Urbane Logistik“ verfolgt der Fördergeber die Intention, Anreize zur Nutzung umweltfreundlicher Lieferfahrzeuge zu schaffen und verkehrsreduzierende Konzepte zu entwickeln. Im Masterplan sollen Maßnahmen ausgearbeitet werden, die die weiteren Förderanträge unterstützen und ergänzen.
Schließlich werden im Arbeitspaket Mobilitätsmanagement/Umsteigerkampagne in Anlehnung an erfolgreiche Projekte wie „Maastricht bereikbaar“ und „Slim naar Antwerpen“ umfangreiche Anreizmechanismen geschaffen, um den Mobilitätsbedarf von privaten Unternehmen und dem ihrer Beschäftigten umzustellen. Neben der Schaffung der technischen Voraussetzungen zur Elektrifizierung des Auto- und Lieferverkehrs dieser Unternehmen (Ladeinfrastruktur, Nutzung von CarPools, etc.) sind umfangreiche weiche Maßnahmen geplant, die zu einer nachhaltigen Veränderung des Mobilitätsverhaltens ihrer Beschäftigten führen – dies erfolgt mit Unterstützung digitaler Technologien.
Für die Erstellung des Masterplans werden rund 200.000 Euro benötigt, die zu 100 Prozent gefördert werden.
Weitere Dokumente (1)
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Technische Details
ID: 84284
OParl URL:http://ratsinfo.aachen.de/public/oparl/agendaItems?id=84284
Hauptdokument
Sammeldokument öffentlich
2017-11-16 Dez. i_0005_wp17 _diesel-gipfel__ ant sao
20.11.2024
352.7 KB
Betroffene Straßen
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Metadaten
- TOP
- Ö 13
- Sitzung
- öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Rates der Stadt Aachen
- Gremium
- Rat der Stadt Aachen
- Datum
- Mi., 22.11.2017
- Uhrzeit
- 17:00
- Anlass
- Öffentliche/Nichtöffentliche Sitzung
- Vorlage
- Kenntnisnahme
- Beratung
- öffentlich
- Status
- gemischt
- Vorlageart
- Kenntnisnahme
- Federführend
- Dezernat I
- Geändert
- 19.2.2026
- Inhalt abgerufen
- 19. Februar 2026 um 10:51