NABU Naturschutzstation Aachen - Sachstandbericht
FB 36/0241/WP17 · Kenntnisnahme
Beratung
Herr Bezirksbürgermeister Tillmanns begrüßt die Herren Dr. Aletsee vom NABU-Naturschutzstation e. V. und Herrn Dr. Engels vom Fachbereich Umwelt der Stadt Aachen.
Herr Dr. Aletsee bedankt sich für die Einladung zur heutigen Sitzung und erklärt anhand einer Power-Point-Präsentation die NABU-Naturschutzstation Aachen. Aufgabe der NABU-Naturschutzstation sei es u. a., den Schutz von Tieren gefährdeter Arten, den Biotopschutz und der Lebensräume sicherzustellen sowie die Beratung der Landwirte, der Bürger, der Verwaltung und der Politik wahrzunehmen. Die Öffentlichkeitsarbeit und das ehrenamtliche Engagement sollen weiter gestärkt bzw. gefördert werden. Der NABU habe zusammen mit der Stadt Aachen einen Trägerverein, die NABU-Naturschutzstation Aachen e. V., mit 9 Mitgliedern gegründet, der aus 5 Mitgliedern des NABU und 4 Mitgliedern der Stadt Aachen bestehe. Jährlich sei ein Maßnahmenkatalog aufzustellen, der durch die Mitglieder und die Bezirksregierung Köln abgestimmt werden müsse. Die NABU-Naturschutzstation Aachen e. V. sei im Jahre 2006 gegründet worden, seit 2015 werde das Projekt durch das Land NRW mit 80 % und durch die Stadt Aachen mit 20 % gefördert (Haushalt 120.000 €).
Die Landschaft in Aachen und Umgebung werde durch den Biber, die Mauereidechse, den Steinkauz und den Kiebitz geprägt. Im Bereich Biotoppflege sei man sehr intensiv im Bezirk Brand unterwegs und mit den Landwirten im Gespräch. Das einzige FFH-Gebiet im Bereich der Stadt Aachen befinde sich im Bezirk Brand in der Nähe des Truppenübungsplatzes. Im März d. J. starte das EU-Leitprojekt mit verschiedenen Partnern, u. a. auch mit Partnern aus den Niederlanden zum Schutz verschiedener Arten. In diesem Rahmen solle ein Dauerbeweidungsprojekt eingerichtet werden; Abstimmungsbedarf sei allerdings noch vorhanden. Das Projekt laufe über 8 Jahre. Herr Dr. Aletsee werde dieses Projekt gerne in der Bezirksvertretung Brand vorstellen.
Ratsfrau Lürken von der CDU-BF bedankt sich für den Vortrag und bittet darum, auch den Dank an die Ehrenamtler für ihr Engagement weiterzugeben. Sie sei stolz auf das größte zusammenhängende Naturschutzgebiet der Stadt Aachen im Bezirk Brand. Unter Hinweis auf einen Antrag der Bezirksvertretung Brand aus dem Jahr 2000/2001 fragt sie, wie weit die Unterschutzstellung des Rollefbachgebietes gediehen sei. Interessant habe sie die in dem Vortrag erwähnte Dorfrandlage mit den Hecken und den Beginn der Bebauung gefunden. Hierzu und zum Bovar-Projekt sowie zu der Frage, was mit den Wiesen geschehe, würde sie gerne noch mehr erfahren.
Herr Dr. Aletsee erläutert, dass es sich bei dem Bovar-Projekt um eine landwirtschaftliche Beweidung der Wiesen handele. Die Tiere würden von einem Landwirt betreut, es seien aber nur so viele Tiere auf der Fläche vorgesehen, wie ganzjährig ohne Zufütterung ernährt werden könnten. Diese Tiere bräuchten keinen Unterstand, sondern seien vielmehr der Freiheit angepasst. Nur bei auftretenden Problemen, z. B. Erkrankung eines Tieres oder Vandalismus werde sofort eingeschritten. Es sei auf der einen Seite ein Naturschutzprojekt, um die Diversität zu erhöhen; auf der anderen Seite solle es der Öffentlichkeit zugänglich sei. Die Wertschätzung für die Natur und die Umweltbildung sollen hervorgehoben werden. Die üblichen Projekte wie das Anlegen von Obstwiesen und Hecken würden ebenfalls umgesetzt, um das charakteristische Gesicht der Landschaft zu wahren.
Die Naturschutzgebiete Indetal und Brander Wald seien große Errungenschaften.
Herr Dr. Engels teilt ergänzend auf die Fragen von Ratsfrau Lürken mit, dass die Ausweisung des Naturschutzgebietes Rollefbachtal im Fachbereich Umwelt präsent sei und der Vorschlag im Zusammenhang mit der Neuaufstellung des Landschaftsplans der Stadt Aachen aufgegriffen werden solle. Die Entwurfsphase stehe kurz vor dem Abschluss, so dass die politischen Beratungen in 2018 beginnen würden.
Ratsherr Blum von der FDP schließt sich dem Dank von Ratsfrau Lürken an. Er sei froh darüber,
dass die Maßnahmen in der heutigen Sitzung vorgestellt werden. In Brand und Umgebung befinde sich das größte zusammenhängende Naturschutzgebiet der Stadt, worauf die Brander Bürger stolz seien. Dies merke man auch daran, dass bei Problemen, sei es z. B. der Bau einer Pipeline oder Straße, die Brander Bevölkerung geschlossen zusammen stehe. Er sei über die Artenvielfalt in diesem Bereich erfreut.
Herr Hellmann bedankt sich im Namen der SPD-BF bei den beiden Herren für den interessanten Vortrag. Parteiübergreifend sei viel für das Indetal getan worden. Die Politik bereite den Weg vor und die Bürger helfen aktiv mit. Der Bürgerverein habe eine eigene Unterabteilung mit vielen ehrenamtlichen Helfern, die in der Pflege des Naturschutzgebietes engagiert seien.
Auf Nachfrage des Herrn Hellmann erklärt Herr Dr. Aletsee, dass erkrankte Tiere von der Weidefläche genommen und die Nutztiere geschlachtet würden.
Herr Hußmann von der GRÜNE-BF bedankt sich für den Vortrag und fragt nach, ob schon Erfolge zu verzeichnen seien und wie es mit der Population aussehe.
Herr Dr. Aletsse berichtet über die 20 Jahre geleistete Arbeit des NABU. Naturschutz sei nicht eine Sache von heute auf morgen, sondern vielmehr eine langwierige Angelegenheit. Im Brander Wald seien durch die Kooperation mit der Standortverwaltung bezüglich der Gelbbauunkenpopulation große Erfolge erzielt worden. Weitere Erfolge seien bei der Schmetterlingsfauna und der Orchideenverbreitung zu verzeichnen.
Herr Bezirksbürgermeister Tillmanns bedankt sich bei Herrn Dr. Aletsee und Herrn Dr. Engels für den informativen Vortrag.
Beschluss
Beschlussvorschlag
Beschlussvorschlag:
Die Bezirksvertretung Mitte nimmt die Ausführungen der Verwaltung zur Kenntnis.
Die Bezirksvertretung Haaren nimmt die Ausführungen der Verwaltung zur Kenntnis.
Die Bezirksvertretung Eilendorf nimmt die Ausführungen der Verwaltung zur Kenntnis.
Die Bezirksvertretung Laurensberg nimmt die Ausführungen der Verwaltung zur Kenntnis.
Die BezirksvertretungRichterich nimmt die Ausführungen der Verwaltung zur Kenntnis.
Die Bezirksvertretung Kornelimünster/Walheim nimmt die Ausführungen der Verwaltung zur Kenntnis.
Die Bezirksvertretung Brand nimmt die Ausführungen der Verwaltung zur Kenntnis.
Der Ausschuss für Umwelt und Klimaschutz nimmt die Ausführungen der Verwaltung zustimmend zur Kenntnis.
Erläuterungen
Erläuterungen:
I.Einleitung: Naturschutz, Ehrenamt und Naturschutzstationen
Die Zusammenarbeit des behördlichen und ehrenamtlichen Umwelt- und Naturschutzes zum Schutz und zur langfristigen Sicherung des Natur- und Landschaftsraumes hat in Aachen eine langjährige Tradition.
Nach einer Vorgabe des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG, § 3 Abs. 4) sollen die zuständigen Naturschutzbehörden hierfür auch mit den ehrenamtlich tätigen Umwelt- und Naturschutz-Organisationen kooperieren. Ehrenamtlicher Naturschutz trägt durch die Verankerung in der Gesellschaft ganz erheblich dazu bei, eines der wichtigsten strategischen Ziele des „Übereinkommens über die Biologische Vielfalt“ (Biodiversitätskonvention, 1992) und der „Nationalen Strategie zur Biologischen Vielfalt“ (2007) umzusetzen[1].
Mit der „Förderrichtlinie Biologische Stationen NRW – FöBS“ werden die Trägervereine der Biologischen Stationen in NRW finanziell unterstützt. Das in Deutschland einzigartige Netz von Biologischen Stationen spielt eine große Rolle bei der Umsetzung der Naturschutzarbeit vor Ort, wobei Naturschutzfacharbeiten von landesweitem Interesse eine wesentliche Rolle spielen.
II.NABU-Naturschutzstation Aachen
Nach intensiven Gesprächen und Abstimmungen zwischen NABU Aachen e.V. und Stadt Aachen, Fachbereich Umwelt, hat der NABU Aachen e.V. im Jahr 2006 die NABU-Naturschutzstation Aachen eingerichtet. Auf der Basis fachspezifischer Projektaufträge (z. B. Bestandserfassungen streng geschützter Arten wie Steinkauz, Gelbbauchunke oder Schleiereule, Erhalt und Förderung alter und lokaler Streuobstsorten, Neophytenbekämpfung) entwickelte sich in den folgenden Jahren eine erfolgreiche und enge Zusammenarbeit zwischen dem Fachbereich Umwelt und der Station.
Mit der Zielsetzung beim Land NRW eine Anerkennung der NABU-Naturschutzstation als landesgeförderte Biostation zu erwirken, gründeten Stadt Aachen und NABU Aachen e. V. im Herbst 2012 den Trägerverein „NABU- Naturschutzstation Aachen“. Nach intensiven Verhandlungen zwischen Land und beiden Vereinsträgern wird die Station seit 2015 gemäß der „Förderrichtlinie Biologische Stationen NRW – FöBS“ durch das Land NRW gefördert. Damit konnte die Finanzierung der Station auf ein solides Fundament gestellt werden.
Die Aufgaben der Naturschutzstation reichen in unterschiedlichste Felder des integrierten Naturschutzes und der Kulturlandschaftspflege. Mit ihrer bisherigen, erfolgreichen Arbeit konnte die Naturschutzstation:
wichtige Impulse für den Artenschutz (u. a. Steinkauz, Schleiereule, Fledermäuse, Gelbbauchunke, Edelkrebse) setzen,
signifikant zur Optimierung der Schutzgebietsbetreuung beitragen (u. a. FFH–Gebiet Brander Wald, diverse Naturschutzgebiete in Aachen, Streuobst- und Magerwiesen),
das ehrenamtliche (bürgerschaftliche) Engagement für den Naturschutz erkennbar ausbauen (z.B. im Bereich der Biotoppflege, Neophyten-Bekämpfung, Kartierung geschützter Arten),
zur Vertrauensbildung zwischen Verwaltung, Umweltverbänden und Landwirtschaft beitragen,
über die Fachbetreuung des landwirtschaftlichen Betriebs des NABU Stadtverbandes die Betreuung städtischer und eigener Kulturlandschafts- und Biotopflächen verbessern und
durch eine beachtliche mediale Präsenz zur Sensibilisierung für Fragen des Natur- und Artenschutzes beitragen[2].
Die durch das Land NRW geförderte NABU-Naturschutzstation trägt den städtischen Interessen und dem Gedanken des Bundesnaturschutzgesetzes in hohem Maße Rechnung.
Über aktuell laufende und zukünftig geplante Projekte der Naturschutzstation wird der Geschäftsführer, Dr. Manfred Aletsee, im Rahmen einer Präsentation informieren.
[1]Nach wissenschaftlichen Studien stehen die Chancen gut, die Zahl der ehrenamtlich für den Naturschutz engagierten Bürger weiter zu steigern. Die Erfahrungen der zurückliegenden Jahre in der Stadt Aachen bestätigen diesen Trend. Grundlegende Voraussetzung für ein aktives Engagement in den (Naturschutz-) Organisationen ist eine professionelle Betreuung der Aktivitäten. Gelingt dies, lässt sich der Natur- und Artenschutz weit über die Grenzen des behördlichen Wirkens befördern.
[2] Nähere Informationen sowie einzelne Projektberichte sind auch der offiziellen Homepage des NABU Aachen e.V. unter www.naturschutzstation-aachen.de zu entnehmen.
Abstimmungsergebnis
Technische Details
ID: 85153
OParl URL:http://ratsinfo.aachen.de/public/oparl/agendaItems?id=85153
Hauptdokument
Sammeldokument öffentlich
2017-12-28 FB 36_0241_WP17 NABU Naturschutzstat SAO.pdf
7.11.2024
83.9 KB
Metadaten
- TOP
- Ö 5
- Sitzung
- öffentliche/nichtöffentliche Sitzung der Bezirksvertretung Aachen-Brand
- Gremium
- Bezirksvertretung Aachen-Brand
- Datum
- Mi., 31.01.2018
- Uhrzeit
- 17:00
- Anlass
- Öffentliche/Nichtöffentliche Sitzung
- Vorlage
- Kenntnisnahme
- Beratung
- öffentlich
- Status
- gemischt
- Vorlageart
- Kenntnisnahme
- Federführend
- FB 36 - Fachbereich Klima und Umwelt
- Geändert
- 18.2.2026
- Inhalt abgerufen
- 18. Februar 2026 um 21:59