NABU Naturschutzstation Aachen - Sachstandbericht
FB 36/0271/WP17 · Kenntnisnahme
Beratung
Herr Dr. Aletsee, Geschäftsführer der NABU-Naturschutzstation, berichtet über den Sachstand anhand einer Power-Point-Präsentation.
Er führt aus, dass die Naturschutzstation seit 2015 durch das Land NRW gefördert werde (Förderrichtlinie Biologische Stationen NRW – FöBS). Der Trägerverein bestehe aus 9 Mitgliedern (5 Mitarbeiter des NABU und 4 Mitarbeitern der Stadt Aachen).
Der Haushalt der Naturschutzstation umfasse ein festes Budget in Höhe von 120.000€ zzgl. Projektmitteln. Davon werden 80% vom Land und 20% von der Stadt finanziert.
Folgende Aufgaben werden laut Auskunft von Herrn Dr. Aletsee durch die Naturschutzstation wahrgenommen:
Artenschutz (Biber, Mauereidechse, Steinkauz, Kiebiz)
Biotopschutz (mehr als 50 ha werden gepflegt, ohne Düngung und ohne Pestizide; gefährdete Lebensräume; Streuobstwiesen)
Kooperation mit lokalen Landwirten (Beweidung, Mahd)
Beispielhaft für die Biotoppflege führt Herr Dr. Aletsee die Mitwirkung bei der Optimierung des Naturschutzgebietes Schneeberg mit Senserbachtal an.
Darüber hinaus erfolge jährlich in Zusammenarbeit mit dem Ehrenamt ein Monitoring der Feldvögel. Hier sei eine deutliche Abnahme des Bestandes zu verzeichnen.
Seit 2017 werden laut Auskunft von Herrn Dr. Aletsee in Zusammenarbeit mit 5 Landwirten Maßnahmen zum Kiebizschutz ergriffen.
2018 seien in Zusammenarbeit mit den Städten Aachen und Kerkrade Feldhamster aus dem GAIA-Zoo auf Aachener Gebiet umgesiedelt worden.
Ein weiteres grenzüberschreitendes Projekt sei die Untersuchung von Fledermäusen im Wald.
Ebenfalls werde durch die Naturschutzstation Öffentlichkeitsarbeit in Form von Exkursionen, Vorträgen, Seminaren geboten. Zu betonen sei die Einbindung des Ehrenamtes, ohne das die Arbeit in diesem Umfang nicht geleistet werden könne.
Herr Dr. Aletsee berichtet über folgende aktuelle Projekte:
- Biotopverbund im Westen – Westwall
Hier handele es sich laut Auskunft von Herrn Dr. Aletsee um eine bedeutende Struktur für die Natur. Ziel sei es, die sogenannte Höckerline für die heimische Fauna und Flora aufzuwerten und so die biologische Vielfalt zu stärken.
- EU-Projekt „BOVAR“
Laut Auskunft von Herrn Dr. Aletsee steht „BOVAR“ als Akronym von Bombina variegata – Gelbbauchunke. Das Projekt diene dazu, günstige Lebensraumbedingungen für Gelbbauchunke, Geburtshelferkröte, Kreuzkröte und Kammolch wieder herzustellen.
In Aachen solle die Population Gelbbauchunke im Indetal durch Anlage vieler kleiner Tümpel und durch ein Ganzjahresbeweidungsprojekt gesichert werden.
Herr Plum erkundigt sich danach, wie die umgesiedelten Hamster geschützt werden, da es sich dabei um gezüchtete Hamster handele. Herr Dr. Altesee erwidert, dass der Schutz in Form eines Elektrozauns erfolge. Es handele sich zwar um die Nachzucht von Wildhamstern, welche jedoch mit den natürlichen Gefahren nicht vertraut seien. Er gehe im Moment davon aus, dass die Tiere sich ansiedeln. Ob die Ansiedlung erfolgreich war, könne man jedoch erst nach erfolgter Reproduktion beurteilen. Herr Plum möchte wissen, wie der Greifvogelbestand in diesem Gebiet sei. Herr Dr. Aletsee teilt mit, dass es Greifvögel in dem Gebiet gebe; diese Tatsache könne man aber nicht ändern. Er ergänzt, dass der Fuchsbestand niedrig sei. Mehr Probleme bereiten freilaufende Hunde und Hauskatzen.
Herr von Franztius erkundigt sich sich danach, wer von der Stadt Aachen Mitglied des Trägervereins sei. Herr Dr. Aletsee gibt bekannt, dass dies Herr Wiezorek, Herr Meiners, Frau Dammers und Herr Dr. Engels seien.
Darüber hinaus spricht Herr von Frantzius die Probleme an, die der Biber verursacht. Dazu teilt Herr Dr. Aletsee mit, dass es inzwischen 10 Biberreviere in Aachen gebe und dadurch natürlich Probleme auftreten. Man könne sich jedoch schützen. Der NABU stehe dazu gerne beratend zur Seite.
Bezüglich des durch Herrn Dr. Aletsee angesprochenen aktuellen Projektes der NABU-Naturschutzstation „Biotopverbund im Westen – Westwall“, spricht Herr von Frantzius eine geplante Aktion „Drachenzähne – eingefärbt“ an, bei der Steine der Höckerlinie mit Stoff überzogen werden sollen. Dazu gibt Herr Dr. Aletsee bekannt, dass es sich bei allen Höckerlinien um Geschützte Landschaftsbestandteile handele. Bei Durchführung des Projektes würden die auf den Steinen entwickelten Moose zerstört werden. Herr Meiners ergänzt, dass ein naturschutzrechtlicher Antrag auf Befreiung nicht vorliege und der unteren Naturschutzbehörde davon bisher nichts bekannt sei. Darüber hinaus könne eine Befreiung auch nicht in Aussicht gestellt werden. Es habe in der Vergangenheit bei Köpfchen ein Projekt gegeben, bei welchem 1 Zahn gekennzeichnet worden sei.
Herr Herpertz erkundigt sich danach, ob tatsächlich mit der Rückkehr des Wolfes nach Nordrhein-Westfalen gerechnet werden müsse. Dies wird durch Herrn Dr. Aletsee eindeutig bejaht. Nordrhein-Westfalen sei Wolfserwartungsland. Es gebe inzwischen einen Erlass des LANUV, in welchem auch ein Schadensausgleich (Schäden an Nutztieren und andere wirtschaftliche Schäden) geregelt sei. Nach Ansicht von Herrn Dr. Aletsee sei das vorwiegende Problem der Bevölkerung die Angst vor dem Wolf. Es sei jedoch so, dass der Wolf dem Mensch ausweiche. Anders stelle sich das nur dar, wenn ein Hund dabei sei oder der Wolf krank sei (Tollwut).
Beschluss
Beschlussvorschlag
Beschlussvorschlag:
Der Naturschutzbeirat nimmt die Ausführungen der Verwaltung zur Kenntnis.
Erläuterungen
Erläuterungen:
Einleitung: Naturschutz, Ehrenamt und Naturschutzstationen
Die Zusammenarbeit des behördlichen und ehrenamtlichen Umwelt- und Naturschutzes zum Schutz und zur langfristigen Sicherung des Natur- und Landschaftsraumes hat in Aachen eine langjährige Tradition.
Nach einer Vorgabe des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG, § 3 Abs. 4) sollen die zuständigen Naturschutzbehörden hierfür auch mit den ehrenamtlich tätigen Umwelt- und Naturschutz-Organisationen kooperieren. Ehrenamtlicher Naturschutz trägt durch die Verankerung in der Gesellschaft ganz erheblich dazu bei, eines der wichtigsten strategischen Ziele des „Übereinkommens über die Biologische Vielfalt“ (Biodiversitätskonvention, 1992) und der „Nationalen Strategie zur Biologischen Vielfalt“ (2007) umzusetzen[1].
Mit der „Förderrichtlinie Biologische Stationen NRW – FöBS“ werden die Trägervereine der Biologischen Stationen in NRW finanziell unterstützt. Das in Deutschland einzigartige Netz von Biologischen Stationen spielt eine große Rolle bei der Umsetzung der Naturschutzarbeit vor Ort, wobei Naturschutzfacharbeiten von landesweitem Interesse eine wesentliche Rolle spielen.
II.NABU-Naturschutzstation Aachen
Nach intensiven Gesprächen und Abstimmungen zwischen NABU Aachen e.V. und Stadt Aachen, Fachbereich Umwelt, hat der NABU Aachen e.V. im Jahr 2006 die NABU-Naturschutzstation Aachen eingerichtet. Auf der Basis fachspezifischer Projektaufträge (z. B. Bestandserfassungen streng geschützter Arten wie Steinkauz, Gelbbauchunke oder Schleiereule, Erhalt und Förderung alter und lokaler Streuobstsorten, Neophytenbekämpfung) entwickelte sich in den folgenden Jahren eine erfolgreiche und enge Zusammenarbeit zwischen dem Fachbereich Umwelt und der Station.
Mit der Zielsetzung beim Land NRW eine Anerkennung der NABU-Naturschutzstation als landesgeförderte Biostation zu erwirken, gründeten Stadt Aachen und NABU Aachen e. V. im Herbst 2012 den Trägerverein „NABU- Naturschutzstation Aachen“. Nach intensiven Verhandlungen zwischen Land und beiden Vereinsträgern wird die Station seit 2015 gemäß der „Förderrichtlinie Biologische Stationen NRW – FöBS“ durch das Land NRW gefördert. Damit konnte die Finanzierung der Station auf ein solides Fundament gestellt werden.
Die Aufgaben der Naturschutzstation reichen in unterschiedlichste Felder des integrierten Naturschutzes und der Kulturlandschaftspflege. Mit ihrer bisherigen, erfolgreichen Arbeit konnte die Naturschutzstation:
wichtige Impulse für den Artenschutz (u. a. Steinkauz, Schleiereule, Fledermäuse, Gelbbauchunke, Edelkrebse) setzen,
signifikant zur Optimierung der Schutzgebietsbetreuung beitragen (u. a. FFH–Gebiet Brander Wald, diverse Naturschutzgebiete in Aachen, Streuobst- und Magerwiesen),
das ehrenamtliche (bürgerschaftliche) Engagement für den Naturschutz erkennbar ausbauen (z.B. im Bereich der Biotoppflege, Neophyten-Bekämpfung, Kartierung geschützter Arten),
zur Vertrauensbildung zwischen Verwaltung, Umweltverbänden und Landwirtschaft beitragen,
über die Fachbetreuung des landwirtschaftlichen Betriebs des NABU Stadtverbandes die Betreuung städtischer und eigener Kulturlandschafts- und Biotopflächen verbessern und
durch eine beachtliche mediale Präsenz zur Sensibilisierung für Fragen des Natur- und Artenschutzes beitragen[2].
Die durch das Land NRW geförderte NABU-Naturschutzstation trägt den städtischen Interessen und dem Gedanken des Bundesnaturschutzgesetzes in hohem Maße Rechnung.
Über aktuell laufende und zukünftig geplante Projekte der Naturschutzstation wird der Geschäftsführer, Dr. Manfred Aletsee, im Rahmen einer Präsentation informieren.
[1] Nach wissenschaftlichen Studien stehen die Chancen gut, die Zahl der ehrenamtlich für den Naturschutz engagierten Bürger weiter zu steigern. Die Erfahrungen der zurückliegenden Jahre in der Stadt Aachen bestätigen diesen Trend. Grundlegende Voraussetzung für ein aktives Engagement in den (Naturschutz-) Organisationen ist eine professionelle Betreuung der Aktivitäten. Gelingt dies, lässt sich der Natur- und Artenschutz weit über die Grenzen des behördlichen Wirkens befördern.
[2] Nähere Informationen sowie einzelne Projektberichte sind auch der offiziellen Homepage des NABU Aachen e.V. unter www.naturschutzstation-aachen.de zu entnehmen.
Technische Details
ID: 87474
OParl URL:http://ratsinfo.aachen.de/public/oparl/agendaItems?id=87474
Hauptdokument
Sammeldokument öffentlich
2018-05-09 FB 36_0271_WP17 NABU Naturschutzstat SAO.pdf
13.12.2024
91.5 KB
Metadaten
- TOP
- Ö 5
- Sitzung
- öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Naturschutzbeirates
- Gremium
- Naturschutzbeirat
- Datum
- Di., 19.06.2018
- Uhrzeit
- 17:00
- Anlass
- Öffentliche/Nichtöffentliche Sitzung
- Vorlage
- Kenntnisnahme
- Beratung
- öffentlich
- Status
- gemischt
- Vorlageart
- Kenntnisnahme
- Federführend
- FB 36 - Fachbereich Klima und Umwelt
- Geändert
- 18.2.2026
- Inhalt abgerufen
- 18. Februar 2026 um 22:53