Beratung
Herr Eric Ummels von der Gemeinde Vaals stellt den Sachstand des geplanten Radweges Aachen-Maastricht anhand einer Power-Point-Präsentation vor. Herr Ummels ist laut eigenen Angaben Vertreter der Gemeinde Vaals in der Projektgruppe „Trambaanfietsroute“.
Er führt aus, dass im Jahre 1925 die erste und einzige Bergtrambaan zwischen Vaals und Maastricht errichtet worden sei. Diese Bahnverbindung von Vaals nach Maastricht habe laut Auskunft von Herrn Ummels aber nur 13 Jahre bestanden (bis 1938); der Betrieb sei dann wegen mangelnder Rentabilität eingestellt worden. 2013/2014 sei die Idee entstanden, die alte Trambaanstrecke zu nutzen und in einen Fahrradweg umzubauen. Eine entsprechende Übereinkommenserklärung sei laut Auskunft von Herrn Ummels bereits am 14.12.2015 durch die Gemeinden Maastricht, Eijsden-Margraten, Gulpen, Vaals und der Stadt Aachen unterzeichnet worden.
Bei der Streckenführung sollen neben landschaftlichen Aspekten auch kulturhistorische Aspekte (Einbindung von Bahnhöfen, Klöstern/Schlössern, des amerikanischen Friedhofs, des Nationalparks, der Innenstädte Aachen/Maastricht) Berücksichtigung finden. Darüber hinaus soll der Bau der Fahrradroute die wirtschaftliche und touristische Struktur stärken. Es sei ermittelt worden, dass der touristische Ertrag bei jährlich 630.000€ liege und die Schaffung von 9 Arbeitsplätzen gewährleiste. Die jährliche Nutzung sei mit 100.000 Fahrradfahrern ermittelt worden (500 Fahrradfahrer täglich im Frühling und im Sommer). Ebenfalls sei laut Auskunft von Herrn Ummels geplant, den Radweg an den Vennbahnradweg anzubinden und so die Möglichkeit einer weiteren Anbindung an die Euregio zu schaffen. Auch die Finanzierung des Projektes sei bereits kalkuliert worden. So seien Kosten von 3,7 Mio. € ermittelt worden. Davon sollen 2 Mio. € durch das EU-Förderprogramm Interreg finanziert werden; die restliche Finanzierung soll durch die Gemeinden selber erfolgen.
Herr Ummels führt weiterhin aus, dass sich zwischenzeitlich Bürgerinitiativen gegen den Bau der Strecke gebildet haben. Die Proteste seien groß. Ein Kritikpunkt sei, dass der Bedarf für einen weiteren Radweg zwischen Aachen und Maastricht nicht gegeben sei, da bereits ein Radweg bestehe, der die beiden Städte miteinander verbinde. Der Nutzen einer neuen Radroute sei daher fragwürdig und darüber hinaus sei der wirtschaftliche Ertrag zu optimistisch kalkuliert. Es stehe inzwischen fest, dass die zunächst ermittelten Kosten in Höhe von 3,7 Mio. € um 1/3 höher liegen. Hauptkritikpunkt sei jedoch, dass Eingriffe in die Natur erfolgen müssen; insbesondere seien Auswirkungen auf das Leben bedrohter Tierarten und auch auf das Leben der Anwohner nicht berücksichtigt worden. Der neue Radweg würde Naturschutzgebiete durchschneiden, die grundsätzlich nicht berührt werden dürfen. Wie Herr Ummels dazu ausführt, müsste ein Ausgleich für den Eingriff in die Natur geschaffen werden, der hohe Kosten verursache. Hier sei zu überlegen, ob diese hohen Kosten im Verhältnis zum Nutzen stehen. So müssten bei der zunächst priorisierten Streckenalternative 9km neu mit Asphalt angelegt werden (schwarze Linie der im Beitrag gezeigten Karte). Diese Alternative würde zwar einerseits einen Weg durch eine schöne Landschaft gewährleisten, andererseits würde jedoch Natur zerstört werden müssen.
Auch werde von den Bürgerinitiativen bemängelt, dass die Bürger nicht ausreichend in das Verfahren miteingebunden worden seien.
Hinzu komme laut Auskunft von Herrn Ummels, dass im März in den Niederlanden Kommunalwahlen stattgefunden haben mit dem Ergebnis, dass die Gegner des Projektes in Vaals die Mehrheit gewonnen haben. Es sei daher derzeit fraglich, ob das Projekt weiterverfolgt werde.
Herr Dr. Aletsee teilt mit, dass der NABU in engem Kontakt mit der Bürgerinitiative in den Niederlanden stehe. Der zunächst angedachte Weg auf deutscher Seite entlang des Senserbaches kommt seiner Meinung nach nicht in Frage. Es sei undenkbar, dass der Bach bei Lemiers von täglich 1000 Fahrradfahrern gequert werde.
Darüber hinaus ist Herr Dr. Aletsee der Meinung, dass die wachsende Zahl von E-Bikes bei der Planung nicht berücksichtigt worden sei. Der Bedarf an flachen Strecken gehe zurück. Insbesondere ältere Leute steigen häufig auf E-Bikes um. Seiner Meinung nach sei die Planung eines solchen Radweges nicht mehr „up to date“. Herr Dr. Aletsee stellt die Frage an Herrn Ummels, ob die Niederländische Provinz bereits eine Art Umweltverträglichkeitsprüfung für den sensiblen Bereich erstellt habe. Dazu gibt Herr Ummels bekannt, dass die naturschutzrechtlichen Belange derzeit geprüft werden und mit in die Gesamtüberlegungen einbezogen werden.
Herr Meiners teilt mit, dass die Stärkung des Radverkehrs seitens der unteren Naturschutzbehörde grundsätzlich begrüßt werde, da der Ausbau des Fahrradverkehrs grundsätzlich wünschenswert sei.
Er räumt jedoch ein, dass der hier maßgebliche Naturraum aus naturschutzfachlicher Sicht sehr sensibel sei und man die entsprechenden Untersuchungen dazu abwarten solle. Er sehe es nicht zwingend so, dass 1000 Fahrradfahrer täglich auf bereits vorhandenen Straßen nicht akzeptabel hohe negative Auswirkungen auf die Natur haben. Darüber hinaus teilt ernicht die Ansicht des Herrn Dr. Aletsee, dass die Planung derartiger Fahrradwege nicht mehr dem Zeitgeist entspreche.
Herr von Frantzius weist darauf hin, dass in der Vergangenheit bereits vom Naturschutzbeirat empfohlen worden sei, dass der sensible Bereich Senserbach nicht tangiert werde.
Herr Dr. Aletsee fügt an, dass eine erhebliche Frage sei, wo die Trasse vor Lemiers entlanglaufen soll. Er findet die Zahl von 1000 Fahrradfahrern täglich erheblich. Ein massives Problem für die Landschaft sei dabei, dass die meisten Nutzer des Radweges „ihr Geschäft“ abseits der Wege in der Landschaft verrichten. Herr Meiners erwidert, dass bei Bau von Toiletten mit in die Planung einbezogen werden müsse.
Frau Nelißen erkundigt sich danach, ob die Streckenführung der „schwarzen Linie“ komplett neu gebaut werden müsse, während sich die Streckenführung der „roten und grünen Linie“ auf bestehenden Wegen befinde. Dies wird durch Herrn Ummels bestätigt.
Herr von Frantzius bittet die ebenfalls anwesende Frau Dr. Küpper,Verkehrsplanung der Stadt Aachen,den Naturschutzbeirat in der zukünftigen Planung frühzeitig einzubeziehen. Er erkundigt sich bei ihr, welche Streckenführung auf deutscher Seite geplant sei. Frau Dr. Küpper gibt dazu bekannt, dass das bestehende Radwegenetz nicht viele Möglichkeiten biete, von Lemiers in die Niederlande zu gelangen, ohne neue Wege zu bauen. Der Senserbachweg sei daher die priorisierte Streckenführung. Es bestehe laut Auskunft von Frau Dr. Küpper bei der Stadt Aachen kein großes Budget, so dass der Bau von neuen Wegen ausgeschlossen sei. Möglich sei noch die Nutzung des Schneebergweges, welcher aber durch die Steigung beschwerlicher sei.
Herr von Frantzius bedankt sich bei Herrn Ummels für den Vortrag und beendet an dieser Stelle die Diskussion.
Für diesen Tagesordnungspunkt liegen noch keine Beratungsergebnisse vor.
Technische Details
ID: 87776
OParl URL:http://ratsinfo.aachen.de/public/oparl/agendaItems?id=87776
Grunddaten
- TOP
- Ö 4
- Sitzung
- öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Naturschutzbeirates
- Gremium
- Naturschutzbeirat
- Datum
- Di., 19.06.2018
- Uhrzeit
- 17:00
- Anlass
- Öffentliche/Nichtöffentliche Sitzung
- Status
- gemischt