Beratung
Ratsherr Deumens, Vorsitzender der Fraktion DIE LINKE, stellt fest, dass der in der Vorlage formulierte olympische Gedanke vielleicht irgendwann mal existiert habe, dies aber schon seit langem nicht mehr tue. Wenn man sich mit dem IOC und dem, was dort in den letzten Jahren und Jahrzehnten passiert sei, beschäftige, so sage er ganz deutlich, die Mitglieder des IOC seien korrupt. Athletinnen und Athleten wollten gute Leistungen bringen, die Verbände würden sie immer stärker unter Leistungsdruck setzen, die Sponsoren hegten Erwartungen und es gebe leider auch eine Reihe von Staaten, die ihre Sportler unter Druck setzten. Der IOC habe die Agenda 2020 vorgelegt, die auch von der Initiative Rhein Ruhr City 2032 aufgegriffen worden sei. Da sei die Rede von kostenbewussten und nachhaltigen Spielen, der Nutzung von bestehenden Sportstätten und es werde sich auch gegen den Gigantismus verwahrt, den es bei früheren Olympischen Spielen gegeben habe. Er glaube jedoch nicht, dass diese Ideen das Resultat der Einsicht der Mitglieder des IOC, sondern vielmehr der Änderung des öffentlichen Bewusstseins geschuldet seien. Wenn es zur Olympia-Bewerbung und dann sogar noch zu einem Zuschlag komme, wie sähe es dann hinter den Kulissen aus? Da sei das mächtige, in Teilen korrupte IOC, da sei das Interesse der Sponsoren, und ob es vor diesem Hintergrund wirklich zu einfachen Spielen käme, sei dahingestellt. Seine Fraktion glaube, dass die Spiele teurer würden als erwartet und damit auch den städtischen Haushalt mehr belasten würden, als man vielleicht bei einer Bewerbung annehme. Und wenn man ehrlich sei, dann sei auch die angesprochene Nachhaltigkeit nie eingetreten, die Menschen hätten im Nachhinein nichts von den Olympischen Spielen gehabt. Ein Vertreter der Rhein Ruhr City GmbH sei in der Fraktion zu Gast gewesen und habe u.a. darauf hingewiesen, dass die viel beschworene Mobilitätswende, aber auch Verbesserungen in der Infrastruktur sicher besser umgesetzt werden könnten, wenn denn der Zuschlag für die Olympischen Spiele erfolgen würde. Es sei aber eine originäre staatliche Aufgabe, Mobilität zu organisieren, voranzubringen und Verbesserungen in der Infrastruktur zu erreichen. Das habe der Staat im Sinne und zum Wohle der Bürger zu leisten. Es sei auch gesagt worden, man könne die Olympischen Spiele zum Anlass nehmen, verstärkt über die Vermeidung von Plastikmüll zu sprechen. Dazu brauche man aber die Olympischen Spiele nicht, 2032 sei außerdem viel zu spät, die Vermeidung von Plastikmüll brauche man sehr viel früher. In der Vorlage sei ausgeführt, dass die hohe politische Akzeptanz einer Bewerbung der Rhein-Ruhr-Region durch die Erklärung von 14 Oberbürgermeisterinnen und Oberbürgermeistern, zu denen auch Herr Philipp gehöre, dokumentiert sei. Die politische Akzeptanz werde jedoch von anderen Gremien festgelegt. Die Bewerbung befinde sich ja noch in einem sehr frühen Stadium und es gehe heute nicht darum, ob einer Bewerbung zugestimmt werde oder nicht. Aber seine Fraktion sage schon heute, dass sie die Bewerbung für die Olympischen Spiele 2032 in der Rhein-Ruhr-Region ablehnen werde.
Skepsis sei sicher angebracht, wenn man sich die letzten Olympischen Spiele anschaue, so Ratsherr Servos, Vorsitzender der SPD-Fraktion, es gebe aber auch sehr positive Beispiele wie London oder Barcelona. Wenn es gut gemacht werde, könne es durchaus Vorteile haben. Er sehe, dass hier vielleicht erstmals ein Ansatz vorliege, der auf einer Bewegung von unten heraus basiere oder zumindest basieren solle. Auch seine Fraktion habe Herrn Mronz eingeladen und habe sich die sehr umfangreichen Konzeptpapiere und welche Sportstätte wofür genutzt werden solle, schon angesehen. Er finde es grundsätzlich richtig, Olympische Spiele durchzuführen, weil sie für viele Sportarten das einzige Forum seien, auf eine Weltbühne zu kommen. Wichtig sei jedoch, dass solche Spiele nicht nur als nachhaltig und graswurzelinitiiert beschrieben würden, sondern es müsse eine Graswurzelbewegung der Sportvereine und derjenigen sein, die in den Sportvereinen den Sport wirklich betreiben würden. Auch ein kleiner Verein müsse mit seinen Mitgliedern über dieses Thema diskutieren und Olympia unterstützen wollen. Dies sehe er im Moment noch nicht, wolle es aber auch nicht ausschließen. Wenn die Stadt Aachen aber sage, sie arbeite an der Olympiabewerbung mit und unterstütze sie, dann müsse sie es aberauch hinkriegen, ein Umkleidehäuschen auf der Hörn, eine Volleyballhalle und eine innerstädtische Sporthalle zu bauen. Seine Fraktion werde die zustimmende Kenntnisnahme gerne mit beschließen und bitte darum, dass in den weiteren Gesprächen mit der Initiative Rhein Ruhr auch die Grundlagen des Breitensports und die Einbindung der im Verein Sporttreibenden entsprechend forciert werde, denn nur dann könne man ausschließen, dass es am Ende doch wieder die korrupten Spiele würden.
Ratsherr Pütz, Piratenfraktion, würde die zustimmende Kenntnisnahme leichter fallen, wenn das Planungspapier, das der Oberbürgermeister im April vergangenen Jahres entgegengenommen habe, den Unterlagen beigefügt wäre.
Seine Fraktion werde dem Tagesordnungspunkt zustimmen, teilt Ratsherr Baal, Vorsitzender der CDU-Fraktion, mit. Bei den Überlegungen habe man nicht beim IOC, sondern bei Aachen angefangen und sich die Frage gestellt, ob so eine große Sportveranstaltung, die den Fokus auf die Stadt lenke, für eine Stadt wie Aachen von Vorteil oder nicht von Vorteil wäre. Mit den Aktivitäten rund um den Reitsport, was Welt- und Europameisterschaften angehe, habe man die Erfahrung gemacht, dass so große Sportveranstaltungen für die Stadt von Vorteil seien. Sie brächten Menschen in die Stadt, sie brächten einen Impuls in den Tourismus, sie würden Aufmerksamkeit auf die Stadt lenken und sicherlich sei die öffentliche Aufmerksamkeit von Olympischen Spielen viel höher zu bewerten als die öffentliche Aufmerksamkeit für eine Reit-WM. Aus den reitsportlichen Veranstaltungen habe man auch die Erfahrung gemacht, dass bereits ein Bewerbungsprozess als solcher von Vorteil sein könne. Diese Erfahrung wolle man weiter verfolgen. Es liege genau die richtige Vorlage zum genau richtigen Zeitpunkt vor und er empfehle, dass die weiteren Beratungen vom Hauptausschuss begleitet werden.
Ratsfrau Seufert, Sprecherin der Grünen Fraktion, teilt mit, dass Rhein Ruhr City grundsätzlich nach einem spannenden Projekt klinge, ihre Fraktion heute aber noch nicht sagen könne, ob sie grundsätzlich eine Bewerbung unterstütze. Dazu brauche man noch viel mehr Informationen, wie z.B. welche Auswirkungen das für die Stadt habe und welche Kosten auf die Stadt zukämen. Der wichtigste Schritt vor einer Bewerbung sei unbedingt eine Bürgerbeteiligung, denn die gescheiterten Olympia-Bewerbungen von Hamburg und München hätten ja gezeigt, dass dieses Großereignis durchaus kritisch zu bewerten sei.
Seine Fraktion sehe einer Teilnahme an einer Bewerbung positiv entgegen, so Ratsherr Helg, Vorsitzender der FDP-Fraktion. Die FDP-Fraktion bedanke sich bei der Verwaltung für den Sachstandsbericht und sei auch der Meinung, dass nur eine Beteiligung an den Vorplanungen eine kritische Begleitung gewährleisten könne. Wenn es tatsächlich zu Olympischen Spielen 2032 an Rhein und Ruhr komme, müsse Aachen auf jeden Fall in Sachen Reitsport dabei sein.
Beschluss
Beschlussvorschlag
Beschlussvorschlag:
Der Rat der Stadt Aachen nimmt die Ausführungen der Verwaltung zustimmend zur Kenntnis.
Erläuterungen
Erläuterungen:
Die private Initiative „Rhein-Ruhr-City 2032“ strebt eine Bewerbung um die Olympischen und Paralympischen Sommerspiele 2032 im Verbund von 14 Städten in Nordrhein-Westfalen an. Die Initiative wurde gegründet vom Sportevent-Manager Michael Mronz, der seit 1997 u.a. auch Geschäftsführer der Aachener Reitturnier GmbH (ART) ist. Sie wird unterstützt von namhaften Wirtschaftsunternehmen im Land Nordrhein-Westfalen sowie von der Landesregierung. Auch im politischen Spektrum hat die Initiative parteiübergreifend eine positive Resonanz gefunden, verschiedene Städte haben per Ratsbeschluss bereits ihre Unterstützung für das Vorhaben erklärt.
Die Olympischen und Paralympischen Sommerspiele sind die größte Sportveranstaltung und das größte Jugendfest der Welt. Junge Menschen verschiedener Nationalitäten, Kulturen, Religionen und verschiedenen Geschlechts messen sich in den unterschiedlichsten Sportarten. Etwa 200 Nationen nehmen alle vier Jahre an dem Sportwettbewerb teil. Bei den Olympischen Sommerspielen wetteifern über 10.500 Athletinnen und Athleten in 33 Sportarten. Bei den 22 paralympischen Sportarten treten ca. 4.000 Sportlerinnen und Sportler aus 125 Ländern an.
Vor dem Hintergrund der Agenda 2020 des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), die kostenbewusste und nachhaltige Olympische Spiele fordert und erstmals eine Ausrichtung in einer Region ermöglicht, ergibt sich eine neue Chance für die Bewerbung der Rhein-Ruhr-Region. Bewerbungen werden künftig vom IOC nun besonders unter dem Gesichtspunkt bewertet, ob bereits existierende Sportstätten einbezogen werden. Auch der Einsatz von temporären Lösungen wird ausdrücklich befürwortet.
In dem Konzept der Initiative für eine mögliche Bewerbung von Rhein Ruhr City für das Olympische Jahr 2032 ist Aachen als Austragungsort für die Reitwettbewerbe und den Modernen Fünfkampf vorgesehen. Schon heute ist mit dem Gelände des CHIO Aachen eine grundsätzlich olympiataugliche Sportstätte vorhanden. Somit ist auch eine entsprechende Nachnutzung gesichert.
Laut dem Konzept der Initiative „Rhein Ruhr City“ für Olympische und Paralympische Spiele sind schon heute über 80 % der benötigten Sportstätten in der Region vorhanden. Dazu gehören 16 Stadien und 24 Großsporthallen sowie über 700.000m² Messefläche an Rhein und Ruhr. Das verhindert teuren Gigantismus und Investitionsruinen ohne sinnvolle Nachnutzung. Damit wird sichergestellt, dass die kommunalen Haushalte und der Landeshauhalt durch Olympia nicht überfordert werden. Hierzu dürfte auch das Sportstättenprogramm „Moderne Sportstätte 2022“ des Landes beitragen, mit dem bis 2022 Sportstätten mit 300 Millionen Euro im Breiten- wie im Spitzensport modernisiert werden sollen.
Bürgernahe und finanziell nachhaltige Spiele sind aus Sicht der Verwaltung die Grundlage für die Unterstützung der Stadt Aachen für die Austragung von Olympischen und Paralympischen Spielen in unserer Stadt. Als Chance sieht die Verwaltung allerdings, dass die Ausrichtung von Olympischen und Paralympischen Spielen die Wahrnehmung der Region Rhein-Ruhr als weltoffen und modern mit starker Wirtschaft weltweit fördern würde. Ein gemeinsames Projekt und ein gemeinsames Ziel der Region Rhein-Ruhr würden den Zusammenhalt der einzelnen Kommunen festigen und als Beschleuniger für Verbesserungen der kulturellen und wirtschaftlichen Zusammenarbeit wirken.
Beabsichtigt ist, im weiteren Verlauf der Vorbereitungen mittels direktdemokratischer Entscheidungen die Bürgerinnen und Bürger an der Entscheidung über eine Bewerbung zu beteiligen. Derzeit steht noch nicht fest, wann und in welcher Form (zum Beispiel kommunalen Bürgerentscheiden oder Volksentscheid) diese demokratische Entscheidung in direktdemokratischer Weise stattfinden wird. Dies dürfte vom Konkretisierungsgrad der weiteren Vorbereitungen abhängen.
Herr des Verfahrens für eine deutsche Bewerbung um die Olympischen Spiele ist der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB). Die hohe politische Akzeptanz einer Bewerbung der Rhein-Ruhr-Region, die ein wichtiges Signal für den DOSB ist, wird dokumentiert durch die Erklärungen von 14 Oberbürgermeisterinnen und Oberbürgermeistern, die die Bewerbung öffentlich unterstützt haben. Auch Oberbürgermeister Marcel Philipp gehört zu den Unterstützern.
Die Verwaltung hält beständigen Kontakt zur Initiative „Rhein-Ruhr-City“, Verwaltungsmitarbeiter nehmen an verschiedenen Workshops zur Vorbereitung der Bewerbung teil. In Aachen fand darüber hinaus am Rande des CHIO 2018 ein Kongress statt, der gemeinsam mit dem Geschäftsführer der RWTH Campus GmbH, Professor Dr. Günther Schuh, durchgeführt wurde und sich mit den Bereichen vernetzte Mobilität, digitale Plattformen sowie der Qualifikation von Experten für Berufe der Zukunft beschäftigte. Dieser Kongress soll auch weiterhin jährlich in Aachen stattfinden.
Die Verwaltung beabsichtigt, den Rat der Stadt kontinuierlich über den Stand der Bewerbungsvorbereitungen zu unterrichten und gegebenenfalls nach erfolgten weiteren Konkretisierungen eine Vorlage zur offiziellen Befürwortung der regionalen Bewerbung durch Ratsbeschluss zu erstellen.
Technische Details
ID: 91876
OParl URL:http://ratsinfo.aachen.de/public/oparl/agendaItems?id=91876
Hauptdokument
Sammeldokument öffentlich
2019-02-14 FB 01_0528_WP17 Olympiabewerbung SAO.pdf
25.11.2024
75.6 KB
Metadaten
- TOP
- Ö 8
- Sitzung
- öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Rates der Stadt Aachen
- Gremium
- Rat der Stadt Aachen
- Datum
- Mi., 06.03.2019
- Uhrzeit
- 17:00
- Anlass
- Öffentliche/Nichtöffentliche Sitzung
- Vorlage
- Kenntnisnahme
- Beratung
- öffentlich
- Status
- gemischt
- Vorlageart
- Kenntnisnahme
- Federführend
- FB 01 - Fachbereich Verwaltungsleitung, Grundsatz und Dialog
- Geändert
- 18.2.2026
- Inhalt abgerufen
- 18. Februar 2026 um 10:11