Beratungsstelle RückHalt-M für von sexueller Gewalt betroffene Männerhier Tagesordnungsantrag der FDP-Fraktion vom 04.11.2019
FB 56/0335/WP17 · Kenntnisnahme
Beratung
Frau Zilligen, die Geschäftsführerin von „RückHalt e.V.“, stellt die Arbeit der Beratungsstelle „RückHalt-M“ mit Hilfe einer Power-Point-Präsentation vor (Anlage 1) und stellt zwei Flyer zur Verfügung (Anlage 2 und 3).
Sie betont die aktuell schwierige finanzielle Situation der Beratungsstelle und bittet um Prüfung, ob es finanzielle Unterstützungsmöglichkeiten seitens der Stadt Aachen gibt.
Frau Koentges dankt für die Vorstellung und fragt nach, ob es Wartezeiten zwischen dem Erstkontakt und dem Beginn der Beratung gibt. Außerdem regt sie an, einen Prüfauftrag an die Verwaltung zu erteilen, ob eine Unterstützung der Beratungsstelle in Höhe der von der StädteRegion nicht gewährten 7.500 € aus Stiftungsmitteln möglich ist.
Herr Müller schließt sich den Ausführungen von Frau Koentges an.
Frau Begolli unterstützt den von der CDU und FDP erteilten Prüfauftrag und schlägt vor, diesen dahingehend zu erweitern, dass nicht nur der Fehlbetrag von 7.500 €, sondern zusätzlich auch der Eigenanteil von 60.000 €, gemeinsam mit der StädteRegion, finanziert wird.
Herr Hansen betont die Bedeutung, dass das Thema in die Öffentlichkeit getragen wird; die Dunkelziffer der Geschädigten ist hoch und die Opfer leiden lebenslang. Die Beratungsstelle „Rückhalt-M“ ist eine wichtige Institution. Er befürwortet, dass die Stadt Aachen einen finanziellen Beitrag hierzu leistet.
Frau Eikholt-Schippers schließt sich den Aussagen von Frau Begolli an.
Herr Frankenberger erklärt, dass die Stiftungsverwaltung in der Angelegenheit bereits angeschrieben wurde; eine Finanzierung aus Stiftungsmitteln ist leider nicht möglich. Er schlägt vor, den Prüfauftrag dahingehend umzuändern, ob eine finanzielle Unterstützung aus den regulären Haushalt der Stadt Aachen vorzunehmen ist.
Frau Höller-Radtke schlägt vor, die Verwaltung zu beauftragen, den aktuellen Fehlbetrag von 7.500 € aus Haushaltsmitteln zu finanzieren und den erweiterten Prüfauftrag, auch den Eigenanteil (gemeinsam mit der StädteRegion) zu finanzieren, in die Haushaltsplanberatungen 2021 ff mit aufzunehmen.
Herr Müller geht davon aus, dass der Aufgabenumfang der Beratungsstelle in den nächsten Jahren unter anderem auf Grund von Cybermobbing wächst und auch dies als Argument für finanzielle Unterstützung herangezogen werden kann.
Herr Deumens fragt nach, ob bereits Gespräche mit der StädteRegion über finanzielle Unterstützungsmöglichkeiten stattgefunden haben.
Herr Brunyswyck unterstützt den Vorschlag, das Thema bei den nächsten Haushaltsplanberatungen mit aufzunehmen.
Herr Frankenberger erläutert, dass die Angelegenheit noch nicht mit der StädteRegion besprochen werden konnte, da die Stadt selber erst vor kurzem von der Finanzierungsproblematik erfahren hat. Eine Rücksprache mit der StädteRegion wird schnellstmöglich erfolgen. Er ist zuversichtlich, dass die fehlenden 7.500 € aus Haushaltsmitteln gezahlt werden können; für darüber hinausgehende Zahlungen wird es im laufenden Haushaltsjahr eher schwierig.
Frau Zilligen teilt auf die Anfrage von Frau Koentges zu den Wartezeiten mit, dass es bei der Beratungsstelle „RückHalt-M“ aktuell keine Wartezeiten gibt. Bei der Beratung von Mädchen / Frauen hingegen gibt es aktuell leider eine Wartezeit von ca. 14 Tagen.
Sie bedankt sich herzlich für die große Wertschätzung durch den Ausschuss.
Der Beschluss erfolgt einstimmig.
Beschluss
Beschlussvorschlag
Beschlussvorschlag:
Der Ausschuss für Soziales, Integration und Demographie nimmt die Ausführungen zustimmend zur Kenntnis.
Erläuterungen
Erläuterungen:
1981 als Frauennotruf gegründet, ist „RückHalt e.V. – Beratungsstelle gegen sexuelle Gewalt“ mit zahlreichen Schwerpunkten seit Jahrzehnten anerkannte Fachberatungsstelle für Betroffene, ihre Angehörigen und Bezugspersonen sowie Fachkräfte aus dem Gebiet der StädteRegion Aachen.
Der gemeinnützige Trägerverein unterhält Beratungsstellen für Frauen und Mädchen in Aachen und Stolberg sowie seit 2018 „ RückHalt-M“ als Projekt für betroffene Männer in Aachen. Wichtige konzeptionelle Grundlage ist die räumliche Trennung der Angebote, d.h. räumlich separate Schutzräume für Frauen und Männer. Darüber hinaus gilt für alle Beratungen: Sie erfolgen auf Wunsch anonym und sind kostenlos. Zurzeit teilen sich 5 Fachkräfte 3,5 Stellen. Für betroffene Männer stehen im Projekt stundenweise ein männlicher Berater und eine weibliche Fachberaterin zur Wahl.
Die Angebote umfassen Information und Beratung (Psychologische / psychosoziale Beratung, Ressourcenorientierte Traumaberatung, Krisenintervention) sowie Beratung zur Abwägung des Für und Wider einer Strafanzeige und anschließender Begleitung zur Polizei und im Gerichtsverfahren. RückHalt e.V. hat zwei Mitarbeiterinnen zu vom Justizministerium NRW anerkannten Psychosozialen Prozessbegleiterinnen schulen lassen. Hinzu kommt die Unterstützung bei Anträgen auf Leistungen und Entschädigungen für Opfer von Sexualstraftaten, vor allem an den Fonds Sexueller Missbrauch der Bundesregierung.
Alle Hilfen sind unabhängig vom Zeitpunkt, vom Ausmaß, der Schwere oder der Form der erlebten Gewalt (sexueller Missbrauch, Nötigung, Vergewaltigung, Belästigung …).
Zu den Präventions-Angeboten gehören u.a. geschlechtsspezifische Workshops ab Klasse 8 zum Thema „K.O.cktail? Fiese Drogen im Glas“, Fortbildungsangebote für Fachkräfte (Schule, Sozial- und Gesundheitswesen, Pflege, u.a.) zu Themen wie „Bedeutung von Traumatisierung durch Sexualstraftaten“ oder „Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz“. Mit Vernetzung, Öffentlichkeitsarbeit, Stellungnahmen sowie (der Mitwirkung an) Aktionen wie One Billion Rising (14.02.) und Internationaler Tag gegen Gewalt gegen Frauen (25.11.) trägt RückHalt e.V. zur kontinuierlichen Enttabuisierung der Thematik bei und stärkt die zielgruppenspezifische wie auch allgemeine Sensibilisierung in der Gesellschaft.
Die aktuelle und nicht nachlassende Medienberichterstattung über Fälle wie „Silvester 2015/16 in Köln“, „Lügde“ oder „Bergisch-Gladbach“ und die gesellschaftliche Aufmerksamkeit erhöhen (indirekt) den Druck auf von sexueller Gewalt betroffene Menschen – ihnen bleibt keine Möglichkeit mehr, sich der Thematik im Alltag zu entziehen. Der Bedarf sehr vieler Menschen nach Hilfe und Beratung steigt ständig an. In repräsentativen Studien für Deutschland seit 2004 wurde immer wieder festgestellt, dass sich Betroffene zu selten Hilfe holen. Dies verändert sich jedoch Jahr für Jahr.
Wie für nahezu alle spezialisierten Fachberatungsstellen hält auch für RückHalt e.V. die öffentliche Förderung mit dieser Entwicklung nicht Schritt. Die gemeinnützigen Trägereinrichtungen stehen einer kaum zu bewältigenden Nachfrage gegenüber. Gleichzeitig muss RückHalt e.V. zusätzlich zur öffentlichen Förderung vom Land NRW und von der StädteRegion Aachen einen hohen Eigenanteil zur existenziellen Sicherung des Angebotes beschaffen – jährlich ca. 40.000 bis 60.000 Euro.
Seit 2010 suchen auch zunehmend von sexueller Gewalt betroffene Männer nach Hilfsangeboten – meist vergeblich. Für das Gebiet der StädteRegion Aachen trägt RückHalt e.V. dieser Nachfrage mit dem Projekt RückHalt-M Rechnung. Die beiden ersten Projektjahre hat RückHalt e.V. komplett aus Eigenmitteln und jährlichen Spenden aus der Lotterie GlücksSpirale finanziert. Aber es fehlt an bedarfsgerechter öffentlicher Unterstützung.
Von sexueller Gewalt betroffenen Frauen und Männern sollten gleichermaßen Hilfsangebote zur Verfügung gestellt werden. Die Stadt Aachen und die StädteRegion Aachen könnten gemeinsam mit RückHalt e.V. eine gesellschaftliche Verantwortung und überregionale Vorbildfunktion übernehmen.
Die Geschäftsführerin von RückHalt e.V., Frau Agnes Zilligen, wird in der Sitzung für Fragen zur Verfügung stehen.
Auswirkungen
Finanzielle Auswirkungen
JA | NEIN | ||
X |
Investive Auswirkungen | Ansatz 20xx | Fortgeschriebener Ansatz 20xx | Ansatz 20xx ff. | Fortgeschriebener Ansatz 20xx ff. | Gesamtbedarf (alt) | Gesamtbedarf (neu) | |
Einzahlungen | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | |
Auszahlungen | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | |
Ergebnis | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | |
+ Verbesserung / - Verschlechterung | 0 | 0 | |||||
Deckung ist gegeben/ keine ausreichende Deckung vorhanden | Deckung ist gegeben/ keine ausreichende Deckung vorhanden | ||||||
konsumtive Auswirkungen | Ansatz 20xx | Fortgeschriebener Ansatz 20xx | Ansatz 20xx ff. | Fortgeschriebener Ansatz 20xx ff. | Folgekosten (alt) | Folgekosten (neu) | |
Ertrag | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | |
Personal-/ Sachaufwand | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | |
Abschreibungen | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | |
Ergebnis | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | |
+ Verbesserung / - Verschlechterung | 0 | 0 | |||||
Deckung ist gegeben/ keine ausreichende Deckung vorhanden | Deckung ist gegeben/ keine ausreichende Deckung vorhanden | ||||||
Abstimmungsergebnis
Weitere Dokumente (1)
Für einige Anlagen sind keine direkten Download-Links verfügbar (Einschränkung des Ratsinformationssystems). Der Link öffnet die Seite im Ratsinformationssystem – die Anlage ist dort in der Liste zu finden.
Technische Details
ID: 96894
OParl URL:http://ratsinfo.aachen.de/public/oparl/agendaItems?id=96894
Hauptdokument
Sammeldokument öffentlich
2019-12-13 FB 56_0335_WP17 Beratungsstelle Rueck SAO.pdf
17.2.2025
664.0 KB
Metadaten
- TOP
- Ö 3
- Sitzung
- öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Ausschusses für Soziales, Integration und Demographie
- Gremium
- Ausschuss für Soziales, Integration und Demographie
- Datum
- Do., 23.01.2020
- Uhrzeit
- 17:00
- Anlass
- Öffentliche/Nichtöffentliche Sitzung
- Vorlage
- Kenntnisnahme
- Beratung
- öffentlich
- Status
- gemischt
- Vorlageart
- Kenntnisnahme
- Federführend
- FB 56 - Fachbereich Wohnen, Soziales und Integration
- Geändert
- 17.2.2026
- Inhalt abgerufen
- 17. Februar 2026 um 22:05
Beschlussdokument
Sammeldokument öffentlich
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