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Olympiabewerbung

FB 01/0672/WP17 · Entscheidungsvorlage

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Beratungsergebnis:ungeändert beschlossen

Beratung

Ratsherr Paul (Grüne) erklärt für seine Fraktion vorweg, dass man den Beschlussvorschlag zustimmen werde. Gleichwohl habe man eine kritische Haltung, da in den vergangenen Jahrzehnten negative Schlagzeilen die Olympischen Spiele begleiteten. Er erinnert an Vorwürfe der Korruption, des Gigantismus, der Umweltzerstörung, die Gentrifizierung und ähnliches. Das vorliegende Konzept stelle allerdings den Nachhaltigkeitsgedanken und soziale Komponenten heraus. Es gebe aber keine finale Zustimmung zu Olympia um jeden Preis. Für seine Fraktion gehöre die frühzeitige und transparente Einbindung der Bevölkerung dazu und der finanzielle Aspekt sollte immer im Auge behalten werden. Die einzusetzenden Kosten müssten einer nachhaltig aufgestellten Infrastruktur zugute kommen und den Menschen im Lande Nutzen bringen.

Ratsherr Teuku (Piraten) erklärt für seine Fraktion, dass man der Olympia-Bewerbung nicht zustimmen werde. Mit Blick auf die Behandlung des Themas im Hauptausschuss erläutert er, dass er in der Presse falsch zitiert wurde. Er habe nicht gesagt, das IOC sei korrupt, sondern es sei ähnlich charmant wie die FIFA. An seinen Vorredner gewendet äußert er, dass die beiden Töpfe Nachhaltigkeit und soziale Komponenten von seiner Fraktion vereint mit dem IOC nicht gesehen werden und deshalb werde der Beschlussvorschlag abgelehnt.

Ratsherr Baal (CDU) erinnert daran, dass über Olympia in Aachen auch in der Vergangenheit mehrfach gesprochen wurde, so habe man z.B. die Initiative Olympia 2012 in Düsseldorf unterstützt. Für ihn sei wichtig, dass der olympische Gedanke für den Breitensport geöffnet werde. Für das Jahr 2032 gebe es in Deutschland nicht viele Bewerber um die Olympiade, die jetzige Initiative habe aber ein positives Signal von der Deutschen Olympischen Gesellschaft und zudem ein Konzept vorgelegt mit dem Mut, mit vielen Dingen zu brechen, wofür IOC-organisierte Spiele in den letzten 25 Jahren gestanden hätten. Es gehe nicht darum, neue Spielstätten zu errichten, sondern bestehende Spielstätten neu zu beleben. Er setzt sich ein für eine Bewerbung unter Beteiligung der Bevölkerung, was auch im Konzept vorgesehen sei, das von Anfang an von unten nach oben aufgebaut sei. Seine Fraktion werde deshalb für den Beschlussvorschlag stimmen.

Ratsherr Servos (SPD) geht ebenfalls auf Kritik an Olympischen Spielen ein, hält es aber für wichtig, die ursprüngliche olympische Kernidee in den Fokus zu rücken, die im Zusammentreffen von jungen Athleten aus aller Welt liege, die sich auf Augenhöhe sportlich messen. Er würdigt das Konzept als eines, das Selbstverständlichkeiten wie Nachhaltigkeit, Sparsamkeit Nutzung der vorhandenen Infrastruktur enthalte und hofft, dass es demokratische Olympische Spiele mit Augenmaß von unten nach oben sein werden, die eine Identifikationsplattform für alle Menschen der Welt sein könnten, die in Nordrhein-Westfalen willkommen geheißen würden. Von daher werde man die Bewerbung unterstützen.

Ratsherr Deumens (Linke) meint, dass es überhaupt nicht darauf ankomme, was der Rat oder die Räte der anderen beteiligten Kommunen wollen. Der olympische Geist existiere seit langem nicht mehr. Entscheidend für die Olympischen Spiele seien das IOC und Sponsoren, die Olympische Spiele haben wollten, die ihren Interessen dienten. Von daher sei die in Texten und Stellungnahmen angesprochene Frage der Nachhaltigkeit äußerst zweifelhaft. Das Argument, sportliche Ereignisse brächten den Menschen im jeweiligen Land etwas, sei in der Vergangenheit widerlegt worden. Impulse für Infrastrukturmaßnahmen, die mit einer Olympia-Bewerbung verbunden würden, seinen auch ohne Olympische Spiele als originäre staatliche Aufgaben zu realisieren. Aus diesen Gründen werde seine Fraktion dem Beschlussvorschlag nicht zustimmen.

Ratsherr Helg (FDP) erklärt für seine Fraktion die Zustimmung zum Beschlussvorschlag, da es für die Stadt Aachen wichtig sei, bei einer offiziellen Bewerbung im Verbund mit den anderen Städten, als Reiterstadt mit dabeizusein.

Ratsherr Paul (Grüne) bezieht sich auf den Diskussionsbeitrag von Ratsherrn Servos und entgegnet, dass Nachhaltigkeit auch heute noch keine Selbstverständlichkeit sei. In der politischen Diskussion erlebe man derzeit, dass Milliarden für Fluggesellschaften oder neue Autokaufprämien trotz des wissenschaftlichen Wissens um den menschengemachten Klimawandel diskutiert würden. Man müsse deshalb im Auge behalten, was das IOC tue, damit es nicht bei Lippenbekenntnissen bleibe und wirtschaftliche Interessen im Vordergrund stünden.

Ratsherr Palm (Allianz Aachen) spricht sich für eine Olympiade aus, die attraktiv für Zuschauer als Sportereignis sei und vor allen Dingen der Völkerverständigung diene. Unkalkulierbar seien allerdings die Kosten, die auf die Stadt und den Steuerzahler zukommen könnten. Ohne eine grobe Kostenschätzung sollte man sich nicht festlegen, von daher werde die Allianz für Aachen sich in Absprache mit dem AfD-Vertreter enthalten.

Nach weiteren kurzen Einwürfen von Ratsfrau Breuer (CDU) und Ratsherrn Palm (Allianz für Aachen) lässt der Vorsitzende über die Vorlage abstimmen.

Beschluss

Der Rat der Stadt Aachen begrüßt bei sechs Gegenstimmen und zwei Enthaltungen mehrheitlich die Initiative „Rhein - Ruhr - City 2032“, die eine Bewerbung um die Olympischen und Paralympischen Sommerspiele 2032 im Verbund von 14 Städten in Nordrhein-Westfalen anstrebt, und beauftragt die Verwaltung mit der Unterstützung des Projektes. Er ruft die Landesregierung dazu auf, den notwendigen Prozess der Bürgerbeteiligung zu organisieren, geeignete Bürgerbeteiligungsformate zu entwickeln, Kostentransparenz für die Bürgerschaft sicherzustellen und vor einer finalen Entscheidung durch geeignete direktdemokratische Verfahren dem Vorhaben die notwendige Legitimität zu verschaffen.

Beschlussvorschlag

Beschlussvorschlag:

Für den Hauptausschuss:

Der Hauptausschuss empfiehlt dem Rat der Stadt folgenden Beschluss zu fassen:

Der Rat der Stadt Aachen begrüßt die Initiative „Rhein - Ruhr - City 2032“, die eine Bewerbung um die Olympischen und Paralympischen Sommerspiele 2032 im Verbund von 14 Städten in Nordrhein-Westfalen anstrebt, und beauftragt die Verwaltung mit der Unterstützung des Projektes. Er ruft die Landesregierung dazu auf, den notwendigen Prozess der Bürgerbeteiligung zu organisieren, geeignete Bürgerbeteiligungsformate zu entwickeln, Kostentransparenz für die Bürgerschaft sicherzustellen und vor einer finalen Entscheidung durchgeeignete direktdemokratische Verfahren dem Vorhaben die notwendige Legitimität zu verschaffen.


Für den Rat der Stadt:

Der Rat der Stadt Aachen begrüßt die Initiative „Rhein - Ruhr - City 2032“, die eine Bewerbung um die Olympischen und Paralympischen Sommerspiele 2032 im Verbund von 14 Städten in Nordrhein-Westfalen anstrebt, und beauftragt die Verwaltung mit der Unterstützung des Projektes. Er ruft die Landesregierung dazu auf, den notwendigen Prozess der Bürgerbeteiligung zu organisieren, geeignete Bürgerbeteiligungsformate zu entwickeln, Kostentransparenz für die Bürgerschaft sicherzustellen und vor einer finalen Entscheidung durchgeeignete direktdemokratische Verfahren dem Vorhaben die notwendige Legitimität zu verschaffen.

Erläuterungen

Erläuterungen:

In einer Vorlage für die Sitzung des Rates der Stadt am 06.03.2019 hat die Verwaltung das von der privaten Initiative „Rhein-Ruhr-City 2032“ initiierte Projekt skizziert, eine regionale Bewerbung im Verbund von 14 Städten in Nordrhein-Westfalen um die Olympischenund Paralympischen Sommerspiele 2032 anzustreben. Auf die Ausführungen in der seinerzeitigen Vorlage wird verwiesen.

In dieser Vorlage, die mehrheitlich vom Rat zur Kenntnis genommen wurde, erklärte die Verwaltung die Absicht, dieRatsgremien kontinuierlich über den Stand der Vorbereitung zur Bewerbung unterrichten und gegebenenfalls im weiteren Verlauf eine Vorlage zur offiziellen Befürwortung der Bewerbung durch Ratsbeschluss zu erstellen.

In der weiteren Entwicklung hat der Landtag des Landes Nordrhein-Westfalen im November 2019 mit sehr breiter politischer Mehrheit den Beschluss gefasst, die Initiative auch seitens des Landes zu unterstützen. Die entsprechende Vorlage (Antrag der Fraktionen der CDU, SPD, FDP und Bündnis 90/Die Grünen) ist in der Anlage dieserVorlage beigefügt.

Im Februar 2020 hat der Deutsche Olympische Sportbund erklärt, dass er – falls es überhaupt zu einer deutschen Bewerbung kommen sollte – allein die nordrhein-westfälische Initiative vorschlagen wird. Zwar ist dies noch keine offizielle Festlegung, es kann darin aber eine starke Unterstützung gesehen werden, die dazu beiträgt, eine unabdingbare positive Stimmungslage für Olympia-Bewerbung in der Bevölkerung zu verankern. Um dieses Ziel weiter zu befördern, ist eine Verbreiterung der Unterstützung von größter Bedeutung. Mehrere nordrhein-westfälische Städte haben deshalb in der letzten Zeit in ihren Räten positive Beschlüsse zur Unterstützung der Olympia-Bewerbung im Regionalverbund gefasst.

Die Bewerbung von 14 Städten kann aus Sicht der Verwaltung ein neuer gemeinsamer Aufbruch werden, die Zusammenarbeit von der Digitalisierung bis zur vernetzten Mobilität zu vertiefen und ein neues wir-Gefühl in unserer Region zu schaffen. Auch für die Stadt Aachen, die als Austragungsort für die Sportarten Moderner Fünfkampf, Dressurreiten, Springreiten und Vielseitigkeit vorgesehen ist, kann die Ausrichtung von Olympischen und Paralympischen Spiele positive Effekte zur Folge haben und die Wahrnehmung als weltoffene und moderne Stadt mit starker Wirtschaft weltweit gefördert werden. Dieses gemeinsame Projekt kann den Zusammenhalt der einzelnen Kommunen festigen und als Beschleuniger für Verbesserungen der kulturellen und wirtschaftlichen Zusammenarbeit wirken. Von daher unterstützt die Verwaltung die Bewerbungsinitiative und schlägt dem Rat vor, durch einen offiziellen Beschluss zu dokumentieren, dass die demokratisch Vertretung der Bürgerschaft das Vorhaben mitträgt.

Eine Voraussetzung für eine Bewerbung ist, dass die von der Initiative verfolgten Ziele der Nachhaltigkeit und der Stärkung der öffentlichen Verkehrsinfrastruktur sowie der Ertüchtigung und notwendigen Neuerrichtung von Sportstätten von der Bevölkerung mitgetragen werden. Die Verwaltung hält es deshalb für notwendig, einen geregelten Bürgerbeteiligungsprozess sicherzustellen, mit dem die Bürgerschaft der Region intensiv an der Gestaltung und Ausrichtung der Olympischen und Paralympischen Sommerspiele 2032 mitwirken kann. Vor einer finalen Entscheidung müssen deshalb die auf die Stadt Aachen, das Land NRW und den Bund zukommenden Kosten im Zusammenhang mit der Vorbereitung und Durchführung der Olympischen und Paralympischen Spiele transparent dargestellt werden. Aus Sicht der Verwaltung wird es eine Aufgabe der Landesregierung Nordrhein-Westfalen sein, den notwendigen Prozess der Bürgerbeteiligung zu organisieren, geeignete Bürgerbeteiligungsformate zu entwickeln und der Entscheidung durch direktdemokratische Verfahren die notwendige Legitimation zu verschaffen.


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Technische Details

Hauptdokument

Sammeldokument öffentlich

2020-03-17 FB 01_0672_WP17 Olympiabewerbung SAO.pdf

7.11.2024

368.2 KB

Metadaten

TOP
Ö 13
Sitzung
öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Rates der Stadt Aachen - ACHTUNG: GEÄNDERTER SITZUNGSORT !
Gremium
Rat der Stadt Aachen
Datum
Mi., 06.05.2020
Uhrzeit
17:00
Anlass
Öffentliche/Nichtöffentliche Sitzung
Vorlage
Entscheidungsvorlage
Beratung
öffentlich
Status
gemischt
Vorlageart
Entscheidungsvorlage
Federführend
FB 01 - Fachbereich Verwaltungsleitung, Grundsatz und Dialog
Geändert
23.2.2026
Inhalt abgerufen
23. Februar 2026 um 12:09