Vorlage·FB 61/0041/WP19-2·2. Juli 2026

AACHEN Kompass I Erprobungsphase: Betrachtungsraum Jülicher Straße / Wurm (3. Fläche – Abschlussbericht) Ergänzungsvorlage - AACHEN Kompass I Erprobungsphase: Betrachtungsraum Jülicher Straße / Wurm (3. Fläche – Abschlussbericht)

Inhalt

Beratungsfolge

Beschlossen
1 Beratung

Erläuterungen

KI-Zusammenfassung

Ein gemischt genutztes Quartier mit Wohn- und Gewerbeflächen soll im Aachener Norden an der Jülicher Straße entstehen. Die Planung sieht eine Öffnung zum Landschaftsraum der Wurm vor.

Automatisch generiert. Rechtsverbindlich ist ausschließlich die Originalvorlage.

Beschlussvorschlag

Die Bezirksvertretung Aachen-Mitte empfiehlt dem Planungsausschuss, die Verwaltung damit zu beauftragen, das Szenario 2 „Aachen-Nord: Leben und Arbeiten am Wasser, Wohnen im Grünen“ in den nachgelagerten Arbeitsphasen vertiefend zu bearbeiten.

Der Planungsausschuss beauftragt die Verwaltung, auf Grundlage des Empfehlungsbeschlusses der Bezirksvertretung Aachen-Mitte das Szenario 2 „Aachen-Nord: Leben und Arbeiten am Wasser, Wohnen im Grünen“ in den nachgelagerten Arbeitsphasen vertiefend zu bearbeiten.

Erläuterungen

Nach Auswertung der Ergebnisse des Kompass-Prozesses sowie der Anregungen der beteiligten Fachabteilungen der Stadt Aachen und der Flächeneigentümer empfiehlt die Abteilung Stadtentwicklung (FB 61/300), das zweite Szenario „Aachen-Nord: Leben und Arbeiten am Wasser, Wohnen im Grünen“ vertieft weiterzuverfolgen.

Für die fachliche Bewertung der Szenarien wurden die bestehenden gesamtstädtischen Entwicklungsziele, die Ergebnisse der Beteiligungsformate sowie die räumlichen Potenziale des Fokusraums berücksichtigt. Im Nutzungs- und Vermarktungskonzept „Aachen-Nord. Die zweite Gründung“ (cima 2020) wird der Bereich des Fokusraums als Hybridquartier an der Wurm dargestellt. Es wird vorgeschlagen, die untergenutzten Grundstücke zu einem gemischt genutzten Quartier mit Wohn- und Gewerbeflächen zu entwickeln. Der Standort ergänzt in diesem Konzept den gewerblichen Kernbereich Aachen-Nord. Entsprechend dieser Zielsetzung ist der dritte Erprobungsraum im Flächennutzungsplan AACHEN*2030 als gemischte Baufläche ausgewiesen. Das zweite Kompass-Szenario greift sowohl die Zielvorstellungen der cima-Studie als auch die Darstellungen des Flächennutzungsplans auf und schafft eine räumliche Ordnung der Nutzungsmischung. Die vorgeschlagene Struktur wurde in Abstimmung mit den Fachabteilungen der Stadtverwaltung sowie mit den betroffenen Flächeneigentümern entwickelt. Das Szenario stellt eine realistische Entwicklungsmöglichkeit für den Fokusraum dar.

Im Rahmen der Beteiligungsformate gab es die größte Zustimmung innerhalb der Stadtverwaltung für das zweite Nutzungsszenario aus. Die übrigen Stimmen haben sich gleichmäßig auf das erste und dritte Kompass-Szenario verteilt. Aus der Befragung der Flächeneigentümer lässt sich keine eindeutige Präferenz für oder gegen ein bestimmtes Szenario ableiten, die Haltungen hierzu fallen unterschiedlich aus. Insgesamt wurden sowohl zustimmende als auch kritische Einschätzungen hinsichtlich einer zusätzlichen Wohnnutzung im gewerblich geprägten Fokusraum geäußert.

Der Standort verfügt über eine attraktive Lage mit sehr guter verkehrlicher Anbindung - unter anderem an die Autobahn. Die Aachener Innenstadt befindet sich in der Nähe, der Landschaftsraum entlang der Wurm grenzt unmittelbar an den Fokusraum an. Künftig wird die Radvorrangroute entlang des Gebiets verlaufen. In Verbindung mit dem geplanten Ausbau der Regiotram wird die Standortattraktivität zusätzlich gestärkt.

Es ist darauf hinzuweisen, dass eine Umsetzung des zweiten Szenarios insbesondere im Hinblick auf die Mischung von Wohnen und Gewerbe mit Herausforderungen verbunden ist. Zusätzliche Wohngebäude dürfen bestehende gewerbliche Nutzungen im Gebiet nicht beeinträchtigen. Erste Gespräche mit dem Fachbereich 36 (Immissionsschutz) haben ergeben, dass bei einer ergänzenden Wohnnutzung sowohl potenzielle aktive als auch passive Lärmschutzmaßnahmen geprüft werden müssen. Es wird empfohlen, ein Lärmgutachten zu beauftragen. Dabei ist der ausgelöste Verkehrslärm der Jülicher Straße und des Berliner Rings einzubeziehen. Voraussetzung für eine solche Prüfung ist eine Konkretisierung der zukünftigen Anordnung der Flächennutzungen. Hierbei kann das Kompass-Szenario als Grundlage dienen. Eine grundsätzliche Ablehnung gegenüber einer hinzukommenden Wohnnutzung wurde aus Sicht des Immissionsschutzes im Rahmen des Kompass-Prozesses nicht geäußert. Es wurde geäußert, dass es tragfähiger Lösungen im Detail bedarf.

Das zweite Szenario bietet das Potenzial, eine neue städtebauliche Entwicklung im Fokusraum anzustoßen, die sich positiv auf die Umgebung auswirken. Vor dem Hintergrund des hohen Wohnraumbedarfs eröffnet sich mit dem zweiten Szenario die Möglichkeit, brachliegende und mindergenutzte Flächen sinnvoll zu entwickeln. Im Vergleich zum ersten Szenario ermöglicht das zweite Szenario eine stärkere Öffnung des Fokusraums zum Landschaftsraum der Wurm sowie die Schaffung zusätzlichen Wohnraums. Gegenüber dem dritten Szenario weist es zugleich ein geringeres Konfliktpotenzial zwischen Wohnen und Gewerbe auf. Vor diesem Hintergrund empfiehlt die Fachverwaltung der Abteilung Stadtentwicklung (FB 61/300), das zweite Szenario hinsichtlich seiner Realisierbarkeit vertieft zu prüfen. Es ist darauf hinzuweisen, dass eine Umsetzung gegebenenfalls eine Anpassung des bestehenden Planungsrechts erfordert. Weitere Informationen sind dem Abschlussbericht (Vorlage FB 61/0041/WP19) zu entnehmen.

Der Rat der Stadt Aachen hat mit dem Feststellungsbeschluss des aktuellen Flächennutzungsplans AACHEN*2030 entschieden, unbebaute Flächen nur noch in sehr begrenztem Maß für die Gewerbe- und Siedlungsflächenentwicklung bereitzustellen. Maßgebliche Gründe hierfür sind der Klima- und Landschaftsschutz sowie die gesamtstädtische Förderung der Klimaresilienz. Dieser Beschluss macht eine besonders effiziente Nutzung der verbliebenen Frei- und Konversionsflächen erforderlich. Sofern eine funktionale Kombination oder Durchmischung nicht umsetzbar ist, sind nutzungsspezifische Festlegungen in der Gesamtbilanz zugunsten anderer, prioritär zu bewertender Nutzungen zurückzustellen (z.B. Wohnbauflächen gegenüber gewerblich genutzten Flächen oder umgekehrt). Vor dem Hintergrund der begrenzten Flächenverfügbarkeit möchte die Fachverwaltung den politischen Gremien eine transparente Grundlage für Entscheidungen bieten. Ziel ist es, transparent darzustellen, wie sich unterschiedliche strategische Weichenstellungen auf die Fläche selbst, ihre Umgebung und die gesamtstädtische Entwicklung auswirken würden. Zu diesem Zweck wurde das Instrument „AACHEN Kompass“ auf der Grundlage politischer Beschlüsse (vgl. Vorlage FB61/0266) eingeführt und in einer Erprobungsphase angewendet. Auf Basis umfangreicher Untersuchungen werden Potenziale und Restriktionen ausgewählter Betrachtungsräume analysiert, die vor einer Entwicklung stehen oder ein besonderes Entwicklungspotenzial aufweisen. Ziel ist es, eine verbindliche Richtungsentscheidung über die zukünftige Nutzung der jeweiligen Fläche zu erreichen. Eine detaillierte Erläuterung des Instruments AACHEN Kompass ist in Anlage 1 aufgeführt.

Für die Durchführung der Erprobungsphase des AACHEN Kompass hat der Planungsausschuss mit Beschluss vom 05.05.2022 und vom 17.08.2023 die folgenden Flächen ausgewählt:

Areal an der Sittarder Straße, Stadtbezirk Aachen-Mitte

Areal an der Roermonder Straße I Schloss-Schönau Straße, Stadtbezirk Aachen-Richterich

Gemengelage zwischen Jülicher Straße und Wurm, Stadtbezirk Aachen-Mitte

Nach Abschluss des Kompass-Prozesses für die ersten beiden Erprobungsräume wurde das Instrument für den Fokusraum „Jülicher Straße / Wurm“ im Bezirk Aachen-Mitte durchgeführt. Ein Sachstandsbericht zum Verfahrensstand wurde im Planungsausschuss am 03. Juli 2025 (vgl. Vorlage FB 61/1094/WP18) und in der Bezirksvertretung Aachen-Mitte am 03. September 2025 (vgl. Vorlage FB 61/1135/WP18) vorgestellt. Ein Zwischenstand der Szenarien wurde in der Bezirksvertretung Aachen-Mitte am 03. Dezember 2025 und im Planungsausschuss am 11. Dezember 2025 (vgl. jeweils Vorlage FB 61/1161/WP18) vorgestellt.

Erprobungsraum 3: Gemengelagen zwischen Jülicher Straße und Wurm

Der Aachener Norden entlang der Jülicher Straße spiegelt die Entwicklung der Stadt seit dem 19. Jahrhundert und deren Transformation wider. Er zeichnet sich durch einen industriellen Charakter und durch eine kulturelle Vielfalt aus. Der Standort wurde durch große Unternehmen wie Krantz, Talbot und Garbe, Lahmeyer & Co. Geprägt. Er ist heute ein wichtiger Unternehmensstandort für Start-ups und Scale-ups sowie für Bestandsunternehmen, die Platz für weiteres Wachstum suchen. In den letzten Jahren ist es gelungen, Unternehmen anzusiedeln und den Standort wiederzubeleben. Als Beispiele können die Umwandlung des Krantz-Geländes in ein Gewerbe- und Dienstleistungscenter, die Etablierung des Innovations- und Gründungszentrums Collective Incubator auf dem ehemaligen Garbe-Lahmeyer-Gelände oder die Umnutzung des ehemaligen Schlachthofs genannt werden.

Ebenfalls kennzeichnend für das Gebiet ist das vorhandene Wohnangebot, welches sich teilweise im unteren Preissegment ansiedelt. Hinzu kommen Einrichtungen der Kultur sowie das soziale Angebot. In der Umgebung des Fokusraums (statistische Bezirke 24 „Jülicher Straße“ und 25 „Kalkofen“) wohnen über 11.000 Menschen, unter denen junge Erwachsene überproportional vertreten sind. Seit 2010 ist ein Bevölkerungswachstum von über 16 Prozent zu verzeichnen. Der Standort ist durch einen hohen Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund geprägt und zeichnet sich durch eine kulturelle Diversität aus. Der Anteil an ausländischer Bevölkerung beträgt 40 Prozent. Im Umfeld des Fokusraums sind kulturelle Angebote vorzufinden, unter anderem das DASDA-Theater. Von 2009 bis 2021 wurde mit dem Förderprogramm „Soziale Stadt“ in Aachen-Nord Projekte für „ein gutes Miteinander vor Ort“ angestoßen, die weiterhin begleitet werden. Unter anderem wurden öffentliche Plätze umgestaltet und neue Begegnungsorte geschaffen.

Der Fokusraum umfasst eine Flächengröße von 15 ha und liegt im Stadtbezirk Aachen-Mitte zwischen der Jülicher Straße und der Wurm. Es handelt sich um eine heterogene Gemengelage mit einer Mischung unterschiedlicher gewerblicher Nutzungen, die im Norden von dem Berliner Ring durchzogen wird. Im Osten wird das Gebiet von der Wurm und von landwirtschaftlich genutzten Flächen sowie von Grünflächen begrenzt. Östlich angrenzend verläuft die Jülicher Straße. Die südliche Grenze bildet die Talbotstraße. Im Fokusraum sind mindergenutzte und brachliegende Flächen vorzufinden, welche ein hohes Potenzial für eine künftige Entwicklung aufweisen. Entlang der Jülicher Straße, am ehemaligen Zulauf des Berliner Rings und im Süden entlang der Talbotstraße befinden sich Wohngebäude. Südlich angrenzend befinden sich eine weiterführende Förderschule und eine integrative Kindertagesstätte.

Im Flächennutzungsplan AACHEN*2030 wird der Fokusraum als gemischte Baufläche dargestellt und liegt im Einzugsbereich der Belüftungsbahn Stadtklima. Südlich angrenzend befinden sich gemischte Bauflächen. Im Norden grenzt das Areal an gewerblichen Bauflächen an. Ein Ausschnitt des Flächennutzungsplans ist in Anlage 2 enthalten.

Im nördlichen Bereich des Fokusraums sind die rechtskräftigen Bebauungspläne Nr. 711 I und Nr. 947 ausgewiesen. Sie sind inklusive textlicher Festsetzung und Begründung als Anlage 3 und 4 zur Vorlage beigefügt. Der Bebauungsplan Nr. 711 I zielt darauf ab, die Ansiedlung von Einzelhandel zu steuern. Zudem soll eine Ansiedlung von Gewerbe- und Handwerksbetrieben ermöglicht werden, die aufgrund ihrer Emissionen integrierte Standorte aufgeben müssen. Gemäß der textlichen Festsetzung ist eine Ansiedlung von Einzelhandelbetrieben und von Gewerbebetrieben mit Verkaufsflächen für den Verkauf an letzte Verbraucher nicht oder ausnahmsweise zulässig. Zudem werden bestimmte Betriebsarten genannt, die in den gegliederten Gewerbegebieten nicht oder ausnahmsweise zulässig sind. Der Bebauungsplan setzt den räumlichen Geltungsbereich zwischen der Jülicher Straße, dem Berliner Ring und der Wurm als Gewerbegebiet fest. Der Berliner Ring, der ehemalige Berliner Ring und die Jülicher Straße sind als Straßenverkehrsfläche festgesetzt. Im Zuge der ersten Änderung wurde auf der städtischen Restfläche zwischen altem und neuem Berliner Ring ein Parkhaus für Park-and-Ride-Stellplätze in gewerbliche Baufläche umgewandelt, da kein Bedarf für eine derartige Anlage erkannt worden ist. Der ehemalige Berliner Ring ist zu beiden Seiten zu ca. 800 m² in ein Mischgebiet und zu ca. 450 m² in ein gewerbliches Gebiet geändert worden. Aufgrund der Verkehrsführung wurde die festgesetzte Breite nicht mehr als erforderlich angesehen. Die Straßenverkehrsbreite beträgt im Zuge der Änderung 15,3 Meter. Für Unternehmen besteht die Möglichkeit, aus der ehemaligen P+R-Fläche ein Teilstück zu erwerben, um dort erforderliche Besucherparkplätze zu errichten.

Der Bebauungsplan Nr. 947 zielt darauf ab, den Gewerbebereich an der Jülicher Straße dauerhaft sicherzustellen und eine Weiterentwicklung der vorhandenen Wohnenklave vor dem Hintergrund bestehender Lärmemissionen und der Gewerbenutzung zu verhindern. Er setzt den räumlichen Geltungsbereich zwischen der Jülicher Straße, dem Wurmbach und dem ehemaligen Versatz des Berliner Rings als Gewerbe- und Mischbaufläche fest. In der schriftlichen Festsetzung werden die zulässigen Betriebsarten in dem gegliederten Gewerbegebiet aufgezählt.

Prozess des AACHEN Kompass für den Fokusraum Jülicher Straße / Wurm

Vor dem Hintergrund der Themen Nachhaltigkeit, Umnutzung und Neuordnung wurden in einem partizipativen Prozess mit der Fachverwaltung und den betreffenden Flächeneigentümer*innen drei Szenarien für den Fokusraum erarbeitet. Sie unterscheiden sich in ihren Nutzungsschwerpunkten und in ihrer räumlichen Gliederung. Der Prozess des AACHEN Kompass beinhaltet 5 Meilensteine, welche in Anlage 1 näher beschrieben werden:

  1. Vorphase
  2. Start und Analyse
  3. Begabungen und Szenarien
  4. Korrektur und Entscheidung
  5. Abschluss

Im Rahmen der Vorphase wurde durch die Arbeitsgemeinschaft Reicher Haase Assoziierte und KH Studio in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung eine Grundlagenanalyse zum Fokusraum erarbeitet. Sie stellt die Anlage 5 zur Vorlage dar. Es wurden städtebauliche Defizite und Entwicklungspotenziale identifiziert. Unter anderem wurden eine fehlende Adressbildung der Jülicher Straße, uneinheitliche und teilweise unterbrochene Bebauungsstrukturen sowie Grundstücke mit funktional geprägten Rückseiten („B-Seiten“) festgestellt. Sie werden durch Parkplätze, Anlieferzonen oder technische Nebenflächen bestimmt. Großmaßstäbliche Gebäudekomplexe und Grundstücksstrukturen wirken teilweise als Barriere zum Freiraum entlang der Wurm. Ein hoher Versiegelungsgrad, mindergenutzte Flächen sowie überwiegend „dienende Nutzungen“ (Parkplätze, technische Bereiche, Logistik) beeinträchtigen die Aufenthaltsqualität und die Orientierung im Fokusraum. Der angrenzende Landschaftsraum entlang des Wurmbachs bietet das Potenzial einer klimaresilienter Quartiers- und Freiraumentwicklung „zum Zugreifen“. Eine Ergänzung um gemischte Funktionen und eine Wohnnutzung im Fokusraum könnten dem Areal zukünftig einen urbanen Charakter verleihen und für eine Aufwertung sorgen.

Auf Basis der Grundlagenanalyse wurde mit dem zweiten Meilenstein die Beteiligungsphase eingeleitet. Eine besondere Herausforderung stellt die heterogene Eigentümerstruktur im Fokusraum dar. Die Stadt Aachen verfügt kaum über eigene Grundstücke auf dem Areal, weshalb der Austausch mit den Flächeneigentümer*innen von besonders hoher Bedeutung ist. Am 09. April 2025 und am 12. Mai 2025 haben gesonderte Kick-Off-Veranstaltungen mit der Fachverwaltung und den Flächeneigentümer*innen des Fokusraums stattgefunden. Zu Beginn wurden den Teilnehmenden die Ergebnisse aus der Grundlagenbeschaffung vorgestellt. Anschließend erfolgte ein gemeinsamer Austausch, bei dem Meinungen und Bedarfe zur zukünftigen Entwicklung des Fokusraums abgefragt wurden. Orientierung boten hierbei die übergeordneten Themenfelder „Flächennutzung“, „Mobilität“ und „Freiraum“. Das Ziel der Auftaktveranstaltungen besteht darin, wesentliche Informationen zu erhalten, aus denen sich die zu erarbeitenden Nutzungsszenarien herausbilden. Im Anschluss an den Kick-Off wurde den Teilnehmenden die Möglichkeit gegeben, weiterführende Hinweise und Anliegen schriftlich an das Projektteam zu übersenden. Der detaillierte Ablauf der Kick-Offs und die geäußerten Anregungen sind den Anlagen 6 und 7 zu entnehmen. Die Ergebnisse der Fachbereichsumfrage befinden sich in der Anlage 8.

Basierend auf den Rückmeldungen aus beiden Auftaktveranstaltungen hat das Begleitbüro gemeinsam mit der Fachverwaltung drei Nutzungsszenarien für den Fokusraum entwickelt. Sie wurden der Fachverwaltung am 25. September 2025 und den Flächeneigentümer*innen am 30. September 2025 in Szenarien-Workshops vorgestellt. Die Teilnehmenden haben Anregungen und Überarbeitungsvorschläge zu den Szenarien eingebracht und ihre Positionierungen zur künftigen Nutzung des Fokusraums geäußert. Der Ablauf und die geäußerten Anregungen sind in den Protokollen in Anlage 9 und 10 hinterlegt. Die Rückmeldungen wurden aufgegriffen und in die Weiterentwicklung der Szenarien eingearbeitet.

Im Dezember 2025 haben im Rahmen des vierten Kompass-Meilensteins sogenannte Feedbackinterviews stattgefunden. Es wurden 14 Einzelgespräche mit der Fachverwaltung und interessierten Flächeneigentümer*innen geführt. Sie haben erneut die Möglichkeit erhalten, die Szenarien zu kommentieren und zu bewerten. Die Auswertung der Feedbackinterviews ist in die Finalisierung der Szenarien geflossen und kann in der Anlage 11 eingesehen werden.

Während des gesamten Kompass-Prozesses haben sich folgende Fachbereiche aus der Stadtverwaltung am AACHEN Kompass beteiligt:

  • Fachbereich 02 (Wirtschaft, Wissenschaft, Digitalstadt und Europa)
  • Fachbereich 23 (Immobilienmanagement)
  • Fachbereich 36 (Klima und Umwelt)
  • Fachbereich 45 (Jugend und Schule)
  • Fachbereich 56 (Wohnen, Soziales und Integration)
  • Fachbereich 61 (Stadtentwicklung und Stadtplanung)
  • Fachbereich 68 (Mobilität und Verkehr)

Szenarien und ihre Schwerpunkte

Im Rahmen des Kompass-Prozesses wurden drei Nutzungsszenarien erarbeitet, die sich in ihren inhaltlichen Schwerpunkten und ihrer räumlichen Strukturierung voneinander unterscheiden:

  • Szenario 1 – Gewerbe und neue Produktion: Innovationsband Aachen Nord,
  • Szenario 2 – Aachen Nord: Leben und Arbeiten am Wasser – Wohnen im Grünen,
  • Szenario 3 – Neue und alte Mischung: Produktiv und vielfältig in Aachen Nord.

Sie werden durch ein Bestandsszenario ergänzt, welches die aktuellen Nutzungen auf der Fläche darstellt und besondere Potenziale, Hinweise sowie Risiken einer künftigen Entwicklung aufführt. Die Szenarien-Steckbriefe sind der Vorlage als Anlage 12 beigefügt. Sie enthalten eine Darstellung des jeweiligen Szenarios, eine Collage sowie Referenzbeispiele. Jeder Steckbrief enthält eine tabellarische Übersicht zu Potenzialen, möglichen Hemmnissen sowie weiteren zu berücksichtigenden Hinweisen zum jeweiligen Szenario.

Alle drei Szenarien sehen eine zentrale Grünverbindung zwischen der Jülicher Straße und dem Landschaftsraum Wurm vor. Sie zielen auf eine klimatische Verbesserung sowie auf eine Öffnung und Aufwertung der Umgebung ab. Da es sich um langfristige Nutzungsszenarien handelt, sind die mögliche Radvorrangroute entlang der Wurm sowie die Regiotram-Trasse enthalten. Aus Gründen des Hochwasserschutzes ist entlang der Wurm ein entsiegelter „Quartiersrand“ dargestellt. Die Bedeutung des bestehenden Park-und-Ride-Standortes wurde während des Kompass-Prozesses durch den zuständigen Fachbereich hervorgehoben, sodass er in allen drei Szenarien dargestellt wird.

Szenario 1 sieht eine überwiegend gewerbliche Entwicklung des Fokusraums vor. Der Wohnbestand ist berücksichtigt und wird aufgegriffen. Die dargestellten Flächennutzungen bieten Ansiedlungsmöglichkeiten für Unternehmen aus den Bereichen Start-Ups, Scale-Ups, Handel, Büro, Handwerk und Produktion. Ergänzt werden Gastronomie- und Freizeiteinrichtungen, um die Attraktivität des Areals für dort wohnende und arbeitende Menschen zu erhöhen. Die Ansiedlung gastronomischer Betriebe kann dazu beitragen, dass das Gebiet abseits der Arbeitszeiten in den Abendstunden und an Wochenenden besucht wird.

Szenario 1 enthält wenige Restriktionen für die gewerbliche Entwicklung des Quartiers, da es abgesehen vom Wohnbestand keine weiteren schutzbedürftigen Nutzungen vorsieht. Es setzt die Entwicklung fort, Aachen-Nord als Standort für Unternehmen in allen Entwicklungsphasen weiter zu stärken und auszubauen. Aufgrund der Nähe zur Aachener Innenstadt bei gleichzeitiger guter Anbindung an die Autobahn bietet sich der Standort für die Ansiedlung gewerblicher Betriebe an. Die gewerblichen Festsetzungen der rechtskräftigen Bebauungspläne Nr. 711 I und 947 werden aufgegriffen.

Im Rahmen der Beteiligungsformate wurde insbesondere seitens der Wirtschaftsförderung ein hoher Bedarf an Flächen für Start-ups, Scale-ups, innovative Wachstumsunternehmen sowie Handwerksunternehmen geäußert, die in Aachen oft keine passenden Flächen finden. Flächenanfragen von Unternehmen aus diesen Bereichen bestätigten diesen Bedarf. Aufgrund der zentralen Lage, der aktuellen gewerblichen Entwicklungen im Umfeld und der ausgezeichneten verkehrlichen Anbindung gebe es kaum alternative Standorte in Aachen, die sich besser für die Ansiedlung und Expansion dieser Unternehmen eignen. Vor diesem Hintergrund wird ein gewerblicher Fokus im Sinne des ersten Szenarios befürwortet und gewünscht. Besonders im Hinblick auf die Rolle des Standorts als „verlängerte Werkbank“ der Aachener Hochschulen wird vorgeschlagen, dass Flächen für innovative Unternehmen mit direkter Verbindung zu den Hochschulen weiterentwickelt werden. Hier könnte beispielsweise ein Gewerbehof mit gemeinschaftlich nutzbaren Werkstätten, Lastenlogistik, Schulungsräumen und digitaler Infrastruktur entstehen. Zudem gilt es, bereits angestoßene positive Entwicklungen zu fördern, wie etwa die Entwicklungen rund um das Technologiezentrum II sowie die im südlichen Bereich ansässigen innovativen Unternehmen, einschließlich deren Erweiterungen.

Szenario 2 greift ebenfalls die bestehende Wohn- und Gewerbenutzung im Süden des Fokusraums auf. Die Gespräche mit den betreffenden Flächeneigentümer*innen haben ergeben, dass in diesem Bereich keine Veränderungen gewünscht sind. Im Norden des Fokusraums hat ein Flächeneigentümer das Interesse geäußert, sein brachliegendes Grundstück im Bereich des alten Wehrhahn-Geländes zu entwickeln und Wohnbebauung entlang der Wurm zu errichten. Die Rückmeldung wurde aufgegriffen und stellt das zentrale Element des Szenarios dar. Eine hinzukommende Wohnnutzung greift den hohen Bedarf an neuem Wohnraum in Aachen auf. Seitens der zuständigen Fachverwaltung wurde diesbezüglich angeregt, das Thema bezahlbaren Wohnraum verfolgen. Als Zielgruppe könnten hierbei Familien mit Kindern in den Blick genommen werden. Der Bereich entlang der Jülicher Straße ist im zweiten Szenario als urbane Mischnutzung dargestellt. Dadurch wird die Chance aufgegriffen, entlang der Ausfallstraße eine Adresse zu bilden und ihr eine klare architektonische Fassung zu verleihen. Hinzukommende punktuelle Gastronomie, Freizeit- und Kultureinrichtungen können zu einer Belebung des Quartiers beitragen.

Die Nähe zur Innenstadt, die gute Anbindung an die Autobahn und der unmittelbaren Lage am Landschaftsraum machen eine Wohnnutzung im Fokusraum attraktiv. Die Ausrichtung zum Naturraum wurde befürwortet. Jedoch wurde darauf hingewiesen, dass der umgebende Landschaftsraum durch einen zunehmenden Nutzungsanspruch nicht unter Druck geraten dürfe. Es wurde kommentiert, dass eine Nutzungsmischung im Fokusraum neue planerische Herausforderungen mit sich bringe. Bestehendes Gewerbe dürfe nicht eingeschränkt werden. Diesbezüglich wurde auf mögliche Nutzungskonflikte durch Emissionen in Form von Lärm, Licht und Luft verwiesen. Es ist zu beachten, dass der aktuell rechtskräftige Bebauungsplan Nr. 947 das Grundstück, auf dem der Flächeneigentümer an einer Wohnbebauung interessiert ist, als Gewerbegebiet festsetzt.

Szenario 3 sieht eine Trennung zwischen einer reinen Wohnnutzung im Norden und einer urbanen Mischnutzung sowie Gewerbe im Süden des Fokusraums vor. Mit dem hohen Wohnanteil wird dem Bedarf an neuem Wohnraum in Aachen verstärkt begegnet. Aufgrund der Nähe zur Innenstadt, der guten Anbindung an die Autobahn und der unmittelbaren Lage an dem Landschaftsraum der Wurm stellt der Fokusraum einen attraktiven Wohnstandort dar. Es wird eine „Grüne Mitte“ als Quartierstreffpunkt dargestellt, die einen Ort der Begegnung bieten soll und dem Areal eine Identität verleiht. Hinzukommende Gastronomie, Freizeit- und Kultureinrichtungen können für eine weitere Belebung sorgen. Bezüglich der Nutzungskonflikte zwischen Wohnen und Gewerbe gelten die gleichen Anmerkungen wie beim zweiten Szenario. Zudem wurde wie beim zweiten Szenario auf die Bezahlbarkeit des Wohnraums hingewiesen.

Ausblick

Mit dem Abschluss des dritten Fokusraums endet die Erprobungsphase des AACHEN Kompass. Vor der Sommerpause ist eine Gesamtevaluierung des Instruments vorgesehen, die den Prozess seit Beginn der ersten Erprobungsfläche kritisch reflektiert. Es soll erläutert werden, welche Erfahrungen seitdem gemacht wurden, welche Schlüsse daraus gezogen werden und worin der Mehrwert des AACHEN Kompass besteht. Im Rahmen der Vorstellung des Evaluierungsberichts soll darüber entschieden werden, ob der AACHEN Kompass dauerhaft als Instrument der Aachener Stadtentwicklung verstetigt wird. Im gleichen Zuge soll beschlossen werden, welche Fläche im Falle einer Verstetigung als nächstes im Rahmen des AACHEN Kompass betrachtet werden soll. Hierfür wird die Stadtverwaltung mehrere Flächen zur Auswahl vorschlagen.

Auswirkungen

Finanzielle Auswirkungen:

JA

NEIN

X

Investive Auswirkungen

Ansatz

20xx

Fortgeschriebener Ansatz 20xx

Ansatz 20xx ff.

Fortgeschriebener Ansatz 20xx ff.

Gesamt­bedarf (alt)

Gesamt­bedarf (neu)

Einzahlungen

0

0

0

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0

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Auszahlungen

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Ergebnis

0

0

0

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+ Verbesserung /

- Verschlechterung

0

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Deckung ist gegeben/ keine ausreichende Deckung vorhanden

Deckung ist gegeben/ keine ausreichende Deckung vorhanden

konsumtive Auswirkungen

Ansatz

20xx

Fortgeschriebener Ansatz 20xx

Ansatz 20xx ff.

Fortgeschriebener Ansatz 20xx ff.

Folge-kosten (alt)

Folge-kosten (neu)

Ertrag

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0

0

0

0

Personal-/

Sachaufwand

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Abschreibungen

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Ergebnis

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+ Verbesserung /

- Verschlechterung

0

0

Deckung ist gegeben/ keine ausreichende Deckung vorhanden

Deckung ist gegeben/ keine ausreichende Deckung vorhanden

Weitere Erläuterungen (bei Bedarf):

Keine


Klimarelevanz:

Bedeutung der Maßnahme für den Klimaschutz/Bedeutung der Maßnahme für die

Klimafolgenanpassung (in den freien Feldern ankreuzen)

Zur Relevanz der Maßnahme für den Klimaschutz

Die Maßnahme hat folgende Relevanz:

keine

positiv

negativ

nicht eindeutig

X

Der Effekt auf die CO2-Emissionen ist:

gering

mittel

groß

nicht ermittelbar

X

Zur Relevanz der Maßnahme für die Klimafolgenanpassung

Die Maßnahme hat folgende Relevanz:

keine

positiv

negativ

nicht eindeutig

X

Größenordnung der Effekte

Wenn quantitative Auswirkungen ermittelbar sind, sind die Felder entsprechend anzukreuzen.

Die CO2-Einsparung durch die Maßnahme ist (bei positiven Maßnahmen):

gering

unter 80 t / Jahr (0,1% des jährl. Einsparziels)

mittel

80 t bis ca. 770 t / Jahr (0,1% bis 1% des jährl. Einsparziels)

groß

mehr als 770 t / Jahr(über 1% des jährl. Einsparziels)

Die Erhöhung der CO2-Emissionen durch die Maßnahme ist (bei negativen Maßnahmen):

gering

unter 80 t / Jahr (0,1% des jährl. Einsparziels)

mittel

80 bis ca. 770 t / Jahr (0,1% bis 1% des jährl. Einsparziels)

groß

mehr als 770 t / Jahr (über 1% des jährl. Einsparziels)

Eine Kompensation der zusätzlich entstehenden CO2-Emissionen erfolgt:

vollständig

überwiegend (50% - 99%)

teilweise (1% - 49 %)

nicht

nicht bekannt

Bebauungsplan

Bebauungsplan-Referenzen aus dieser Vorlage.

2 Bebauungspläne

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Dokument

Sammeldokument öffentlich44.0 MB
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Worum geht es?

Ein gemischt genutztes Quartier mit Wohn- und Gewerbeflächen soll im Aachener Norden an der Jülicher Straße entstehen. Die Planung sieht eine Öffnung zum Landschaftsraum der Wurm vor.

Projekt

Quartier Jülicher Straße/Wurm

Auch: Aachen-Nord, Hybridquartier Wurm, Kompass-Szenario 2

Strategien & Programme

Flächennutzungsplan AACHEN*2030

Kategorien

StadtentwicklungWohnenWirtschaft

Schlagworte

NutzungsmischungBrachflächenentwicklungStadtklimaVerkehrsanbindung

Betroffene Gruppen

Anwohner Aachen-NordGewerbetreibendeMieterFamilien

Handlungstyp

Planung

Verfahrensstand

Maßnahme geplant

Bezirk

Mitte

Modell: mistral-large-latest | Extrahiert: 7.7.2026

Automatisch generiert. Rechtsverbindlich ist ausschließlich die Originalvorlage.

Metadaten

Status
öffentlich (Vorlage für Öffentlichkeit freigegeben)
Vorlageart
Entscheidungsvorlage
Federführend
FB 61 - Fachbereich Stadtentwicklung und Stadtplanung
Geändert
18.6.2026
Technische Details