Vorlage·FB 54/0016/WP19·10. November 2026

Gebärdensprache in Kindertageseinrichtungen - Antrag der Fraktion Die Linke im Rat der Stadt Aachen vom 12.08.2025

Inhalt

Beratungsfolge

Erläuterungen

KI-Zusammenfassung

Wie kann die Kommunikation in Kindertageseinrichtungen barriereärmer gestaltet werden? Ein Konzept zur Einführung lautsprachunterstützender Gebärden soll die sprachliche und soziale Entwicklung von Kindern fördern.

Automatisch generiert. Rechtsverbindlich ist ausschließlich die Originalvorlage.

Beschlussvorschlag

A) Die Verwaltung wird beauftragt, in Zusammenarbeit mit den Erzieher*innen ein Konzept zur spielerischen Vermittlung der Deutschen Gebärdensprache (DGS) in Kindertageseinrichtungen zu entwickeln.

B) Geänderter Beschlussvorschlag der Verwaltung: Die Verwaltung wird beauftragt gemeinsam mit den anerkannten freien Trägern der Jugendhilfe auf Basis der nachstehenden Ausführungen in der AG 78 KiTa und Kindertagespflege eine mögliche Einführung eines lautsprachunterstützenden Gebärdenkonzeptes zu entwickeln; eine mögliche Umsetzung unterliegt der Trägerautonomie der einzelnen KiTa-Träger.

Erläuterungen

  1. Ausgangslage

Mit Schreiben vom 12.08.2025 wurde durch die Fraktion Die Linke ein Ratsantrag zur Einführung von Gebärdensprache in Kindertageseinrichtungen gestellt (s. Anlage 1). Hierbei soll in Zusammenarbeit mit den Erzieher*innen ein Konzept zur spielerischen Vermittlung der Deutschen Gebärdensprache (DGS) in Kindertageseinrichtungen entwickelt werden.

Hintergrund sei, dass nicht nur Kinder mit Hörbehinderungen oder nicht-deutscher Erstsprache von einer barrierearmen Kommunikation profitieren würden. Der alltägliche Umgang mit Gebärdensprache solle frühzeitig das Verständnis für Diversität erzeugen. Eine Studie zeige, dass der parallele Einsatz von Laut- und Gebärdensprache die sprachliche und soziale Entwicklung aller Kinder positiv beeinflussen könne.

Aufgrund von § 48 Abs. 1 Satz 2 GO NRW i.V.m. § 26 GeschO für den Rat der Stadt Aachenist der Antrag in die Tagesordnung aufzunehmen. Der Ratsantrag wird durch die nachfolgenden Ausführungen als bearbeitet und erledigt betrachtet.

Gemäß § 17 KiBiz NRW orientiert sich die pädagogische Arbeit an den Grundsätzen zur Bildungsförderung für Kinder. Dort ist als ein Bildungsbaustein „Sprache und Kommunikation“ festgelegt. Darüber hinaus ergibt sich die sprachliche Bildung aus § 19 KiBiz NRW. Es handelt sich daher um eine pflichtige Aufgabe, jedoch ist die konkrete Ausgestaltung in der Tiefe nicht gesetzlich verankert, so dass die verschiedenen Träger im Rahmen der Trägerautonomie die konzeptionelle Verankerung eigenständig vornehmen.

  1. Gebärdensprache

Die DGS ist seit 2002 als eigenständige Sprache anerkannt.Sie ist ein eigenständiges linguistisches System, dessen Aufbau und Satzstruktur anders sind als in der Lautsprache und somit in Form eines eigenen Sprachkurses zu erlernen. Für Menschen mit kognitiven Einschränkungen ist das Erlernen dieser eigenen Sprache sehr schwierig.

Bei der im Ratsantrag benannten Studie wurde untersucht, ob es nachteilig ist, wenn Kinder mitHöreinschränkungen oder Hörverlust sowohl die amerikanische Gebärdensprache als auch die Lautsprache lernen. Inwiefern die Gebärdensprache auch einen Gewinn für hörende Kinder hat, wurde in dieser Studie nicht untersucht.

Neben der DGS gibt es das „lautsprachliche Gebärden“. Dies ist kein eigenständiges Sprachsystem mit eigener Grammatik, vielmehr dient es dazu die Lautsprache durch Gebärden zu visualisieren. Dieses Verfahren soll durch das Sichtbarmachen der Lautsprache hörgeschädigte Personen unterstützen.

Ein weiteres Verfahren bzw. Konzept ist das „lautsprachenunterstützende Gebärden“. Hierbei werden Lautsprache, Gebärden, Bilder und Schrift in Kombination eingesetzt und die Gebärden werden lediglich für Schlüsselwörter genutzt.

  1. Lautsprachenunterstützende Gebärden

Lautsprachenunterstützende Gebärden sollen einen leichteren Zugang zur Lautsprache ermöglichen und damit das Verstehen dieser erleichtern. Hierbei können sich die Gebärden auch an der DGS orientieren. Durch die Kombination kann auf die individuellen Möglichkeiten der jeweiligen Zielgruppe besser eingegangen werden. Da sich lautsprachbegleitende Gebärden an alle, d.h. an hörende Kinder, deren Eltern und Kontaktpersonen richten, eignen sich diese besonders für den Einsatz in einer KiTa. Die lautsprachenunterstützenden Gebärden können eine wichtige Unterstützung und Hilfe für Kinder beim Spracherwerb, besonders mit Problemen beim Spracherwerb und beim Sprechen darstellen. Wichtig ist, dass sie das gesprochene Wort nicht ersetzen, sondern begleiten.

Es gibt verschiedene Gebärdensammlungen von lautsprachenunterstützenden Gebärden, insbesondere:

  • „Gebärdenunterstützte Kommunikation“ (Wilken 2008, durch Etta Wilken für Kinder entwickelt)
  • „Schau doch meine Hände an“ (Bundesverband evangelische Behindertenhilfe e.V. 2007)
  • „MAKATON“ (Müller & Siegel 2011, in England entwickelt mit Orientierung an der Englischen Gebärdensprache, Anpassung an die DGS für Deutschland)
  • „Zwergensprache“ (König 2010)
  • „babySignal“ (Gericke 2012)
  • Metatalk

Ziele des konzeptionellen Einsatzes von lautsprachenunterstützenden Gebärden:

  • Erleichterung der Kommunikation gerade für Kinder, die noch wenig sprechen.
  • Stärkung der Inklusion durch verbesserte Teilhabe und soziale Interaktion für Kinder mit eingeschränkter Lautsprache.
  • Förderung der Sprachentwicklung durch lautsprachenunterstützende Gebärden zur Unterstützung des Spracherwerbs und Erweiterung des Wortschatzes aller Kinder.
  • Damit insgesamt Unterstützung der kindlichen Entwicklung in allen Bereichen, da das Kind zu kommunizieren lernt.
  • Entlastung der Fachkräfte durch Reduzierung von Missverständnissen und die Unterstützung pädagogischer Prozesse im Alltag.
  1. Einführung eines lautsprachunterstützenden Gebärdenkonzeptes:

Der Ratsantrag wurde zunächst im Rahmen der AG 78 KiTa und Kindertagespflege mit den dort vertretenden Trägern besprochen. Hieraus wurde eine Unterarbeitsgruppe gebildet. Es waren Trägervertretungen und insbesondere Fachberatungen mit dem Schwerpunkt „Sprache“ verschiedenster Träger involviert. Da bereits einige Träger lautsprachenunterstützende Gebärden in das KiTa-Konzept und den KiTa-Alltag integriert haben, konnte bereits auf Praxiserfahrungen zurückgegriffen werden.

Durch die unterschiedlichen Konzeptionen in den Einrichtungen, aber auch mit Blick auf die Trägerautonomie und die verschiedenen Ausgangslagen (Sprachentwicklung und Bedarfe der betreuten Kinder, Voraussetzungen der Mitarbeitenden und Eltern etc.) ist es nicht zielführend ein generelles Konzept für alle KiTas in Aachen zu entwickeln. Vielmehr soll durch die Ausführungen in dieser Vorlage (welche auch im Rahmen der AG 78 KiTa und Kindertagespflege behandelt wurde) sowie durch ein entsprechendes Anschreiben aller Träger ihnen eine weitere Auseinandersetzung mit dem Thema ermöglicht und eine mögliche Einführung eines lautsprachenunterstützenden Gebärdenkonzeptes zur Orientierung vorgestellt werden. Dabei stellt dies eine Ergänzung des Bildungsbereichs Sprache in KiTas dar. Eine individuelle Sprachförderung für Kinder (insbesondere mit Förderbedarf) wird dadurch nicht ersetzt.

Die verschiedenen Einführungsschritte könnten hierbei wie folgt aussehen:

  1. Bedarfsanalyse sowie Recherche für passende Gebärdensammlung

Zunächst erfolgt die Analyse der Zusammensetzung, Anforderungen und Bedarfe der Kinder sowie die individuellen Voraussetzungen insbesondere im Hinblick auf die Sprachentwicklung und -förderung. Hierbei sind auch die visuellen, motorischen, kognitiven, linguistischen und psycholinguistischen Fähigkeiten der Kinder (und Mitarbeitenden) zum Erlernen von Gebärden in den Blick zu nehmen.

Anschließend erfolgen eine Sichtung und Auseinandersetzung der verschiedenen Gebärdensammlungen. Hierbei ist darauf zu achten, welche Funktion die Gebärden übernehmen sollen und wie die Voraussetzungen in der KiTa sind (Blick auf Mitarbeitende und Kinder sowie Eltern/Familien).

  1. Entscheidung für Gebärdensammlung

Nach Sichtung und Auseinandersetzung der verschiedenen Gebärdensammlungen folgt nun die Entscheidung für eine dieser Sammlungen (ggf. unter Einbezug der Mitarbeitenden). Bei Bedarf ist auch eine Kombination verschiedener Gebärdensammlungen möglich.

  1. Elterninformation

Es ist sehr wichtig, die Eltern über die geplante Einführung der Gebärdensammlung sowie die pädagogischen Hintergründe zu informieren. Die Akzeptanz und Beteiligung der Eltern sind wichtig, damit diese gelernte Gebärden mit ihren Kindern wiederholen können und ihre Kinder bei dem Erlernen und Ausprobieren begleiten können. Wichtig ist zudem, dass die Kinder bei der Verwendung der Gebärden auch im häuslichen Umfeld verstanden werden.

  1. Fortbildung und Schulung der Mitarbeitenden

Die betroffenen Mitarbeitenden müssen umfassend über die Gebärdensammlung sowie die Anwendung dieser informiert und geschult werden. Dies kann u.a. über Multiplikator*innen oder gemeinsame Teamschulungen erfolgen.

  1. Einbindung in bestehendes KiTa-Konzept

Die Umsetzung der lautsprachenunterstützenden Gebärden ist in das bestehende Konzept der KiTa einzubetten. Hierbei sind auch insbesondere die Einbindung der Kinder (Partizipation) sowie die Elternarbeit in den Blick zu nehmen. Es soll ein Gesamtkonzept angestrebt werden.

  1. Zusammenstellung Materialien und Planung der Einführung

Die Materialien zur Verwendung der Gebärden sind zusammenzustellen und die Einführung der Gebärden im KiTa-Alltag ist durch die KiTa/die Mitarbeitenden zu planen. Ggf. kann die Begleitung durch Fachberatung sinnvoll sein.

  1. Einführung erster Gebärden im KiTa-Alltag

Hierbei gibt es verschiedene Methoden. Wichtig ist, dass die Methode zum pädagogischen Konzept der Einrichtung passt und die bisherige Umsetzung von Partizipation der Kinder und Einbindung der Eltern ergänzt.

  1. Verwendung der Gebärden im KiTa-Alltag

Die Gebärden werden routinemäßig in die verschiedenen Situationen im KiTa-Alltag eingebunden (z.B. beim Singen, Vorlesen, Essen). Wichtig ist, dass das Sprechen nicht ersetzt wird, sondern es werden Signalwörter wie zum Beispiel essen, trinken, spielen o.ä. gebärdet und mit der verbalen Sprache kombiniert. Es ist besonders wichtig die lautsprachlichen Gebärden konsequent im Alltag anzuwenden. Die stetige Wiederholung und Einbettung in feste Rituale erleichtern die Umsetzung.

  1. Regelmäßige Evaluation und Anpassung

Eine regelmäßige Evaluation kann durch verschiedene Instrumente erfolgen – z.B. Teamreflexion, Sprachentwicklungsbeobachtung, Elternfeedback, Videoanalysen o.ä. und soll möglichen Anpassungsbedarf in der Umsetzung aufdecken. Durch die Einbettung in das Konzept der Einrichtung ist eine stetige Weiterentwicklung und Fortschreibung in der Praxis notwendig.

  1. Ausblick

Neben lautsprachenunterstützenden Gebärden gibt es darüber hinaus weitere Möglichkeiten der Unterstützung der Sprachbildung der Kinder. So werden bereits in einigen KiTas verschiedenster Trägerschaften METACOM-Symbole eingesetzt. Sie unterstützen durch klare Bilder und einfache Symbolik die Kommunikation und Orientierung in einer KiTa. Die Symbole sind einfach gehalten, eindeutig und kommen weitgehend ohne erklärungsbedürftige Details aus. Personen, die nicht oder nur eingeschränkt sprechen können, können so ihre Wünsche, Gefühle und Bedürfnisse ausdrücken.

Eine Kombination verschiedenster Methoden kann so die (Sprach-)Entwicklung der Kinder in der Einrichtung fördern und stärken.

Auswirkungen

Finanzielle Auswirkungen:

JA

NEIN

x

Investive Auswirkungen

Ansatz

20xx

Fortgeschriebener Ansatz 20xx

Ansatz 20xx ff.

Fortgeschriebener Ansatz 20xx ff.

Gesamt­bedarf (alt)

Gesamt­bedarf (neu)

Einzahlungen

0

0

0

0

0

0

Auszahlungen

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Ergebnis

0

0

0

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0

+ Verbesserung /

- Verschlechterung

0

0

Deckung ist gegeben/ keine ausreichende Deckung vorhanden

Deckung ist gegeben/ keine ausreichende Deckung vorhanden

konsumtive Auswirkungen

Ansatz

20xx

Fortgeschriebener Ansatz 20xx

Ansatz 20xx ff.

Fortgeschriebener Ansatz 20xx ff.

Folge-kosten (alt)

Folge-kosten (neu)

Ertrag

0

0

0

0

0

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Personal-/

Sachaufwand

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Abschreibungen

0

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Ergebnis

0

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0

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0

+ Verbesserung /

- Verschlechterung

0

0

Deckung ist gegeben/ keine ausreichende Deckung vorhanden

Deckung ist gegeben/ keine ausreichende Deckung vorhanden

Weitere Erläuterungen (bei Bedarf):

Keine


Klimarelevanz:

Bedeutung der Maßnahme für den Klimaschutz/Bedeutung der Maßnahme für die

Klimafolgenanpassung (in den freien Feldern ankreuzen)

Zur Relevanz der Maßnahme für den Klimaschutz

Die Maßnahme hat folgende Relevanz:

keine

positiv

negativ

nicht eindeutig

x

Der Effekt auf die CO2-Emissionen ist:

gering

mittel

groß

nicht ermittelbar

x

Zur Relevanz der Maßnahme für die Klimafolgenanpassung

Die Maßnahme hat folgende Relevanz:

keine

positiv

negativ

nicht eindeutig

x

Größenordnung der Effekte

Wenn quantitative Auswirkungen ermittelbar sind, sind die Felder entsprechend anzukreuzen.

Die CO2-Einsparung durch die Maßnahme ist (bei positiven Maßnahmen):

gering

unter 80 t / Jahr (0,1% des jährl. Einsparziels)

mittel

80 t bis ca. 770 t / Jahr (0,1% bis 1% des jährl. Einsparziels)

groß

mehr als 770 t / Jahr (über 1% des jährl. Einsparziels)

Die Erhöhung der CO2-Emissionen durch die Maßnahme ist (bei negativen Maßnahmen):

gering

unter 80 t / Jahr (0,1% des jährl. Einsparziels)

mittel

80 bis ca. 770 t / Jahr (0,1% bis 1% des jährl. Einsparziels)

groß

mehr als 770 t / Jahr (über 1% des jährl. Einsparziels)

Eine Kompensation der zusätzlich entstehenden CO2-Emissionen erfolgt:

vollständig

überwiegend (50% - 99%)

teilweise (1% - 49 %)

nicht

nicht bekannt

Dokument

Sammeldokument öffentlich421.6 KB
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KI-Analyse

Diese Informationen wurden automatisch per KI extrahiert und können Fehler enthalten.

Worum geht es?

Wie kann die Kommunikation in Kindertageseinrichtungen barriereärmer gestaltet werden? Ein Konzept zur Einführung lautsprachunterstützender Gebärden soll die sprachliche und soziale Entwicklung von Kindern fördern.

Projekt

Gebärden in KiTas

Auch: Lautsprachunterstützende Gebärden, DGS in KiTas

Kategorien

BildungSoziales & Integration

Schlagworte

BarrierefreiheitSprachförderungInklusionKommunikation

Betroffene Gruppen

KinderElternErzieherKinder mit Förderbedarf

Handlungstyp

Planung

Verfahrensstand

Maßnahme geplant

Modell: mistral-large-latest | Extrahiert: 31.10.2026

Automatisch generiert. Rechtsverbindlich ist ausschließlich die Originalvorlage.

Metadaten

Status
öffentlich (Vorlage für Öffentlichkeit freigegeben)
Vorlageart
Entscheidungsvorlage
Federführend
FB 54 - KiTa und Kindertagespflege
Geändert
9.10.2026
Technische Details