Strukturwandel im Rheinischen Revierhier: Stellungnahme der Stadt Aachen zum Wirtschafts- und Strukturprogramm WSP 1.0
FB 61/1472/WP17 · Entscheidungsvorlage
Strukturwandel im Rheinischen Revierhier: Stellungnahme der Stadt Aachen zum Wirtschafts- und Strukturprogramm WSP 1.0
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Ratsherr von Hayn (Piraten) hegt Bedenken gegen die Konzeption und bekundet, angesichts verschiedener Formulierungen und vor dem Hintergrund, dass es um einen zweistelligen Milliardenbetrag gehe, in der Vorlage den Eindruck zu haben, dass der Autor wie ein Werbetexter gedacht und gut klingende Wörter ohne konzeptionelle Gedanken hintereinander gereiht habe.
Ratsherr Rau (Grüne) zeigt sich froh, dass die Verwaltung sich mit dem Thema auseinandergesetzt habe, da es möglicherweise Kompetenzgerangel zwischen Städteregion und Stadt Aachen gebe. Aachen müsse sich als Großstadt massiv in das Projekt einbringen, damit eine Leitidee erarbeitet werden könne, die zeige, was man eigentlich machen wolle. Er vermisst ein Grundkonzept und eine klare Entscheidungsstruktur. Das vorliegende Papier sei aber ein Anfang und er sei frohen Mutes, dass ein Startschuss gegeben werde, der später noch viele Korrekturen erfahren müsse.
Ratsherr Adenauer (CDU) sieht den Bedarf, weitere Konkretisierungen darzustellen, woran verschiedene Gremien bereits arbeiten. Er verweist in diesem Zusammenhang auf die Regiotram, die vielleicht aus den zur Verfügung stehenden Mitteln gefördert werden könnte, sowie auf Startups und die Hochschulen. Wichtig sei, dass die Stadt Aachen überhaupt dabei sei, da sie nicht unmittelbar Anrainer des ehemaligen Braunkohlereviers sei.
Ratsherr Servos (SPD) geht ebenfalls auf das nach seiner Meinung fehlende Gesamtbild ein, weist darauf hin, dass man am Anfang eines Prozesses stehe und in der Zukunft eine Vision für das Revier entwickeln müsse. Die nächsten Schritte sieht er darin, auf der Basis der schon vorhandenen Konzeptionen detaillierte Ausarbeitungen zu erstellen und diese gemeinsam mit den Partnerkommunen in der Region zu schärfen.
Ratsherr Baal (CDU) sieht einen Zusammenhang zwischen dem Strukturwandel im Rheinischen Revier und dem zuvor beschlossenen Flächennutzungsplan. Die Botschaft beider Themen sei die Aufforderung, sich zu regionaleren. Ein großer Förderertopf komme auf die Region zu und es werde eine Herausforderung sein, eine regionale Identität zu schaffen, die es ermöglicht, Projekte nach ihrer Qualität umzusetzen. Viele der Projekte werden sich mit Zukunftsthemen wie der Mobilität oder der CO2-Einsparung und dem Klimaschutz beschäftigen. Er begrüßt das Gesamtprojekt und freut sich auf jede qualitative Verbesserung, die für Aachen und die Region erreicht werden könne.
Ratsherr Deumens (Die Linke) sieht ebenfalls in vagen Formulierungen einen bisher gemachten Fehler des Strukturwandels, hofft aber, dass die Stellungnahme der Stadt Aachen helfen könne, erfolgreich zu sein.
Ratsherr von Hayn (Piraten) äußert nochmals seiner Skepsis und seine Bedenken aufgrund der im Konzept stehenden Schlagwörter.
Beschluss
Beschlussvorschlag
Beschlussvorschlag:
Der Ausschuss für Arbeit, Wirtschaft und Wissenschaft nimmt die Ausführungen der Verwaltung zum Wirtschafts- und Strukturprogramm WSP 1.0 zur Kenntnis. Er empfiehlt dem Rat die Verwaltung zu beauftragen, die vorliegende Stellungnahme der Stadt Aachen, im Rahmen der Beteiligung der Träger Öffentlicher Belange, bei der Zukunftsagentur Rheinisches Revier einzureichen.
Der Mobilitätsausschuss nimmt die Ausführungen der Verwaltung zum Wirtschafts- und Strukturprogramm WSP 1.0 zur Kenntnis. Er empfiehlt dem Rat die Verwaltung zu beauftragen, die vorliegende Stellungnahme der Stadt Aachen, im Rahmen der Beteiligung der Träger Öffentlicher Belange, bei der Zukunftsagentur Rheinisches Revier einzureichen.
Der Planungsausschuss nimmt die Ausführungen der Verwaltung zum Wirtschafts- und Strukturprogramm WSP 1.0 zur Kenntnis. Er empfiehlt dem Rat die Verwaltung zu beauftragen, die vorliegende Stellungnahme der Stadt Aachen, im Rahmen der Beteiligung der Träger Öffentlicher Belange, bei der Zukunftsagentur Rheinisches Revier einzureichen.
Der Ausschuss für Umwelt und Klimaschutz nimmt die Ausführungen der Verwaltung zum Wirtschafts- und Strukturprogramm WSP 1.0 zur Kenntnis.Er empfiehlt dem Rat die Verwaltung zu beauftragen, die vorliegende Stellungnahme der Stadt Aachen, im Rahmen der Beteiligung der Träger Öffentlicher Belange, bei der Zukunftsagentur Rheinisches Revier einzureichen.
Der Rat nimmt die Ausführungen der Verwaltung zum Wirtschafts- und Strukturprogramm WSP 1.0 sowie die Empfehlungen der Fachausschüsse zur Kenntnis. Er beauftragt die Verwaltung, die vorliegende Stellungnahme der Stadt Aachen, im Rahmen der Beteiligung der Träger Öffentlicher Belange, bei der Zukunftsagentur Rheinisches Revier einzureichen.
Erläuterungen
Erläuterungen:
Mit Schreiben vom 28.02.2020 beteiligt die Zukunftsagentur Rheinische Revier (ZRR) die Stadt Aachen als Träger öffentlicher Belange am "Wirtschafts- und Strukturprogramm für das Rheinische Zukunftsrevier WSP 1.0". Die Stadt Aachen begrüßt ausdrücklich, dass ihr die Möglichkeit gegeben wird hierzu Stellung zu nehmen.
Das nun vorliegende WSP 1.0 wurde durch die ZZR unter Einbeziehung zahlreicher Akteure der Braunkohleregion erarbeitet und wird jetzt in einem Beteiligungsprozess zur Diskussion gestellt, um es inhaltlich zu präzisieren und weiter zu entwickeln.
Das WSP 1.0 ist bedeutsam, da es gleichermaßen als Leitfaden für die künftige Entwicklung des Rheinischen Reviers als auch der zielgenauen Steuerung der neu geschaffenen Förderkulisse dient. Zwar gehört Aachen nicht zu den unmittelbar betroffenen Tagebaurandkommunen, aber durch die engen Verflechtungen des Oberzentrums mit der Region ergeben sich vielfältige Anknüpfungspunkte für künftige gemeinsame Entwicklungen im Rheinischen Revier.
An der als Anlage beigefügten Stellungnahme haben zahlreiche Fachbereiche und Dienststellen der Stadt Aachen mitgewirkt, sie ist in enger Abstimmung mit dem Fachbereich für Wirtschaft, Wissenschaft und Europa entstanden. Sie berücksichtigt den Aufbau und die Gliederung des WSP 1.0 in Themenschwerpunkte und nimmt, soweit möglich, auf konkrete Textpassagen Bezug. Der Schwerpunkte der Stellungnahme liegen im Themenfeld Rahmen, Steuern und Vorarbeiten sowie in den Zukunftsfeldern Energie und Industrie, Ressourcen und Agrobusiness, Innovation und Bildung, Raum und Infrastruktur und Internationale Bau- und Technologieausstellung.
Die Verwaltung schlägt vor, diese Stellungnahme der Stadt Aachen zum WSP 1.0 als Träger öffentlicher Belange in das dafür vorgesehene Beteiligungsportal des ZRR einzustellen.
Um Ihnen einen schnellen Überblick zu ermöglichen und die Stellungnahme besser einordnen zu können, stellen wir für Sie einige zentrale Aussagen des sehr umfangreichen Textes des WSP 1.0 zusammen (Quelle ZRR):
Was ist das WSP und welche Ziele verfolgt es?
Das Wirtschafts- und Strukturprogramm 1.0 ist die bislang ambitionierteste Zukunftsvision des Rheinischen Reviers für die Zeit nach der Braunkohle. Das Rheinische Revier will seine herausragenden Kompetenzen nutzen, um Modell und Pilotregion für neue Energie und Mobilität, nachhaltige Produktion und ein darauf ausgerichtetes attraktives Lebensumfeld zu werden. Eine Internationale Bau- und Technologieausstellung soll Deutschland, Europa und der Welt, aber auch den Menschen vor Ort zeigen: So attraktiv und erfolgreich kann eine klimaneutrale Zukunft sein.
Das Wirtschafts- und Strukturprogramm 1.0 wurde mit dem Ziel erstellt, einen konkreten Leitfaden für denbestmöglichen Einsatz der von der Bundesregierung in Aussicht gestellten Fördermittel für das Rheinische Revier zu schaffen. Es ist der Beitrag der Region zu der Frage, welche Schritte erforderlich sind, um aus einer Jahrhundertherausforderung eine Jahrhundertchance zu machen.
Zum Rheinischen Revier werden die Kommunen des Rhein-Kreises Neuss, des Rhein Erft Kreises, des Kreises Euskirchen, des Kreises Düren, der Städteregion Aachen, des Kreises Heinsberg sowie die Stadt Mönchengladbach gezählt. Vor besonderen Herausforderungen stehen die Tagebauanrainerkommunen, Kraftwerks- und Veredelungsstandorte des Kernreviers: Diese Kommunen stehen durch den anstehenden Strukturwandel in wirtschaftlicher und planerischer Hinsicht unter akutem Handlungsdruck. Gründe hierfür sind der hohe Anteil betroffener Beschäftigter und Unternehmen, die geplanten ersten Kraftwerkschließungen in 2022, unklare Flächendisposition im Tagebauumfeld sowie in vielen Fällen mangelnde finanzielle Handlungsspielräume und Personalkapazitäten.
Wer hat das WSP geschrieben und wann?
Das Wirtschafts- und Strukturprogramm 1.0 ist in einem Zeitraum von wenigen Monaten zwischen September und November 2019 entstanden. An seinem Entstehen haben Hunderte von Menschen aus dem Rheinischen Revier mitgewirkt, die sich über Fachkonferenzen, Workshops und Call for Papers in den Prozess eingebracht haben. Die Kapitel zu den einzelnen Zukunftsfeldern wurden maßgeblich von den Revierknotenvorsitzenden erstellt, die aufgrund ihrer fachlichen Kompetenz und Verankerung im Revier für diese Aufgabe ausgewählt wurden. Die Gesamtverantwortung für das hier vorliegende Dokument liegt bei der Zukunftsagentur Rheinisches Revier.
Warum ist das WSP nötig?
In ihrer Empfehlung vom 26. Januar 2019 hat die von der Bundesregierung eingesetzte »Kommission für Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung« angeregt, umfangreiche Fördermittel bereitzustellen, um wegfallende Arbeitsplätze und Wertschöpfung in den deutschen Braunkohlerevieren zu kompensieren. In das Rheinische Revier könnten für diesen Zweck bis zum Jahr 2038 bis zu 15 Milliarden Euro fließen die anhand klar definierter Ziele und Kriterien verausgabt werden sollen. Das Wirtschafts- und Strukturprogramm 1.0 ist hierfür eine wichtige Grundlage.
Welche Themenfelder beinhaltet das WSP 1.0
Das Wirtschafts- und Strukturprogramm 1.0 ist die Weiterentwicklung der bereits im Herbst 2018 definierten Zukunftsfelder, in denen das Rheinische Revier bereits heute große Kompetenzen aufweist: Energie und Industrie, Ressourcen und Agrobusiness, Innovation und Bildung sowie Raum und Infrastruktur.
Die Zukunftsfelder sollen in den kommenden Jahren weiter ausgebaut werden. Das Wirtschafts- und Strukturprogramm 1.0 nimmt hierzu erste Konkretisierungen vor und leitet mögliche Förderthemen ab. Dazu gehören unter anderem:
-Im Zukunftsfeld Energie und Industrie: Transformation der Energie- und Industrieregion; Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit der Industrie;Ausbau erneuerbarer Energien, nachhaltiger Kapazitäten und Speicher; Aufbau eines regionalen Energiemanagementsystems; Erhöhung der Effizienz und Flexibilisierungsoptionen.
-Im Zukunftsfeld Ressourcen und Agrobusiness: Aufbau eines regionalen, intelligenten Ressourcensystems, das die besonderen Spezifika des Rheinischen Reviers und seiner Begabungen für den Aufbau neuer Wertschöpfungen nutzt.
-Im Zukunftsfeld Innovation und Bildung: Entwicklung neuer Wirtschafts- und Technologiestrukturen, Technologien und klimafreundlicher Wertschöpfungspfade; Förderung von Forschung und Innovation; Etablierung einer ausgeprägten Gründungs- und Transferkultur; Aufbau leistungsfähiger Strukturen für einen effektiven und systematischen Wissens und Technologietransfer.
-Im Zukunftsfeld Raum und Infrastruktur: Zukunftsfähige räumliche Transformation des Rheinischen Reviers inklusive der Infrastruktur vor dem Hintergrund der größten Konversions- und Transformationsaufgabe in Europa und drängender Herausforderungen in Klimaschutz und Klimaanpassung.
Als Querschnittsthema gilt es, die Rahmenbedingungen für Unternehmen (Industrie, Mittelstand
und Handwerk) insgesamt zu verbessern, Betriebe bei der frühzeitigen Identifikation von disruptiven Veränderungen ihrer Geschäftsmodelle zu unterstützen, deren Neuausrichtung zu erleichtern sowie Ansiedlungs- und Investitionsabsichten zu befördern.
Viele Akteure im Rheinischen Revier haben bereits vorgedacht und fundierte, zukunftstaugliche Ideen entwickelt. Nun gilt es, diese Ideen zu koordinieren, in ein stimmiges Gesamtbild zusammenzufügen und Leuchtturmprojekte zu entwickeln, die Teil einer Internationalen Bau und Technologieausstellung (IBTA) werden.
Welche nächsten Schritte werden folgen?
Das Wirtschafts- und Strukturprogramm 1.0 wurde in einer Revierkonferenz am 13. Dezember 2019 der nordrhein- westfälischen Landesregierung übergeben Es wird im Jahr 2020 zudem in einem breit angelegten Beteiligungsprozess mit allen relevanten Akteuren im Rheinischen Revier diskutiert. Ziel ist es im weiteren Prozess zu einem Wirtschafts- und Strukturprogramm 1.1 zu kommen, das am Ende des Revierjahres 2020 vorliegen soll. Voraussichtlich im zweiten Quartal 2020 werden Bundestag und Bundesrat zudem das Strukturstärkungsgesetz Kohleregionen beschließen, das den rechtlichen Rahmen für die in Aussicht gestellten Fördermittel bildet.
Weitere Dokumente (2)
Für einige Anlagen sind keine direkten Download-Links verfügbar (Einschränkung des Ratsinformationssystems). Der Link öffnet die Seite im Ratsinformationssystem – die Anlage ist dort in der Liste zu finden.
Technische Details
ID: 100428
OParl URL:http://ratsinfo.aachen.de/public/oparl/agendaItems?id=100428
Hauptdokument
Sammeldokument öffentlich
2020-06-03 FB 61_1472_WP17 Strukturwandel im Rh SAO.pdf
8.11.2024
5.2 MB
Metadaten
- TOP
- Ö 13
- Sitzung
- öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Rates der Stadt Aachen
- Gremium
- Rat der Stadt Aachen
- Datum
- Mi., 26.08.2020
- Uhrzeit
- 17:00
- Anlass
- Öffentliche/Nichtöffentliche Sitzung
- Vorlage
- Entscheidungsvorlage
- Beratung
- öffentlich
- Status
- gemischt
- Vorlageart
- Entscheidungsvorlage
- Federführend
- FB 61 - Fachbereich Stadtentwicklung und Stadtplanung
- Geändert
- 18.2.2026
- Inhalt abgerufen
- 17. Februar 2026 um 23:22