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Weiterentwicklung des Bushofs: Vorstellung der Projektidee KRAFTWERK

Dez VI/0013/WP18 · Entscheidungsvorlage

Weiterentwicklung des Bushofs: Vorstellung der Projektidee KRAFTWERK

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Beratungsergebnis:ungeändert beschlossen

Beratung

Oberbürgermeisterin Keupen verweist auf die in ALLRIS hinterlegte Präsentation zur Vorstellung der Projektidee KRAFTWERK und eröffnet die Diskussion.

Ratsherr Allemand (DIE Zukunft) teilt mit, dass die Fraktion DIE Zukunft die Idee, dass man Forschungsergebnisse vorantreibt und entwickelt grundsätzlich befürworte. Aus Sicht der Fraktion sei der Bushof jedoch der falsche Ort hierfür. Denn dieser Ort sei in vielen Ebenen sehr kompliziert, so zum Beispiel in Hinblick auf die Bereiche Verkehr, Städtebau, Haus der Neugier, östliche Innenstadt, bauliche Substanz sowie die Eigentumsfrage. Die Fraktion befürchte, dass diese Projektidee den gesamten Prozess rund um den Bushof verkomplizieren oder sogar stoppen werde. Die Fraktion DIE Zukunft regt an, einen anderen Ort für dieses gute Projekt zu suchen. Bei der späteren Abstimmung werde sie sich enthalten.

Ratsfrau Lürken (CDU) kann nicht definieren, ob sich die Begeisterung bei Durchsicht der Vorlage in der Vision oder der Idee begründe, allerdings erzeuge eine solche Vorlage auch die Sorge, dass sie zu schön sei. Im Folgenden möchte sie die Vorlage in verschiedene Punkte unterteilen. Erstens sei die Gründerszene in Aachen zu nennen. Diese starke Szene mit dem Collecitve Incubator und dem digitalHUB müsse gefördert werden. Deshalb solle man keine weitere Szene in der Stadt befördern, denn dies habe zur Folge, dass Fördermittel an anderer Stelle entfallen. Stattdessen wolle man auf vermittelnde Gespräche setzen, in der Hoffnung, da zu unterstützen, wo es notwendig sei. Während man in der StartupPhase gut aufgestellt sei, könne man versuchen, die Schwierigkeiten bei der Skalierung gemeinsam in Workshops zu lösen. Sie betont, dass die CDU-Fraktion dies gerne nach Kräften unterstütze, aber dieses Problem nicht am Bushof zu lösen sei. Denn an diesem Standort bestehen bereits viele andere Probleme. So beispielsweise die Gleiskörper für den Halt der Regiotram. In der Vorlage habe sie hierzu den Hinweis auf Gespräche mit der ASEAG vermisst. Weiterhin bestehe ein Problem in der Statik der Wagenhalle, das in der Vorlage unerwähnt bleibe. Die Einbringung der Vorlage in den Rat der Stadt sei aus ihrer Sicht zu vorschnell und ohne Vorberatung im Planungsausschuss und Hauptausschuss erfolgt. Lediglich im Ausschuss für Arbeit, Wirtschaft und Regionalentwicklung sei zu diesem Projekt vorgetragen worden. Sie vertrete die Meinung, dass der Rat in der vorletzten Sitzung vor der Kommunalwahl kein solch großes Projekt ohne ausgiebige, vorherige Beratung beschließen sollte. Sie gibt zu bedenken, dass die Verwaltung bereits bei vielen anderen Großprojekten personell, planerisch und finanziell gefordert sei, unter anderem beim Haus der Neugier. Aus den vorgenannten Gründen spreche die CDU-Fraktion sich gegen den Beschluss aus.

Ratsherr Servos (SPD) freut sich an dieser Stelle über die Initiative der Verwaltung. In Aachen habe man Schwergewichte in der Ausgründung aus der Hochschule, bekannte Namen, bei denen das Netzwerkt funktioniert habe. Doch wer kenne Namen wie „IT for Process“, „Protec Vision“ oder „Mt Analytics“. Dies seien Unternehmen, die wichtige Beiträge für die Zukunftssicherheit der Industrie in Deutschland leisten könnten, die aber den Sprung aufgrund von fehlender Infrastruktur in Aachen nicht schaffen. Diese Lücke sei auch durch einen sehr eindringlichen Beitrag eines Preisträgers bei der Preisverleihung im „AC²-Wettbewerb Gründen und Wachsen“ deutlich geworden. Dieser habe aufgezeigt, welche Unterstützung nach der Hochschule fehle. Aus diesem Grunde brauche man genau dieses Angebot. Und er betont, dass dies genau der richtige Zeitpunkt sei, um einen solchen Schritt zu wagen, denn zurzeit gebe es das Netzwerk, die Gespräche, die Zusagen von den Hochschulen und den jeweiligen Akteuren. Man müsse sich genau anschauen, was genau beschlossen werden soll. Dieser Beschluss beinhalte keinen finalen Auftrag an die Verwaltung für eine veränderte Planung. Vielmehr erhalte die Verwaltung durch den Beschluss die Erlaubnis, Mittel einzuwerben, um diese Planung vorzunehmen und damit gegebenenfalls eine zusätzliche Chance für Aachen zu eröffnen. Ob das Projekt schlussendlich umgesetzt werde, hänge genau von dieser Planung ab, die nun beginnen soll. Und auch die Frage, ob der Bushof der richtige Ort für das Projekt sei, werde sich im Rahmen der Planungen entscheiden. Die heute zu erteilende Ermächtigung der Verwaltung sei genau das, was benötigt werde, um die aufgeworfenen Fragen beantworten zu können. Wenn man den heutigen Beschluss ablehne, bedeute dies, dass man die gebotene Chance nicht annehmen möchte. Die SPD-Fraktion stehe dieser Chance positiv gegenüber und unterstütze den Beschluss.

Ratsherr Schaadt (GRÜNE) kritisiert die in der Präsentation enthaltenen, über ChatGPT erstellten, missverständlichen Bilder. Die Vorlage insgesamt, die auch im engen Zusammenhang mit dem Antrag Schlaglicht „Wohnen. Bildung. Innenstadt.“ stehe, bewerte die GRÜNE-Fraktion hingegen als grundweg positiv. Die Verwaltung liefere eine gute Arbeit, so erwarte man für den Spätsommer bereits den Bauantrag für das Haus der Neugier und mit der heutigen Vorlage gehe man einen ersten Schritt in Richtung Bushof. Einen weiteren Baustein „Wissen“ sehe die GRÜNE-Fraktion unbedingt in der östlichen Innenstadt, um dort die Attraktivität und die Frequenz noch mal zu steigern. Dies sei an vielen verschiedenen Orten in der Innenstadt möglich und der Bushof gehöre unbedingt auch dazu. Aus diesem Grunde unterstütze die GRÜNE-Fraktion den Beschluss mit allen Implikationen, die auch bereits durch Ratsherrn Servos genannt worden seien. Er betont, dass das KRAFTWERK potentiell am Bushof gegründet werden könne. Um zu wissen, ob dies funktioniere, müsse erst einmal eine Skizze angefertigt werden und darum gehe es in der Vorlage. Das KRAFTWERK müsse sich in das Gesamtkonzept Bushof eingliedern, insbesondere auch unter den Aspekten der Mobilität und des Wohnens, denn Letzteres solle Vorrang haben. Der Bushof werde auch weiterhin einer der wichtigsten Mobilitätsknoten in der Stadt sein und durch die Regiotram noch einmal eine ganz andere Gewichtung erhalten. Dass am Bushof aber nicht nur Wohnen möglich sei, liege auf der Hand, sondern auch Gastronomie, Einzelhandel und Büronutzungen seien denkbar. Um alles dies miteinander in Einklang zu bringen, brauche man einen Gesamtprozess, eine Art Masterplan und in diesen soll das Kraftwerk gerne mit eingebunden sein. Die GRÜNE-Fraktion stimme der Vorlage zu und freue sich auf eine spannende Entwicklung.

Ratsherr Beus (Die Linke) führt aus, dass diese umfangreiche Debatte besser in den Ausschüssen hätte geführt werden sollen. Mit Bezug auf den Wortbeitrag von Ratsherrn Servos betont er, dass der Zeitpunkt für ein Gründerzentrum vielleicht immer der Richtige sei, allerdings sei der Bushof als Ort aus seiner Sicht nicht der Richtige, da es sich hierbei um einen der kompliziertesten Orte in der ganzen Stadt handelt. Insbesondere sei hierbei die sehr prägende Mobilität mit einer vorgegebenen Anzahl an Bushaltestellen zu nennen. Hinzu komme dann noch die geplante Regiotram. Im Folgenden kritisiert er die in der Präsentation dargestellten Bilder, die dem Betrachter suggerieren, dass an diesem Standort zukünftig wieder ein großes bauliches Problem entstehe. Mit dem Projekt erzeuge man die Probleme von morgen. Um die Idee des Gründerzentrums zum Erfolg zu führen, müsse man das Projekt von dem Standort Bushof trennen. Er hätte sich gewünscht, dass die Fraktionen auch außerhalb des Ausschusses, im Rahmen dessen die Fraktion Die Linke sich gegen die Planungen ausgesprochen haben, mit dem Projekt vertraut gemacht worden wären. Das insbesondere durch die Sozialdemokraten stetig verfolgte Ziel der Schaffung von Wohnraum, werde durch die vorliegende Planung aufgegeben. Dies erachte er als großen Fehler. Die Vorlage der Verwaltung lasse weiterhin viele Fragen unbeantwortet, beispielsweise im Hinblick auf die Stadtgeschichte an diesem Ort in direkter Nähe zum Alten Kurhaus, die Stadtreparatur sowie die Mobilität. Die Fraktion Die Linke erkläre sich stets gerne zur Mitarbeit bereit, aber in diesem Falle hätte man sich eine konstruktive Beratung an anderer Stelle gewünscht. Ein Vorgehen unter Ausschluss der Planungspolitik sei für das Projekt nicht förderlich.

Ratsherr Baal (CDU) möchte Eingangs die positiven Aspekte hervorheben. Die Frage, wie man das Thema Wissenschaft so in der Stadt etablieren könne, dass Arbeitsplätze geschaffen und Wachstum und Wohlstand in die Stadt gebracht werden, sei eine wichtige und richtige Diskussion. Die Frage füge sich auch nahtlos an die zurückliegende Politik in der Stadt mit dem Ziel der Verknüpfung zwischen Stadt, Stadtgesellschaft und Hochschulen zu einer Wissenschaftsstadt an. In vielen Bereichen sei diese Verknüpfung bereits gelungen, wie Projekte wie digitalHUB und Collective Incubator belegen. In bestimmten Stadtbereichen seien Impulse gesetzt worden. So sei beispielsweise der Bereich Aachen Nord als einer der größten innerstädtischen Industrieflächen mit vielen Möglichkeiten zur Forschung und industriellen Produktion, zu nennen. Eine Verknüpfung mit Gründerzentren könne an diesen Standorten gut funktionieren und werde durch die CDU-Fraktion gerne unterstützt. Denn, wie auch in der Präsentation der Verwaltung dargestellt werde, dürfe man die Nähe zu den Hochschulen nicht verlieren. Die Stadt Aachen entwickelt sich zunehmend von einer Industrielandschaft zu einer anders funktionierenden Landschaft und deshalb müsse man sich auch in der Schaffung von Arbeitsplätzen verändern. Die durch die Fördermittel Rheinisches Revier ermöglichten Rahmenbedingungen seien hierbei positiv hervorzuheben. Problematisch werde es allerdings, wie Erfahrungen aus der Vergangenheit zeigen, wenn man viele gute Ideen zu einem Projekt zusammenfasse. So seien bei den beiden Projekten Bushof und Gründerzentrum die zeitlichen Vorgaben nicht miteinander kompatibel. Denn unabhängig von der Ausgestaltung des Bushofes könne man dieses Projekt nicht zeitnah mit dem KRAFTWERK in Verknüpfung bringen. Er weist darauf hin, dass durch den Bau des Haus der Neugier das Gebäude der Stadtbibliothek frei werde und somit ebenfalls eine Möglichkeit zur Einrichtung eines Gründerzentrums biete. Denn im Vergleich zu verschiedenen Gebäudeteilen des Bushofes befinde sich dies im städtischen Besitz. Auch die Kirche St. Peter, in unmittelbarer Nähe zum Bushof, könne als potentielle Lokalität geprüft werden. Die CDU-Fraktion möchte dafür werden, beide Projekte unabhängig voneinander zu verfolgen und in Ruhe zu durchdenken. Anderenfalls bestehe die Gefahr, dass man beide Projekte verliere. Während der Schaden beim Verlust des Gründerzentrums durch andere Aktivitäten aufgefangen werden könne, habe der Verlust des Bushofes weitreichendere Folgen. Der Bushof weise verschiedene Probleme auf, wie zum Beispiel das Baujahr der Tiefgarage, die Anzahl der notwendigen Bushaltestellen sowie die Einbindung der geplanten Regiotram, die sich nach Rücksprache mit der ASEAG als problematisch erweise. Abschließend plädiert er dafür, in der heutigen Ratssitzung keine Abstimmung zu diesem Tagesordnungspunkt vorzunehmen, sondern das Thema stattdessen zur Beratung in die Ausschüsse und insbesondere in den Planungsausschuss zu verweisen. Der Planungsausschuss werde mindestens die nächsten drei Jahre damit beschäftigt sein, eine solide und bodenständige Planung für den Bushof aufzustellen. Daneben benötige man zügige Ideen für die Realisierung eines weiteren Gründerzentrums. Hierbei könne man auch das Gates Gelände mit in die Prüfung einbeziehen und sodann im Jahr 2026 einen fundierten Antrag auf Fördermittel einreichen.

Ratsherr Kiemes (CDU) meldet sich als Mitglied im Ausschuss für Wissenschaft und Digitalisierung zu Wort und führt aus, dass die in der Präsentation dargestellten und durch künstliche Intelligenz erzeugten Bilder den Betrachter zu einer Fehleinschätzung verleiten lassen. Im Weiteren äußert er sein Bedauern darüber, dass man im Ausschuss nicht die Gelegenheit erhalten habe, ausgiebig über dieses Projekt zu beraten. Auch den Fraktionen seien vorab keine Informationen hierzu zugegangen. Bedenklich finde er auch die geplante Verknüpfung der Startup-Förderung mit dem Bushof, denn hierdurch laufe man Gefahr, dass beide Projekte scheitern. In der Stadt Aachen gebe es viele Institute, die sich mit der Förderung von Startups in den verschiedensten Phasen befassen, und genau diese Einrichtungen und funktionierden Strukturen müsse man weiter unterstützen. Er bittet darum, die beiden Projekte klar voneinander zu trennen und nicht voreilig zu handeln. Stattdessen solle man die Fachgremien mit in die Beratungen einbeziehen.

Ratsherr Linden (SPD) möchte daran erinnern, dass der Wirtschaftsausschuss dieses Thema sehr ausführlich beraten und das Projekt mit nur einer Gegenstimme auf Zustimmung gestossen habe. Die Vorlage habe lediglich das Weiterdenken der Idee und die Beauftragung einer Studie zum Inhalt. Die heutige Debatte zeige, dass noch viele offene Punkte zu klären seien, insbesondere aufgrund der komplexen Immobilie und der komplexen Lage. In der Koalition wurde darüber beraten, dass man eine sorgfältige Phase Null benötige und dieser Weg solle nun in Angriff genommen werden. Er weist darauf hin, dass die abgebildeten, KI-generierten Darstellungen in der Vorlage keine Grundlage für die heutige Diskussion darstellen sollten und dies der Sache nicht förderlich sei. Die heutige Diskussion habe erstens zum Inhalt, ob man ein ganz offensichtliches Momentum für die Stadt aufgreifen und nutzen möchte. Zweitens solle durch den heutigen Beschluss die gemeinsame Ambition zur Weiterentwicklung von wichtigen Akteuren in der Stadt bekräftigt werden. Und drittens solle durch die Beschlussfassung die sich aus der Förderkulisse Rheinisches Revier eröffnende Chance ergriffen werden, komplexe Themen anzuschieben. Wie Ratsherr Baal bereits zu einem vorherigen Tagesordnungspunkt ausgeführt habe, dauern viele Prozesse in der Stadt deutlich länger als geplant. Begebe man sich allerdings in eine Förderkulisse, habe man enge Rahmenbedingungen, die ein Projekt zeitlich weiter anschieben. Und insbesondere verfüge man über einen finanziellen Hebel in der Kulisse Rheinisches Revier mit einer Förderquote von 97,5 %. Die Verknüpfung der Förderkulisse mit dem Bushof, als komplexes und ganz entscheidendes Bauvorhaben, und der möglicherweise größten Investition für die Schaffung von neuem Wohnraum, sei bewusst gewählt worden. Im Folgenden möchte er den Inhalt des Beschlussvorschlages erläutern. Dieser beinhalte lediglich den Auftrag an die Verwaltung, dass diese die Zeit der Sommerferien und bis zur Neukonstituierung des Rates nutze, um mit Hilfe einer Studie von 25.000 Euro die vorgenannte Idee weiter auszuarbeiten, um dem künftigen Rat sowie den künftigen Fachausschüssen eine solide Grundlage zur Beratung und Entscheidung vorlegen zu können. Dieser Beschluss eröffne somit die Chance auf eine fundierte und weitergehende Beratung in den einzelnen Gremien.

Ratsfrau Moselage (FDP) schließt sich den Ausführungen ihres Vorredners Ratsherrn Linden an. Aus ihrer Sicht dürfe man die bereits mehrfach angesprochenen, KI-generierten Bilder nicht als Grundlage für die Diskussion nutzen. Dies werde weder dem Projekt, noch den Menschen, die sich im Vorfeld ausgiebig hiermit befasst haben, gerecht. Aus ihrer Sicht benötige die Stadt Aachen ein solches Projekt, da bislang nur punktuelle Einrichtungen wie das digitalHUB in der Stadt zu finden seien. Auch aus Gesprächen mit der Wissenschaft sei zu entnehmen, dass eine solche Förderung in der Stadt gewünscht sei. Die FDP-Fraktion begrüße die Idee, insbesondere auch als Ergänzung zu den bisherigen Planungen in der Innenstadt. Denn der Bushof sei immer ein schwieriges Areal gewesen und man sehe das Potential, dass der Bereich durch das Implementieren eines solchen KRAFTWERKs aufgebessert werde. Das Projekt habe die Chance, ein Anziehungspunkt für die Menschen zu werden, die sich mit den aktuellen Zeitthemen wie Energie, Mobilität und Künstlicher Intelligenz beschäftigen. Und für die Wissenschaft erhöhe sich die Attraktivität, wenn sie auf solche Netzwerke zurückgreifen könne. Aus diesem Grund stimme die FDP-Fraktion dem Beschlussvorschlag gerne zu.

Ratsfrau Begolli (Die Linke) möchte sich in ihrem Wortbeitrag nicht auf die Planungen als solche beziehen. Vielmehr äußert sie ihr Bedauern darüber, dass mit dieser Diskussion der Schulterschluss aller Demokratinnen und Demokraten zu großen Projekten aufgekündigt werde. Ratsherr Baal habe der Ratsmehrheit den Vorschlag unterbreitet, dass das Thema zur Kenntnis genommen und sodann ausgiebig in den einzelnen Fachausschüssen sowie im interfraktionellen Gespräch vorgestellt und beraten werde. Sie schließe sich diesem Vorschlag gerne an und hoffe darauf, im Rahmen dieser zurückgestellten Beratungen gemeinsam die beste Lösung für den Bushof finden zu können.

Ratsfrau Lürken (CDU) dankt ihrer Vorrednerin Ratsfrau Begolli für das gehaltene Plädoyer gegenüber der Ratsmehrheit. Mit Blick auf den bisherigen Verlauf der heutigen Ratssitzung könne sie feststellen, dass man sich im Rat bis zu diesem Tagesordnungspunkt zu vielen verschiedenen Bereichen einig gewesen sei, wie beispielsweise zu steuerlichen Entscheidungen, Planungsfragen in der östlichen Innenstadt oder dem kommunalen Wärmeplan für die Stadt. Alle Fraktionen verfolgen das Ziel, die Gründerinnen und Gründer in der Stadt zu unterstützen. Dieses Momentum könne man aufnehmen, ohne eine Beschlussfassung zu diesem Tagesordnungspunkt zu treffen. Aus diesem Grund appelliere sie dazu, die Thematik in Ruhe in den zuständigen Ausschüssen zu beraten.

Ratsherr Helg (FDP) betont gegenüber den drei Fraktionen, die den Beschlussvorschlag ablehnen, dass hierdurch erst einmal nur die Ausführungen zu der Projektidee zur Kenntnis genommen werden und die Verwaltung beauftragt werde, unter Berücksichtigung der Belange des ÖPNV die Idee des KRAFTWERKs Aachen in das zu erstellende Gesamtkonzept zu integrieren. Es sei selbstverständlich, dass die inhaltliche und detaillierte Diskussion in den nächsten Monaten in den Fachausschüssen erfolge und die grundsätzliche Durchführbarkeit geprüft werde. Mit dem heutigen Beschluss wolle man die Chance nutzen, die Projektidee während der Sommerpause auf den Weg zu bringen. Die Fördermittel sollen als Startschuss für den gesamten Bushof genutzt werden und somit das Projekt vorantreiben.

Ratsfrau Brinner (GRÜNE) kann viele der in der Diskussion genannten Aspekte nachvollziehen. Sie bekräftigt jedoch, dass die Ratsmehrheit die heutige Beschlussfassung durchführen möchte. Zum einen seien hier die Fördermittel zu nennen und weiterhin sollen die Möglichkeiten geprüft werden. Es sei äußert wichtig, dass es einen integrierten Gesamtprozess gebe. Ende des Jahres werde man diesen Prozess hoffentlich auf den Weg bringen können. Es werde eine umfassende Phase Null durchgeführt werden müssen, denn viele Fragen, wie zum Beispiel hinsichtlich des ÖPNV, der Wohnnutzung und dem Zusammenspiel mit dem Haus der Neugier müssen geklärt werden. Wie üblich, werde diese Phase im Schulterschuss mit allen demokratischen Fraktionen durchgeführt. Dies habe nie außer Frage gestanden. Wie Ratsherr Helg bereits betont habe, könne auf Grundlage einer guten Projektskizze sodann in den Gremien darüber beraten werden, ob das KRAFTWERK überhaupt mit dem Bushof kompatibel sei. Aus diesen Gründen möchte sie dafür werben, dem heutigen Beschlussentwurf zuzustimmen.

Beigeordneter Hissel möchte keine Stellung beziehen zur Wertung der Vorlage. Vielmehr möchte er die in der Diskussion angesprochenen Fakten weiter ergänzen. Er führt aus, dass die Hochschulen die Meinung vertreten, dass in Aachen ein großes Potenzial an Gründungen bestehe, das bisher noch nicht vollständig ausgeschöpft werde. Aus der Gründungsgeschichte heraus sei die Hochschule ursprünglich eine Hochschule zur Versorgung der ansässigen Industrie mit Fachkräften. Im Laufe der Zeit habe sie sich jedoch zu einer Hochschule gewandelt, die insbesondere nicht ansässige Industrie mit Nachwuchs versorge. Im Hinblick darauf, dass auch Hochschulen in Zukunft stärker an der Frage der Gründungseffizienz gemessen werden, sei festzustellen, dass die Fachhochschule und die RWTH Aachen, verglichen mit anderen technischen Hochschulen, weniger Gründungen pro 10.000 Studierenden aufweisen können und man dieser Entwicklung entgegenwirken muss. Im Weiteren verweist er auf den bestehenden Ratsbeschluss zur Entwicklung des Bushofes mit einem Letter of Intent aus dem Sommer letzten Jahres. Sofern der Bushof nun als geeigneter Ort für die Einrichtung eines Gründerzentrums bewertet werde, benötige die Verwaltung für die Vorbereitung dieses Projektes aufgrund dieses Ratsbeschlusses einen neuen Beschluss des Rates. Dies sei unumgänglich. Als dritten Punkt möchte er erwähnen, dass im Vergleich zu vielen anderen Projekten die explizite Chance auf eine hochvolumige Förderung bestehe. Denn auch wenn Aachen keine direkte Anrainerkommune sei, so nehme die Stadt aufgrund von Innovation, Wertschöpfung und Gründung eine entscheidende Rolle bei der Frage ein, wie man durch Innovationskraft eine Wertschöpfung für die Zukunft herbeiführen kann. Und deshalb habe man auch von vielen Akteuren aus dem Revier die Rückmeldung erhalten, dass sie ein solches Projekt in Aachen sehr befürworten würden. Weiter führt er aus, dass der Schwerpunkt des Bushofes nicht verändert werden soll. Ihm sei bewusst, dass es sich hierbei um ein schwieriges Projekt handelt, egal welche Nutzung man anstrebe. Aber insbesondere deshalb solle man doch auch einen Blick auf die günstige Lage lenken. Denn die Immobilie sei zentral, verfüge über einen guten ÖPNV-Anschluss und befinde sich fußläufig zu den Hochschulen. Diese räumliche Nähe sei von besonderer Bedeutung, da das Gründerzentrum keinen industriellen Charakter haben soll, sondern ein Gründerzentrum für Frühphasengründungen angedacht werde. Und Frühphasengründungen finden meistens Hybrid und somit zu einem Zeitpunkt statt, zu dem die Gründer noch studieren. Als fünften Punkt möchte er betonen, dass noch keine fixen Planungen bestehen. Um die Idee jedoch weiter verfolgen zu können, benötige die Verwaltung einen Änderungsbeschluss des Rates. Die Darstellungen in der Präsentation sollen nur symbolisieren, dass an einem Ort auch eine Veränderung stattfinden kann. Als letzten und wichtigsten Punkt führt er an, dass die heutige Beschlussfassung sich in den gesetzlich festgelegten Fristen für den Antrag auf Strukturmittel begründe. Um eine Beratung in den Gremien der neuen Wahlperiode sicher stellen zu können, müsse während der Sommerpause eine entsprechende Vorarbeit durch die Verwaltung geleistet werden. Aus diesem Grunde sei eine Beschlussfassung am heutigen Tage unausweichlich. Abschließend möchte er, auf der Grundlage der vorgenannten Ausführungen, für die heutige Beschlussfassung werben.

Ratsfrau Breuer (CDU) kritisiert die Aussage von Beigeordneten Hissel hinsichtlich des zeitlichen Drucks. Auch wenn das Projekt als solches grundsätzlich positiv zu bewerten sei, solle man über ein solch großes und wichtiges Projekt nicht unter zeitlichem Druck entscheiden müssen. Aus ihrer Erfahrung heraus seien dies immer schlechte Entscheidungen, insbesondere auch vor dem Hintergrund, dass Fördermittel dann schlussendlich gegebenenfalls nicht beschieden werden.

Ratsherr Allemand (DIE Zukunft) zeigt sich verwundert über die Ausführungen von Beigeordneten Hissel. Während die GRÜNE-Fraktion sowie die SPD-Fraktion vorab angeführt hätten, dass noch keine Entscheidungen zu dem Projekt getroffen worden seien, erwähne Beigeordneter Hissel einen zeitlichen Druck bei dem Projekt. Insbesondere vor diesem Hintergrund sei der Bushof der falsche Ort für das KRAFTWERK und es solle nach einem günstigeren Standort gesucht werden.

Ratsherr Baal (CDU) bezieht sich auf den Wortbeitrag von Beigeordneten Hissel. Er führt aus, dass niemand im Rat Zweifel hege an den Erfordernissen der Hochschulen, dem Wunsch aus der Wirtschaft nach Gründungen und der Bedeutung für den Standort Aachen sowie die Region. Wie bereits durch mehrere Vorredner ausgeführt, passe der Zeithorizont des Projektes jedoch nicht mit dem Bushof zusammen. Die Vergabe der Studie über 25.000 Euro hätte problemlos auch an anderer Stelle, nämlich durch die Mittel des Ausschusses für Arbeit, Wirtschaft und Regionalentwicklung, erfolgen können. Aus seiner Sicht werde die Verknüpfung des guten und förderungswürdigen Projektes mit dem Bushof als Immobilie nicht zum Erfolg führen. Für die 25.000 Euro lasse sich zwar ein Dienstleister finden, der eine ausführliche Darstellung der Idee erstelle, allerdings fehle eine Phase Null für den Bushof. Die Ratsmitglieder müssen sich nun die Frage stellen, ob dies die richtige Basis für ein gutes Projekt für Aachen darstelle. Er schlägt vor, dass man sich interfraktionell hierzu noch einmal berate und wenn erforderlich, die Auftragsvergaben auch während der Sommerpause durchführe. Die Auftragssumme sei unproblematisch, aber man solle eine Verknüpfung des Gründerzentrums mit dem Standort Bushof vermeiden.

Aus Sicht von Ratsherrn Servos (SPD) begründe sich die ausführliche Diskussion um dieses Projekt im Wahlkampf. Eine minimale Anpassung eines Ratsbeschlusses sowie eine Auftragsvergabe über 25.000 Euro führe dazu, dass über die Zukunft des gesamten Bushofprojektes diskutiert werde. Dabei haben diese beiden Punkten gar nichts miteinander zu tun. Denn im Rahmen der Haushaltsberatungen seien zusätzliche Stellen für den Bushof geschaffen und auch bereits besetzt worden. Diese Stellen werden die Phase Null des Bushofes planen und entwickeln, die Wohnraumentwicklung vorantreiben, sowie alle Fragen rund um den ÖPNV und andere Bereiche klären. Somit werde alle mit dem Bushof in Verbindung stehende Kernarbeit, wie durch den Rat beschlossen, erledigt. Nun sei die zusätzliche Idee zu einem Gründerzentrum im Gebäude des Bushofes entstanden. Der Standort Bushof verfüge über den benötigten ÖPNV-Anschluss, das Gelände befinde sich in weiten Teilen im städtischen Eigentum und der Investor der restlichen Fläche befürworte das Projekt ebenfalls. Der Beschluss des Rates müsse lediglich minimal angepasst werden, damit neben der laufenden Planung des Bushofes ein weiterer Aspekt geprüft werden könne. Diese Prüfung sei als Grundlage für die politischen Beratungen in den Ausschüssen dringend erforderlich. Er betont, dass der Rat sich nicht unter Druck setzen lasse. Eine Vertagung der Angelegenheit ergebe jedoch keinen Sinn, da sich der Planungsauftrag somit bis in den Herbst oder Winter verschieben würde. Durch die Ablehnung des Beschlusses am heutigen Tage werde den Menschen, die sich für das Projekt engagieren, den Hochschulen, den Gründerinnen und Gründern sowie der Region, ein falsches Signal gesendet. Durch den heutigen Beschluss werde die Verwaltung lediglich dazu ermächtigt, das Projekt weiter zu denken. Über den Standort werde hierdurch nicht entschieden. Die SPD-Fraktion werde die Idee gerne unterstützen.

Ratsherr Beus (Die Linke) zeigt sich darüber erstaunt, dass der Wirtschaftsflügel der Sozialdemokraten in Aachen so stark geworden sei, dass der soziale Bereich anscheinend ein wenig untergegangen sei. Schließlich seien 25 % der Flächen als Wohnraum vorgesehen und nun werde dies als Innovation und Fortschritt verkauft.

Ratsfrau Schmitt-Promny (GRÜNE) möchte die Angelegenheit in den Kontext rücken zu ihren Erfahrungen im Rheinischen Revier. Hier habe man vielfach solche Vorlagen zu den unterschiedlichsten Themenstellungen gehabt. Sie betont, dass die Vorprüfungen lediglich dem auf den Weg zu bringenden Antrag dienen und hierdurch keine Präjudizierung darüber erfolge, wie die Bauprojekte schlussendlich umgesetzt werden. So wie Ratsherr Linden und Ratsherr Servos, vertrete auch sie die Meinung, dass man ein Nachdenken über ein solches Projekt brauche. In der Städteregion seien ähnliche Projekte genau für diese Vorphase und Vorfinanzierung beschieden worden. Zum Wortbeitrag von Ratsherrn Beus führt sie aus, dass man die Wirtschaft nicht immer nur gegen die soziale Frage setzen dürfe, denn diese beiden Bereiche gehören aus ihrer Sicht eng zusammen. Denn man brauche eine Wirtschaft für die Schaffung von Arbeitsplätzen. In der vorangegangenen Diskussion sei noch nicht der Aspekt erwähnt worden, dass das Projekt aus der Arbeit in Aachen Verbindungen zur Region herstelle. Durch das Projekt werde ermöglicht, dass sich Unternehmen in die Region weiterentwickeln können. Es sei als immenser Fortschritt zu bewerten, dass man Wirtschaftsentwicklung auch an konkreten Projekten regional denke. Sie bitte die Fraktionen, die sich in der bisherigen Diskussion gegen das Projekt ausgesprochen haben, auch diese Aspekte zu bedenken.

Ratsfrau Lürken (CDU) bedauert die Entwicklung der Diskussion, die einem solchen Projekt nicht gerecht werde. Entgegen der Aussage von Ratsherrn Servos sehe sie in der Diskussion keinen Zusammenhang zum Wahlkampf. Sie führt aus, dass die CDU-Fraktion dieser Beratungsfolge auch zu einem anderen Zeitpunkt nicht zugestimmt hätte. Man lehne das Weiterdenken des Projektes auch gar nicht ab, jedoch möchte die Fraktion das Projekt gerne weiter in den zuständigen Ausschüssen beraten. Denn in der Sitzung des Ausschusses für Arbeit, Wirtschaft und Regionalentwicklung sei die Beratung ohne eine Verwaltungsvorlage erfolgt. Eine vorschnelle Entscheidung sei dem Projekt nicht dienlich und mit Blick auf die Ratssitzung im September wäre eine spätere Beschlussfassung möglich.

Ratsherr Deumens (Die Linke) möchte die Diskussion um zwei weitere Aspekte ergänzen. Die Aussage von Ratsherrn Servos, dass Vertreter der Hochschulen und potentielle Gründer bereits seit längerem den Wunsch nach einem Gründerzentrum äußern, sei aus seiner Sicht ein Zeichen dafür, dass ein solches Projekt bereits seit längerer Zeit gefordert und angedacht werde. Er könne sich somit nicht erklären, warum nun kurzfristig ein Beschluss gefasst werden müsse. Er betont, dass die Diskussion sich nicht auf die 25.000 Euro stütze, sondern auf die Formulierung im Beschlussvorschlag. Hierdurch solle die Verwaltung beauftragt werden, zu überlegen, wie die Idee des KRAFWERKs in das zu erstellende Gesamtkonzept integriert werden könne. Dies bedeute, dass ein großes Projekt auf den Weg gebracht werden könne und über solche Großprojekte habe man in der Vergangenheit immer gemeinsam und ausführlich in den Ausschüssen, im Rat sowie in den interfraktionellen Gesprächen beraten. Alle großen Projekte in Aachen habe dieser Rat gemeinsam auf den Weg gebracht. In Richtung der SPD-Fraktion führt er aus, dass er nicht nachvollziehen könne, dass die Fraktion dazu bereit sei, 20-25 % des bezahlbaren Wohnraums am Bushof aufgeben zu wollen zugunsten des Projektes KRAFTWERK. Denn die Aussage, dass es den Menschen gut gehe, wenn es der Wirtschaft gut gehe, sei bereits lange überholt.

Ratsfrau Wallraff (SPD) würde es bedauern, wenn die Sommerfeiern nicht dazu genutzt, um etwas Kreatives auf den Weg zu bringen, das dem Rat nach der Ferienzeit dann präsentiert werden könne. Sie betont, dass die Verwaltung nur das tue, wozu der Rat sie beauftragt habe.

Da keine weiteren Wortmeldungen vorliegen, möchte Oberbürgermeisterin Keupen im Folgenden auf den Inhalt des Beschlusstextes hinweisen. Dieser beinhalte, dass die Idee für das KRAFTWERK in ein Gesamtkonzept integriert werde. Im ersten Quartal des Jahres 2026 werde die Verwaltung eine Projektskizze zur Beratung vorlegen. Dies bedeute, dass man über die Vorbereitung zur weiteren Ausarbeitung der Idee beschließe. Die umfangreiche Diskussion im Rat spreche dafür, dass dies eine gute Idee sei. Sie wirbt dafür, die Initiative der Verwaltung zu unterstützen und die Entwicklung des Bushofes gegebenenfalls mit dieser Idee zu bereichern.

Ratsherr Baal (CDU) teilt mit, dass die CDU-Fraktion beantragt, den Tagesordnungspunkt zur weiteren Beratung an die Fachausschüsse zu verweisen. Im Folgenden lässt Oberbürgermeisterin Keupen über diesen Antrag abstimmen. Der Antrag wird mehrheitlich mit 30 NEIN-Stimmen und 20 JA-Stimmen abgelehnt.

Abschließend erfolgt die Abstimmung über den Beschlussvorschlag der Verwaltung.

Beschluss

Der Rat der Stadt Aachen nimmt die Ausführungen zur Kenntnis. Er beauftragt die Verwaltung, im Rahmen der Umsetzung des Ratsbeschlusses vom 26.06.2024 zum Ratsantrag Nr. 398/18 „Schlaglicht Wohnen, Bildung, Innenstadt“ neben dem in diesem Bereich prioritären Wohnungsbau und unter Berücksichtigung der Belange des ÖPNV die Idee des KRAFTWERKs Aachen in das zu erstellende Gesamtkonzept zu integrieren. Mit dieser dargestellten Idee, die im Austausch mit zahlreichen Akteuren aus Stadt, StädteRegion und Hochschulen entstanden ist, soll das Thema der Frühphasengründungen für die Stadt und umliegende Region relevant gestärkt und gleichzeitig ein positiver Beitrag zur Steigerung des Attraktivität des umliegenden Stadtraumes geleistet werden. Für dieses Vorhaben wird eine Beantragung von Strukturwandelmitteln im Rheinischen Revier angestrebt. Hierfür wird die Verwaltung mit der Erarbeitung einer Projektskizze beauftragt. Die Ergebnisse der Projektskizze wird den zuständigen Gremien im ersten Quartal 2026 vorgelegt und zur Abstimmung gestellt. Ein darauf aufbauender Fördermittelantrag wäre bis Ende 2026 bei den zuständigen Ministerien einzureichen.

Beschlussvorschlag

Der Ausschuss für Arbeit, Wirtschaft und Regionalentwicklung nimmt die Ausführungen zur Kenntnis und empfiehlt dem Rat, die Verwaltung zu beauftragen,im Rahmen der Umsetzung des Ratsbeschlusses vom 26.06.2024 zum Ratsantrag Nr. 398/18 „Schlaglicht Wohnen, Bildung, Innenstadt“ neben dem in diesem Bereich prioritären Wohnungsbau und unter Berücksichtigung der Belange des ÖPNV die Idee des KRAFTWERKs Aachen in das zu erstellende Gesamtkonzept zu integrieren.

Mit dieser dargestellten Idee, die im Austausch mit zahlreichen Akteuren aus Stadt, StädteRegion und Hochschulen entstanden ist, soll das Thema der Frühphasengründungen für die Stadt und umliegende Region relevant gestärkt und gleichzeitig ein positiver Beitrag zur Steigerung des Attraktivität des umliegenden Stadtraumes geleistet werden. Für dieses Vorhaben wird eine Beantragung von Strukturwandelmitteln im Rheinischen Revier angestrebt. Hierfür wird die Verwaltung mit der Erarbeitung einer Projektskizze beauftragt. Die Ergebnisse der Projektskizze wird den zuständigen Gremien im ersten Quartal 2026 vorgelegt und zur Abstimmung gestellt. Ein darauf aufbauender Fördermittelantrag wäre bis Ende 2026 bei den zuständigen Ministerien einzureichen.

Der Rat der Stadt Aachennimmt die Ausführungen zur Kenntnis.Er beauftragt die Verwaltung, im Rahmen der Umsetzung des Ratsbeschlusses vom 26.06.2024 zum Ratsantrag Nr. 398/18 „Schlaglicht Wohnen, Bildung, Innenstadt“ neben dem in diesem Bereich prioritären Wohnungsbau und unter Berücksichtigung der Belange des ÖPNV die Idee des KRAFTWERKs Aachen in das zu erstellende Gesamtkonzept zu integrieren.

Mit dieser dargestellten Idee, die im Austausch mit zahlreichen Akteuren aus Stadt, StädteRegion und Hochschulen entstanden ist, soll das Thema der Frühphasengründungen für die Stadt und umliegende Region relevant gestärkt und gleichzeitig ein positiver Beitrag zur Steigerung des Attraktivität des umliegenden Stadtraumes geleistet werden. Für dieses Vorhaben wird eine Beantragung von Strukturwandelmitteln im Rheinischen Revier angestrebt. Hierfür wird die Verwaltung mit der Erarbeitung einer Projektskizze beauftragt. Die Ergebnisse der Projektskizze wird den zuständigen Gremien im ersten Quartal 2026 vorgelegt und zur Abstimmung gestellt. Ein darauf aufbauender Fördermittelantrag wäre bis Ende 2026 bei den zuständigen Ministerien einzureichen.

Erläuterungen

Erarbeitung einer Projektskizze im Rahmen der Förderkulisse Rheinisches Revier zur Etablierung von regionalen Strukturen zur Förderung von Frühphasengründungen im Bereich DeepTech und Transformationstechnologie (Künstliche Intelligenz (KI), Energie, Medizintechnik, Mobilität, Produktion und Batteriespeicher) am Standort Aachen Bushof.

Zusammenfassung & Überblick - Management Summary

Der Strukturwandel im Rheinischen Revier gehört zu den zentralen Herausforderungen der kommenden Jahre und Jahrzehnte in Nordrhein-Westfalen. Mit dem Ausstieg aus der Braunkohleförderung und -verstromung bis 2030 verschwinden nicht nur bewährte industrielle Wertschöpfungsketten, sondern ganze Wirtschaftsstrukturen, die über Jahrzehnte das wirtschaftliche Rückgrat der Region bildeten. Wo früher der Rohstoff Braunkohle aus den Tagebauen gewonnen und in Kraftwerken in Energie umgewandelt wurde, die eine zentrale Grundlage des regionalen Wohlstandes war und ist, muss für die Zukunft umgedacht werden. Der zentrale Rohstoff der Region ist nicht mehr Kohle, sondern die einzigartige Konzentration an Wissen, Innovation und talentierten Menschen in unseren Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen, sozusagen in unseren Tagebauen der Zukunft. Wie, wo und wodurch wir diesen wertvollen „Rohstoff“ für unsere Region optimal in Wert setzen, wird eine entscheidende Frage bei der Aufgabe sein, Wohlstands- und Wachstumschancen für kommende Generationen zu sichern.

Unter den verschiedenen Wegen Innovationen in Wert zu setzen, fokussiert dieser Ansatz die Fragestellung: Wie befördern wir strukturell und systematisch mehr (Frühphasen-)Gründungen in den Bereichen DeepTech und Transformationstechnologien?

Die Betrachtung von zentralen Statistiken in Bezug auf die Gründungseffizienz von Hochschulen verdeutlicht, dass das vorhandene Potenzial in Aachen im Vergleich zu anderen Standorten in Deutschland nicht voll ausgeschöpft wird. Die Steigerung dieser Aktivitäten durch die Projektidee KRAFTWERK bietet eine Chance, dieses bislang ungenutzte Potenzial für Aachen und die Region zu erschließen.

Ein Ausbau gründungsfördernder Aktivitäten ist dabei von großer regionalwirtschaftlicher Bedeutung, da Gründerinnen und Gründer nach erfolgreicher Etablierung ihres Unternehmens seltener die Region verlassen als Studienabsolventinnen und -absolventen, die eine Konzernkarriere anstreben. Mit der Fokussierung auf Gründungsideen aus den Bereichen DeepTech und Transformationstechnologien verfolgt das Projekt den Ansatz „Stärken stärken“, um auf die einzigartige Kombination der bestehenden Wissenseinrichtungen in Aachen und der Region aufzubauen. Ebenso wie die bisherigen Kraftwerke in direkter räumlicher Nähe zu den Tagebauen errichtet wurden, sollte auch das Projekt KRAFTWERK in unmittelbarer räumlicher Nähe der Hochschulen in der Aachener Innenstadt realisiert werden.

Die zentralen Thesen des Projektansatzes sind:

  1. Das Gründungsgeschehen in Aachen kann gesteigert werden:
    Im Bereich der Gründungen bestehen in Stadt und Region im Vergleich zu anderen Standorten von Top-Technologie-Hochschulen trotz einer bereits sehr positiven Entwicklung in den letzten Jahren immer noch erhebliche Potenziale, die es zu nutzen gilt.
  1. Gründerinnen und Gründer bleiben in der Region:
    Gründungen haben im Vergleich zu Karrierewegen im Anstellungsverhältnis größere regionalwirtschaftliche Effekte, da die regionalen Klebeeffekte ungleich höher sind. Aus diesem Grund ist ein höherer Gründungsanteil regionalwirtschaftlich positiv. Ein solcher wird auch von den Hochschulen selber angestrebt.
  1. „Stärken stärken“:
    Der Fokus auf die Unterstützung von Gründungen in den Bereichen DeepTech und Transformationstechnologien bildet für den Standort Aachen aufgrund seiner ausgeprägten Wissenschaftseinrichtungen eine optimale Grundlage, um nach dem Grundsatz „Stärken stärken“ die regionalwirtschaftlichen Potenziale solcher Gründungen bestmöglich zu erschließen.
  1. Potenziale durch Strukturen nutzen:
    Zur gezielten und strukturierten Förderung von Frühphasengründungen braucht es ein gut funktionierendes und integriertes System, so wie es ein Kraftwerk benötigt, um aus Kohle Energie zu gewinnen. Dieses muss auf der einen Seite aus der Hardware einer Gebäudestruktur bestehen und der anderen Seite aus einer Software eines Netzwerks. Hierzu soll das KRAFTWERK moderne Ansprüche an ein Gründungszentrum mit Angeboten für die Öffentlichkeit („Showroom der Innovation“) sowie Angebote für Gründungsberatungen verbinden.
  1. Kraftwerke stehen an Tagebauen:
    Als Standort eines solchen "Kraftwerks" benötigt man einen zentralen Standort, der a) möglichst auch für hybride Gründerinnen und Gründer neben dem Studium problemlos zu erreichen ist, der b) eine Außenwirkung für das Thema und die regionale Stärke an prominenter Stelle erzeugt und der c) mit einer urbanen, hohen Aufenthaltsqualität Anzugspunkt für verschiedene Bevölkerungsgruppen ist. Als Standort eines solchen Konzeptes bietet sich der Aachener Bushof an, der im Rahmen des Antragspakets „Schlaglicht Wohnen. Bildung. Innenstadt.“ (Nr. 398/18) umfassend umgestaltet werden soll. Dieser Standort ist aufgrund seiner fußläufigen Erreichbarkeit von den Hochschulen und aufgrund der überregionalen Anbindung an den ÖPNV optimal geeignet und kann durch die Umsetzung des Konzepts belebt werden. Der im Rahmen dieser Umgestaltung des gesamten Bushofgeländes vorgesehene Schwepunkt des Wohnungsbaus soll grds. erhalten bleiben und wird durch die vorliegende Idee ergänzt.
  1. Das KRAFTWERK als Katalysator für die Region:
    Das Konzept hat das Potenzial einer großen regionalen Wirksamkeit, wenn es gelingt, Wirtschaft, Wissenschaft und die kommunale Ebene gut miteinander zu verzahnen. Nach einer erfolgreichen ersten Gründungphase entsteht bei den gegründeten Unternehmen oft Raum- und Flächenbedarf, der über die Möglichkeiten der Stadt Aachen hinaus geht. Aus diesem Grund ist es sinnvoll, entlang der gesamten Kette der Gründungsphasen regional zusammenzuarbeiten. D.h. dass die umliegende Region im KRAFTWERK nicht nur präsent sein, sondern dieses auch aktiv nutzen sollte. Genauso sollte sich die Stadt durch interkommunale Kooperation bei den Wachstumsmöglichkeiten in der Region stärker engagieren..
  1. Nur gemeinsam geht´s:
    Das Projekt hat die Ambition, nicht nur ein Gebäude zu erstellen, sondern auch die Gründungskultur in Aachen und den Hochschulen zu verändern, zu verbessern und auszubauen und die daraus erwachsenen Chancen für Stadt und Region optimal zu nutzen. So eine Ambition geht weit über die Möglichkeiten einer Stadtverwaltung hinaus und bedarf zusätzlicher Ressourcen und eines umfassenden Netzwerks an Partnern und Unterstützern.
  • Hochschulen
  • Gründungsakteure
  • Regionale Akteure
  • Fördermittelgebende Stellen
  • ...

Vor dem Hintergrund der am 31.12.2026 endenden Bewilligungsfrist der ersten Förderperiode im Rheinischen Revier ist ein sofortiger Beginn der Vorbereitungen notwendig. Nur bei einer rechtzeitigen Einreichung können Teilprojektvorhaben (Projekt- und Ausführungsplanung, Eigentumsübergang, ggf. Teilrückbau etc.) noch vor 2030 gefördert werden. Um diesen Prozess anzustoßen und entsprechend vorzubereiten muss daher nun entschieden werden, ob eine Skizze erarbeitet werden soll.Díe bauliche Ausführung ist für den zeitraum ab 2030 vorgesehen.

Im Folgenden werden die Thesen ausgeführt und im Anschluss der weitere Prozess der Projektskizzenentwicklung beschrieben.

These 1: Das Gründungsgeschehen in Aachen kann gesteigert werden:

Im Bereich der Gründungen bestehen in Stadt und Region im Vergleich zu anderen Standorten von Top-Technologie-Hochschulen trotz einer bereits sehr positiven Entwicklung in den letzten Jahren immer noch erhebliche Potenziale, die es zu nutzen gilt.

Aachen – die westlichste Großstadt Deutschlands im Dreiländereck mit Belgien und den Niederlanden – ist mit rund 261.000 Einwohnerinnen und Einwohnern die größte Stadt im Rheinischen Revier und spielt eine besondere Rolle im Transformationsprozess. Die Stadt verfügt mit der RWTH Aachen als Exzellenzuniversität und der FH Aachen als forschungsstarker Hochschule für Angewandte Wissenschaften über zwei herausragende wissenschaftliche Einrichtungen. Mit ca. 60.000 Studierenden stellen sie ein enormes Innovationspotenzial dar, das durch zahlreiche außeruniversitäre Forschungseinrichtungen ergänzt wird.

Tatsächlich ist Aachen im nationalen Vergleich bereits heute ein Hotspot für technologiegetriebene Gründungen. Zahlreiche Ausgründungen, darunter Cylib (60 Mio. €), Voltfang (8,7 Mio. €) oder Black Semiconductor (247 Mio. €), konnten in den letzten Monaten signifikante Finanzierungen in Millionenhöhe einwerben und erlangten auch überregionale mediale Aufmerksamkeit . Viele Rankings bescheinigen der RWTH Aachen regelmäßig Spitzenplätze bei der Anzahl gegründeter Start-ups . So belegt die RWTH Platz 1 bezogen auf die Anzahl gegründeter Startups (2014 – 2022) pro 100.000 Einwohnern (wobei bei dieser Kennziffer die Stadtgröße entscheidend ist) (s. Anlage 1). Auch bei der Betrachtung der absoluten Anzahl gegründeter Start-ups zwischen 2014 und 2022 liegt die RWTH Aachen im nationalen Ranking relativ weit vorne, sortiert sich aber hinter der TU München, der TU Berlin, der LMU München und dem KIT auf Platz 5 ein .

Wenn man aber die Gründungen nicht in den Vergleich zur Stadtgröße setzt, sondern auf die Anzahl der Studierenden bezieht, also damit die „Gründungseffizienz“ der Hochschule bemisst, so zeigt sich, dass es noch großes Potenzial gibt (s. Anlage 1). Bei dieser Kennzahl liegt die RWTH Aachen mit einem Wert von 59 Start-ups pro 10.000-Studierende deutlich hinter gründungsspezialisierten kleineren Hochschulen, wie ESCP Berlin (1.151) und HHL Leipzig (1.060), aber auch deutlich hinter weiteren Mitgliedsuniversitäten des Zusammenschlusses der führenden Technischen Universitäten Deutschlands der TU9 wie der TU München (183), dem KIT (143) oder der TU Berlin (133). Aachen rangiert in dieser Kategorie in einer Größenklasse mit der Uni Stuttgart (76) und der TU Darmstadt (61). Das Ziel der Verbesserung der „Gründungseffizienz“ wird auch von Hochschulen in zunehmenden Maße verfolgt aufgrund der regionalwirtschaftlichen Effekte, der Verwertungsmöglichkeiten von Forschungsergebnissen und der Zunahme der Bedeutung dieses Bereichs in der europäischen und nationalen Förderlandschaft.

These 2:Gründerinnen und Gründer bleiben in der Region:

Gründungen haben im Vergleich zu Karrierewegen im Anstellungsverhältnis größere regionalwirtschaftliche Effekte, da die regionalen Klebeeffekte ungleich höher sind. Aus diesem Grund ist ein höherer Gründungsanteil regionalwirtschaftlich positiv. Ein solcher wird auch von den Hochschulen selber angestrebt.

Wie bereits dargestellt, sind die Gründungszahlen der RWTH Aachen bezogen auf die Anzahl der Studierenden und mutmaßlich am gesamten Standort Aachen durch die Herstellung entsprechender Voraussetzungen steigerbar. Daher stellt sich die Frage, wie sich diese Absolventinnen und Absolventen weiterentwickeln, welchen Karriereweg sie einschlagen und warum Sie diese Entwicklung nicht in der Region vornehmen.

Die RWTH Aachen wurde 1870 als „Königliche Rheinisch-Westphälische Polytechnische Schule“ gegründet, mit dem Ziel, ingenieurtechnischen Nachwuchs für die Industrie auszubilden. Dieser Schwerpunkt besteht an der RWTH bis heute.

Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass zahlreiche Absolventinnen und Absolventen aus Aachen im Anschluss an ihr Studium oder ihre Promotion eine Beschäftigung in einem (gut bezahlten) Großunternehmen oder sogar aktiennotierten Unternehmen aufnehmen. Eine Karriere in ein einem solchen Umfeld ist für RWTH-Absolventinnen und Absolventen dabei häufig bereits vorgezeichnet. Die Management Beratung Horvath hat in ihrer Studie „Faktencheck Vorstandsstrukturen“[1] 2023 analysiert, welche Universitäten in Deutschland die meisten Vorstandsmitglieder aus DAX-, MDAX- und SDAX-Unternehmen ausgebildet haben: von den insgesamt 514 Vorständen haben 17 (3,3 %) an der RWTH Aachen studiert, womit Aachen hinter der Universität Köln auf dem zweiten Platz liegt. Gefolgt von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (Anzahl: 15; 2,9 %), Universität Mannheim (Anzahl: 14; 2,7 %) und TU München (Anzahl: 13; 2,5 %). Außerdem stellte die Studie fest, dass die meisten CEOs in DAX-Unternehmen in Aachen studiert haben, gefolgt von der Universität Köln und dem KIT in Karlsruhe.

Durch solche Vor- und Rollenbilder verwundert es nicht, dass ein Großteil der aktuell Studierenden an der RWTH Aachen einen ähnlichen Karriereweg anstrebt. Da die Wirtschaftsstruktur im Revier jedoch durch klein- und mittelständige Unternehmen geprägt ist, verlassen viele Absolventinnen und Absolventen nach ihrem Abschluss die Region und schließen sich Großunternehmen und -konzernen in entfernten Ballungsgebieten an. Auch der Karriereweg als Unternehmensgründerin oder -gründer ist für einen Großteil der Studierenden in Aachen noch keine ernsthafte Option, obwohl sich gerade auch die technische Ausrichtung der RWTH für Gründungen gut eignet. Das Potenzial an neuem Wissen, innovativen Köpfen und jungen Fachkräften wird daher noch nicht genügend im Revier ausgenutzt und trägt somit noch nicht ausreichend zur Sicherung und Steigerung der Wertschöpfung und Bewältigung des Strukturwandels im Rheinischen Revier bei.

Welch regionalwirtschaftliches Potenzial in der Förderung von Gründungen aus dem wissenschaftlichen Umfeld besteht, zeigt dabei eine Studie der IHK Aachen[2] auf. So wurden zwischen 1975 und 2019 insgesamt 1.765 Technologieunternehmen gegründet, die zum Zeitpunkt der Veröffentlichung 36.287 Festangestellte im Kammerbezirk beschäftigten. Allein zwischen 2015 und 2019 wurden 527 Technologiegründungen durchgeführt, die 3.034 neue Arbeitsplätze schufen. Darüber hinaus ist festzuhalten, dass der regionalwirtschaftliche Effekt von Gründungen größer ist als die Effekte einer Anstellung in großen Unternehmen. Auch der Klebeeffekt von Gründern ist im Zuge der Wachstumsphase größer, da diese eine geringere Standortmobilität haben.

Diese Statistiken zeigen, dass die Förderung und das Heben der noch nicht ausgeschöpften Potenziale (s. These 1) enorme regionalwirtschaftliche Effekte erzeugen können.


These 3: „Stärken stärken“:

Der Fokus auf die Unterstützung von Gründungen in den Bereichen DeepTech und Transformationstechnologien bildet für den Standort Aachen aufgrund seiner ausgeprägten Wissenschaftseinrichtungen eine optimale Grundlage, um nach dem Grundsatz „Stärken stärken“ die regionalwirtschaftlichen Potenziale solcher Gründungen bestmöglich zu erschließen.

Der Fokus auf die Unterstützung von Gründungen in den Bereichen DeepTech und Transformationstechnologien bildet für den Standort Aachen aufgrund seiner ausgeprägten Wissenschaftseinrichtungen eine optimale Grundlage, um nach dem Grundsatz „Stärken stärken“ die regionalwirtschaftlichen Potenziale solcher Gründungen bestmöglich zu erschließen.

Die Wissenschaftsstadt Aachen verfügt mit ihrer herausragenden Konzentration an ingenieurstechnischen und naturwissenschaftlichen Einrichtungen über eine einzigartige Position als nationaler Hotspot für die Erforschung und Entwicklung zukunftsweisender Technologien. Insbesondere die Felder KI, Energie, Medizintechnik, Mobilität, Produktion und Batteriespeicher stehen im Fokus dieser Innovationskraft und bilden den Kern der sogenannten DeepTech und Transformationstechnologien.

Vor dem Hintergrund globaler wie gesellschaftlicher Herausforderungen ist schon heute absehbar, dass gerade radikale Innovationen in diesen Bereichen ein enormes wirtschaftliches Potenzial bergen. Das zeigt sich eindrucksvoll in den jüngsten Erfolgen von Unternehmen wie Cylib, Voltfang oder Black Semiconductor, die ihre Wurzeln in diesem dynamischen Ökosystem haben. Gleichzeitig manifestiert sich dieses Potenzial auch im Selbstverständnis der RWTH Aachen und der FH Aachen, die ihre wissenschaftliche Exzellenz gezielt für den Transfer von Forschung in praxisnahe Anwendungen einsetzen.

Besonders der Bereich KI rückt dabei als Schlüsseltechnologie zunehmend in den Vordergrund. Das Leitmotiv „Von der Kohle zur KI“ ist längst zu einem Sinnbild des Strukturwandels im Rheinischen Revier geworden. Sichtbare Belege dafür sind die Ansiedlung der Microsoft Hyperscaler in der Region und der Aufbau der JUPITER AI Factory am Forschungszentrum Jülich. Diese Entwicklungen unterstreichen nicht nur die technologische Strahlkraft der Region, sondern auch die wachsende Bedeutung von KI-Anwendungen als Beitrag zur digitalen Souveränität Europas. Mit seiner strategischen Lage im Herzen Europas bietet das Rheinische Revier – und insbesondere Aachen – ideale Voraussetzungen für eine enge grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit den Nachbarländern Belgien und den Niederlanden.

Damit dieses wissenschaftliche Fundament auch wirtschaftlich zur vollen Entfaltung kommt, wird das KRAFTWERK Aachen als Plattform für die gezielte Unterstützung solcher technologieorientierter Gründungen fungieren. Es soll als Katalysator für den erfolgreichen Transfer wissenschaftlicher Innovationen in industrielle Anwendungen wirken und somit das Fundament für neue Wertschöpfungsketten legen. Dabei kann das KRAFTWERK auf bereits bestehende Initiativen wie den Battery Circle Aachen oder die kürzlich gegründete AI Aachen Alliance (AAA) aufbauen und diese gezielt weiterentwickeln. So wird das KRAFTWERK Aachen nicht nur zur Schnittstelle zwischen Forschung, Wirtschaft und Gesellschaft, sondern auch zu einem Motor für nachhaltigen Strukturwandel und wirtschaftlichen Fortschritt in der Region.

These 4: Potenziale durch Strukturen nutzen:
Zur gezielten und strukturierten Förderung von Frühphasengründungen braucht es ein gut funktionierendes und integriertes System, so wie es ein Kraftwerk benötigt, um aus Kohle Energie zu gewinnen. Dieses muss auf der einen Seite aus der Hardware einer Gebäudestruktur bestehen und der anderen Seite aus einer Software eines Netzwerks. Hierzu soll das KRAFTWERK moderne Ansprüche an ein Gründungszentrum mit Angeboten für die Öffentlichkeit („Showroom der Innovation“) sowie Angebote für Gründungsberatungen verbinden.

Um das Potenzial von Wissen, Innovation und dem Gründungsgeist junger Absolventinnen und Absolventen in Aachen gezielt zu heben, braucht es neue zentrale Strukturen. Genau hier setzt das Projekt KRAFTWERK an. Der Begriff „KRAFTWERK“ knüpft an die Kraftwerke der Region an, die einst Braunkohle in Energie umwandelten und so die Grundlage für Wohlstand schufen. Das KRAFTWERK verfolgt daher das Ziel, optimale Strukturen und Rahmenbedingungen für Unternehmensgründungen in den Bereichen DeepTech und Transformationstechnologien wie KI, Energie, Mobilität, Produktion oder Batteriespeicher zu schaffen. Hierzu werden moderne Arbeits- und Büroräume eingerichtet – von Einzelbüros über Co-Working-Spaces bis hin zu Teamflächen. Um jungen Gründerinnen und Gründern den Einstieg zu erleichtern, werden Beratungsangebote und Gründungsservices von Anfang an fest in das Konzept integriert.

Neben klassischen Arbeitsflächen entstehen moderne Meeting- und Konferenzräume, die durch flexible Möblierung und moderne Präsentationstechnik wie Smartboards und Videokonferenzsysteme beste Voraussetzungen für vielfältige Arbeits- und Austauschformate bieten. Event- und Workshopflächen mit mobilen Bühnen und offenen Foren bieten Raum für Pitches, Hackathons und Netzwerkevents. Ein integriertes „Museum der Zukunft“ als Showroom für Innovationen „Made in Aachen“ sowie Ausstellungsräume laden darüber hinaus die Öffentlichkeit ein, die Aktivitäten vor Ort zu erkunden und sich frühzeitig mit dem Projekt zu identifizieren. Somit entsteht ein Ort, an dem Hochschule, Wirtschaft, Gründende und Stadtgesellschaft zusammenkommen, an dem Gründungsarbeit stattfindet genauso wie Informations-Events. Das KRAFTWERK wird zum Schaufenster der Innovations- und Gründungskultur mitten in der Innenstadt.

Damit Gründerinnen und Gründer ihre Ideen direkt testen und weiterentwickeln können, werden Maker Spaces und Fab-Labs mit modernen Maschinen wie 3D-Druckern, CNC-Fräsen und llbearbeitungsstationen eingerichtet. Diese stehen für den Prototypenbau unter fachkundiger Anleitung zur Verfügung. So entsteht eine praxisnahe und kreative Umgebung, die den Übergang von der Idee zum marktreifen Produkt erleichtert. Darüber hinaus wird das KRAFTWERK Aachen als regionaler Netzwerkknoten angelegt, der als zentrale Anlaufstelle für die Innovations- und Gründungsszene dient. Nach dem Prinzip der „Triple Helix“ arbeiten Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung hier eng zusammen (s. Anlage 1). Neben RWTH und FH sind verschiedene Fraunhofer-Institute eingebunden, die kontinuierlich neues Wissen und Studierende in das Projekt einbringen und damit als „Rohstoffquelle“ für neue Ideen wirken. Intermediäre wie AGIT, die Gründerregion Aachen, die Zukunftsagentur Rheinisches Revier (ZRR) oder die kommunalen Wirtschaftsförderungen der Region helfen bei der Vernetzung und bieten Beratungs- und Orientierungsangebote für Gründungsinteressierte.

Nicht nur da das Rheinische Revier zahlreiche Fördermöglichkeiten bietet, wird auch die Unterstützung bei der Beantragung von Fördermitteln, bei Businessplänen und der Finanzplanung ein zentraler Bestandteil der Angebote sein. Kontakte zu Investoren und Business Angels werden vermittelt, Pitch-Events und Demo Days organisiert, um den neuen technologieorientierten Geschäftsideen Sichtbarkeit zu verschaffen.

Ein weiteres wichtiges Element für den Erfolg junger Gründerinnen und Gründer ist das richtige Coaching und Mentoring. Fachleute aus der Wirtschaft werden als Sparringspartner bereits frühzeitig eingebunden, um Gründerinnen und Gründer in den Bereichen Produktentwicklung, Finanzierung und Vertrieb zu beraten und ihre Geschäftsmodelle zu validieren. Ziel ist es, gemeinsam tragfähige Geschäftsstrategien zu entwickeln, die langfristig Bestand haben. Hierzu werden auch Partner wie die ZRR, die IHK Aachen, die HWK Aachen, die Gründerregion Aachen, die NRW.Bank, der digitalHUB Aachen, die AGIT, die Gewerkschaften und die kommunalen Wirtschaftsförderungen der Region frühzeitig einbezogen, um ihre Expertise und Netzwerke in das Projekt einzubringen.

So wird das KRAFTWERK nicht nur ein Zentrum für Innovation, sondern auch ein lebendiger Ort für Begegnung, Austausch und urbanes Leben – ein Ort, der Talente in Aachen hält, Netzwerke stärkt und neue Impulse für die Region setzt.

These 5: Kraftwerke stehen an Tagebauen:

Als Standort eines solchen Kraftwerks benötigt man einen zentralen Standort, der a) möglichst auch für hybride Gründerinnen und Gründer problemlos neben dem Studium zu erreichen ist, der b) eine Außenwirkung für das Thema und die regionale Stärke an prominenter Stelle erzeugt und der c) mit einer urbanen, hohen Aufenthaltsqualität Anzugspunkt für verschiedene Bevölkerungsgruppen ist. Als Standort eines solchen Konzeptes bietet sich der Aachener Bushof an, der im Rahmen des Antragspakets „Schlaglicht Wohnen. Bildung. Innenstadt.“ (Nr. 398/18) umfassend umgestaltet werden soll. Dieser Standort ist aufgrund seiner fußläufigen Erreichbarkeit von den Hochschulen und aufgrund der überregionalen Anbindung an den ÖPNV optimal geeignet und kann durch die Umsetzung des Konzepts belebt werden. Der im Rahmen dieser Umgestaltung des gesamten Bishofgeländes vorgesehene Schwerpunkt des Wohnungsbaus soll grds. erhalten bleiben und wird durch die vorliegende Idee ergänzt

Eine wesentliche Voraussetzung für die erfolgreiche Entwicklung des Projekts KRAFTWERK ist die Wahl eines zentral gelegenen und gut erreichbaren Standorts. Ein Standort in der Aachener Innenstadt bietet nicht nur eine hervorragende Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr sowie die Nähe zu den Hochschulen, sondern auch ein attraktives Umfeld mit Gastronomie, Fitness- und Kulturangeboten, das ein urbanes Lebensgefühl vermittelt. Darüber hinaus ist die Integration von preisgedämpftem Wohnraum vorgesehen, auch für Studierende.

Für die Umsetzung des KRAFTWERKs bietet sich der Aachener Bushof an – ein Ort, der künftig sowohl städtebaulich als auch funktional neu gedacht werden muss. Der 1973 im Stil des Brutalismus errichtete Bushof wurde als multifunktionaler Verkehrsknotenpunkt konzipiert, mit Busdurchfahrt, Tiefgarage, Einzelhandel, Wohnungen und der Volkshochschule. Insgesamt umfasst das Gebäude eine Grundstücksfläche von ca. 7.200 m² zzgl. Neben- und Verkehrsflächen. Doch das Gebäude ist in die Jahre gekommen, weist erhebliche bauliche Mängel auf, ist nicht barrierefrei und der innenliegende Busbereich wird oft als Angstraum wahrgenommen. Zudem ist die Umgebung von einer geringen Aufenthaltsqualität geprägt. Ein sichtbarer Trading-Down-Prozess mit Leerständen, Spielhallen, Billiggeschäften und einem hohen Nutzungsdruck durch den Verkehr verstärken dieses Bild.

Angesichts dieser Herausforderungen sowie aufgrund des Mangels an Wohnraum in Aachen hat die Politik mit dem Ratsantrag „Schlaglicht Wohnen. Bildung. Innenstadt.“ (Nr. 398/18) bereits eine Umnutzung des Bushofs als Gesamtfläche gefordert. Sollte das Projekt KRAFTWERK realisiert werden, könnten bis zu einem Drittel der Gesamtfläche für dessen Umsetzung genutzt werden, während mit mindestens zwei Dritteln des Areals ein überwiegender Schwerpunkt nach wie vor für Wohnen nutzbar bleibt. Vor diesem Hintergrund ist in diesem Fokusbereich eine gemeinsame Entwicklung mit der GeWoGe AG und der AC Immobilien GmbH möglich und vorabgestimmt. Alle Partner betrachten das Projekt als komplementäre Ergänzung zur geplanten Wohnnutzung. Gleichzeitig bietet der Bushof eine hervorragende verkehrliche Anbindung: Täglich frequentieren hier fast 3.000 Busse das Gebiet. Diese Kombination aus zentraler Lage, hoher Passantenfrequenz und städtebaulichem Entwicklungsbedarf macht den Bushof zu einem idealen Ort für einen Neuanfang. Bereits in früheren Konzepten wie dem Innenstadtkonzept 2022 oder dem Masterplan „AACHEN2030“ wurde eine grundlegende Neugestaltung angedacht, die nun mit dem KRAFTWERK Aachen konkretisiert werden soll.

Nach der Transformation des Büchels und der Planung des „Haus der Neugier“ wird die Konzeptidee KRAFTWERK sowohl logisch als auch räumlich ideal geeignet sein, um die östliche Innenstadt mit neuer Nutzung, neuem Publikum und frischer Attraktivität zu beleben und die Frequenz nachhaltig zu steigern. In unmittelbarer Nähe entsteht mit dem „Haus der Neugier“ ein weiteres wichtiges Projekt für die Aachener Innenstadtentwicklung. Das ehemalige Kaufhaus Horten an der Komphausbadstraße wird zu einem „Dritten Ort“ für Bildung, Begegnung und kulturellen Austausch umgebaut. Dort werden künftig die Stadtbibliothek und die VHS untergebracht sein. Der Umzug der VHS aus dem Bushof eröffnet wiederum neue Nutzungsmöglichkeiten für das KRAFTWERK und fügt sich nahtlos in eine übergeordnete städtebauliche Strategie zur Reorganisation und Belebung des gesamten Quartiers zwischen Bushof, Komphausbadstraße und Couvenstraße ein. So wird der Bushof Teil einer städtischen „Perlenkette“ bedeutender Orte, die sich vom historischen Zentrum über den Büchel und das „Haus der Neugier“ bis zum Alten Kurhaus erstreckt. Ziel ist es, die durch bisherige Entwicklungen zerschnittenen Raumbeziehungen der Innenstadt neu zu verknüpfen. Das KRAFTWERK wird dabei zum sichtbaren Zeichen für Innovation und Aufbruch, für wirtschaftliche Transformation und urbane Lebensqualität. Als Schaufenster für Wissenschaft und Forschung in zentraler Lage wird es eine besondere Strahlkraft entwickeln. Ergänzend können mit Projekten wie der geplanten RegioTram, neuen Wohnquartieren und einem koordinierten Vorgehen in der östlichen Innenstadt weitere Synergien entstehen, die Aachen zukunftsfähig und lebenswert machen.

These 6: Das KRAFTWERK als Katalysator für die Region:
Das Konzept hat das Potenzial einer großen regionalen Wirksamkeit, wenn es gelingt, Wirtschaft, Wissenschaft und die kommunale Ebene gut miteinander zu verzahnen. Nach einer erfolgreichen ersten Gründungphase entsteht bei den gegründeten Unternehmen oft Raum- und Flächenbedarf, der über die Möglichkeiten der Stadt Aachen hinaus geht. Aus diesem Grund ist es sinnvoll, entlang der gesamten Kette der Gründungsphasen regional zusammenzuarbeiten. D.h. dass die umliegende Region im KRAFTWERK nicht nur präsent sein, sondern dieses auch aktiv nutzen sollte. Genauso sollte sich die Stadt durch interkommunale Kooperation bei den Wachstumsmöglichkeiten in der Region stärker engagieren.

Wie in These 4 beschrieben, soll das KRAFTWERK ein starkes Netzwerk mit wichtigen regionalen Kooperationspartnern aufbauen. Dabei liegt ein besonderes Augenmerk auf der engen Vernetzung von Wirtschaft, Wissenschaft und kommunaler Ebene – ein entscheidender Erfolgsfaktor, um eine große regionale Wirksamkeit zu entfalten. Das KRAFTWERK konzentriert sich vor allem auf die Unterstützung von Gründungs- und Unternehmensideen in der Frühphase. Doch mit erfolgreichen Gründungen geht auch ein wachsender Raum- und Flächenbedarf einher, der weit über die aktuellen Möglichkeiten innerhalb der Stadt Aachen hinausgeht.

Gerade dieser Punkt macht es erforderlich, entlang der gesamten Kette der Gründungsphasen eng mit den regionalen Partnern zusammenzuarbeiten. Von der ersten Idee bis zur Etablierung am Markt braucht es ein nahtloses Netzwerk, das nicht an den Stadtgrenzen endet. Daher ist es essenziell, die regionalen Partner als aktive Mitgestalter von Anfang an einzubinden. Ziel ist es, jungen und innovativen Unternehmen frühzeitig passende Wachstumsbedingungen im gesamten Rheinischen Revier aufzuzeigen und zu ermöglichen.

Damit wird das KRAFTWERK nicht nur zu einem Motor für Gründungen in Aachen, sondern auch zu einem Katalysator für eine nachhaltige und breit angelegte regionale Innovationsdynamik. Um diese Wirkung optimal zu entfalten, sollte sich die Stadt Aachen künftig noch intensiver an interkommunalen Kooperationen zur Entwicklung von Flächen und Perspektiven außerhalb der eigenen Stadtgrenzen beteiligen. Auf diese Weise können auch überregionale Flächenpotenziale strategisch erschlossen und gezielt in die Wachstumsprozesse technologieorientierter Unternehmen eingebunden werden.

Dieser Ansatz bringt nicht nur den Gründerinnen und Gründern selbst und den Partnern im Umland Vorteile, sondern stärkt auch die Position der Stadt Aachen innerhalb des Rheinischen Reviers. Das KRAFTWERK wird so zu einem sichtbaren Zeichen einer neuen, kooperativen Entwicklungskultur: Es zeigt, dass die großen Herausforderungen des Strukturwandels – von der Transformation von Wirtschaft und Wissenschaft bis hin zur Sicherung von Wohlstand und Beschäftigung – nur durch ein abgestimmtes Miteinander gemeistert werden können. Zugleich dokumentiert das Projekt den Anspruch, dass Aachen eine aktive Rolle in dieser regionalen Zukunftsgestaltung übernimmt und gemeinsam mit seinen Partnern eine zukunftsfähige Wirtschafts- und Innovationsregion aufbaut.

These 7:Nur gemeinsam geht´s:

Das Projekt hat die Ambition, nicht nur ein Gebäude zu erstellen, sondern auch die Gründungskultur in Aachen und den Hochschulen zu verändern, zu verbessern und auszubauen und die daraus erwachsenen Chancen für Stadt und Region optimal zu nutzen. So eine Ambition geht weit über die Möglichkeiten einer Stadtverwaltung hinaus und bedarf zusätzlicher Ressourcen und eines umfassenden Netzwerks an Partnern und Unterstützern.

Die Schaffung eines Standorts zur gezielten Förderung von technologieorientierten Gründungen ist von großer volkswirtschaftlicher Bedeutung. Auch wenn solche Vorhaben anfangs oft nicht kostendeckend sind, überwiegt ihr langfristiger Nutzen deutlich: Sie schaffen Arbeits- und Ausbildungsplätze, sorgen für eine vielfältigere Wirtschaftsstruktur und stärken so das Rheinische Revier insgesamt. Daher wurde die Projektidee KRAFTWERK durch zahlreiche Vorgespräche mit den Hochschulen, Kammern, regionalen Gründungsakteuren, Wirtschaftsförderungen und Anrainerkommunen erarbeitet und stetig konkretisiert.

Die bereits zitierte Studie der IHK Aachen[3] zeigt, dass technologiegetriebene Unternehmensgründungen besonders häufig aus dem Wunsch heraus entstehen, eine eigene Idee umzusetzen. Diese sogenannten Chancengründungen sind durch ihre Ausrichtung auf (hoch-)technologische und spezialisierte Geschäftsmodelle robuster gegenüber weltwirtschaftlichen Schwankungen als Unternehmen mit weniger innovativen Ansätzen. Um dieses Potenzial zu erschließen und dabei nach den Grundsätzen von Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit zu handeln, ist eine gezielte Förderung zur Umsetzung der Projektidee erforderlich. Deshalb ist es entscheidend, für das Projekt KRAFTWERK Aachen gezielt Strukturwandelmittel zu beantragen und diese konsequent einzusetzen, um die großen Potenziale der Region zu heben.

Das KRAFTWERK soll dabei nicht nur neue Räume für Gründerinnen und Gründer schaffen, sondern auch eine Kultur des Aufbruchs und der Selbstständigkeit fördern. Viele Hochschulabsolventinnen und -absolventen verfolgen bislang eher klassische Karrierewege – das KRAFTWERK will hier einen Wandel anstoßen. Als Ort des Kulturwandels und Schaufenster für die Innovationskraft der Region wird es die Gründungsdynamik dauerhaft stärken und die Zivilgesellschaft einbinden. So entsteht ein lebendiger Ort, der den Strukturwandel als gesamtgesellschaftliche Aufgabe versteht und aktiv mitgestaltet.

Um die Vision des KRAFTWERK als Knotenpunkt für die Frühphasenförderung von Gründungsideen aus den Bereichen DeepTech und Transformationstechnologien zu verwirklichen, wird ein breites Netzwerk aus Partnern verschiedener Bereiche einbezogen, die das Projekt auch aktiv und intrinsisch weiterentwickeln. Das gemeinsame Verständnis für die Herausforderung und die Möglichkeit des Projekts KRAFTWERK wurde dabei in zahlreichen Vorgesprächen bestätigt, sodass diese Partner wesentlicher Bestandteil des KRAFTWERKS werden. Hierzu gehören:

Hochschulen:

Die RWTH Aachen, die FH Aachen sowie weitere Wissenschaftseinrichtungen in der Stadt und Region müssen sich im nationalen Wettbewerb um Forschungsmittel und Förderungen künftig noch stärker auf den Transfer von Innovationen in industrielle Anwendungen und damit auch in die Entwicklung von Gründungen ausrichten. Das Projekt KRAFTWERK bietet dabei ein großes Potenzial für die Hochschulen, ihre eigene Ambition zu verwirklichen: Studierenden einen zentralen innerstädtischen Ort zur Verfügung zu stellen, an dem die Gründungsförderung innovativer Geschäftsideen möglich ist. Deshalb ist es entscheidend, dass die Hochschulen bereits frühzeitig ihre Unterstützung für das Projekt ausgedrückt haben. Durch die aktive Nutzung des Angebots des Projekts KRAFTWERK werden die RWTH Aachen und die FH Aachen aktiv mitgestalten, es in ihre eigenen Aktivitäten wie Marketing oder Curriculum einbinden und strategisch weiterentwickeln.

Gründungsakteure:

Die Region Aachen und das Rheinische Revier bieten bereits eine Vielzahl an Akteuren und Organisationen auf, die im Bereich der Gründungsberatung aktiv sind. Die Projektidee KRAFTWERK sieht sich dabei explizit als komplementäre Erweiterung dieser Angebote an, um das bestehende Potenzial noch stärker ausschöpfen zu können. Daher sind zentrale Akteure wie AGIT, Gründerregion, Collective Incubator, digitalHUB Aachen und weitere als unabdingbare Partner bereits eingebunden und vorgesehen, am KRAFTWERK mitzuwirken und diese Plattform zu nutzen.

Regionale Akteure:

Für die gesamte Region sind die Innovationen aus den Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen Aachens und der Region zentrale Ressource für die Bewältigung des Strukturwandels. Vor diesem Hintergrund sind die Akteure der Region wie StädteRegion, Kammern, Gewerkschaften und Anrainerkommunen als zentrale Partner im Prozess und im KRAFTWERK selbst vorgesehen. Da sich das KRAFTWERK auf die Frühphasenförderung von Start-ups aus den Bereichen DeepTech und Transformationstechnologien fokussiert, soll in der Funktion als Katalysator schon frühzeitig an die (Flächen-)Potenziale der Region angeschlossen werden. Erfolgreiche Gründungen, die aus dem Fokus des KRAFWERKS entwachsen, sollen dabei schon frühzeitig passgenau in die Region vermittelt werden und somit zu neuen Arbeitsplätzen und zukunftsorientierter Wertschöpfung beitragen.

Fördermittelgebende Stellen:

Wie dargelegt, werden sowohl Errichtung als auch Betrieb des KRAFTWERKS defizitär angelegt sein, jedoch volks- und regionalwirtschaftlich positive Effekte erzielen. Daher konnte in Vorgesprächen mit dem Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung (MHKBD) sowie dem Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie (MWIKE) des Landes Nordrhein-Westfalen ein potenzieller Zugang zu Fördermitteln identifiziert werden. Da das Projekt Kraftwerk die wesentlichen Ziele des Strukturwandels a.) Schaffung und Erhalt von Arbeits- und Ausbildungsplätzen im Rheinischen Revier und b.) Diversifizierung der Wirtschaftsstruktur und Verbesserung des Wirtschaftsstandorts Rheinisches Revier fokussiert, gibt es eine große Chance das Projekt im Rahmen der Strukturwandelmittel zu fördern. Aufgrund der besonderen Ausgestaltung der Strukturwandelmittel kann hier eine Förderquote im Optimalfall von bis zu 97.5 % angestrebt werden.

Mit diesem klaren Fahrplan und der breiten Unterstützung aus Wissenschaft, Wirtschaft, Verwaltung und Zivilgesellschaft entsteht die Grundlage, um das KRAFTWERK Aachen als neues Zentrum für technologieorientierte Gründungen zu etablieren. Das KRAFTWERK wird so zu einem Leuchtturmprojekt für die Region: Es steht für die Fähigkeit, Transformation nicht nur als wirtschaftliche, sondern auch als gesellschaftliche Aufgabe zu verstehen. Gleichzeitig wird es ein Ort, der die Innovationskraft und Kreativität bündelt und die Region nachhaltig stärkt. Damit wird das KRAFTWERK Aachen zu einem sichtbaren Zeichen für den Aufbruch im Rheinischen Revier – getragen von der Stadt Aachen und ihren Partnern, fest eingebettet in die Region und mit dem klaren Ziel, wirtschaftliche Stärke, gesellschaftliche Teilhabe und eine neue Gründerkultur gleichermaßen voranzutreiben.


Weiter Prozess und potenzieller Ablauf einer Umsetzung

Die Erarbeitung einer entsprechenden Projektskizze bietet die Grundlage, um den weiteren Prozess einer Projektförderung zeitnah anzustoßen. Für die Beantragung entsprechender Strukturwandelmittel muss zunächst der regionale Konsens im Rheinischen Revier über den Aufsichtsrat der ZRR bzw. die Grundlage für eine kriteriengesteuerte Einzelfallentscheidung eingeholt werden. Erst mit dieser regionalen Grundsatzentscheidung eröffnet sich die Möglichkeit, eine entsprechende Förderung zu beantragen.

Eine Projektskizze soll rasch konkretisiert werden, um mit den Förderstellen die grundsätzliche Förderfähigkeit aus Mitteln der Strukturhilfe zu klären. Vorausgesetzt, die Förderfähigkeit und -würdigkeit würde bestätigt, ist im Rahmen der Abstimmung auf Basis des vorgelegten Konzeptes zu klären, ob ein erster Teil des Gesamtprojektes (z.B. Projekt- und Ausführungsplanung, Eigentumsübergang oder Teilrückbau) noch im Rahmen der ersten Förderphase (Bewilligung bis Ende 2026) bewilligt und damit ab 2026 realisiert werden können. Vor einer ersten Bewilligung in 2026 ist dann mit dem Land zu klären, wie die Bewilligung der 2. Umsetzungsphase in der zweiten Förderperiode beantragt, eine Bewilligung abgesichert und eine Realisierung ab 2030 damit ermöglicht werden kann.

Vor dem Hintergrund der am 31.12.2026 endenden ersten Förderperiode ist ein sofortiger Beginn der Vorbereitungen notwendig. Nur bei einer rechtzeitigen Einreichung können Teilprojektvorhaben (Projekt- und Ausführungsplanung, Eigentumsübergang, Teilrückbau etc.) noch vor 2030 gefördert werden. Um diesen Prozess anzustoßen und entsprechend vorzubereiten muss daher nun entschieden werden, ob eine Skizze erarbeitet werden soll. Alle weiteren Details zum genauen Ablauf sowie zu jeweiligen festen Fristen sind im Laufe der Skizzenerstellung zu klären. Mit der Erstellung einer Projektskizze geht die Stadt Aachen keinerlei rechtliche Verpflichtungen ein.

Die Projektidee ist mit folgenden Partnern vorab ausgetauscht/abgestimmt/entwickelt worden:

  • StädteRegion Aachen
  • RWTH Aachen
  • FH Aachen
  • MHKBD.NRW
  • MWIKE.NRW
  • IHK Aachen
  • digitalHUB Aachen e.V.
  • AGIT mbH
  • Landescluster NMWP.NRW
  • Einzelne Anrainerkommunen
  • Gewerkschaften
  • GeWoGe AG
  • AC Immobilien GmbH

Um die dargelegte Projektidee vorzustellen, wird der Beigeordnete des Dezernats für Wohnen, Soziales und Wirtschaft die Vorlage mit einem mündlichen Vortrag ergänzen.

[1] Horváth AG 05. Mai 2022: Horváth-Studie zu Top-Kaderschmieden deutscher DAX-Vorstände

[2] IHK Aachen 2020: Studie 2020: Technologiegründungen und -unternehmen in der Wirtschaftsregion Aachen, Düren, Euskirchen & Heinsberg

[3] IHK Aachen 2020: Studie 2020: Technologiegründungen und -unternehmen in der Wirtschaftsregion Aachen, Düren, Euskirchen & Heinsberg

Auswirkungen

Finanzielle Auswirkungen:

JA

NEIN

Investive Auswirkungen

Ansatz

20xx

Fortgeschriebener Ansatz 20xx

Ansatz 20xx ff.

Fortgeschriebener Ansatz 20xx ff.

Gesamt­bedarf (alt)

Gesamt­bedarf (neu)

Einzahlungen

0

0

0

0

0

0

Auszahlungen

0

0

0

0

0

0

Ergebnis

0

0

0

0

0

0

+ Verbesserung /

- Verschlechterung

0

0

Deckung ist gegeben/ keine ausreichende Deckung vorhanden

Deckung ist gegeben/ keine ausreichende Deckung vorhanden

konsumtive Auswirkungen

Ansatz

20xx

Fortgeschriebener Ansatz 20xx

Ansatz 20xx ff.

Fortgeschriebener Ansatz 20xx ff.

Folge-kosten (alt)

Folge-kosten (neu)

Ertrag

0

0

0

0

0

0

Personal-/

Sachaufwand

0

0

0

0

0

0

Abschreibungen

0

0

0

0

0

0

Ergebnis

0

0

0

0

0

0

+ Verbesserung /

- Verschlechterung

0

0

Deckung ist gegeben/ keine ausreichende Deckung vorhanden

Deckung ist gegeben/ keine ausreichende Deckung vorhanden

Weitere Erläuterungen (bei Bedarf):

Für die Erarbeitung einer Projektskizze werden Mittel i.H.v. von 25.000 € für das restliche Jahr 2025 vorgesehen, welche für die Beauftragung von externen Dienstleistungen zur Begleitung und Beratung der Erarbeitung eingesetzt werden sollen. Eine Deckung ist aus dem bestehenden PSP-Element 4-150101-940-1 "H2-Pilotierung" vorgesehen.
Klimarelevanz:

Bedeutung der Maßnahme für den Klimaschutz/Bedeutung der Maßnahme für die

Klimafolgenanpassung (in den freien Feldern ankreuzen)

Zur Relevanz der Maßnahme für den Klimaschutz

Die Maßnahme hat folgende Relevanz:

keine

positiv

negativ

nicht eindeutig

Der Effekt auf die CO2-Emissionen ist:

gering

mittel

groß

nicht ermittelbar

Zur Relevanz der Maßnahme für die Klimafolgenanpassung

Die Maßnahme hat folgende Relevanz:

keine

positiv

negativ

nicht eindeutig

Größenordnung der Effekte

Wenn quantitative Auswirkungen ermittelbar sind, sind die Felder entsprechend anzukreuzen.

Die CO2-Einsparung durch die Maßnahme ist (bei positiven Maßnahmen):

gering

unter 80 t / Jahr (0,1% des jährl. Einsparziels)

mittel

80 t bis ca. 770 t / Jahr (0,1% bis 1% des jährl. Einsparziels)

groß

mehr als 770 t / Jahr (über 1% des jährl. Einsparziels)

Die Erhöhung der CO2-Emissionen durch die Maßnahme ist (bei negativen Maßnahmen):

gering

unter 80 t / Jahr (0,1% des jährl. Einsparziels)

mittel

80 bis ca. 770 t / Jahr (0,1% bis 1% des jährl. Einsparziels)

groß

mehr als 770 t / Jahr (über 1% des jährl. Einsparziels)

Eine Kompensation der zusätzlich entstehenden CO2-Emissionen erfolgt:

vollständig

überwiegend (50% - 99%)

teilweise (1% - 49 %)

nicht

nicht bekannt

Abstimmungsergebnis

Mehrheitlich, 20 Gegenstimmen
Technische Details

Hauptdokument

Sammeldokument öffentlich

2025-06-04 Dez VI_0013_WP18 Weiterentwicklung de SAO.pdf

30.6.2025

6.2 MB

Betroffene Straßen

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Metadaten

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Ö 9
Sitzung
Sitzung des Rates der Stadt Aachen - Bitte beachten Sie, dass der Ratssaal nach derzeitigem Stand nicht barrierefrei erreicht werden kann!
Gremium
Rat der Stadt Aachen
Datum
Mi., 09.07.2025
Uhrzeit
17:00
Anlass
Öffentliche/Nichtöffentliche Sitzung
Vorlage
Entscheidungsvorlage
Beratung
öffentlich
Status
gemischt
Vorlageart
Entscheidungsvorlage
Federführend
Dezernat VI
Geändert
8.2.2026
Inhalt abgerufen
8. Februar 2026 um 12:12

Beschlussdokument

Sammeldokument öffentlich

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