Aufruf des Rates der Stadt Aachen zur geplanten Schließung des Aachener Bombadier-Werks
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Ratsherr Baal, Vorsitzender der CDU-Fraktion, erklärt sich fassungslos über die Nachricht zur Schließung des Bombardier-Werkes, für die von Seiten der Geschäftsführung des Traditionsunternehmens bis zum heutigen Tage kein nachhaltiger Grund genannt worden sei. Zumindest seien Kapazitätsprobleme und wirtschaftlicher Verlust objektiv auszuschließen. Man könne nur mutmaßen, dass die Entscheidung nicht in Aachen selbst, sondern im Ausland getroffen worden sei. Für die Stadt selbst sei die Schließung eine Katastrophe. Betroffen seien 600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie deren Familien. Ebenfalls betroffen von der Schließung seien die Zulieferer von Bombardier. Das Unternehmen, bestehend seit immerhin 175 Jahren, habe stets eine starke Solidarität von der Stadt Aachen erfahren, nicht zuletzt deshalb, weil es enorm zu dem Ruf beigetragen habe, dass in Aachen im Industriebereich Qualität produziert werde. Dieses so etablierte Markenzeichen brenne man nun einfach aus. Ein solches Verhalten, insbesondere gegenüber den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, sei absolut nicht hinnehmbar.
Die Resolution, die von den Mitgliedern des Rates der Stadt zusammen verfasst worden sei, solle das Zeichen sein, dass diese Stadt eben nicht auf Talbot verzichten wolle und zu den Menschen stehe, die dortgerade um ihren Arbeitsplatz kämpfen. Es bleibe zu hoffen, dass dieser Kampf nicht vergeblich sei. Um das zu erreichen, setze man sich gemeinsam mit diesen Menschen überall für den Erhalt des Werkes ein.
Der Oberbürgermeister weist darauf hin, dass am morgigen Tag eine Versammlung vor dem Werkstor geplant sei, um gegen 11.30 Uhr die Entscheidung des Wirtschaftssausschusses zu vernehmen. Jedes Ratsmitglied sei eingeladen, an diesem Treffen teilzunehmen,
Ratsherr Müller, Vorsitzender der Fraktion Die Linke, dankt den Ratsmitgliedern fraktionsübergreifend für die schnelle und reibungslose klar formulierte Erklärung in Richtung Bombardier. Hier habe man an eine alte und gute Tradition angeknüpft, auch wenn die Chancen, hierdurch in den weiteren Verlauf eingreifen zu können, als gering einzuschätzen seien.
Die Schließung des Unternehmens sei nicht nur eine von Kälte geprägte Entscheidung, sondern leider vielmehr ein Beispiel für die derzeitige Entwicklung, in der auf die Mitarbeiter und deren Bedürfnisse immer weniger Rücksicht genommen werde. Entsprechend kalt müsse man auf solche und ähnliche Entscheidungen reagieren.
Bemerkenswert finde er die Zusage des Landes Nordrhein-Westfalen, sich für den Erhalt des Werkes einzusetzen. Ob dies allerdings auf den Muterkonzern in Kanada Eindruck zu schinden vermöge, wage er zu bezweifeln.
Die Firma Talbot sei ein gutes oder schlechtes Beispiel dafür, was passiere, wenn Unternehmen vor Ort durch Großunternehmenaus dem Ausland übernommen werden, so Ratsherr Höfken, Vorsitzender der SPD-Fraktion. Entscheidungen werden nicht mehr vor Ort und auch unabhängig von den örtlichen Gegebenheiten getroffen. Talbot habebereits mehrmals schmerzlich die Auswirkungen solcher Entscheidungen erfahren müssen.
Was die Schließung angehe, fühle man sich ohnmächtig. Als Rat der Stadt habe man lediglich die Möglichkeit, mit dieser Resolution zu zeigen, dass man sich an die Seite der Mitarbeiter stelle und bekunde, dass alle gemeinsam für den Erhalt des Werkes kämpfen. Was der Verlust industrieller Arbeitsplätze für die Stadt Aachen bedeute, habeRatsherr Baal schon ausgeführt. Es bleibe zu hoffen, dass man sich von Seiten des Unternehmens doch noch anders entscheiden werde, wahrscheinlich sei es jedoch nicht.
Ratsherr Schaffrath, FWG, schließt sich seinen Vorrednern an, bringt seine Unterstützung der Resolution zum Ausdruck und bittet darum, die FWG unter dem Resolutionstext mit zu erfassen.
Ratsherr Helg, Vorsitzender der FDP-Fraktion, schließt sich ebenfalls seinen Vorrednern an. Die Resolution zeige trotz der unterschiedlichen Aisrichtungen der Fraktionen wieder einmal, dass trotzdem all ihre Vertreter sowie auch alle parteigebundenen Vertreter dieses Rates im Stande seien, gemeinsame Signale nach außen zu setzen. Die Nachricht über die bis jetzt nicht begründete und auch nicht begründbaren Schließung des Werkes sei absolut schockierend gewesen. Es bleibe zu hoffen dass die Unternehmensleitung ihre getroffene Entscheidung nochmals überdenken werde.
Ratsherr Schnitzler, UWG, erklärt seine Unterstützung der Resolution und bittet ebenfalls, dort erfasst zu werden.
Ratsherr Bosseler erklärt stellvertretend, dass auch die Piraten die Resolution unterstützen, eine Rücknahme der Entscheidung allerdings zweifelhaft sei. Im Grunde geschehe hier derzeit das Gleiche wie bei der Schließung des Nokia-Werkes in Bochum.
Ratsherr Rau, Fraktion Die Grüne, erklärt, ihm gegenüber sei von Unternehmensangehörigen berichtet worden, dass die Entscheidung zur Schließung wohl nicht in Kanada, sondern auf deutscher Ebene beschlossen worden sei. Diese sei umso unverständlicher, betrachte man die derzeitige weltweite Entwicklung von Schienenfahrzeugen, die einen absoluten Boom erlebe. Sowohl an der RWTH als auch an der FH in Aachen werden viele Forschungsprojekte hierzu voran getrieben. Insofern gehe man mit der Schließung eher einen Schritt zurück.
Der Oberbürgermeister gibt abschließend den Hinweis, dass jederzeit die Möglichkeit bestehe, mit dem Betriebsrat des Unternehmens in Kontakt zu treten. Jedes Signal der Unterstützung sei sicherlich eine kleine Hilfe in dem Kampf, der bevorstehe.
Leider müsse er in diesem Zusammenhang die weitere Hiobsbotschaft verkünden, dass in Genk ein Ford-Produktionswerk, dessen Bestehen zunächst bis zum Jahr 2020 gesichert zu sein schien, nun doch im nächsten Jahr zur Schließung anstehe und insgesamt 5.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entlassen müsse. Er beabsichtige, am morgigen Tag eine im Namen der Stadt und des Rates verfasste Solidaritätsbekundung nach Genk zu übersenden.
Beschluss
Abstimmungsergebnis
Weitere Dokumente (1)
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Technische Details
ID: 54541
OParl URL:http://ratsinfo.aachen.de/public/oparl/agendaItems?id=54541
Grunddaten
- TOP
- Ö 28
- Sitzung
- öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Rates der Stadt Aachen
- Gremium
- Rat der Stadt Aachen
- Datum
- Mi., 24.10.2012
- Uhrzeit
- 17:00
- Anlass
- Öffentliche/Nichtöffentliche Sitzung
- Status
- gemischt