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Wirtschaftsplan 2017/2018 von Stadttheater und Musikdirektion Aachen

E 46/47/0045/WP17 · Empfehlungsvorlage (inaktiv)

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Beratungsergebnis:ungeändert beschlossen

Beratung

Ratsfrau Reuß, SPD, weist darauf hin, dassder Betriebsausschuss Theater/VHS hat in seiner Sitzung vom 4. Mai 2017 bei einer Gegenstimme die Empfehlung an den Rat ausgesprochen habe, den Wirtschaftsplan 2017/2018 von Theater und Musikdirektion festzustellen. In der Diskussion sei jedoch auch deutlich geworden, dass in den nächsten Monaten die weitere Finanzierung des Theaters in Angriff genommen werden müsse. Die Gespräche zu dieser Problemlösung seien bereits terminiert, und man werde an dem Problem weiter arbeiten. Dank gelte natürlich auch der Arbeit, die geleistet werde. Jeder habe gemerkt, dass das Theater nicht nur räumlich, sondern auch im Bewusstsein der Bürger in der Mitte der Stadt angekommen sei

Ratsherr von Hayn, Piraten,erklärt, dass er im Betriebsausschuss gegen die Vorlage gestimmt habe und nun zum dritten Mal hintereinander gegen einen Wirtschaftsplan des Theaters stimme. Der Grund sei, dass auch dieses Mal geplant sei, ein Defizit von 480.000 Euro zu erwirtschaften, das heißt, das Theater komme nicht mit dem im Haushalt bewilligten Zuschuss aus, und das auch zum dritten Mal hintereinander. Das Theater habe bereits im Jahre 2012 die Rücklagen aufgebraucht und damals einen Zuschuss von 3,7 Millionen bekommen. Voraussichtlich werde das nächstes Jahr wieder aufgebraucht, diese Millionen wären wieder weg. Normalerweise würde man hier bei einem anderen Betrieb von einer Misswirtschaft reden und sich überlegen, was man machen könne. Er gehe aber davon aus, dass die Theater-Ultras, die ihre Stadt fest in der Hand hätten, dem zustimmen werden und niemand zur Verantwortung gezogen werde. Dies Vorgehen in der wirtschaftlichen Art könnten die Piraten nicht mittragen. Damit wolle man aber nicht die inhaltliche Arbeit des Theaters kritisieren.

Ratsherr Pilgram, Grüne,betont, dass deswegen Gesprächsbedarf beim Theater bestehe, weil der städtische Zuschuss voraussichtlich in der übernächsten Spielzeit nicht mehr reichen werde, um das ja negative Betriebsergebnis des Theaters auszugleichen. Das sei auch kein neues Problem, sondern dies sei seit mindestens einem Jahr absehbar gewesen, wenn man sich mit der Materie befasse. Er habe schon mehrfach auch im Rat darauf hingewiesen. Es stecke aber keine Misswirtschaft dahinter. Das Theater wirtschafte so gut es kann unter den Bedingungen, die es habe. Was fehle,sei eigentlich ein klares Votum der Politik, wie es mit dem Theater umgehen wolle. Es gebe ein klares Votum der Kämmerin, die gesagt habe, dass Tariferhöhungen selber erwirtschaftet werden müssten. Das sei aberin der jetzigen Struktur einfach objektiv nicht möglich.Logischerweise blieben eigentlich zwei Alternativen übrig: Eine Veränderung der Struktur oder die Bereitschaft der Stadt,dem Theater das Geld zur Verfügung zu stellen, was es braucht, um auch vernünftig arbeiten zu können, was auch einen entsprechendenpolitischen Beschluss erfordere.

Ganz typisch für diese ungelöste Frage sei, dass diesmal nicht, wie sonst üblich, auch ein vorläufiger Wirtschaftsplan für die übernächste Spielzeit, also für 2018/2019 vorgelegt wird. Das weise deutlich darauf hin, dass zwischen Kämmerei, Stadtverwaltung und Theaterverwaltung offensichtlich kein Konsens hergestellt werden konnte. Es gebe jetzt eine erste Initiative, die im letzten Finanzausschuss vorgestellt wurde. Was jetzt eigentlich fehle, sei ein klares politisches Statement. Um das zu beschleunigen, habe die Grüne-Fraktion einen Antrag gestellt, dass man über die Finanzierung und die Struktur der Eigenbetriebe Kultur Strukturkommissionen oder eine Strukturkommission bilden solle. Vor einer Entscheidung und vor dieser Verantwortung könne und dürfe sich die Politik eigentlich nicht drücken. Dies müsse unmittelbar nach den Sommerferien passieren, auf jeden Fall noch in diesem Jahr.

Frau Grehling betont,dass man nicht nur mit den Überlegungen angefangen habe, sondern auch den Boden so dafür bereitet habe, dass man mit einem entsprechenden konsensualen Vorschlag zu den Haushaltsberatungen eintreten wolle. Diesbezüglich werde man auch die Sprecher der jeweiligen Fraktionen und Vertreter in den Ausschüssen noch mal zu einem Termin einladen. Man sei da also schon ein Schrittchen weiter.

Ratsfrau Plum, CDU,bedauert, dass Ratsherr Pilgram bei der letzten Sitzung des Finanzausschusses nicht anwesend war. Dort hättenKämmerei und Theaterverwaltung eine hervorragende Präsentation vorgestellt, die tatsächlich nur auf den nackten Zahlen beruhte. Im Finanzausschuss sei auch deutlich gesagt worden, dass es jetzt diese Arbeitsgruppe geben solle und dass man anhand von Zielvereinbarungen prüfen wolle, wie man das Theater auf vernünftige Füße stellen könne.Dies müsse aber ein Geben und ein Nehmen sein.

Ratsherr Deumens, Die Linke, bestätigt, dass in der letzten Sitzung des Finanzausschusses eine sehr gute aufgemachte Präsentation vorgestellt worden sei. Der müsse man aber nicht in allen Punkten zustimmen. Das Stadttheater Aachen sei, was die Erträgnisse und die Umsatzerlöse je Person betrifft, mit den Theatern in Bielefeld, Münster und Gelsenkirchen verglichen worden. Ob man diese Theater wirklich so in allem miteinander vergleichen könne, sei dahingestellt. Aber ein wesentliches Thema, seien die Verbesserungen der Erträgnisse, auch die Umsatzerlöse pro Person, die wohl in Aachen bei 12,54 € lägen. Zu den avisierten Gesprächensei es sinnvoll, die entsprechenden Sprecherinnen bzw. Sprecher des Betriebsausschusses Theater und VHS dazu zu nehmen.

Seine Fraktion habe sich immer dafür eingesetzt, dass die Theaterpreise so sind, dass sich auch Menschen mit kleinem Geldbeutel dieses Theater leisten können, und dies werde auch in Zukunft bei allen Diskussionen um das Thema ErträgnissePriorität haben. Die Besucherzahlen des Theaters seien sehr gut und im letzten Jahr sogar nochmals gestiegen.Das zeige, dass das Theater keine Misswirtschaft betreibe, sondern gute Arbeit. Und das sollte auch bei allen Überlegungen in der Zukunft berücksichtigt werden.

Ratsherr Mohr, Allianz für Aachen,verweist bezüglich des Wirtschaftsplans auf seine Ausführungen in einer der letzten Ratssitzungen. Die Ratsgruppe stehe voll und ganz hinter dem Theater Aachen, auch hinter den Orchestern, sie seien der Gralshüter unserer Kultur, und hätten deswegen auch jegliche Form der Unterstützung verdient. Das Problem an der ganzen Sache sei aber, dass die Kunstfreiheit in der Form genutzt worden sei, um auch die eine oder andere Establishment-kritische Note in den Aufführungen einzubauen. Mittlerweile würden allerdings die Theater und die Orchester eher instrumentalisiert, um eine gewisse kultur-marxistische, linksideologische Propaganda zu verbreiten. Und das sei leider auch eine Instrumentalisierung, die man bei den Aachener Institutionen beklagen müsse. Aus diesem Grund werde man heute dem vorgelegten Wirtschaftsplan nicht zustimmen, hoffe aber, dass irgendwann wieder ein politisch neutrales Programm gemacht werde.

Bürgermeisterin Dr. Schmeer, CDU,betont, dass es wieder an der Zeit sei, eine politische Debatte darüber zu führen, was uns das Theater, aber auch die anderen Kulturinstitutionen in der Stadt wert seien. Durch die Tarifsteigerungen gerieten diese Institutionen immer wieder ins Trudeln. Das Theatersei in besonderem Maße betroffen, weil die Theaterkosten zu 85 % aus Personalkosten bestünden. Dennoch sei offensichtlich wiederum eine Diskussion darüber an der Zeit, wie man Einnahmen verbessern kann, ohne in das Extrem zu fallen, die Eintrittspreise unbezahlbar zu machen. Man werde also wieder alles auf den Prüfstand stellen. Allein der tägliche Transport von Kulissen sei ein Kostenfaktor, den so eigentlich kein sonst vielleicht vergleichbares Theaterhaus habe. Wenn man an den Eintrittspreisen drehe, werde sich erweisen, ob das den Publikumszustrom mindere, dann würde sich die Katze in den Schwanz beißen. Aber man könne es probieren, auch um den Willen zu beweisen, das Stadtsäckel nicht über die Maßen zu beanspruchen.

Dennoch arbeiteten die Kulturinstitutionen bei uns in der Mitte der Gesellschaft, und nicht etwa links außen oder rechts außen, und seien ein ganz wichtiger Standortfaktor, den man unbedingt lebendig erhalten müsse. Sie hoffe da auch sehr auf die neue Landesregierung. Gerade die Theater in NRW seien chronisch unterfinanziert, und hoffentlich würde ihnen eine ähnliche Spielbereitschaft ermöglicht, wie das in anderen Bundesländern der Fall sei.

Beschluss

Der Rat der Stadt Aachen stellt mehrheitlich auf Empfehlung des Betriebsausschusses Theater und Volkshochschule den Wirtschaftsplan 2017/2018 fest.

Beschlussvorschlag

Beschlussvorschlag:

  1. Der Betriebsausschuss Theater und Volkshochschule empfiehlt dem Rat der Stadt Aachen den Wirtschaftsplan 2017/2018 von Stadttheater und Musikdirektion Aachen festzustellen.
  1. Der Finanzausschuss der Stadt Aachen nimmt den Wirtschaftsplan 2017/2018 von Stadttheater und Musikdirektion Aachen zur Kenntnis.
  1. Der Rat der Stadt Aachen stellt auf Empfehlung des Betriebsausschusses Theater und Volkshochschule den Wirtschaftsplan 2017/2018 fest.

Erläuterungen

Erläuterungen:

Vorbemerkungen

  • Der als Anlage beigefügteEntwurf des Wirtschaftsplans für die Spielzeit 2017/18 basiert grundsätzlich auf derfür das Wirtschaftsjahr 2016/17 erstellten Wirtschaftsplanung – jedoch weiterentwickeltum insbesondere die Erkenntnisse, die sich aus dem seitherigen Geschäftsverlauf ergeben haben.
  • Die Entwurfsunterlagen wurden FB 20/ Dezernat II entsprechend § 12 Betriebssatzung vorab zugeleitet. Eine vorherige Abstimmung zwischen Theater und FB 20 / Dezernat II bezüglich der Höhe des in der Wirtschaftsplanung des Theaters sowie der städtischen Haushaltsplanung berücksichtigten städtischen Betriebskostenzuschusses (BKZ) ist erfolgt.
  • Nach dem aktuellen Stand der Erkenntnisse wird die Allgemeine Rücklage (Stand laut Jahresabschluss per 31.07.2016: rund 659.000 €) das nach dem Entwurf 2017/18 ausgewiesene Plan-Defizit (vgl. hierzu weiter unten “Planergebnis nach städt. Zuschuss“) voraussichtlich vollumfänglich decken.

Wesentliche Eckpunkte des Erfolgsplans 2017/18 (im Vergleich zur vorläufigen Planung)

  • Erträge
    Im Vorläufigen Wirtschaftsplan 2017/18 wurde davon ausgegangen, dass bereits in der Spielzeit 2017/18 aufgrund eines neuen Vertriebskonzeptes Steigerung bei den Umsatzerlösen im Umfang von 100.000 € zu erwarten sind. Aufgrund verschiedener personeller Änderungen hat sich die Überarbeitung dieses Vertriebskonzeptes zeitlich verzögert, so dass sich die Umsetzung auf die Spielzeit 2018/19 verschieben wird. Andererseits ist beabsichtigt, die Umsatzerlöse durch Preiskorrekturen im Bereich der Konzertkarten sowie Straffung hausinterner Regelungen zur Ausgabe von Freikarten und Mitarbeiter- Abos zu erhöhen. Darüber hinaus wurde die in Aussicht gestellte Erhöhung der Landeszuweisung in einem ersten Schritt konservativ im Umfang von 50.000 € eingeplant. In der Summe ergibt sich bezüglich der Erträge daher keine Änderung.
  • Personalaufwand/ Städtischer Betriebskostenzuschuss:

Die Planung des Personalaufwands setzt auf die letzte bekannte Tarifsteigerung auf (Tarifabschluss 2016, Laufzeit 01.03.2016 – 28.02.2018). Die entsprechenden Erhöhungen sind in Abstimmung mit FB 20/ Dezernat II sowohl beim Personalaufwand als auch beim städtischen Betriebskostenzuschuss eingerechnet.

  • Plan-Ergebnis nach städt. Zuschuss:

Der VorläufigeWirtschaftsplan 2017/18 endetemiteinem Plan- Defizit von rund 479.000 € nach städtischem Zuschuss. Wesentlich ursächlich hierfür sind die tariflich bedingtenPersonalkostensteigerungen aus der Zeit vor 2016, die bislang nicht strukturell ausgeglichen werden konnten und somit letztlich zu einer sukzessiven „Abschmelzung“ der Allgemeinen Rücklage führen. Die Höhe des Betriebskostenzuschusses für das Wirtschaftsjahr 2017/18 wurde gem. Mitteilung des FB 20 vom 31.01.2017 geringfügig um 6.700 € auf 20.827.200 € korrigiert, so dass sich das Plan- Defizit auf rund 472.000 € reduziert. Nach dem aktuellen Stand der Erkenntnisse und Planungen wird dieses Plan- Defizit voraussichtlich noch vollumfänglich durch die dann voraussichtlich noch vorhandene allgemeine Rücklage gedeckt.

Vermögensplan 2017/18

  • Die geplanten Investitionsmaßnahmen sind streng am betrieblichen Bedarf orientiert und priorisiert. Zur Finanzierung sind - gemäß Finanzplan - keine Investitionszuschüsse geplant.

Finanzplan 2017/18

  • Der Bedarf an liquiden Mitteln ist – unter Einbeziehung des städtischen Zuschusses – im Rahmen des laufenden Geschäfts sicherzustellen.

Auswirkungen

Finanzielle Auswirkungen

Entf.

Abstimmungsergebnis

Zustimmung: 63Ablehnung: 6Enthaltung: 1

Weitere Dokumente (1)

Für einige Anlagen sind keine direkten Download-Links verfügbar (Einschränkung des Ratsinformationssystems). Der Link öffnet die Seite im Ratsinformationssystem – die Anlage ist dort in der Liste zu finden.

Technische Details

Hauptdokument

Sammeldokument öffentlich

2017-04-10 E 46_47_0045_WP17 Wirtschaftsplan 2017 SAO.pdf

17.11.2024

2.2 MB

Metadaten

TOP
Ö 10
Sitzung
öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Rates der Stadt Aachen
Gremium
Rat der Stadt Aachen
Datum
Mi., 14.06.2017
Uhrzeit
17:00
Anlass
Öffentliche/Nichtöffentliche Sitzung
Vorlage
Empfehlungsvorlage (inaktiv)
Beratung
öffentlich
Status
gemischt
Vorlageart
Empfehlungsvorlage (inaktiv)
Federführend
E 46/47 - Stadttheater und Musikdirektion
Geändert
19.2.2026
Inhalt abgerufen
19. Februar 2026 um 09:48