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Neuaufstellung des Integrationskonzeptes der Stadt Aachen

FB 56/0150/WP17 · Entscheidungsvorlage

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Beratungsergebnis:ungeändert beschlossen

Beratung

Ratsfrau Hüllenkremer bedankt sich im Namen der SPD-Fraktion für die Neuaufstellung des Integrationskonzeptes. Man habe einen sehr langen, intensiven Arbeitsprozess hinter sich gebracht.

Vor über einem Jahr habe man starke Kritik an der Aachener Haltung und der Theorielastigkeit geäußert, weshalb weitere Beratungen erforderlich gewesen seien. Dies habe hervorragende Ergebnisse gebracht. Die Handlungsfelder seien so konkret wie möglich dargestellt, so dass Maßnahmen dezidiert abgearbeitet werden können. Sie danke der Verwaltung und allen Beteiligten für die sehr gute Umsetzung und das hervorragende Integrationskonzept.

Auch die Fraktion Die Linke begrüße das Integrationskonzept außerordentlich, so Ratsherr Deumens, Vorsitzender der Fraktion Die Linke. Auch er wolle sich bei allen Beteiligten für die gute Arbeit und das hervorragende Ergebnis bedanken. Besonders wichtig sei die Tatsache, dass in diesem Integrationskonzept die Aachener Haltung vorangestellt worden sei, die insbesondere in dieser Zeit sehr wichtig sei. Leider sei auf Bundesebene derzeit nur noch sehr wenig von Willkommenskultur die Rede. Dass man mit dem Integrationskonzept und der Aachener Haltung ein deutliches Signal dagegen setze, sei ein absolut richtiger Schritt in die richtige Richtung.

Bürgermeisterin Scheidt, Fraktion Die Grüne, schließt sich ihren Vorrednern vollumfänglich an. Aachen wäre nicht so eine wundervolle vielfältige Stadt, wenn man nicht in dieser Intensität gemeinsam an dem Thema arbeiten würde. Hierfür wolle sie sich bei allen Kolleginnen und Kollegen bedanken. Im Vergleich zu anderen Städten sei man sehr gut aufgestellt, was auch daran abzulesen sei, dass die Verwaltungsmitarbeiter/innen regelmäßig zu Vorträgen und Workshops in andere Kommunen eingeladen würden.

Integration sei in Aachen kein Fremdwort, sondern werde wirklich gelebt, gemeinsam mit allen, die in die Stadt kommen, unabhängig davon, ob sie geflüchtet seien oder einwandern. In dieser Frage man untrennbar verbunden. Dies sei ein gutes Zeichen gegen alle, die von rechts gegen Integration vorgingen.

Die Allianz für Aachen sehe das Integrationskonzept als unzulänglich an, weshalb sie dem Beschlussvorschlag nicht folgen werde, so Ratsherr Mohr.

Zum einen beinhalte es die Verbesserung der Bildungsarbeit für Menschen mit einem angeblichen Flucht- und Migrationshintergrund. Fakt sei allerdings, dass sich eben diese Menschen lediglich temporär in Deutschland aufhielten und deshalb nicht integriert werden müssten. Deutschland sei massiv überbevölkertes Land. Insofern bedürfe es keiner Zuwanderung und keiner Integration von Menschen, die sich nur vorübergehend hier aufhielten.

Integration sei dort von Nöten, wo sich Menschen bereits in der dritten oder vierten Generation in Deutschland aufhielten. Allerdings greife das Integrationskonzept hier nicht. Vielmehr sei die Ausbildung von Parallelgesellschaften an der Tagesordnung. Dabei funktioniere die Integration deshalb nicht, weil die Gesellschaft die Bringschuld der zu Integrierenden mit der Holschuld der Mehrheitsgesellschaft verwechsle. Mit dem Integrationskonzept definiere man keinerlei Anforderung und forciere so die Integrationsverweigerung. Abschließend zitiert Ratsherr Mohr hierzu den seinerzeit für das Bundesverfassungsgericht vorgeschlagen Richter Udo Di Fabio.

Der vorangegangene Redebeitrag sei der Stadt Aachen in ihrer weltoffenen Tradition absolut unwürdig, so Ratsherr Servos, Vorsitzender der SPD-Fraktion. Er sei froh und dankbar, dass die große Mehrheit in diesem Rat der Stadt eine völlig andere Sicht auf die Gesellschaft habe und das Integrationskonzept annehmen werde.

Ratsherr Demmer, CDU-Fraktion, schließt sich seinem Vorredner an. Man habe durch sehr intensive Beratungen in diversen Ausschüssen einen bereits guten Entwurf nunmehr zu einem sehr guten machen können. Gerichtet an Ratsherrn Mohr müsse er feststellen, dass dieser an den entscheidenden Sitzungen hierzu, wahrscheinlich mangels Interesse an der eigentlichen Sacharbeit, nicht teilgenommen habe.

Ratsfrau Rhie, SPD-Fraktion, zeigt sich angesichts der Wortmeldung von Ratsherrn Mohr mehr als erschüttert, sei doch, wolle man seinen Ausführungen glauben, ihre Biografie eine absolute Lüge. Demnach hätte man in ihrem Elternhaus nur koreanisch gesprochen, gegessen und sogar eine koreanische Kirchengemeinde besucht. Ihre Deutschkenntnisse müssten demnach abgrundtief schlecht sein, sie wäre nicht integriert. Anscheinend müsse sie wohl oder übel heute Abend noch einmal tief in sich gehen und überlegen, wie es so weit habe kommen können. Oder er müsse vielleicht sein Weltbild überdenken, denn so einfach wie dargestellt, halte es sich mit der Integration nicht.

Ratsherr Mohr, Allianz für Aachen, weist den Vorwurf des Desinteresses an Sacharbeit entschieden zurück.

Beschluss

Der Rat der Stadt Aachen beschließt einstimmig das mit dieser Vorlage vorgelegte Integrationskonzept der Stadt Aachen und beauftragt die Verwaltung mit der Umsetzung.

Beschlussvorschlag

Beschlussvorschlag:

Der Ausschuss für Soziales, Integration und Demographie nimmt den Bericht der Verwaltung zur Kenntnis. Er empfiehlt dem Rat der Stadt Aachen das mit dieser Vorlage vorgelegte Integrationskonzept der Stadt Aachen zu beschließen.

Der Integrationsrat nimmt den Bericht der Verwaltung zur Kenntnis. Er empfiehlt dem Rat der Stadt Aachen das mit dieser Vorlage vorgelegte Integrationskonzept der Stadt Aachen zu beschließen.

Der Schulausschuss nimmt den Bericht der Verwaltung zur Kenntnis. Er empfiehlt dem Rat der Stadt Aachen das mit dieser Vorlage vorgelegte Integrationskonzept der Stadt Aachen zu beschließen.

Der Wohnungs- und Liegenschaftsausschuss nimmt den Bericht der Verwaltung zur Kenntnis. Er empfiehlt dem Rat der Stadt Aachen das mit dieser Vorlage vorgelegte Integrationskonzept der Stadt Aachen zu beschließen.

Der Kinder- und Jugendausschuss nimmt den Bericht der Verwaltung zur Kenntnis. Er empfiehlt dem Rat der Stadt Aachen das mit dieser Vorlage vorgelegte Integrationskonzept der Stadt Aachen zu beschließen.

Der Sportausschuss nimmt den Bericht der Verwaltung zur Kenntnis. Er empfiehlt dem Rat der Stadt Aachen das mit dieser Vorlage vorgelegte Integrationskonzept der Stadt Aachen zu beschließen.

Der Ausschuss für Arbeit, Wirtschaft, Wissenschaft nimmt den Bericht der Verwaltung zur Kenntnis. Er empfiehlt dem Rat der Stadt Aachen das mit dieser Vorlage vorgelegte Integrationskonzept der Stadt Aachen zu beschließen.

Der Rat der Stadt Aachen beschließt das mit dieser Vorlage vorgelegte Integrationskonzept der Stadt Aachen und beauftragt die Verwaltung mit der Umsetzung.


Erläuterungen

Erläuterungen:

Der mit dieser Vorlage vorgestellte Entwurf des neuen Integrationskonzeptes der Stadt Aachen wurde in den vergangenen drei Jahren in einem breit angelegten partizipativen Prozess erarbeitet. Das erste Integrationskonzept der Stadt Aachen stammt aus dem Jahr 2006 und orientierte sich an den zum damaligen Zeitpunkt als integrationsrelevant identifizierten Handlungsfeldern. Insbesondere die zwischenzeitlich erfolgten gesellschaftlichen und rechtlichen Veränderungen bedingten eine Neuaufstellung dieses Konzeptes. Zudem schreiben die Förderbestimmungen des Landes Nordrhein-Westfalen für die Einrichtung von Kommunalen Integrationszentren ein aktuelles Integrationskonzept vor, das vom Rat der Stadt verabschiedet ist.

Bei der Erarbeitung des vorliegenden Integrationskonzeptes wurde ein Paradigmenwechsel vollzogen. Während das alte Konzept unter dem Eindruck des gerade in Kraft getretenen neuen Zuwanderungsgesetzes und des SGB II, insbesondere unter dem Aspekt des „Förderns und Forderns“ entwickelt wurde, formuliert das neue Konzept Ideen aus dem Blickwinkel einer integrativen Stadtgesellschaft, in der Menschen aus ca. 150 Nationen und 19 Religionsgemeinschaften leben. Grundvoraussetzung für diese neue Perspektive ist das Einnehmen einer gemeinsamen Haltung als Grundlage der Integrationsarbeit. Diese „Aachener Haltung“ wird als Leitbild dem Integrationskonzept vorangestellt. Auf deren Grundlage wurde der partizipative Beteiligungsprozess durchgeführt.

In zwei aufeinander folgenden Verfahren wurde unter Beteiligung relevanter Dienststellen der Stadt Aachen und der StädteRegion, den Wohlfahrtsverbänden, Bildungseinrichtungen, Beratungsstellen, dem Jobcenter, den Kammern, Migrantenorganisationen sowie Vertreterinnen und Vertretern der politischen Parteien das vorliegende Konzept erarbeitet. In der ersten Phase wurde dabei eine theoretische Herangehensweise gewählt, die über die vier Themenfelder

-interkulturelle Öffnung

-Anerkennungskultur

-Zusammenleben im Quartier

-gesellschaftliches Engagement und Teilhabe

Ziele der Integrationsarbeit diskutiert und formuliert.

In der zweiten Phase standen praktische Umsetzungsaspekte im Vordergrund. Dabei wurden folgende neun kommunale Handlungsfelder identifiziert:

-Arbeit/Weiterbildung

-Sprache/Bildung

-Wohnen- und Sozialplanung

-Sport

-Gesundheit

-Kultur

-Religion

-Sicherheit/Rassismus/Extremismus

-Öffentlichkeitsarbeit/Presse.

Aufbauend auf den Ergebnissen des ersten Beteiligungsprozesses wurden im Austausch mit den Expert/innen der Handlungsfelder konkrete Maßnahmen entwickelt.

Der so entstandene Entwurf des Konzepts wurde abschließend am 15.02.2018 in einem interfraktionellen Gespräch mit Vertreterinnen und Vertretern der Fraktionen, der Wohlfahrtsverbände und der Migrantenorganisationen diskutiert. Die dort erarbeiteten Änderungswünsche wurden bereits im nun vorliegenden Konzept berücksichtigt.

Das neue Integrationskonzept der Stadt Aachen enthält fünf teilweise umfangreiche Kapitel. In der Einleitung wird ausführlich die Notwendigkeit eines neuen Integrationskonzeptes begründet. Kapitel zwei beinhaltet Statistiken und eine Bestandsaufnahme der Aachener Integrationsstruktur. In Kapitel drei werden die vier Themenfelder der Integrationsarbeit beschrieben. Die neun Handlungsfelder mit ihren in insgesamt zehn Fachgesprächen erarbeiteten Maßnahmen werden in Kapitel vier vorgestellt. Kapitel fünf erläutert den Prozess der Umsetzung.

Zur schnellen Orientierung ist dem Anhang des Konzepts eine tabellarische Maßnahmenübersicht beigefügt.


Auswirkungen

Finanzielle Auswirkungen:

Durch die Neuaufstellung des Integrationskonzeptes werden in den einzelnen Handlungsfeldern Zielsetzungen geschärft und neue festgelegt. In diesem Zusammenhang ergeben sich neue Handlungsempfehlungen für laufende Maßnahmen und bedarfsorientierte neue Maßnahmen. Es ergeben sich keine unmittelbaren finanziellen Auswirkungen. Integration ist ein fortlaufender Prozess. Zusätzliche Mittel für Sachausgaben in Höhe von 50.000 € wurden dem KI vom Land zur Verfügung gestellt. Sollte sich im Rahmen der Umsetzung einzelner Maßnahmen ein zusätzlicher finanzieller Bedarf ergeben, ist dieser jeweils in gesonderter Vorlage dem jeweiligen Fachausschuss und/oder dem Finanzausschuss/ dem Rat zur Entscheidung vorzulegen. Vorrangig sind mögliche Fördermittel zu beantragen. Für folgende Maßnahmen wird sich ggf. für die Haushaltsjahre 2019 ff. ein zusätzlicher dann haushalterisch zu deckender Bedarf ergeben:

Maßnahmen

Gegebenenfalls finanzielle Auswirkungen ab HH

2019

Bemerkung

Priorität

Planungs-

horizont

Beteiligte

1.

Handlungsfeld 1: Arbeit / Weiterbildung:

Sprache/Beratung, Qualifizierung, Koordinierung von Integrationsmaßnahmen (Interkulturelles Fallmanagement, Verstetigung des kommunalen Fallmanagements:

163.500 €hrlich

1,5 Stellen Fallmanagement

Zusätzlicher Personalbedarf

im FB 56 ab 2019

Antrag zur Fortführung der Clearingsstelle – Fallmanagement im AsylbLG an FB 11 am 13.02.2018 gestellt

hoch

kurzfristig

FB 56

2.

Handlungsfeld 3: Wohnen / Sozialplanung

Umsetzung des Konzeptes zum Quartiersmanagement und bedarfsgerechter Ausbau des Quartiersmanagements.

Zur Zeit noch nicht bezifferbar

Der Ausbau erfolgt derzeit durch eine neue Stelle Kronenberg / Kullen. Weitere Kosten ggf. durch Einrichtung weiterer Stellen (Einrichtung Stadtteilbüro) sind zurzeit nicht bezifferbar. Zu beantragen durch FB 56

hoch

kurzfristig

FB 56

3.

Handlungsfeld 4: Sport

Eigenes Budget für den Vereinssport und für offene Angebote, um die integrative Funktion der Sportvereine zu unterstützen

25.000€

FB Sport

20.000€ sind im Haushaltsjahr 2018 angesetzt. Verstetigung des Ansatzes in den Folgehaushaltsjahren und ggf. Erhöhung um weitere 5.000€

hoch

kurzfristig

FB 52

4.

Handlungsfeld 9: Öffentlichkeitsarbeit / Presse

Imagekampagne um das Zugehörigkeitsgefühl von zugewanderten Menschen im Sinne von „Aachen – das sind wir alle“ zu stärken

15.000,-

Aufwendungen sind als Projektmittel zu beantragen, gesonderte Vorlage

mittel

mittelfristig

FB 13,

FH Aachen,

KatHo

Weitere Dokumente (1)

Für einige Anlagen sind keine direkten Download-Links verfügbar (Einschränkung des Ratsinformationssystems). Der Link öffnet die Seite im Ratsinformationssystem – die Anlage ist dort in der Liste zu finden.

Technische Details

Hauptdokument

Sammeldokument öffentlich

2018-04-09 FB 56_0150_WP17 Neuaufstellung des I SAO.pdf

7.11.2024

4.1 MB

Metadaten

TOP
Ö 6
Sitzung
öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Rates der Stadt Aachen
Gremium
Rat der Stadt Aachen
Datum
Mi., 11.07.2018
Uhrzeit
17:00
Anlass
Öffentliche/Nichtöffentliche Sitzung
Vorlage
Entscheidungsvorlage
Beratung
öffentlich
Status
gemischt
Vorlageart
Entscheidungsvorlage
Federführend
FB 56 - Fachbereich Wohnen, Soziales und Integration
Geändert
19.2.2026
Inhalt abgerufen
18. Februar 2026 um 23:11