Seenotrettung;Gemeinsamer Ratsantrag Nr. 480/17 von PIRATEN-Fraktion und UWG vom 18.04.2019
FB 56/0294/WP17 · Kenntnisnahme
Beratung
Ratsherr Allemand, UWG, verwendet sich für Ausrufung eines sicheren Hafens als Symbol für Menschen, die auf der Flucht sind oder im Mittelmeer ertrinken sowie als Symbol für Mut und Unterstützung derjenigen, die die Seenotrettung unternehmen. Dies sei aber auch ein klares Zeichen einer bunten und offenen Gesellschaft gegen Hass, gegen Rassismus und gegen Anfeindungen von rechter Seite. Die Ausführungen der Verwaltung in der Vorlage hält er für bräsig und selbstgefällig.
Frau Bürgermeisterin Scheidt, Grüne, legt dar, dass die Seenotrettung eines der ältesten Gesetze der Welt ist. Dieses Recht werde im Mittelmeer jeden Tag gebrochen und die Retterinnen und Retter würden kriminalisiert. Dies sei der eigentliche Skandal. Dieser Skandal könne gelöst werden, wenn endlich Europa Einigkeit zeige. In Aachen könne auf eine lange Tradition der Hilfe zurückgeblickt werden. Über Jahrzehnte hinweg sei deutlich gemacht worden, dass Aachen eine offene Stadt ist und für diese Stadtpolitik stehen alle Demokraten und Demokraten im Rat. Sie geht sodann auf praktische Hilfestellungen von Verwaltung und Ehrenamtlern detailliert ein und erklärt, es sei nicht fair, wenn im Rat oder in den Ausschüssen die geleistete Hilfe bagatellisiert würde. Der Antrag greife zu kurz, weil er die Anstrengungen der Vergangenheit und die in Aachen aufgebaute Willkommenskultur nicht benennt. Sie regt an, hierüber in die Diskussion zu kommen, damit die Intention des Antrages nicht abgelehnt werde.
Ratsherr Teuku, Piraten, bemängelt die Vorlage, die zu wenig Aussagen zur Seenotrettung enthalte und beantragt einen Zusatz zum vorgelegten Antrag, wonach die Stadt Aachen sich dafür einsetze, dass der Deutsche Städtetag und der Städtetag NRW sich dem Bündnis „Seebrücke schafft sichere Häfen“ anschließe.
Ratsherr Baal, CDU, bedankt sich für die Ausführungen von Frau Bürgermeisterin Scheidt, die das Empfinden der Ratsmitglieder, aber auch der Stadtgesellschaft zum Ausdruck brachte, dass Menschen in Not auch Hilfe bekommen. Er bedauert, dass Vertreter der Seebrücke zumeist nach der Fragestunde die Ratssitzung wieder verließen. Es dürfe aber nicht darum gehen, Resolutionen einzusammeln. Er unterstütze das Anliegen des Antrages, bittet aber zudem zu respektieren und anzuerkennen, dass die Stadt Aachen und die Menschen in der Stadt in den letzten Jahrzehnten es immer wieder geschafft haben, viele Menschen hier aufzunehmen und zu integrieren.
Ratsherr Mohr, Allianz für Aachen, bezeichnet den Antrag der Piratenfraktion und der UWG als intolerant und totalitär, weil man sich moralisch über andere Länder überhöhe und deren Hafenpolitik und Aufnahmepolitik bestimmen wolle. Hier sei Zurückhaltung gefordert. Viele Überfahrten über das Mittelmeer würden gar nicht stattfinden, wenn sich nicht „Wassertaxis der NGOs“ zur Verfügung stellen würden, um Schlauchboote aufzunehmen und nach Europa zu bringen. Wenn man sage, dass solle so weiterlaufen, sei dies ein aktiver Beitrag zum Menschenhandel und zur Schlepperei. Es sei ein übles Geschäftsmodell. Dem könne nicht zugestimmt werden.
Ratsherr Deumens, Die Linke, spricht Respekt und Anerkennung für die in Aachen geleistete Arbeit von Verwaltung und Bürgerschaft aus und dankt dem Oberbürgermeister, sich im Rahmen des Deutschen Städtetages für humanitäre Lösungen einzusetzen. Er appelliert an den Rat, sich in der Frage nicht auseinanderdividieren zu lassen.
Nach weiteren Wortbeiträgen der Ratsmitglieder Allemand, Baal, Blum, Lux, Paul, Pütz, Rau, Scheidt, Servos und Teuku unterbricht der Oberbürgermeister die Sitzung, um die Möglichkeit zu einer kurzen Beratung der Ratsmitglieder untereinander zu geben. Nach der Wiedereröffnung der Sitzung verliest er sodann einen zwischen den Fraktionen abgestimmten Beschlussvorschlag, den er zur Abstimmung stellt.
Beschluss
Beschlussvorschlag
Beschlussvorschlag:
Der Rat der Stadt Aachen nimmt die Ausführungen der Verwaltung zur Kenntnis.
Der Ratsantrag Nr. 480/17 „Seenotrettung“von PIRATEN-Fraktion und UWG vom 18.04.2019 gilt als behandelt.
Erläuterungen
Erläuterungen:
Mit dem gemeinsamen Ratsantrag Nr. 480/17 „Seenotrettung“ der PIRATEN-Fraktion und der UWG vom 18.04.2019 wird die Verwaltung beauftragt, gegenüber der Bundesregierung die grundsätzliche Bereitschaft der Stadt Aachen zu erklären, geflüchtete Menschen, die sich an Bord von Schiffen im Mittelmeer befinden und denen das Anlaufen von Häfen verweigert wird, auch ohne das Vorhandensein einer Vereinbarung zur Verteilung von Flüchtlingen in Europa konkret in Aachen aufzunehmen.
Die Unterbringung, Versorgung und Betreuung geflüchteter Menschen erfolgt in der Stadt Aachen seit vielen Jahren mit breiter politischer Unterstützung. Das Vorhandensein eines städtischen Sozialdienstes, die Gewährung von Geld- anstelle von Sachleistungen, die Finanzierung angemieteten Wohnraums bei Vorliegen der Leistungsberechtigung nach § 2 des Asylbewerberleistungsgesetzes (AsylbLG) sind nur wenige Beispiele dafür. Unterstützt werden die Bemühungen der Verwaltung durch ein nach wie vor anhaltendes hohes ehrenamtliches Engagement, das insbesondere die Integration in die Gesellschaft fördert.
Insbesondere hinsichtlich der zusätzlichen Aufnahme von Flüchtlingen hat die Stadt Aachen in den vergangenen Jahren besonderes Engagement gezeigt. So hat der Rat der Stadt Aachen bereits im Jahr 2008 erstmalig seine Bereitschaft erklärt, im Rahmen eines Resettlementprogramms der Bundesregierung ein Kontingent von Flüchtlingen dauerhaft aufzunehmen und bestmöglich zu integrieren. Bis heute nimmt die Stadt Aachen Flüchtlinge aus entsprechenden Programmen auf. Gemeinsam mit der save-me-Kampagne von amnesty international und dem Katholikenrat unterstützte die Stadt Aachen die europäischen Share-Programme I und II von ICMC Europe zur europaweiten Vernetzung (zuletzt Ausrichtung der Cross-Border-Conference in Aachen am 28.09.2015). In der Zeit des hohen Flüchtlingsaufkommens in den Jahren 2015 und 2016 wurden in Aachen deutlich mehr Menschen aufgenommen, als die Verteilung es erfordert hätte, und auch heute erfolgen regelmäßig freiwillige Aufnahmezusagen (z. B. bei Umverteilungsanträgen ohne gesetzlichen Anspruch oder im Rahmen von Aufnahmeprogrammen mit humanitären Hintergrund).
Die freiwilligen Aufnahmen im Bereich der Asylantragsteller erfolgen dann, wenn eine Anrechnung auf die im Rahmen der sogenannten Verteilstatistik geltende Quote gegeben ist. Für die übrigen Aufnahmefälle werden Integrationspauschalen nach dem Teilhabe- und Integrationsgesetz NRW geltend gemacht. Dass die für die Aufnahme von Flüchtlingen anfallenden Kosten nicht vollständig durch Land oder Bund erstattet werden, ist bekannt; insoweit dürfen die mit einer freiwilligen Aufnahme zusätzlich einhergehenden finanziellen Auswirkungen nicht außer Acht bleiben.
In Abstimmung mit dem Städtetag NRW wird die Stadt Aachen die Aufnahme von Flüchtlingen auch zukünftig bestmöglich unterstützen. Dies gilt grundsätzlich auch für geflüchtete Menschen, die sich an Bord von Schiffen im Mittelmeer befinden und denen das Anlaufen von Häfen verweigert wird. Im Sinne einer geordneten Verteilung und Aufnahme mit dem Ziel, bestmögliche Integrationschancen zu gewährleisten, sollte dies jedoch nicht im Alleingang seitens der Stadt Aachen erfolgen, sondern im Konsens mit dem Städtetag NRW.
Auswirkungen
Finanzielle Auswirkungen
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Investive Auswirkungen | Ansatz 20xx | Fortgeschriebener Ansatz 20xx | Ansatz 20xx ff. | Fortgeschriebe-ner Ansatz 20xx ff. | Gesamtbedarf (alt) | Gesamtbedarf (neu) | ||||||||
Einzahlungen | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | ||||||||
Auszahlungen | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | ||||||||
Ergebnis | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | ||||||||
+ Verbesserung / - Verschlechterung | 0 | 0 | ||||||||||||
Deckung ist gegeben/ keine ausreichende Deckung vorhanden | Deckung ist gegeben/ keine ausreichende Deckung vorhanden | |||||||||||||
konsumtive Auswirkungen | Ansatz 20xx | Fortgeschriebener Ansatz 20xx | Ansatz 20xx ff. | Fortgeschriebe-ner Ansatz 20xx ff. | Folgekos-ten (alt) | Folgekos-ten (neu) | ||||||||
Ertrag | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | ||||||||
Personal-/ Sachaufwand | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | ||||||||
Abschreibungen | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | ||||||||
Ergebnis | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | ||||||||
+ Verbesserung / - Verschlechterung | 0 | 0 | ||||||||||||
Deckung ist gegeben/ keine ausreichende Deckung vorhanden | Deckung ist gegeben/ keine ausreichende Deckung vorhanden | |||||||||||||
Weitere Dokumente (1)
Für einige Anlagen sind keine direkten Download-Links verfügbar (Einschränkung des Ratsinformationssystems). Der Link öffnet die Seite im Ratsinformationssystem – die Anlage ist dort in der Liste zu finden.
Technische Details
ID: 94323
OParl URL:http://ratsinfo.aachen.de/public/oparl/agendaItems?id=94323
Hauptdokument
Sammeldokument öffentlich
2019-07-05 FB 56_0294_WP17 Seenotrettung_Gemein SAO.pdf
12.11.2024
901.8 KB
Metadaten
- TOP
- Ö 22
- Sitzung
- öffentliche/nichtöffentliche Sitzung des Rates der Stadt Aachen
- Gremium
- Rat der Stadt Aachen
- Datum
- Mi., 10.07.2019
- Uhrzeit
- 17:00
- Anlass
- Öffentliche/Nichtöffentliche Sitzung
- Vorlage
- Kenntnisnahme
- Beratung
- öffentlich
- Status
- gemischt
- Vorlageart
- Kenntnisnahme
- Federführend
- FB 56 - Fachbereich Wohnen, Soziales und Integration
- Geändert
- 18.2.2026
- Inhalt abgerufen
- 18. Februar 2026 um 11:11