Vorlage·FB 01/0621/WP18·10. Februar 2026

Abbau des Türelüre-Lißje-Brunnens; hier: Bürger*innenantrag nach § 24 GO NRW vom 19.09.2024

Inhalt

Beratungsfolge

Erläuterungen

KI-Zusammenfassung

Ein historischer Brunnen in der Aachener Innenstadt sorgt für Diskussionen. Soll er bleiben, umgestaltet oder abgebaut werden?

Automatisch generiert. Rechtsverbindlich ist ausschließlich die Originalvorlage.

Beschlussvorschlag

Das Bürgerforum nimmt die Ausführungen der Verwaltung zur Kenntnis und empfiehlt der Bezirksvertretung Aachen-Mitte, über den zukünftigen Umgang mit dem Türelüre-Lißje-Brunnen zu beraten. Es wird empfohlen, eine klar gekennzeichnete Kontextualisierung zur historischen und gesellschaftlichen Einordnung des Motivs vorzusehen.

Erläuterungen

Sachverhalt

Mit Schreiben vom 19.09.2024 beantragte eine Aachener Bürgerin den Abbau des Türelüre-Lißje-Brunnens an der Ecke Bendstraße/Klappergasse. Sie begründet dies mit der Auffassung, dass der Brunnen eine verharmlosende Darstellung von sexualisiertem Mobbing darstelle. Seit Errichtung des Brunnens im Jahr 1967 habe sich aber die Sichtweise auf diskriminierende und auch nur ansatzweise gewaltverherrlichende Darstellungen insbesondere zum Nachteil einer Minderheit geändert. Nach ihrer Einschätzung sei die Darstellung mit den Wertvorstellungen einer aufgeklärten und modernen Stadtgesellschaft nicht mehr vereinbar.

Der Brunnen wurde 1967 auf Initiative von Alois Stüttgen errichtet und vom Bildhauer Hubert Löneke gestaltet. Der Standort Klappergasse, an dem sich der Brunnen befindet, wird derzeit im Rahmen einer Neuplanung überarbeitet. Unter anderem ist die Errichtung eines Spielplatzes angedacht. Das Planungsteam hält einen Raum für die Skulptur oder eine Neuinterpretation in der Nähe des jetzigen Standorts vor.

Zur Klärung der Frage, ob der Brunnen erhalten, dauerhaft abgebaut oder umgestaltet werden soll, empfiehlt die Verwaltung, das Thema in der zuständigen Bezirksvertretung Aachen-Mitte zu beraten. Dabei sollen die unterschiedlichen Perspektiven aus den vorliegenden Stellungnahmen – insbesondere von Stadtplanung, Stadtarchiv, Kulturbetrieb (Kommission für Kunst im öffentlichen Raum) sowie der Gleichstellungsbeauftragten – einbezogen werden.

Die eingegangenen Bewertungen verdeutlichen, dass es sich um eine grundsätzliche Entscheidung über den künftigen Umgang mit dem Brunnen handelt.

Stellungnahmen

  1. Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Aachen

Die Gleichstellungsbeauftragte hebt hervor, dass der Brunnen eine Szene darstellt, in der drei Jungen ein hockendes Mädchen einkreisen, ihm den Ausweg versperren und dabei lachen, während das Mädchen mit heruntergezogenen Mundwinkeln verängstigt nach oben blickt. Diese Darstellung vermittle eindeutig ein Machtgefälle und sei nach heutigen Maßstäben als Mobbingsituation einzuordnen. Zwar handle es sich ursprünglich um die bildhauerische Umsetzung eines Aachener Kinderreims, doch habe sich die gesellschaftliche Bewertung inzwischen grundlegend verändert. Heute seien die gravierenden Folgen sozialer Ausgrenzung und Mobbing – von Angstzuständen bis hin zu Depressionen – bekannt. Ein Kunstwerk, das eine solche Demütigung abbildet, könne im öffentlichen Raum als problematisches Vorbild wirken. Öffentliche Räume müssten vielmehr ein respektvolles und inklusives Miteinander widerspiegeln. Ein Brunnen, der Machtmissbrauch und Erniedrigung darstellt, werde diesem Anspruch nicht mehr gerecht.

Die vollständige Stellungnahme der Gleichstellungsbeauftragten ist der Vorlage als Anhang beigefügt.

  1. Stadtplanerische Perspektive (Gutachten von Julia Rohrmanstorfer, Agentur KRAFT.RAUM Landschaftsarchitektur Düsseldorf)

Im Zusammenhang mit der geplanten Umgestaltung des Platzes arbeitet der Fachbereich 61 Stadtentwicklung und Stadtplanung mit den Landschaftsarchitekten des Planungsbüros KRAFT.RAUM zusammen. Die Beauftragung einer Agentur erfolgte, da es sich nicht allein um verkehrliche Fragen, sondern um eine umfassende städtebauliche Betrachtung handelt.

In seiner Expertise betont das Büro, dass die Gestaltung öffentlicher Räume stets auch die Verantwortung mit sich bringt, diskriminierende oder demütigende Darstellungen zu vermeiden. Öffentliche Orte sollten alle Menschen gleichermaßen respektieren und einladend wirken. Ein Brunnen, der Mobbing und Erniedrigung darstellt, vermittele hingegen ein Verhalten, das niemand selbst erfahren möchte, und stehe damit im Widerspruch zu den heutigen Werten von Diversität, Gleichberechtigung und Inklusion. Vor diesem Hintergrund empfiehlt das Gutachten, im Zuge der Neugestaltung des Areals ernsthaft Alternativen zu prüfen. Dies könne sowohl in einem vollständigen Ersatz durch ein neues, zeitgemäßes Kunstwerk liegen, als auch in einer künstlerischen Neuinterpretation der vorhandenen Figuren, in einem Erhalt mit kritischer Kontextualisierung oder in einer Kombination dieser Ansätze. Besonders hervorgehoben wird, dass eine partizipative Gestaltung die Möglichkeit böte, die kulturelle Tradition sichtbar zu machen und zugleich dem Anspruch einer respektvollen und gleichstellungsorientierten Stadtgesellschaft gerecht zu werden.

  1. Stellungnahme der Kommission „Kunst im öffentlichen Raum“

Der Bürger*innenantrag wurde von der Kommission „Kunst im öffentlichen Raum“ unter der Leitung des städtischen Kulturdezernenten ausführlich diskutiert. Die Kommission stellte die Mehrdeutigkeit des Kunstwerks heraus: Einerseits handelt es sich um ein Zeugnis lokaler Kulturgeschichte, eng verbunden mit einem Aachener Karnevalslied, das für viele Bürgerinnen und Bürger ein Stück Identität darstellt. Andererseits sind die dargestellten Szenen problematisch und nur schwer mit heutigen Wertvorstellungen vereinbar.

Die Kommission sprach sich gegen eine vollständige Neugestaltung oder Neuvergabe eines Kunstwerkes aus, unter anderem aus finanziellen Gründen. Stattdessen betonte sie die Sinnhaftigkeit einer Kommentierung des Denkmals. Erläuternde Tafeln oder digitale Angebote könnten sowohl die historische Einordnung als auch die kritische Auseinandersetzung mit dem Motiv ermöglichen. Zudem sollte die Anwohnerschaft in mögliche Überlegungen zu einer ergänzenden Gestaltung einbezogen werden. Insgesamt sah die Kommission in einer sorgfältigen Kommentierung einen tragfähigen Minimalkonsens.

Der Vermerk der Sitzung ist der Vorlage als Anhang beigefügt.

  1. Stellungnahme des Stadtarchivs

Der Leiter des Aachener Stadtarchivs hat eine umfassende historische Einordnung des Brunnens vorgenommen. Diese ist der Vorlage als Anhang beigefügt. Der Brunnen wurde 1967 auf Initiative von Alois Stüttgen errichtet und vom Bildhauer Hubert Löneke gestaltet. Finanziert wurde er durch Spenden der Aachener Bürgerschaft, die damals über 9.700 DM aufbrachte. Damit stellt der Brunnen ein Zeugnis bürgerschaftlichen Engagements der Nachkriegszeit dar.

Das Motiv bezieht sich auf ein im 19. Jahrhundert populäres Aachener Lied, das die Geschichte eines Mädchens erzählt, das von drei Jungen aufgehalten wird, bis es sich einnässt. Dieses Lied war über Generationen hinweg in der Stadt bekannt und galt als fester Bestandteil der lokalen Volkskultur, etwa im Karneval. Bei der Einweihung des Brunnens 1967 stand die Würdigung der Aachener Tradition und des Bürgersinns im Vordergrund; der problematische Kern der Geschichte wurde nicht thematisiert. Heute kann die Szene jedoch durchaus als Mobbingsituation wahrgenommen werden. Nach Ansicht des Stadtarchivs hängt die Bewertung stark von der Perspektive der Betrachtenden ab, sodass sich weder eindeutig feststellen lässt, ob es sich um sexualisiertes Mobbing oder um eine verharmloste Kinderszene handelt. Klar ist jedoch, dass sich die Sicht auf das Motiv im Laufe der Zeit gewandelt hat.

Das Stadtarchiv plädiert daher für eine Kontextualisierung. Der Brunnen könne als Ausgangspunkt für Diskussionen über gesellschaftliches Miteinander, Traditionspflege und den Wandel von Wertvorstellungen dienen. Ergänzende Informationstafeln oder digitale Angebote könnten ein tieferes Verständnis ermöglichen. Im Rahmen seines Projekts „Historische Stadtmarkierungen“ schlägt das Archiv vor, den Brunnen zu integrieren, um sowohl seine Funktion als Zeugnis der Stadtgeschichte zu würdigen als auch eine kritische Einordnung zu gewährleisten.

Einschätzung

Die Stellungnahmen machen deutlich, dass der Türelüre-Lißje-Brunnen sowohl ein lokalgeschichtliches Zeugnis als auch eine Darstellung ist, die nach heutigen Maßstäben kritisch bewertet werden muss. Ein gemeinsamer Minimalkonsens aller Fachstellen besteht darin, dass das Motiv in seiner heutigen Form nicht mehr unkommentiert im öffentlichen Raum stehen sollte. Ein unveränderter Erhalt ohne Einordnung wird daher übereinstimmend als nicht ausreichend angesehen. Zugleich wird der historische und kulturelle Bezug des Brunnens hervorgehoben und als erhaltenswerte Grundlage für eine zukünftige Auseinandersetzung mit dem Thema bewertet.

Vor diesem Hintergrund empfiehlt die Verwaltung, die möglichen Varianten – insbesondere eine Kontextualisierung, eine gestalterische Weiterentwicklung oder eine Einbindung in die anstehende Platzgestaltung – in der Bezirksvertretung Aachen-Mitte zu beraten und unter Einbeziehung der relevanten Fachstellen sowie der lokalen Öffentlichkeit eine tragfähige Entscheidung über den zukünftigen Umgang mit dem Brunnen zu entwickeln.

Auf diese Weise bleiben sowohl die historische Herkunft als auch die notwendige Auseinandersetzung mit dem Motiv sichtbar, ohne den problematischen Charakter der ursprünglichen Darstellung fortzuführen.

Auswirkungen

Finanzielle Auswirkungen:

JA

NEIN

x

Investive Auswirkungen

Ansatz

20xx

Fortgeschriebener Ansatz 20xx

Ansatz 20xx ff.

Fortgeschriebener Ansatz 20xx ff.

Gesamt­bedarf (alt)

Gesamt­bedarf (neu)

Einzahlungen

0

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Auszahlungen

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Ergebnis

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+ Verbesserung /

- Verschlechterung

0

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Deckung ist gegeben/ keine ausreichende Deckung vorhanden

Deckung ist gegeben/ keine ausreichende Deckung vorhanden

konsumtive Auswirkungen

Ansatz

20xx

Fortgeschriebener Ansatz 20xx

Ansatz 20xx ff.

Fortgeschriebener Ansatz 20xx ff.

Folge-kosten (alt)

Folge-kosten (neu)

Ertrag

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Personal-/

Sachaufwand

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Abschreibungen

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Ergebnis

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0

+ Verbesserung /

- Verschlechterung

0

0

Deckung ist gegeben/ keine ausreichende Deckung vorhanden

Deckung ist gegeben/ keine ausreichende Deckung vorhanden

Weitere Erläuterungen (bei Bedarf):

Keine


Klimarelevanz:

Bedeutung der Maßnahme für den Klimaschutz/Bedeutung der Maßnahme für die

Klimafolgenanpassung (in den freien Feldern ankreuzen)

Zur Relevanz der Maßnahme für den Klimaschutz

Die Maßnahme hat folgende Relevanz:

keine

positiv

negativ

nicht eindeutig

x

Der Effekt auf die CO2-Emissionen ist:

gering

mittel

groß

nicht ermittelbar

x

Zur Relevanz der Maßnahme für die Klimafolgenanpassung

Die Maßnahme hat folgende Relevanz:

keine

positiv

negativ

nicht eindeutig

x

Größenordnung der Effekte

Wenn quantitative Auswirkungen ermittelbar sind, sind die Felder entsprechend anzukreuzen.

Die CO2-Einsparung durch die Maßnahme ist (bei positiven Maßnahmen):

gering

unter 80 t / Jahr (0,1% des jährl. Einsparziels)

mittel

80 t bis ca. 770 t / Jahr (0,1% bis 1% des jährl. Einsparziels)

groß

mehr als 770 t / Jahr (über 1% des jährl. Einsparziels)

Die Erhöhung der CO2-Emissionen durch die Maßnahme ist (bei negativen Maßnahmen):

gering

unter 80 t / Jahr (0,1% des jährl. Einsparziels)

mittel

80 bis ca. 770 t / Jahr (0,1% bis 1% des jährl. Einsparziels)

groß

mehr als 770 t / Jahr (über 1% des jährl. Einsparziels)

Eine Kompensation der zusätzlich entstehenden CO2-Emissionen erfolgt:

vollständig

überwiegend (50% - 99%)

teilweise (1% - 49 %)

nicht

nicht bekannt

Betroffene Straßen

Straßen, die im Text dieser Vorlage erwähnt werden.

2 Straßen

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Dokument

Sammeldokument öffentlich2.6 MB
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Weitere Dokumente (5)

Projekt: Türelüre-Lißje-Brunnen

Zum Projekt

Die Stadt berät über den zukünftigen Umgang mit dem Türelüre-Lißje-Brunnen, der eine Darstellung von Mobbing zeigt und nach heutigen Maßstäben als problematisch gilt.

Automatisch generiert. Rechtsverbindlich ist ausschließlich die Originalvorlage.

KulturProblem erkannt10. Feb. 2026 – 15. Apr. 20262 Vorlagen

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Worum geht es?

Ein historischer Brunnen in der Aachener Innenstadt sorgt für Diskussionen. Soll er bleiben, umgestaltet oder abgebaut werden?

Projekt

Türelüre-Lißje-Brunnen

Auch: Brunnen Bendstraße/Klappergasse

Kategorien

KulturStadtentwicklung

Schlagworte

Kunst im öffentlichen RaumDenkmalpflegeGeschlechtergerechtigkeit

Betroffene Gruppen

Anwohner MitteKulturschaffendeBürger

Handlungstyp

Prüfauftrag

Verfahrensstand

Problem erkannt

Bezirk

Mitte

Modell: mistral-large-latest | Extrahiert: 28.2.2026

Automatisch generiert. Rechtsverbindlich ist ausschließlich die Originalvorlage.

Metadaten

Status
öffentlich (Vorlage für Öffentlichkeit freigegeben)
Vorlageart
Entscheidungsvorlage
Federführend
FB 01 - Fachbereich Verwaltungsleitung, Grundsatz und Dialog
Geändert
6.2.2026
Technische Details