Vorlage·FB 36/0061/WP19·9. September 2026

Forstwirtschaftsplan 2027 für den Stadtwald

Inhalt

Beratungsfolge

Erläuterungen

KI-Zusammenfassung

Der Stadtwald Aachen wird nachhaltig bewirtschaftet – mit Fokus auf Klimaresilienz, Biodiversität und Erholungsfunktion für die Bevölkerung.

Automatisch generiert. Rechtsverbindlich ist ausschließlich die Originalvorlage.

Erläuterungen

Die Kommune erstellt gemäß Landesforstgesetz NRW jährlich einen Forstwirtschaftsplan. Dieser gibt die aus dem zehnjährigen Betriebsplan (Forsteinrichtungswerk) abgeleiteten Einzelmaßnahmen zur Erreichung der forstbetrieblichen Ziele vor. Das Forsteinrichtungswerk lief zum 31.09.2025 aaus, wurde aber mit Zustimmung des Landesbetriebs Wald und Holz NRW verlängert. Die Ausschreibung des neuen Forsteinrichtungswerkes ist derzeit in Bearbeitung.

Die Waldbewirtschaftung des Aachener Waldes folgt den Vorgaben der Nachhaltigkeitsstrategie für den Kommunalwald der Stadt Aachen (Ratsbeschluss vom 23.08.2023). Diese Strategie wurde in einem Dialogprozess mit Vertretern aus dem Ausschuss für Umwelt und Klimaschutz, Umweltverbänden und Verwaltung (Dez. VII und FB36) erarbeitet. Zentrale Ziele sind die Sicherung der ökologischen Wertigkeit des Waldes, die Biodiversitätserhöhung, der Aufbau naturnaher Waldgesellschaften, die Sicherung des Waldes als Erholungsraum, die nachhaltige Bereitstellung von qualitativ hochwertigem Holz, die Erhaltung der Kaltluftproduktion, die Sicherung der Grundwasserneubildung, Regenwasserrückhaltung und CO2-Bindung im städtischen Wald. Im Kern geht es um Gemeinwohlleistungen.

Rückblick auf das Forstwirtschaftsjahr 2026

Die Wasserversorgung der Bäume beeinflusst deren Vitalität und die Entwicklung von Schadinsekten, insbesondere Borkenkäfern. Im Vergleich zum langjährigen Mittelwert (1991–2020) verzeichnet der Raum Aachen in den letzten zehn Monaten deutlich zu geringe Niederschläge (DWD). Insbesondere Juni und Juli 2026 waren extrem trocken und warm.
Glücklicherweise bleiben sichtbare Trockenheitsschäden bislang gering (Stand 10.08.2026); es zeichnen sich jedoch erste Ausfälle in den Kulturflächen ab. Auch die Entwicklung der Schadinsektenpopulation verläuft bislang moderat, sodass es derzeit (noch) keine nennenswerten Ausfälle gibt.

Soll-Ist-Vergleich

Die folgende Tabelle gibt Auskunft über die bisher erreichte Zielerfüllung der gesamtstädtischen Holzerntemaßnahmen für das Forstwirtschaftsjahr 2026. Die Ist-Werte beziehen sich auf den Stichtag 06.08.2026. Zugesetzt wurden die bis Ende September noch zu erwartenden Holzmengen, die sich derzeit in Bearbeitung befinden.

Holzbereitstellung
(inkl. Kalamitätsholz)

Einheit

Plan

Ist

Laubholz

Festmeter

778

155

Nadelholz

Festmeter

4.651

5.176

Beim Laubholz wurde speziell auf Holzerntemaßnahmen in der Buche verzichtet. Die Preise für Buchenstammholz waren und sind aus Sicht des Gemeindeforstamtes unbefriedigend. Die geplanten Maßnahmen sind jedoch nicht zeitkritisch; sie werden vorerst zurückgestellt.

Bei den Nadelbäumen wurden die geplanten Maßnahmen umgesetzt. Differenzen zwischen Plan und Ist sind u.a. auf Kalamitäten zurückzuführen.

Forstwirtschaftsplan 2027

a) Holzbereitstellung und Waldentwicklung

*)Alh = andere Laubbäume mit hoher Umtriebszeit (Esche, Bergahorn, Kirsche)
Aln = andere Laubbäume mit niedriger Umtriebszeit (Roteiche, Birke, Roterle, Eberesche, Robinie, Rosskastanie)

zu a) Der jährl.Hiebssatz beschreibt die nachhaltig nutzbare Holzmenge je Jahr, gegliedert nach Holzartengruppen

zu b) Der abgeglichene Hiebssatz umfasst sämtliche Mehr- oder Mindernutzungen der Vorjahre seit Inkrafttreten des Forsteinrichtungs-
werkes (01.10.2015) und entspricht theoretisch der nutzbaren Holzmenge bei nachhaltigem Vorgehen.

Wie eingangs beschrieben, sind die Planungsgrundlagen (Forsteinrichtung 2015) teilweise veraltet und befinden sich aktuell in der Ausschreibung. Speziell bei der Baumartengruppe Fichte/Douglasie hat die Stadt Aachen seither ganze Fichtenwälder durch Trockenheit und Borkenkäferbefall verloren. Der Hiebssatz von 4.959 Festmeter erscheint realistisch zu hoch. Die kommende Forsteinrichtung mit Stichtag 01.10.2027 wird detailliert Auskunft geben zu Vorrats- und Zuwachsverlusten.

In Nordrhein-Westfalen ist die Nachfrage nach Nadelstammholz hoch und wird im kommenden Quartal hoch bleiben. Entsprechend gut sind die zu erwartenden Erträge aus Holzverkauf. Der FB36/600 wird daher an der intensiven Nutzung von Nadelholz, vor allem Fichten, festhalten und zudem einen Schwerpunkt auf Baumarten mit rotem Kernholz (Lärche, Kiefer, Douglasie) legen. Kiefernholz erzielt tendenziell niedrigere Preise als Fichte profitiert aber momnetan vom guten Fichtenmarkt.

Anders als bei den Nadelbäumen können die Planungsdaten der alten Forsteinrichtung für die Laubbäume fortgeschrieben werden. Gemäß der Nachhaltigkeitsstrategie für den Kommunalwald der Stadt Aachen wurden die Laubwälder sehr zurückhaltend beplant (Summe: 564 Festmeter), mit dem Ziel, die Holzvorräte auf diesen Flächen anzureichern.

Die Holzernte wird sowohl von städtischen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen als auch von Forstdienstleistungs-unternehmen durchgeführt.

b) Kulturen, Wege- und Erholungsplanung

Im anstehenden Forstwirtschaftsjahr plant das Gemeindeforstamt 1.215 Bäumen zu pflanzen, deutlich weniger als 2026 (8.460 Stück). Der Schwerpunkt 2027 liegt auf der Pflege der Naturverjüngung im Rahmen von Jungwuchs- und Jungbestandspflege (siehe unten).

Bei den genannten Baum- und Straucharten handelt es sich um heimische Arten. Elsbeere, Mehlbeere, Speierling, Wildapfel, Wildbirne, Wildpflaume und Mispel sollen vorwiegend an Waldrändern die Artenvielfalt erhöhen.

Die Pflanzung wird ergänzt durch die Saat von Stieleiche, Hainbuche und Rotbuche auf insgesamt 1,0 Hektar, verteilt auf diverse Flächen im Forstbetriebsbezirk Grüne Eiche. Das Saatgut wird im eigenen Wald gewonnen. Pflanzung und Saat erfolgen in Eigenregie.

Kultursicherung /Verbissschutz/Waldschutz

Die Kultursicherung erfolgt über mehrere Jahre hinweg. Sie dient der erfolgreichen Entwicklung junger Waldbestände nach der Pflanzung bzw. nach Naturverjüngung sowie der Sicherung der Investitionen, die durch die Kulturbegründung entstanden sind. Ziel ist es, die jungen Pflanzen in der Anwuchs- und Entwicklungsphase zu unterstützen, ihre Konkurrenzkraft zu erhalten und langfristig stabile und qualitativ hochwertige Bestände zu schaffen.

Besondere Aufmerksamkeit gilt der Reduzierung der Konkurrenz durch Brombeere und Adlerfarn, die sich als Störungszeiger auf Kalamitätsflächen etabliert haben. Die Konkurrenzvegetation entzieht den jungen Bäumen vor allem Licht und beeinträchtigt so deren Wachstum. Im Winter besteht darüber hinaus die Gefahr, dass sich Schnee auf über mannshohe Brombeeren und Adlerfarn legt und die jungen Bäume zu Boden drückt.

Kultursicherungsmaßnahmen sind – analog zum Vorjahr - auf rund 19 Hektar geplant und werden in der Regel zweimal jährlich durchgeführt. Beteiligt sind städtisches Personal und Forstdienstleistungsunternehmen.

Der Schutz junger Waldbäume vor Verbiss (v.a. durch Rehwild) ist für die Entwicklung der Kulturen essentiell. Gerade in der Anwuchs- und Jugendphase sind die jungen Bäume durch Wildverbiss gefährdet, denn Knospen, Triebe und Leittriebe stellen eine bevorzugte Nahrungsquelle für die oben genannten Wildarten dar.

Durch wiederholten Verbiss können Wachstum und Formqualität der Bäume erheblich beeinträchtigt werden. Insbesondere der Verlust des Leittriebes kann zu Wuchsdeformationen, Mehrstämmigkeit oder einer verzögerten Entwicklung führen. Bei starkem Verbissdruck besteht zudem die Gefahr, dass einzelne Baumarten vollständig aus der Verjüngung verdrängt werden, wodurch die gewünschte Baumartenvielfalt und die Anpassungsfähigkeit zukünftiger Waldbestände eingeschränkt werden.

Bei der Auswahl und Durchführung der Schutzmaßnahmen sind der vorhandene Wildbestand, die Verbissbelastung, die Baumartenwahl sowie die örtlichen Standortbedingungen zu berücksichtigen.

Je nach Gegebenheiten können hierfür Einzelschutzmaßnahmen oder flächige Maßnahmen (Wildschutzgatter) ergriffen werden. In 2027 werden keine Wildschutzgatter gebaut; im Focus steht der Schutz der Terminalknospe mit Verbissschutzmitteln bzw. Schafwolle auf rund 15 Hektar. In Einzelfällen werden auch Wuchshüllen um Einzelbäume errichtet.

Für den Kauf von Pflanzgut sowie die Durchführung von Kultursicherungsmaßnahmen durch Forstdienstleistungsunternehmen sieht der Haushaltsplan für 2027 folgende Mittel vor:

Im Rahmen des Waldschutzes werden immer wieder Neophyten (invasive Arten) bekämpft. So soll die spätblühende Traubenkirsche (amerikanische Traubenkirsche) im Stadtwald durch Rückschnitt zurückgedrängt und die weitere Verbreitung gebremst werden. Zunehmend Sorgen bereitet im Stadtwald Kirchlorbeer, der sich zunächst über Vögel und anschließend vegetativ über Wurzelausläufer verbreitet

Jungbestandspflege

Die Jungbestandspflege ist ein zentraler Bestandteil der Waldbau-Praxis. In einer frühen Phase der Bestandsentwicklung wachsen die jungen Bäume zu einem dichten Bestand zusammen; es kommt zu Konkurrenz um Licht, Wasser und Nährstoffe. Bereits in dieser Phase können Fehlentwicklungen auftreten (z. B. Tendenz zur Fichtenmonokultur), die sich jedoch durch eine frühe Jungbestandspflege kostengünstig und zügig regulieren lässt. Die Maßnahmen erfolgen möglichst extensiv, um den natürlichen Waldentwicklungsprozessen und der Auslese Raum zu geben.

Bei dieser Aufgabe legt das Gemeindeforstamt großen Wert auf gut ausgebildetes Fachpersonal. Es kommen ausschließlich städtische Forstwirte zum Einsatz, die die Wuchsdynamik der Arten am konkreten Standort sowie die städtische Waldentwicklungsstrategie kennen und die Eingriffsstärke entsprechend dosieren können.

Die Jungbestandspflege soll – in sehr unterschiedlicher Intensität – auf ca. 16 Hektar erfolgen.

Wegeunterhaltung

Die Unterhaltung der Waldwege ist eine Daueraufgabe im Forstbetrieb. Waldwege dienen im Stadtwald primär der Erholung, darüber hinaus der Holzabfuhr, der Waldbrandvorsorge und der Personenrettung. Insgesamt befinden sich die Waldwege in einem guten Zustand. In Mitleidenschaft gezogene Bereiche werden stetig durch Anbaugeräte profiliert und zur Substanzerhaltung ggf. neu aufgeschottert. Zur Regulierung der Wasserführung sind gelegentlich auch leichte Baggerarbeiten erforderlich.

Typische Aufgaben für 2027 sind zudem die Wiederherstellung des Lichtraumprofils (bspw. für Holztransporter), das Mulchen der Wegebankette sowie die Pflege der Wegeseitengräben.

Betroffene Straßen

Straßen, die im Text dieser Vorlage erwähnt werden.

1 Straße

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Projekt: Forstwirtschaftsplan Stadtwald

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Die Stadt Aachen erstellt den jährlichen Forstwirtschaftsplan für den Stadtwald, der Maßnahmen zur nachhaltigen Bewirtschaftung und ökologischen Aufwertung des Waldes festlegt. Aufgrund von Personalengpässen wird die Erstellung eines neuen 10-jährigen Betriebsplans verschoben.

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Umwelt & NaturMaßnahme geplant9. Nov. 2016 – 9. Sept. 20263 Vorlagen

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Worum geht es?

Der Stadtwald Aachen wird nachhaltig bewirtschaftet – mit Fokus auf Klimaresilienz, Biodiversität und Erholungsfunktion für die Bevölkerung.

Projekt

Forstwirtschaftsplan Stadtwald

Strategien & Programme

Nachhaltigkeitsstrategie Kommunalwald

Kategorien

Umwelt & Natur

Schlagworte

WaldbewirtschaftungKlimaschutzBiodiversitätErholungsraum

Betroffene Gruppen

SpaziergängerNaturinteressierte

Handlungstyp

Regulierung

Verfahrensstand

Maßnahme geplant

Modell: mistral-large-latest | Extrahiert: 28.8.2026

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Metadaten

Status
öffentlich (Vorlage für Öffentlichkeit freigegeben)
Vorlageart
Kenntnisnahme
Federführend
FB 36 - Fachbereich Klima und Umwelt
Geändert
20.8.2026
Technische Details