Vorlage·FB 56/0089/WP19·24. September 2026

Sachstandsbericht: Ergebnisoffene Prüfung eines möglichen Drogenkonsumraums für die Stadt Aachen

Inhalt

Beratungsfolge

Entscheidung
1 Beratung

Erläuterungen

KI-Zusammenfassung

Soll Aachen einen Drogenkonsumraum einrichten? Eine Studie prüft, ob ein solches Angebot die Situation von Suchtkranken verbessern und den öffentlichen Raum entlasten könnte.

Automatisch generiert. Rechtsverbindlich ist ausschließlich die Originalvorlage.

Beschlussvorschlag

Der Ausschuss für Soziales und Demographie:

1. nimmt die Ergebnisse der vorliegenden Studie zur ergebnisoffenen Prüfung eines möglichen Drogenkonsumraums in Aachen zur Kenntnis;

2. befasst sich auf Grundlage der Studienergebnisse vertieft mit den fachlichen, sozialen, gesundheitlichen und stadtgesellschaftlichen Aspekten eines möglichen Drogenkonsumraums bzw. integrierten Suchthilfezentrums und berät über die daraus abzuleitenden weiteren Schritte;

3. beauftragt die Verwaltung, auf Grundlage der Studienergebnisse und der politischen Beratung die Voraussetzungen für einen möglichen Drogenkonsumraum bzw. eines integrierten Suchthilfezentrums in Aachen weiter zu prüfen und hierzu die für eine spätere Entscheidungsfindung erforderlichen fachlichen, finanziellen, organisatorischen und rechtlichen Rahmenbedingungen darzustellen. Hierbei sind insbesondere auch mögliche Standorte, deren jeweilige Rahmenbedingungen und die Auswirkungen einer entsprechenden Einrichtung auf das unmittelbare Umfeld zu betrachten;

4. beauftragt die Verwaltung, auf dieser Grundlage einen Grundsatz- bzw. Umsetzungsbeschluss vorzubereiten und dem Ausschuss für Soziales und Demographie zur weiteren Beratung und Beschlussfassung vorzulegen.

Erläuterungen

Die aktuelle Situation im öffentlichen Raum ist Teil des Integrierten Konzepts für Attraktivität und Sicherheit (IKAS), welches der Rat der Stadt Aachen am 09. Oktober 2024 beschlossen hat. Das Konzept reagiert auf die vielfältigen Herausforderungen, die sich im öffentlichen Raum zeigen und die sowohl ordnungs- und sicherheitspolitische als auch sozialpolitische Fragestellungen betreffen. Neben Maßnahmen zur Stärkung von Sicherheit und Ordnung bildet daher auch die Weiterentwicklung sozialer Ansätze einen wesentlichen Bestandteil des Gesamtkonzeptes.

Die Entwicklungen im öffentlichen Raum sind dabei durch unterschiedliche und teilweise miteinander verbundene Problemlagen geprägt. Hierzu zählen insbesondere Wohnungslosigkeit, Suchtmittelkonsum und -abhängigkeit, psychische und soziale Problemlagen sowie die damit verbundenen Auswirkungen auf das unmittelbare Umfeld und die Nutzung des öffentlichen Raums. Diese Entwicklungen stellen sowohl die betroffenen Menschen als auch die Stadtgesellschaft und die bestehenden Hilfesysteme vor besondere Herausforderungen. Gleichzeitig stellt sich die Frage, welche sozial- und gesundheitspolitischen Angebote geeignet sind, um den bestehenden Bedarfen angemessen zu begegnen und die Situation im öffentlichen Raum nachhaltig zu verbessern.

Ergebnisoffene Prüfung eines möglichen Drogenkonsumraums

Vor diesem Hintergrund wurde die Frage aufgegriffen, ob und unter welchen Voraussetzungen ein Drogenkonsumraum (DKR) für Aachen ein geeignetes sozial- und gesundheitspolitisches Instrument darstellen kann. Die Prüfung erfolgt ausdrücklich ergebnisoffen und beschränkt sich auf die Untersuchung der möglichen Gelingensbedingungen sowie eine Bedarfserhebung. Ziel ist es, eine objektive und fachlich fundierte Grundlage für die weitere kommunalpolitische Diskussion zu schaffen.

Aufgrund der fachlichen und gesellschaftlichen Komplexität der Fragestellung wurde hierzu eine wissenschaftliche Untersuchung durch ein Forschungsteam beauftragt. Im Mittelpunkt stehen dabei die Ermittlung des bestehenden Bedarfs sowie die Frage, unter welchen Rahmenbedingungen ein entsprechendes Angebot in Aachen grundsätzlich gelingen könnte.

In diesem Zusammenhang wurde ein interdisziplinäres Forschungsteam bestehend aus Prof. Dr. Daniel Deimel, Prof. Dr. Thorsten Köhler und Prof. Dr. Diana Mösgen beauftragt.

Prof. Dr. Daniel Deimel ist Sozialarbeiter, Gesundheitswissenschaftler und Suchtforscher sowie Professor für Gesundheitsförderung und Prävention an der Fakultät Sozialwissenschaften der Technischen Hochschule Nürnberg.

Prof. Dr. Thorsten Köhler ist Professor für Sozialwissenschaften an der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen (KatHO), Abteilung Köln, im Fachbereich Sozialwesen.

Prof. Dr. Diana Mösgen ist Professorin für Sozial- und Klinische Psychologie an der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen (KatHO), Abteilung Aachen, im Fachbereich Sozialwesen.

Ergebniszusammenfassung der Studie:

Ausgangslage und Zielsetzung

Die offene Drogenszene in Aachen hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verschärft und sich neben dem Kaiserplatz auf weitere Bereiche, insbesondere den Bushof und den Hauptbahnhof, ausgeweitet. Als wesentlicher Faktor wird die zunehmende Verbreitung von Crack genannt. Damit verbunden sind eine zunehmende gesundheitliche und soziale Verelendung, eine stärkere Sichtbarkeit des Drogenkonsums im öffentlichen Raum sowie steigende drogenbedingte Todesfälle. Diese erhöhten sich in Aachen von zwei Fällen im Jahr 2020 auf 20 Fälle im Jahr 2025.

Vor diesem Hintergrund wurde untersucht, ob ein Bedarf für einen Drogenkonsumraum bzw. ein integriertes Suchthilfezentrum besteht und unter welchen Bedingungen ein entsprechendes Angebot erfolgreich betrieben werden könnte. Aachen verfügte bereits von 2002 bis 2011 über einen Drogenkonsumraum am Kaiserplatz, dessen Nutzung aufgrund konzeptioneller, räumlicher und finanzieller Einschränkungen deutlich zurückging und der 2011 geschlossen wurde.

Zentrale Ergebnisse

Die Untersuchung zeigt einen deutlichen fachlichen Handlungsbedarf. Am Kaiserplatz und Bushof halten sich über den Tag verteilt schätzungsweise 200 bis 250 Personen auf; gleichzeitig konsumieren dort zu Spitzenzeiten etwa 40 bis 50 Menschen. Die gesundheitliche und soziale Situation der Betroffenen wird von den befragten Fachkräften als äußerst belastet beschrieben. Neben Infektionserkrankungen und psychischen Erkrankungen werden insbesondere die Folgen des Crack-Konsums und eine hohe Zahl wohnungs- bzw. obdachloser Menschen hervorgehoben.

Auch aus Sicht der Betroffenen besteht ein hoher Bedarf: Rund zwei Drittel der 123 Befragten gaben an, einen Drogenkonsumraum sicher nutzen zu wollen. Als wichtigste Vorteile werden ein sichererer Konsum, der Schutz vor Überdosierungen und Infektionen sowie der Zugang zu Sozialarbeit und weiteren Hilfen genannt. Besonders relevant sind Angebote für den inhalativen Konsum.

Die Erfahrungen mit dem früheren Drogenkonsumraum zeigen zugleich, dass ein zukünftiges Angebot ausreichend groß, niedrigschwellig, dauerhaft finanziert und auf die aktuellen Konsumformen ausgerichtet sein muss. Eine zu geringe Kapazität, kurze Öffnungszeiten oder hohe Zugangshürden würden die Wirksamkeit erheblich einschränken.

Gelingensbedingungen

Als zentrale Voraussetzungen werden insbesondere genannt:

  • Standort: unmittelbare Nähe zur bestehenden Szene im Bereich Kaiserplatz/Bushof;
  • Dimensionierung: ausreichende Kapazitäten, insbesondere für inhalativen Konsum, sowie Aufenthalts- und Rückzugsmöglichkeiten;
  • Niedrigschwelligkeit: möglichst geringe Zugangshürden und bedarfsgerechte Öffnungszeiten;
  • integriertes Angebot: Verknüpfung des Drogenkonsumraums mit medizinischer Versorgung, Sozialberatung, sozialpsychiatrischen Angeboten, Substitution, Drug-Checking und Wohnraumvermittlung;
  • Kooperation und Beteiligung: enge Abstimmung mit Polizei, Ordnungs- und Gesundheitsbehörden sowie frühzeitige und transparente Einbindung von Anwohnenden und Gewerbetreibenden;
  • nachhaltige Finanzierung und Monitoring: dauerhafte Absicherung sowie wissenschaftliche Begleitung und kontinuierliche Weiterentwicklung.

Ergänzend werden Maßnahmen zur Reduzierung von Obdachlosigkeit, insbesondere Housing-First- und konsumtolerierende Wohnangebote, sowie niedrigschwellige Teilhabe- und Beschäftigungsangebote empfohlen.

Einordnung und weiteres Vorgehen

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass ein Drogenkonsumraum insbesondere als Bestandteil eines integrierten Suchthilfezentrums einen wichtigen Beitrag zur gesundheitlichen Stabilisierung der Betroffenen, zur Anbindung an das Hilfesystem und zur Entlastung des öffentlichen Raums leisten kann. Ein solches Angebot kann die mit dem Kaiserplatz verbundenen Probleme jedoch nicht allein lösen, sondern ist als Bestandteil einer umfassenden Strategie aus Suchthilfe, Gesundheitsversorgung, Wohnraumversorgung und Ordnungspolitik zu verstehen.

Die Autor*innen empfehlen, auf Grundlage der Untersuchung einen politischen Grundsatzbeschluss zur Machbarkeit eines Suchthilfezentrums zu fassen und die Verwaltung mit der Erarbeitung eines konkreten Standort- und Betriebskonzepts unter Berücksichtigung der genannten Gelingensbedingungen zu beauftragen.

Das beauftragte Forschungsteam wird die Ergebnisse der Untersuchung in der Sitzung des Ausschusses für Soziales und Demographie vorstellen und die wesentlichen Erkenntnisse sowie die daraus abgeleiteten fachlichen Einschätzungen erläutern.

Auswirkungen

Finanzielle Auswirkungen:

JA

NEIN

x

Investive Auswirkungen

Ansatz

20xx

Fortgeschriebener Ansatz 20xx

Ansatz 20xx ff.

Fortgeschriebener Ansatz 20xx ff.

Gesamt­bedarf (alt)

Gesamt­bedarf (neu)

Einzahlungen

0

0

0

0

0

0

Auszahlungen

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0

0

0

0

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Ergebnis

0

0

0

0

0

0

+ Verbesserung /

- Verschlechterung

0

0

Deckung ist gegeben/ keine ausreichende Deckung vorhanden

Deckung ist gegeben/ keine ausreichende Deckung vorhanden

konsumtive Auswirkungen

Ansatz

20xx

Fortgeschriebener Ansatz 20xx

Ansatz 20xx ff.

Fortgeschriebener Ansatz 20xx ff.

Folge-kosten (alt)

Folge-kosten (neu)

Ertrag

0

0

0

0

0

0

Personal-/

Sachaufwand

0

0

0

0

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Abschreibungen

0

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Ergebnis

0

0

0

0

0

0

+ Verbesserung /

- Verschlechterung

0

0

Deckung ist gegeben/ keine ausreichende Deckung vorhanden

Deckung ist gegeben/ keine ausreichende Deckung vorhanden

Weitere Erläuterungen (bei Bedarf):

Keine


Klimarelevanz:

Bedeutung der Maßnahme für den Klimaschutz/Bedeutung der Maßnahme für die

Klimafolgenanpassung (in den freien Feldern ankreuzen)

Zur Relevanz der Maßnahme für den Klimaschutz

Die Maßnahme hat folgende Relevanz:

keine

positiv

negativ

nicht eindeutig

x

Der Effekt auf die CO2-Emissionen ist:

gering

mittel

groß

nicht ermittelbar

x

Zur Relevanz der Maßnahme für die Klimafolgenanpassung

Die Maßnahme hat folgende Relevanz:

keine

positiv

negativ

nicht eindeutig

x

Größenordnung der Effekte

Wenn quantitative Auswirkungen ermittelbar sind, sind die Felder entsprechend anzukreuzen.

Die CO2-Einsparung durch die Maßnahme ist (bei positiven Maßnahmen):

gering

unter 80 t / Jahr (0,1% des jährl. Einsparziels)

mittel

80 t bis ca. 770 t / Jahr (0,1% bis 1% des jährl. Einsparziels)

groß

mehr als 770 t / Jahr (über 1% des jährl. Einsparziels)

Die Erhöhung der CO2-Emissionen durch die Maßnahme ist (bei negativen Maßnahmen):

gering

unter 80 t / Jahr (0,1% des jährl. Einsparziels)

mittel

80 bis ca. 770 t / Jahr (0,1% bis 1% des jährl. Einsparziels)

groß

mehr als 770 t / Jahr (über 1% des jährl. Einsparziels)

Eine Kompensation der zusätzlich entstehenden CO2-Emissionen erfolgt:

vollständig

überwiegend (50% - 99%)

teilweise (1% - 49 %)

nicht

nicht bekannt

Betroffene Straßen

Straßen, die im Text dieser Vorlage erwähnt werden.

1 Straße

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Dokument

Sammeldokument öffentlich12.0 MB
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Projekt: Drogenkonsumraum Aachen

Zum Projekt
Soziales & IntegrationProblem erkannt18. Juni 2026 – 24. Sept. 20262 Vorlagen

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Worum geht es?

Soll Aachen einen Drogenkonsumraum einrichten? Eine Studie prüft, ob ein solches Angebot die Situation von Suchtkranken verbessern und den öffentlichen Raum entlasten könnte.

Projekt

Drogenkonsumraum Aachen

Auch: DKR Aachen, Suchthilfezentrum Aachen

Strategien & Programme

Integriertes Konzept für Attraktivität und Sicherheit (IKAS)

Kategorien

Soziales & IntegrationGesundheit

Schlagworte

DrogenpolitikSuchtpräventionGesundheitsversorgungWohnungslosigkeitÖffentlicher Raum

Betroffene Gruppen

SuchtkrankeObdachloseAnwohner InnenstadtGewerbetreibende

Handlungstyp

Prüfauftrag

Verfahrensstand

Problem erkannt

Bezirk

Mitte

Modell: mistral-large-latest | Extrahiert: 21.9.2026

Automatisch generiert. Rechtsverbindlich ist ausschließlich die Originalvorlage.

Metadaten

Status
öffentlich (Vorlage für Öffentlichkeit freigegeben)
Vorlageart
Entscheidungsvorlage
Federführend
FB 56 - Fachbereich Wohnen, Soziales und Integration
Geändert
20.9.2026
Technische Details